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Der Israelit · 1921-12-15 · Heft 50 (15.12.1921) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
62 (1921)
Issue
Heft 50 (15.12.1921)
Date
1921-12-15
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seile 6 IIr. 50 Vertretern allerpolntschenGemeinden in Warschau. So sehr nnter den heutigen Umständen eine gemeinsame Aktion der jüdischen Gemeinden vonnöten wäre, so ist doch dieser Versuch mehr als verdächtig. Es muß schon stutzig machen, daß die Zionistische Organisation ganz auf eigene Faust, ohne sich mit anderen Kreisen ins Einvernehmen zu setzen, die Einberufung übernimmt, und es ist keine Frage, daß diese Eigenmächtigkeit von programmatischer Bedeutung ist. Es ist der Wunsch der zionistischen Partei in Polen, die Kehilla ihres religiösen Charakters zu berauben und sie auf rein nationale Basis zu stellen. Da eine Einwilligung der Orthodoxie zu einem solchen Attentat auf die Tradition der jüdischen Gemeinden nicht zu erwarten war, ging man eben allein an die Arbeit. Man darf sich nicht wundern, daß die Agudas „Echlome Ewune Jisroel" eine Warnung an die Gemeinden erlaßt, in die zionistische Falle nicht zu gehen und sich nicht durch Entsendung von Delegierten an die Beschlüsse der Konferenz zu binden. Tie wichtigsten Fragen des Kehtlla- Lebens, die rechtliche Lage der jüdischen Gemeinschaft wie die innerliche Ordnung der Gemeinden betreffend, werden von der orthodoxen Ocganisation zum Gegenstände ernstlicher und sachlicher Beratungen gemacht, sodaß sich eine Neuordnung von anderer Seite vollkommen erübrigt. * * * Am 6. Dezember wurde die geplante Kon» serenz eröffnet, aber lediglich als „Konteren zionistischer Gemeindevrrtreter." Etwa 40 Dele-o gierte sind anwesend. Den Vorsitz führen die zionistischen Trputierlrv Hartg las und Grün bäum und Frau Korngrün. In der Abend sitzung koumen noch hinzu: Farbstetn, Pod Ltschewskt und Weinzieher. Es kommen Fragen des jüdischen Gemeinderechtes zur Sprache. Grünbaum verteidigt die Taktik der Etnberufer, die auf jedes vorherige Einvernehmen mit anderen Parteien verzichtet haben. Die konteren? 9er 6eme!n8en in Polen. KraLarr, 8. Dezember. Wie verlautet, sprach sich die Gemeindeverwaltung in Krakau gegen die von zionistischer Seite einberufene Konferenz der Gemeinden in Warschau aus. In dem Absageschretben an die Einberufer wird die Ablehnung wie folgt begründet: „Die Einladung geht nur von einer Partei aus, ohne Einvernehmen mit den anderen Parteien und den Abgeordneten der Gemeinden, die die polnische Judenheit vertreten. Eine solcherart geplante Konferenz kann nicht zustande kommen, ohne vorhergehende Beratung aller maßgebenden Faktoren. Zudem wüßte von einer solchen Konferenz ein Zwist unter den verschieden gearteten Gemeinden erwartet werden, der in diesem Augenblick, da die polnische Judenheit geeint zu den Landtagswahlen Stellung nehmen soll, sehr unwillkommen erscheinen muß. Me Reife 9es Cjorlhnmer Rebbe. Lemberg, 5. Dezember. In der galiztschen Welt herrscht freudige Stimmung. Der Czortkower Rebbe, der in den Kriegsjahren tn Wien lebte, unternahm eine Besuchsretse durch die güizische Heimat. Schon an der polnischen Grenze wurde er von großen Scharen seiner Verehrer mit großen Ovationen empfangen. Auf den Bahnhöfen von Krakau, P ry zins l und Lemberg sammelten sich Tausende von Menschen an, um den durct fahrenden Rabbi zu begrüßen. Nach kurzem Aufenthalt in Lemberg, wo er viele Delegationen u. a. auch eine solche der Agudas Jisroel empfangen hatte, fuhr er weiter nach Czortkow und Sadagora, um die Gräber seiner großen Väter zu besuchen. Allen Institutionen und Vereinen gab er seinen Rat und seinen Segen und die Vertreter der Aguda beauftragte er, in seinem Namen einen Ausru f über die Notwendigkeit des Zusammenschlusses aller Gesetzestreuen in dem Weltvermt bande der „Agudas Jisroel" zu