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Der Israelit · 1921-12-08 · Heft 49 (8.12.1921) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
62 (1921)
Issue
Heft 49 (8.12.1921)
Date
1921-12-08
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Sette 4. 9lo. 49 Lomspoittleltreu u. Nachrichten. Deutsches Reich. 0er Religionsunterricht in der öolkskhule. Aerttn, 3. Dezember. Das Kammergericht hat in Neberein stimmung mit früheren Entscheidungen erneut ausgesprochen, daß die Religion an nicht bekennt nisfreicn öffentlichen Volksschulen ordentliches Lehrfach ist, dem sich die Kinder nicht eigenmächtig, sondern nur zu Beginn eines Schul jahrs aufgrund eines Gesuches entziehen können. Aus der Breslauer Synagogen-öemeinde. TKmfatt, 29. Nov. In der am Montag abgehaltenen Sitzung der 'R ep r ä s e n t a n te n-Versammlung hielt der Vorsitzende Prof. Dr. W o h l a n e r dem verstorbenen Vorstandsmitgliede Louis Loeiv e n t h a l einen ehrenvollen Nachruf. Gemäß einem früheren Beschlüsse der Versammlung legte der Vorstand die spezialisierte Aufstellung über die Arbeiten auf dem Coseler Friedhof vor. Es wurde ausgegeben für den Ehrenfriedhof 210 995,93 Mk. Für die Beschaffung neuer gottesdienstlicher Räume beschloß man die Einsetzung meiner Kommission. Einern Drirrglichkeitsarrtrage gemäß beschloß man für bessere Errvärmuug der Synagogen zu sorgen. Tie Anträge betreffend die Besold u n g s o r d n u n g. Tienstamveisung, Eingruppierung der Beamten, Gehälter der Angestellten usw. rvnrderr der errveiterten Gehaltskommission zwecks weiterer Vorberatung 'überrviefeu und sie rvurde ermächtigt, etwaige Vorschüsse zur Auszahlung bringen zu dürfen und zwar bei Gehältern bis zu 10Ö00 Mark 600, bis 20 000 Mark 1000 Mark und über '200O0 Mark 1500 Mark. Zoll die Kommission 'höhere Vorschüsse festsetzen, dann seien diese zu zahlen. Nach dem Abschluß der einzelnen Verwaltungen beträgt die Einnahme der Hauvtverwaltuiig für das Rechnungsjahr 1920 21 2 674557,97 Mark, die Ausgabe 2 542,343,77 Mk., sodaß ein Ueberschuß von 132 214,20 Mark verbleibt. Anhänger Nietzsches, war er kein Freund der Tradition und ein fanatischer Gegner des Rabbinismus, welchem er in äußerst romantischer Schwärmerei den Chassidismus als die Verkörperung innerer Harmonie gk-genüberftellte. Diese platonische Liebe zum Chassidismus und das Bestreben, einen scharfen Gegensatz zwischen diesem und der rabbinischen Tradition zu konstruieren, wurde von einem Kreise zu einem System ausgebaut, das der neuhebräischen Jugend k-iii Hei! gebracht hat. Berdyzewkki war führend in diesem Kreises (Georg Brandes Jubiläum). Die Kopenbagener Presse aller Richtungen bringt seitenlange Huldigungsartikel anläßlich der 50. Wiederkehr des Tages, da Georg Brandes seine ersteVorlesung an der Kopenhagener Universität hielt. Unter den bei dem Jubiläum eingeganflenon unzähligen Glückwunschtelegrammen erregt dasjenige Hjalmar Vrantings besonderes Interesse. In der Depesche bringt der Staatsmann seine Huldigung da», um „Ihnen meine unauslöschbare Dankbarkeit auszudrücken für Ihre revolutionäre Tat, alles zur Sprache zu bringen. Ein langes Leben voll reicher u»id vielseitiger Arbeit hat seitdem den strahlenden Einsatz Ihrer Jugend und Ihr für die Entwicklung des ganzen Nordens entscheidendes Vorgehen gekrönt: Alle unsere besten Männer zu Europäern zu machen. In Ehrerbietigkeit für den für alle Zeiten führenden und vornehmen Streiter Ihr Hjalmar Branttng". Georg Brandes, der im 80. Lebensjahre siebt, hielt am 5. November