Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 62 (1921)
- Issue
- Heft 50 (15.12.1921)
- Date
- 1921-12-15
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Bette 4. fto. 50 Der JSraeltt. 15. Dezember lÖSl dienen sollen. Und daraus machen Fleischer und Konsorten eine „geheime Allianz". Was hätten die Herren alles von dem „gewinnsüchtigen Juden" zu sagen gewußt, wenn er die Decken verweigert hätte oder sich dafür den teueren Preis hätt: bezahlen lassen. Zabotinsli und petljura. Es liegt gar keine Symbolik in obiger Synthese, sie soll auch keine geistretchelnde Parallele zwischen dem zionistischen Haudegen Jabotinski und dem ukrainischen Judenschlächter Petljura einleiten, es ist vielmehr nackte Wahrheit und Wirklichkeit, daß ein Weg von Palästina nach der Ukraine führte und daß Verhandlungen zwischen den beiden Männern gepflogen wurden, die zu einem Abkommen über Bildung von jüdischen Legionen, in der Ukraine geführt haben, einem Abkommen also, das die Juden Ukraines unter den höhe rn Schutz des Pogromgenerals stellt. Es klingt unglaublich und ungeheuerlich, aber die zionistische Londoner „Zeit" muß es doch besser wissen, was sie vom Heros der Jungzionisten glauben darf. Sie bestätigt das schon seit längerer Zeit umherlaufende Gerücht in allen Teilen und weiß auch von den Verlegenheiten zu erzählen, die das militaristische sniant terrible des Zionismus damit der Lesung bereitet hat. Das Exekutivkomitee hat sich mit -er peinlichen Sache auf seiner letzten Sitzung befaßt und man spricht bereits von einer Ausschließung Jabotinskis aus der Exekutive. Verhängnisvoll wird die Sache noch dadurch, daß die bolschewistische Regierung, der sie zur Kenntnis gelangt ist, in der jüdischen Verbindung mit ihrem Totfeinde Petljura einen feindlichen Akt gegen die Zentralgewalt erblickt, den sie gewiß nicht allein die Zionisten, auf die sie ohnehin nicht gut zu sprechen ist, wird schwer büßen lassen. Wir glauben der zionistischen Leitung gern, daß sie von den Verhandlungen und Abmachungen Jabot nskts keine Kenntnis hatte. Aber in diesem Nichtwissen liegt ihre größte Schuld. .Man hat Jabotinski, obwohl er in Karlsbad aus seinem Herzen keine Mördergrube machte und sich in der Pose des jüdischen Ludendorff so sehr gefiel, in die Exekutive gewählt. Der ihn auszetchnende Mangel an Vernunft und ruhiger Uebertegung allda, wo es Säbelgerassel gibt, war allbekannt. Jabotinski versprach in Karlsbad, wenn er es für nötig erachte, sich auch „mit dem Teufel zu verbinden." Er hat sein Wort gehalten... So war es denn Mangel an Verantwortungsgefühl Vonseiten der Leitung, ihm durch die Wahl in die Exekutive ein Recht zu erteilen, im Namen der Organisation — die sich zitriicksehiit, und der ^ubc bezieht das angrenzende verlassene Ield. Lder auch er bleibt als .Unecht bei dem zurückgetehrten Bauer, der ec sich leisten tarnt. Aber zu seinem alten Berus kehrt der Jude nicht mehr zneück. Er hat den Acker liebgewv'.inen. .'Ul Reibungen kommt vv nicht. In dem Grenzgebiet, im Gvnveriieriieiil uo'.vnv. sind die Zustüitde nicht so shinpathisch. Tort gewöhnten die Juden sich ntcht so leicht an nie wir^iche Feldarbeit. ''Aber das Gouvernement Grobito llnd Wilna zählt zur Ltnnde etwa 120 0<)() jüdische Bauern. Ter Ackerbau unter den Innen wurde von der jüdischen Gesellschaft stete? mit besonderer Liebe gefördert. In der Vorkriegszeit von der I. V. A.. oov Jüdischen olvnisalivn sgesellschast, die den Tarlehen zur Anschaffung von land'.virtschackü'chen Maschinen und Unnstdüngrr gewährte