erlaffen. (Stehe Aguda-Blä.ter.) Natästina. Verurteilung ittBifther Selbflaieftrleufe. getuffitem, 7. Dez. Vor dem Richter standen drei Juden namens Jakob Jsai, Aron Ntkwa und Eliahu Ganun, die beschuldigt wurden, bei den letzten Ausschreitungen am 2. November Bomben geworfen zu baben. Alle drei bestreiten, in der geschilderten Weise die Tat begangen zu haben. Die Zeugen, zumeist arabische Polizisten, sagen aber unter ihrem Eide aus, daß sie in den Angeklagten die Bombenwerfer genau wieder erkennen. Die Aussagen der Entlastungszeugen werden vom Gerichte als ungenügend erachtet und alle drei Juden als schuldig befunden. Es werden ihnen auch keine mildernden Umstände zugebilligt, da das Gericht sich der Meinung der Verteidiger, die Angeklagten hätten, auch wenn ihre Handlung bewiesen wäre, tn der N o t w e h r gehandelt, nicht anschlteßt. Jakob Jsai wurde zu elf Jahren und Aron Ganun zu zehn Jahren Zwangsarbeit, Eliabu N kwa mit Rücksicht auf sein jugendliches Alter zu sechs Jahren Zwangserziehung verurteilt. Die Aufregung in allen Schichten der jüdischen Bevölkerung in der heiligen Stadt über dieses Urteil ist unbeschreiblich. Daß die Frage der Notwehr verneint werden konnte bet Leuten, die, von einer gewaltigen Uebermacht angegriffen, sich ihres Lebens wehrten und ihre Brüder schützen wollen, ist schlechthin unbegreistich. Die schweren Strafen stehen auch in gar keinem Verhältnis zu den über die angreisenden Araber gefällten Urteilen. Nalkiklänge?u Sen JTlaf-üebei fällen- Jerusalem, 3. Dez. Die arabischen Dörfer, aus deren Mitte im Mai die Ueberfälle auf die jüdischen Kolonien §Petach Ttkwah", „Rechobot" u. a. m. organisiert wurden, sind jetzt durch Befehl der Regierung zur Strafe mit schweren Kontributionen belegt worden. Personalien. Dr Calrnanrr Hettbrorrn y'SJ Gailingen, 3. Dez. Unser Stolz, unsere Zierde ist von uns genommen — -.unser Doktors der edle Mensch und glaubenstnnige 'Yirv ist nicht mehr. Was Dr. Hetlbronn für unsere Kehilloh gewesen ist, läßt sich dem Außenstehenden kaum schildern. DaS Verdienst Dr. Heilbronns ist es. das unsere Gemeinde Nagt und erhält. Hat er auch als der bescheidene und vornehme Charakter zeitlebens auf Gemeinde-Ehtenstellen verzichtet, so war doch das Doktorhaus immer der Mittelpunkt der Gemeinde, der Kulminationspunkt des jüdischen Lebens. Geboren in Tonn a. Rh., wirkte Heilbronn fast sein ganzes Leben in Gailingen als wahrer ö*ton KBD, als Arzt für Leib und Seele, desien erste Medizin, Liebe und Mitfühlen war. Der Kranke, der seine Hilfe luchie, war schon im vornherein halb geheilt durch die Güte und Menschenfreundlichkeit, die sein ganzes Wesen ausströmte. Im trauten innigen Bunde mit der seiner würdigen Gattin, einer Tochter des verstorbenen Bürgermeisters Guggenheim, lebte er nur für und rvniy, übte er n"82 in reichstem Maße auS und dies in einer solch seinen und edlen Weise, die nur die ihm besonders Nahestehenden ganz zu würdigen wissen. Seine Freude, wenn es galt inS Gotteshaus 3» gehen, seine innige, verklärte in Schul, sein teies Vereitsein und seine Liebe zum Thoralernen, eine peinlichste Erfüllung auch der scheinbar feinsten NM, seine unnachahmliche, doch gerade in seinem Berufe vielbeschäftigter Landarzt besonders schwierig zu erfüllende und doch bis ins Kleinste gehende Sabbat- Heiligung. sein hingebungsvolles, keine Opfer scheuendes an v'VV werden nie vergessen werden. Als am jnnTin morgens die Hiobskunde durchs Dorf eilte, war alles — Jude und Christ — niedergi-sch,nette.t. Nach nzw versammelte sich der Verein 2'v die Lteblings-Chewlü des Verstorbenen, im Trauerhaus zum Tehitlimsagen. Herr Hugo Guggenheim sprach unter Wehklagen aller Anwesenden von dem lieben Hingeschiedenen. Die 'n1? gestaltete sich zu einer gewaltigen Trauerkundgebung. Ein unabsehbarer 1*} Dezember 1911 Zug von Trauernden aller Konfessionen von Nah ukd Fern bewegte