Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 62 (1921)
- Issue
- Heft 50 (15.12.1921)
- Date
- 1921-12-15
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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/M Dezember ia»r seine Gemeinde zu einer Sünde verleiten, als Mklayied könnte ihm Lei der kleinsten Unterlassung die schwere Schuld für die Vernachlässigung deS gesamten Thoragebotes von ganzen Generationen treffen. — Die Verhandlungen über diesen Gegenstand dauern fort. (Forts, folgt.) Der Mrraeltr. Aus der Schreckenszeit im Vurgenlande. Von einem Freunde unseres Blattes wird uns folgender Privatbrief, der über die furchtbaren Tage der Bonbenherrsckaft in den nv?np 221P Bericht erstattet, zur Verfügung gestellt: L . . ., 27. November 1921.; . . . Wir haben bisher noch keine Obstreicher gesehen, denn diese sin eben heute bei uns eingezogen. Sehr viel Mil'tär zur Besetzung der ganzen Gegend. Sie bleiben so lange, bis die Abstimmung in Oedenburg vorbei ist. Dort wird nämlich abgestimmt, wozu sie gehören sollen. Wir sind von Oedenburg ganz abgesperrt, der Zug verkehrt schon wochenlang nicht, und zu Fuß läßt man einen auch nicht herein und nicht heraus. Habt Ihr in der Zeitung gar nichts gelesen von dem, was wir mitgemacht haben? Wir danken und loben dem Allmächtigen, daß wir nur noch leben und nicht halttöt geschlagen worden sind, oder in der Nackt ohne Kleider und Schuhe flüchten mußten. Viele Leute haben 25 Stock- Streiche bekommen, sogar der Herr K., (ein leidender, alter Mann) und dann hat er erst flüchten müssen nach Wien. Man hat ihm seine ganzen Wertsachen, Möbel, Wasche, Speisevorräte alles verschleppt. Das waren solche rauhen Menschen! Wenn ihnen eingefallen ist, der Mensch hat etwas getan, wenn er ihnen nicht paßt, haben sie ihn gleich emgesperrt und fürchterlich geschlagen. In allen Geschäften haben sie gekauft und nichts bezahlt, man durfte nichts sagen. Besonders aus die Jehudim hatten sie es so abgesehen, sie sagten es selbst, sie haßten die Jehudim. Wenn es ihnen eingefallen wäre, daß alle aufgehängt werden müßten, wäre es auch geschehen, kein Hahn hätte nach uns gekräht. Niemand traute sich, sich zu rühren. Was sie nur wollten, hat man ihnen gegeben, die Leute mußten aus den Betten und sie legten sich hinein. Unter zwei Stunden mußten die Jehudim 120 Fruchtsäcke bringen, sonst hätten sie den Rebben als Geißel mit fort geführt. Man hat sie richtig zusawmengebracht, den anderen Tag mußten sie gleich 15 schöne Wtnterröcke haben. Dann ist man von Haus zu Haus gegangen, sammeln. Jeder hat gegeben, Geld, Wäsche, Schuhe und Kleider. Dann sind sie wieder gekommen, nur 80000 Kronen soll die Gemeinde bezahlen. Etwas haben sie bekommen, aber alles nicht. Von Oesterreich durfte man nicht sprechen, sie hätten denjenigen gleich erschossen. Es war eine solche Furcht in uns allen, daß man sich nicht traute, aus die Gasse zu gehen. In Kobersdors war es noch viel schrecklicher. Die durften nicht heraus und niemand herein und haben so viele Schläge bekommen. Der Rebbe mußte auch flüchten. Ich könnte Euch noch sehr vieles schreiben, aber ich bin schon satt davon, gottlob, daß es vorbei ist. — Ein Mann war darunter, der hatte schon 40 Menschenleben auf dem Gewissen. Der ist immer in L. herumgegangen, hatte ganz schöne Manieren und sagte auch zugleich, daß er schon einen Menschen totgeohrfeigt hätte. Der hat die Leute genug gepeinigt. Der liebe Gott soll uns baldigst alles Gute geben, es wäre schon Zeit dazu. — Die Teuerung hier ist schrecklich, es geht noch alles nach ungarischem Geld." zwischen