und ihre Aaeonomen dorthin entsandte, um die netten Gretutgettschäften des modernen Ackerbaus dorthin zu tragen. In verstärktem und erweitertem Maße hat diese Mission nunmehr die rttssische Gesellschaft (). R. T. lIuü tialen russischer Worte) überitommen, die nrivrüttglich die Ivrdernng des .Handwerks unter den Inden Russlands zur "Aufgabe hatte, gegenwärtig aber sich noch ganz besonders der Unterstützung der Landwirtschaft widmet. §ie besitzt etwa 250 Abteilungen an vieietr Crh't, Russlands und der Randstaaten und eine Zentrale in Berliit lBleibtreustraste 34) unter oem Vorsitz von Tr. Iakow Irunttin, der sich viele Verdienste tim das (Gedeihen dieses Beginnens erworben bat. (Der Prophet Enoch vor Gericht). AuS Kapstadt wird gemeldet: Am Sonntag wurde die Verhandlung gegen den „Propheten" Enoch und feine Anhänger, eine Negerkolonie, die unter dem Namen „Israeliten" oder „Zionisten", eine Sekte gebildet Herren sprechen gern „im Namen des jüdischen Volkes" — mit dem „Teufel" zu paktieren und Dummheiten zu begehen, die noch zudem so gefährlich sind. Auf alle Fälle sollte die Leitung diesen „Heros" so rasch es nur geht, von. ihren Rockschößen abschütteln, wenn nicht anders die ganze Schwere der Verantwortung für diesen unheilvollen Schritt ihr zufallen soll. Sctjönße Cfjanukka- Qeßfymke Soeben erachten : 9mJtidenjlaat derCfjafaren ffiftoriftyer Vornan von 6. öchacftnomb Frei*: b ro * chiert Mk. 24. — in j einem G e a c Ji e n b a nd Mb. 28. — Ferner empfehlen trir: Schachuotritz, Luftmensehen MF. 12.— „ Jenseits . . . MF. 12.— „ MereteiFa . . MF. 12.— Zn h ez iehen du reh aIle Buch hcindl un gen sotcie direkt com Verlag (■ju'pitjl. J>orfo und Verpackung) unter Nachnahme Verlag des „Jsraelil‘ Q. m. b. ff. Frankfurt am Main Die Rabbiner-Konferenz in Mlna. Wilna, 28. November. D i e zweite Sitzung. Während im Nebenzimmer die'Erziehungskommission ihre Thesen ausarbeitet, spricht der „Chofez Chajim" im Sitzungssaal ganz unvermittelt vor dem großen Kreise der Versammelten in glühenden Worten über die Sabbat Heiligung und die Aufgabe der Rabbiner auf diesem Gebiete. Inzwischen ist die Kommission mit ihren Vorarbeiten fertig und legt ihre Vorschläge vor. Der erste Satz, der lautet: „In jeder Stadt soll eine Erziehungskommission aus glaubenstreuen^ Juden gebildet werden, der die Aufhatten, zum Abschluß gebracht. Enoch und dessen zwe^ Brüder wurden zu je sechsjähriger Zwangsarbeit ver urteilt, drei andere Anhänger zu je drei JahrerL siebzig andere Mitglieder der Sekte zu 18 Monaten' Die Angeklagten bildeten eine Bande von Fanatikern, die es ablehnten, Befehle von einer anderen als „direkt von Gott eingesetzten Regierung" entgegenzunehmen. Sie hatten sich auf einer Besitzung in Bulhoek in der Nähe von Queenstown in der Kap-Provinz verschanzt. Am 24. Mai wurden sie von Poiizeitruppen angegriffendabei wurden 121 Anhänger des Enoch erschossen. 5abbai Unkang unäMsgailg. rDsn row. Ort: Anfang Datum AuSgavs. UhrjMin. IttÄll 5683 Uhr 'Min. Frankfurt a» M Berlin .... 4 3 55 17. Dez. 16. Kislew 5 4 15 42 München . . . 4 15 5 08 Cöln. 4 20 5 20 Ituttgart. . 4 30 5 16 Breslau . . . 3 36 4 36 Nürnberg. . . 4 10 5 04 Hamburg. . . 