einen Bortrag vor der dänischen Studentenschaft, die ihrem Lehrer darauf einen Fackelzug brachte. (Eine Strafe für rituell Lebende). In den Mitteilungen des Ortsausschusses für die VII. Delegierten- und Mitgliederversammlung des Jüdischen Der Israelit. Oberfchlefifdier Rabbineroerbanö Krudenburg, 20. Nov. Am .16. November fand in Hindenburg eine Generalversammlung des Verbandes der Rabbiner Oberschlesiens statt. Ter Vorsitzende, K a a tz- Hiiidenburg, giebt zunächst Kenntnis von der Einbuße, die der Verband durch bas infolge Wegzllges erfolgte Ausscheiden dreier Mitglieder erlitten hat, der Rabbiner Friedmann- Lnblinitz, Ne l lh a u s - Rybnik und Gradenwi tz-Tarnowitz. Er bespricht sodann die Schwierigkeiten, durch die eine ersprießliche Tätigkeit des Verbandes im letzten Jahr infolge der potinschen Wirren gehemmt wurde. Tie Inspektion des Religionsunterrichts konnte nicht in ordnungsgemäßer Art nusgeübt, soll aber nun wieder in früherer Weife ausgenommen werden. Es wird beschlossen, beim oberschlesischen Gemeindeverband die Gewährung einer Subvention zur Bestreitung der gesteigerten Reisekosten der Inspizienten zu beantragen. Darauf folgte eine Anssprache über die durch die politischen und die sozialen Nöte herbeigeführte traurige Lage der kleinen Gemeinden, von denen eine Anzahl ohne Kuttusbeamten sei, ein schwerer Mißstand, der dringend der Abhilfe bedürfe. Es wird nach eingehender Beratung beschlossen, an den oberschlefischen G e m e i n d e v e r b a n d das Ersuchen zu richten, schleunigst geeignete Maßnahmen zu treffen, um für die in Frage kommenden Gemeinden die Anstellung von W a n d e r b e a in t e n zu veranlassen. Sollte der Gemeindeverband die Erledigung dieser dringenden Aufgabe ablehnen oder ansschieben, dann solle der Rabbinerverband selbständig Vorgehen. Hierauf inirb über eine Anregung des Vorstandes der Synagogengegeuleiude Beuthen verhandelt, Bildungs-- knrse für jüdische Lehrer des Bezirks ein zurichten. Die Anregung wird sympathisch begrüßt, doch muß deren praktische Durchführung in Rücksicht auf die gegenwärtige Situation zunächst hinausgeschoben werden. Es wird sodann in eine Besprechung der Stellung der zweiten R a b - b i n c r eingetreten und beschlossen, an den allgemeinen deutschen Rabbinerverband das Ersucheu zu richten, diesen Punkt auf die Tagesordnung seiner nächsten Generalversammlung zu setzen. Ten Schluß des geschäftlichen Teils bildete eine Aussprache über die durch die Teilung Oberschlesiens geschaffene Lage. Es folgt der w i s s c n s ch a s t l i ch e Teil, in welchem K r e ngeg-Ratibor eine homiletische Vorlesung ilnd Kaatz einen talmudischeu Vortrag hält, an den sich eine rege Diskussion knüpft.' Frauenbundes in Elberfeld-Barmen am 1. und 2. November 1921 heißt es über die Verpflegung: „Für die Besucher der Tagung werden in der Mittel, standsküche an beiden Tagen im Frauenklub (Berfammlungshaus), Mittagessen zu 7—8 Mk. üereitgehalten (siehe FrageboglN). Für die Gäste, die rituelle Verpflegung wünschen, ist Mittag« essen zu 20 Mk. im Hotel Central, Elberfeld, Bahnhofstraße bereit". Also: die Elberfeld Barmener Ortsgruppe des Jüdischen Frauenbundes ladet ihre Mitglieder zu einem Trepha-Mahl im Frauenklub ein und belegt diejenigen, die daran nicht teilnehmen, mit einer Geldstrafe von 12—13 Mk. Sabbat-llnkang uns llurgaag. ksh rov- Ort: Anfang Datum AuSgang UhrjMtn. 10211 5682 Uhr jMtn. Frankfurt a. M 4 — 10. 9. 5 15 Berlin .... 3 55 Dez. Kislew 4 42 München . . . 4 15 ö 08 Cöln. 4 20 5 20 Stuttgart. . . 