Vereinsmttgliedern und Ncchtjuden im Sitzungssaal des Herrenhauses eingeiaden. Unter den Geladenen erschien u. a. auch der Abgeord nete Stresemann. In der Aussprache kamen Redner aller Parteien von den Mehrheitsiozialiften bis zu den Deutschnationalen zu Worte. Der Vorsitzende polemisierte g->gen tie jüdischnotionalen Zionisten, die einem unerfüllbaren Traum nachhängen und durch V-rschärfung des Nassengegensatzes mit den Antisemiten an einem Strang zögen. Der Verband wolle bei Nicht-Juden aufklärend wlrken, Mißtrauen und Mißverständnisse beseitigen und Auswüchse des jüdischen Radikalismus und Zionismus oder Entgleisungen wie dem übertriebenen Einstein-Rummel entgegentreten. Eine parteipolitische Einstellung müsse er ablehnen, vielmehr über alle parleipol-tlschen, religiösen und rassenmäßigen Verschiedenheiten als gemeinsames Ziel die Pflege des deutschen Gedankens setzen. In der Diskussion sprach zuerst der Deutschnationale Fr. v. Oppeln-Bronikowski, der Verfasser der Broschüre „Antisemitismus?". Seine Partei, sagte er, gelte und sei zum großen Teil antisemitisch, doch befinde sich in ihr eine starke Minderheit, die den„antisemitischen Rummel" nicht mitmache. Es sei zu hoffen, daß die Partei sich nicht länger „von einer kleinen Gruppe Deulschvölkischer tyrannisieren lassen werde". Er persönlich, der ja eine Broschüre gegen den Antisemitis geschrieben habe, wünsche im Verein mit einer großen Anzahl Deutschnationaler den Zielen und Zwecken des Verbandes nationaldeutscher Juden vollen Erfolg. Alle, besonders die geladenen Nichtjuden, begrüßten es mit Freuden, daß sich im jüdischen Kreise der Wille zu positiver Arbeit kundgibt.?(Jst es unbedingt nötig, die natronalöeutsch gesinnten Juden im Ghetto eines eigenen. Verbandes abzusondern? Die Red.) Merfeld, 6. Dezember. Auf dem Delegiertentag des Jüdischen Frauenbundes ist vom Vorstande die Anregung gegeben worden, daß jede jüdische Anstalt in Deutschland, einerlei welchen Zwecken sie satzungsgemäß diene, die Sorge für einKindaus der Ukraine übernehmen. Auf diese Weile könnten zweiftllos 200 Kinder unlergebracht werden. Der Verein für jüdische Krankenpflegerinnen in Berlin hatte sich vorher bereits zur Uebernahme eines Kindes bereit erklärt. Etwaige Meldungen sind an die Geschäftsstelle des Jüdischen Frauenbundes, Frankfurt am Main, Langestraße 30, zu richten. ßorropondcnztit«. Nachrichten. Deutsches Reich. Verband nationaldeuflcher Juden. Berlin, 6. Dezember. Der Vorsitzende und Begründer des Vereins, Dr. Max Naumann, hatte zu einer Aussprache Dolen» Zur Srage des warschauer Oberrabbiners. Warschau, 3. Darüber. Es fällt der Gemeindeverwaltung nicht leicht, in den sauren Apfel, nachdem sie sich ihn einmal gesichert hat, auch herzhaft htneinzubeißen, und ö drückt man sich um die Erteilung der Kompetenzen an den gewählten Oberrabbmer Dr. Poznanski immer noch möglichst herum. Nachdem auf Drängen der Freunde Poznanskis die Bestätigung und Kompetenz-Erteilung auf dem letzten Plenum zur Sprache kommen sollte, wurde doch nachträglich dieser Punkt von der Tagesordnung ohne Grundangabe wieder abgesetzt. Sollte es sich bestätigen, daß Dr. Poznanski selbst den Wunsch geäußert hätte, auf den Titel und die Rechte eines Oberrabbiners zu verzichten und sich wie die anderen Rabbiner mit den Machtbefugnissen eines Rayon-Dajan zu begnügen, so wäre es ein rühmenswerter Akt des Friedenswillens seinerseits. Man glaubt aber eher, daß das Zaudern und Zögern der Gemeindeverwaltung auf die Schritte der „Schlome Emune Jisroel" zurückzuführen ist, die mit aller Kraft und Energie gegen