fick durch den Ort, voraus die viele« Vereine, deren Ehrenmitglied, Vorstand oder Mitglied Dr. H-tlbrunn war. Einen ergreifenden isvn hielt' Herr Bezirksrabviner Dr. Spitz. Es sprachen ferner Herr Hugo Guggenheim für die Familie, Herr Gemeindevoruand Honbart, der Herr Bürgermeister, Herr Schneble für den Kriegerveretn, dessen Vorstand der Verstorbene war, Herr Weil-Neuburger für- Krankenhaus, Herr Bloch, Freiburg, fürs LandeSasyl Frtedrichsheim, Herr Neuburger für die ChewroS; ferner harren einen Vertreter entsendet die Rheinfall- Loge Schafihrufen und der Landes-Kriegeroerband. Unveraeßiich wird uns Dr. Heilbronn bleiben, wie seine Le'stungen unverwtschlich sind. n"3St:rv Berlin, 8. Dez. In Berlin, wo er sich vorübergehend aushielt, ist gestern abend Abraham Daordowitsch Jdelsohn, eilier der bekanntesten politischen und publizistischen- Vertreter des Zionismus, einer Herzkrankheit erlegen Der Verstorbene war langjähriger Redakteur SeS russischen „Raffwjet",' später aeyörte er dem „Comitee des Delegations Jutves" in Paris an, um schließlich die Schiisileitung des offistellen hebräischen Organs der zionistischen Weltorganisation „Haoläm" zu übernehmen. Berlin, 13. Dez. Am Sonntag, den 17. KiSle«, vormittags lll/8 Uhr, findet eine vom Rabvtner» seminar veranstaltete Trauer feier für den verstorbene« Rektor des Seminars, Herrn Prof. Dr. David Ho ffmann b"D, in der Synagoge Artilleriestr.31 statt. Budapest, 0. Dez. In Budapest starb tm Alter von 71 Iayren Prof. Gold zieh er. Er galt als erste Autorität auf dem Gebiete des Altarabischen. Mehrmals leitete er im Aufträge der ungarischen Regierung wissenschaftliche Expeditionen nach Aegypten, Syrien und Palästina. Wegen Raummangel mußten einige Berichte, sowie der Frankfurter Beretnskalender zmückgestellt werde». Frankfurter Kerichte. Line neue Verfassung der Ssnagogengemeinde Israelitische Religionsgesellschast. Der Vorstand der Synagogengeme>nde Israelitische Religionsgesellschast beruft auf den 18. Dezember eine Generalversammlung ein, auf deren Tagesordnung neben der Berichterstattung über Flnarngebahrvng und Steueraufkommen im Geschäftsjahr1»20/21 die Vorlage des Entwurfes einer neuen Gemeind es atzung nebst Steuerordnung und Wahlordnungsteht. Der Entwurf, der sämtlichen Mitgliedern zusammen mit der Einladung zur Generalversammlung zugeaangen ist, weist gegenüber der geltenden Satzung recht einschneidende Aenderungen auf. Ist auch an den grundlegenden Bestimmungen, insbesondere an den für das Wesen der jüdischen Gemeinde charakteristischen Grundsätzen für die Aufnahme von Mitgliedern und für die Wählbarkeit zu Ehrenämtern nichts geändert, so erfährt doch die BerwaliungS-Organtsation eine durchgreifende Umgestaltung. Neben den Vorstand, der (wie bisher Vorstand und Ausschuß zusammen), 11 Mitglieder umfaßt, tritt als zweites Organ der ISgliedrige Gemeinderat. Dabei ist jedoch keineswegs nach dem Vorbilde der meisten preußischen Gemeinden das Verhältnis zwischen Gemeinderat und Vorstand dasjenige einer Gemeindevertretung zur Exekutive. Vielmehr hält die Satzung an dem Prinzipe fest, daß Gemeindevertretung und Exekutive in einer Hand liegen sollen. Nach wie vor ist also der Vorstand die aus der unmittelbaren, all^ gemeinen Wahl der Gemeindemitglieder heroorgehende Repräsentanz der Gemeinde. Die Befugnisse des Gemeinderates erstrecken sich: 1 auf daS Budger-Recht und die gleichberechtigte Entscheidung in allen finanziellen Angeleg-nhkiten, 2. auf die beratende und anregende Mitwirkung in allen sonstigen Gemeindeangelegenhetten. Dieser KompStenz-Regelung entspricht auch die Zusammensetzung des Gemeinderates, der zu einem Drittel auS unmittelbar gewählten Abgeordneten der GroB-Frankfurl am Eschenheimer Turm TAMZ-PAL AST Neu eröffnet: KAFFEE ersten Ranges WmSnklause Eingang nur Stiftstrasse

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