3 51 4 54 Q2£l sicht über die Chedarim und Talmud-Thora» Schulen obliegt", wird anstandslos angenommen. Die zweite Resolution, dahingehend, daß auch die Lehrer für den profanen Unterricht in den Chedarim glaubenstreue Juden sein müssen, ruft lebhafte Debatten hervor. „Der „Chofez Chajim" legt den Rabbinern mit eindringlichen Worten ans Herz, bei Anstellung von Lehrern darauf zu achten, daß dieselben wenigstens den Sadbat halten, Tesillin legen und in der Hauptsache die Thoragesetze hatten. „Wer Schma liest ohne Dikduk, ist nach 8er Halacha ja uze, wer aber nur Dikduk (Grammatik) lehrt, ohne Schma zu lesen, ist für unsere Zwecke unbrauchbar . . ." Die Quelle für die hebräische Sprache muß Tnach sein. Der Rakower Rabbiner fordert rücksichtslose Entfernung aller unjüdisch gesinnten Lehrerwo Ersatz nicht zu finden ist, seien die Schulen ganz zu schließen. Nach längerer Debatte wird auch der zweite Punkt der Resolution im Sinne des „Chofez Chajim" angenommen. Der dritte Punkt, betreffend den weltlichen Unterricht in den Chedarim führt zu so scharfen Meinungsverschiedenheiten, daß er noch einmal an die Kommission verwiesen wird. Allgemeine Annahme findet aber der Beschluß, um eine bessere Mäochen-Erztehung im Geiste der Thora besorgt zu sein. Die dritte Sitzung. Zu Beginn der dritten Sitzung am Mittwoch verliest Rabbiner Mischkowskt die von der Kommission gefaßte Resolution zur Gründung einer zentralen Erziehungskommission mit dem Sitze in Wilna und folgenden Obliegenheiten: „1) Die Zentral-Kommission steht in ständiger Verbindung mit den Ortskomites aller Städte und Städtchen. 2) Die Zentral-Kommission ergreift die Initiative für Eröffnung von Chedarim in der Provinz, überwacht deren Lehrplan und ist für die Beschaffung der finanziellen Mittel besorgt. 3) Die Kommission ist um die Ausgabe von Lehrbüchern im Geiste der Thora besorgt und unterhält ein Informationsbüro für Lehrer und Melamdim, die von Zeit zu Zeit Konferenzen abhalten". Nach kurzer Debatte wird die Resolution einstimmig angenommen. Einige Teilnehmer berichten über Schwierigkeiten, die die polnischen Behörden der Gründung von Chedarim in den Weg legen. Es wird beschlossen, eine Delegation nach Warschau zu entsenden, um in dieser Sache beim Ministerium vorstellig zu werden. Rabbiner Karelitz als Bevollmächttger des Hilfskomitees der Rabbiner referiert über die Tätigkeit dieses Komitees und weist auf die großen Schwierigkeiten hin, die sich dem Plane der Lehrerkurse in den Weg stellen. Die Hauptschwierigkeit liegt im Mangel an geeigneten Lehrern von echt jüdischer Gesinnung. Der Vorsitzende betont die vitale Notwendigkeit der Gründung dieser Kurse. Es sollte aber darauf Bedacht genommen werden, daß sie ganz im Sinne des Judentums geleitet werden und daß die Teilnehmer auch Melamdim bleiben. Rabbiner Rub.tnstein teilt mit, daß ein Beschluß auf Eröffnung von Lehrerkursen auch vom Mtsrachi gefaßt ist und seiner Verwirklichung entgegensetze. Rabbi Boruch Bär Leibowitz, der Lener der großen Jeschiwah von Wilna, hat kein Vertrauen zu den Arbeiten des Mtsrachi und umtu. vor einem Zusammengehen in dieser Sache. Ihm schließen sich die Rabbiner Kalm anowttsch a. o Wvlfsohn an. Auch der „ChofezChajim" .g >lfc noch einmal das Wort, um auf die Un- > h.uetlichkeit htnzuweisen, wenn sich auf dem Wege von unvorsichtig zusammengesetzten Lehrerkursen die Thauro-Kritik ins Cheder einschleichen sollte. Rabbiner Fein sagt, die Verantwortlichkeit des Lehrers sei noch eine viel größere, als die des Schochet. Zu Rabbi Jtschel Petersburger sei einmal ein Schochet gekommen und klagte, er könne die Last der moralischen Verantwortung, die ihm sein Amt auferlegt, nicht mehr tragen. Er wolle daher diesen Beruf aufgeben und lieber Melamed werden. Rabbi Jtschel gab ihm aber zur Antwort/ daß er damit eine weit größere auf sein Gewissen lade. Als Echochot könne er