diesen Gewaltakt der Gemeindeverwaltung kämpft. Dr- Pojnansftl plöfclldi verstorben. Warschau, 10. Dezember. Eine unerwartete Lösung erhielt die Ober-, *o. so «ette l» rabblnet frage dadurch, daß Montag früh Dr. Poznanski plötzlich einem Herzschlage erlag. Die Kunde wirkte erschütternd. Persönliche Feinde hatte der berühmte Gelehrte und Kanzelredner kaum. Wenn man aber in weiten Kreisen in jüngster Zeit gegen ihn scharfe Stellung nehmen mußte, so war es den paar Gemeindegewaltigen zu danken, die den stellen friedliebenden Mann der Wissenschaft aus seinem Studierzimmer zerrten, um ihn zum Symbol und Träger ihrer Macht, elüste zu machen. Es bestätigt sich, daß die Genehmigung siiner Wahl auf femen eigenen Wunsch hi» ausgeschoben wurde. Dr. Samuel Poznanski hat ein Alter von nur 57 Jahren erreicht. In der jüdischen Wissenschaft war er als Historiker und Bibliograph bekannt/ sein Sp zmlgebiet war die Erforschung des Karäertums und der Aera der Gaontten. Er hat eine ganze Reihe von alten Schriften der kar a tuchen Literatur herausgegeben und sein einziges Werk in Buchform — P§znanzkts Arbeiten und Glossen erschienen größtenteils in der „Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums", „Revue des Etudes Jmfs" den „Frankfurter Mitteilungen für hebräische Bibliographie" u. a. — ist eine „Geschichte der Karäer und ihrer Literatur"' Dr. Poznanski schrieb auch viel in hebräischer Sprache (im „Haschiloach" und anderen wissenschaftlichen Zeitschriften). Er gehörte auch zu den Begründern der Gesellschaft „Mekize Nirdamim", welche sich die Herausgabe alter hebräischer Schriften, besonders Handschriften, zur Aufgabe gestellt hat. Oer neue orthodoxe Deputierte. Warschau, 11. Dezember. Als Nachfolger Rabbi Hrlperns wurde Herr O scher Mendels so hn-Lo?z in den Landtag gewählt und 'in der letzten Sitzung des Sejm vom Präsidenten dem Hauje vorgeftellt. Aus der warschauer Oemeinde-Politih. Warschau, 9. Dezember. Der Boykott der orthodoxen Presse von Seiten der Gemeindeverwaltung halt an. Den Ratmännern ist zur Pflicht gemacht worden, Vertretern des „Jud" gegenüber kein Jota von den Verhandlungen zu verraten. Innerhalb des Gremiums herrschen aber große Unstimmigkeiten, die dazu geführt haben, daß der Senior der Versammlung, übrigens auch ein Vertreter der Orthodoxi , Herr Nechemja Krasut zi sein Mandat niede, gelegt hat. Ihm folgte auch sein Kollege und Gesinnungsgenosse Rirtenberg. Das Verhängnis der Sonntagsruhe- Warschau, 3. Dezember. D'e Zwangs-Sonntagsruhe hat sich als ein wahres Verhängnis herausgestellt. Da die sabbathaltende Bevölkerung, besonders die Konsumenten aus den Unterschichten auf den Sonntags-Einkauf nicht vernichten können, und die Händler, zum Teil aus M tleid, die Verabreichung nlchr immer verweigern, so regnet es Straf - Mandate und zuweilen werden auch kleine Geschäfte geschlossen. Es ist so wett gekommen, daß man an den letzten Sonntagen darbende Menschen vor den geschlossenen Läden sah. Auf die Frage, warum sie nicht schon am Freitag ihren Bedarf gedeckt hätten, gaben sie zur Antwort, daß sie erst heute das Geld für den Tagesbedarf aufbrtngm konnten. Auf der anderen Seite konnte man beobachten, daß tn manchen polnischen Läden der Sonntagsverkauf hinter geschlossenen Türen ganz flott vor sich ging. Die Polizei hat aber ein äußerst wachsames Auge nur im jüdischen Viertel. Der „Jud" regt an, der Sache mehr auf den Grund zu gehen. klne Konteren? der Gemeinden in Polen. Warschau, 5. Dezember. M W' Die Zionistische Organisation in Polen ver sendet Einladungen zu einer Konferenz vo f: ■' '-M 7-