4 30 5 14 Breslau . . . 3 34 4 34 Nürnberg. . . 4 10 5 03 Hamburg. . . 3 53 4 53 8. Dezember 1921 Weite weUtj*' Die FMimmung in öedenbmg. Wie«, 1. Dez. Kürzlich hat die Wiener israelitische Kultnsgemeinde' an die jüdischen Stimmberechtigten in Oedenburg einen Ausruf gerichtet, beim bevorstehenden Plebiszit für Oesterr eich z u st i m m e n. Zur gleichen Frage schreibt 'die „Wiener Morgenzeitung" u. a. folgendes : „Tie Meinung der jüdischen Bewohnerschaft über 'die Frage Ungarn oder Oesterreich kann nicht 'zweifelhaft sein. Aber es muß offen ausgesprochen werden, daß man in Oesterreich sehr viel dazu tut, die Jndenheit des Abstimmungsgebietes nachdenklich zu machen, und daß man in Wien die magyarische Propaganda aus allen Kräften fördert. Die Jndenheit des Oedenburger Gebietes kennt den Beschluß des österreichischen Nntionalrates, der die jüdische Vertretung im Wiener Stadtschulrat aufhebt und sich als eine sinnlose und zynische Beleidigung des ganzen Judentums darstellt. Man kennt im Burgenland die Pöbelhastigkeit der sozialdemokratischen Hauptstadtpresse. Vor allem aber wissen die Oedenburger und anderen jüdischen Wähler von dem Minister Waber, dessen Optionspraxis auch von dem Horthygesindel nicht überboten werden kann. . . Es ist gleichgültig, ob 'die Regierung von einer Koalition oder von einer Partei besorgt wird. Als die Sozialdemokraten das Heft in den Händen hatten, klebte der Sever seine Answeisungoplakate an die Straßenecken, annullierte seine Partei die Staatsbürgerschaftserklärungen der Inden . . . Wir sagen, daß es den Juden des Oedenburger Gebietes schwer gemacht wird, für Oesterreich zu stimm eit, wo ihr Volkstum täglich in der frechsten Weise beschimpft wird." Wir haben ähnliches in. Posen und Oberschlesien erlebt. Tie Inden werden wohl hier, wie sie es dort getan haben, ihre geschichtlich begründete kulturelle Zugehörigkeit zu Deutschland all denen vor Augen führen, die ^durch ihre Hetzpolitik Deutschlands Ehre in den Stand zerren. Ungarn. NuiielMungen in Bu9apefl. Budapest, 20. November. Die nächtlichen „Ruhestörungen" in Budapest nehmen immer größere Dimensionen an und das Merkwürdige an ihnen ist, daß sie von zwei sich einander befehdenden Gruppen, nämlich von den Erwachenden Horthys und von den legetimiftiscken Raudaubrüdern, ausgehen, die zwar einander spinnefeind sind, aber sich im Rauben und Plündern brüderlich treffen. In den letzten zwei Tagen haben 'nun diese Ruhestörungen dieser „unverantwortlichen Elemente" an Ausdehnung zugenommen, Donnerstag und Freitag begann die „nächtliche Ruhestörung" schon bei hellichten Tage. Die Dohanygasse, wo die größte Synagoge Budapests steht, wurde von mit Gummiknüppeln und Handgranaten bewaffneten Terroristen beider Observanz abgesperrt, die die Leute, deren sie habhaft wurden, blutig verprügelten und ausraubten. Die Terroristen Horthys wollen dadurch der politischen Welt zeigen, daß man wider sie und ohne sie nicht regieren könne. Die Kosten dabei haben aber die Budapester Juden zu tragen und auch andere arbeitsame Menschen, die ihren Geschäften nachgehen. Molen. Allerlei aus Warschau. Warschau, 2. Dezember. Im Anschluß an die Wtlnaer Versammlung beehrte der Radiner Rabbi, der „Chofez Chajirn", Warschau mit seinem Besuche. Er wurde hier mit großer Herzlichkeit empfangen. In einem der größten Bethäuser hielt der Rabbi Freitag Abend und Sabbat flammende Reden. Es wird hier der Vorsitzende des Jüdischen Nationalrates in Konwo und Abgeordnete des

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