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Der Israelit · 1921-12-01 · Heft 48 (1.12.1921) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
62 (1921)
Issue
Heft 48 (1.12.1921)
Date
1921-12-01
Page
– (sequence 5)
Language
German
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1. Dezember 1931 Der Arraeltt. No. 48 Sette 6 die der Erlösung anzugeben. „Denn beim Fehlschlagen solcher Berechnung", so führt Abravanel ungefähr aus, „heißt es, daß die Erlösung sich erst wieder ereignen könnte, wenn eine derartige Konstellation der Gestirne, wie die eben stattgefundene es ermögliche. Und die Wiederkehr gleichartiger planetarischer Konstellationen muß oft bis in die allerweiteste Zukunft verschoben werden." Es kann aber, nach Abravanels weiteren Ausführungen, nicht verboten sein, einen Sinn zu suchen in den Aussprüchen unserer heiligen Bücher. Im Gegenteil, dazu sind wir verpflkchtet. Nur soll man von vornherein wissen und betonen, daß die Erklärung — mithin auch die Berechnung „des Endes" — keinen Anspruch auf absolute Wahrheit erheben darf, wie das überhaupt mit keiner Erklärung schwieriger Stellen in der heiligen Schrift der Fall ist. Ein positiver Beweis für Abravanels Auffassung bezüglich der Worte p3p wäre vielleicht zu erbringen aus der Stelle Sanhedrin 65 b, wo das Fixieren von Zeitpunkten in astrolofilscher Weise ohne weiteres durch DW 2VNQ niDül „der Zeiten und Stunden berechnet" ausgedrückt wird. Jedenfalls aber darf aus der Stelle Sanhedrin 97b geschlossen werden, daß auf diejenigen, welche an der Hand der Texte im Dantelbuche „das Ende" berechnen, nicht das '*P1 |nn Hö’fi angewendet werden kann. Es heißt dort nämlich, daß R. Nathan auf die Prophetenstelle Chabakuk II 3, hinwies, um darzutun, wie unberechenbar das Erscheinen des Erlösers sei. „Deshalb", so fügte er hinzu, „verhält es sich nicht so, wie unsere Lehrer die Dantelworte: eine bestimmte Zeit, bestimmte Zeiten und die Hälfte, erklärten"?) Wäre es denkbar, daß der später lebende R. Jonathan die Lehrer als prp '2VNV hätte bezeichnet wissen wollen, über welche er das jnn Hörn ausrief? Wenn auch die Aussprüche des R. Nathan und R. Jonathan an dieselben Worte des Chabakuk geknüpft sind und unmittelbar nacheinander im Talmud angeführt werden, so erscheinen. hier doch die np von den D’ttnH scharf getrennt. Als eWI"! „Erklärer" suchten unsere großen Männer, dir sich mit dem Danielbuche befaßten, dessen Aussagen und Angaben zu erläutern, wissend und belehrend, daß ihre Berechnungen nur eine Möglichkeit boten, die ins Auge gefaßt werden konnte. Mit den deutlichsten Worten sagt dies Nascht in seinem Kommentar zu Daniel VIII, 14, wo er erwähnt, daß der Zeitpunkt nach Saadja's Bercch>ung schon überschritten ist: „wir harren der Verheißung unseres Königs entgegen, Ende nach Ende. Und wenn der von einem Erklärer als Ende bezetchneter Zeitpunkt überschritten ist, wissen wir, daß der Erklärer sich in seiner Auslegung geirrt hat, und der nach ihm kommt, wird es wieder auf andere Weise erklären." Obgleich nun zweifelsohne manche, die Kenntnis hatten von den Erklärungen, sei es eines Raschi, Nachmanides oder Abravanel (um viele andere unerwähnt zu lassen) jedesmal, wenn ein für die Erlösung berechnetes Jahr herannahte,, vom Gefühl der Hoffnung durchbebt wurde, daß nun vielleicht das Ende bevorstehe, weil doch die entsetzliche Leidensgeschichte unseres Volkes — namentlich int Mittelalter — dem Sehnen nach Erlösung immer neue Nahrung verschaffte, hat es doch wohl kaum eine Zeit gegeben, in welcher „die Schritte des Erlösers" für viele so nahe vernehmbar waren, Me es seit den letzten Jahren der Fall ist. Wie man auch über die Einzelheiten der Regungen und Ereignisse innerhalb und bezüglich des jüdischen Volkes in den letzten Jahren urteilt, als Komplex betrachtet, bieten diese Geschehnisse ein derartiges Gefilde, daß die von unseren großen Propheten erschauten Vorereignisse und Begleiterscheinungen unserer endlichen Erlösungszeit in handgreiflicher Deutlichkeit hrranzunahen scheinen. Kaum zu einer Zeit war _') py j^bt pj-iyi py ny penn ww v'iv2"Q rH das gleichzeitige innere und äußere Ringen unseres Volkes im allgemeinen so erlösungsbedürfttg wie jetzt. Darum dürste wohl kaum zu einer Zeit eine Berechnung „des Endes" so viele in Atem gehalten haben, wie es heute der Fall ist mit der Berechnung, die Malbim in seinem Kommentar zum Danielbuche vor mehr denn sechzig Jahren angestellt hat. Auch den Prämissen des Saadja folgend, jedoch in den Einzelheiten einen ganz anderen Weg der Erklärung beschreitend, zog er den Schluß, daß im Danielbuche von einer 14—15-jährtgen Endperiode die Rede sei, deren Anfang auf das Jahr 5688 (1928 d. g. Z.) gänzlich vollzogen haben könnte?) Als der Weltkrieg im Jahre 1914 ausbrach, lenkte sich bald die Aufmerksamkeit vieler Kreise auf diese Angaben. Die seitdem sich vollziehenden Ereignisse haben diese Aufmerksamkeit noch gesteigert. Es sei im Zusammenhänge hiermit erwähnt, daß Jbn Jachja bereits vor 400 Jahren in seinem Kommentar zum Dantelbuche darauf hinwies, daß über „diese verschlossenen Dinge" nur Annäherndes gesagt werden kann, und daß er — von ganz anderen Gesichtspunkten als von denen sonstiger Erklärer ausgehend — berechnete, daß „das Ende", wovon Daniel spricht, ums Jahr 5691 erreicht sein könnte. Sollte wirklich das Ende sich' in unserer jetzigen Zeit vorbereiten oder vollziehen? Wer vermag sich dieses Heil zu vergegenwärtigen? Aber wer schaudert nicht auch bei dem Gedanken, daß, weil vielleicht unser Volk nie so erlösungsbedürfttg war wie jetzt, das Ende kommen müßte, ohne daß jedoch unser Volk erlösungsreif geworden wäre. Was das heißen würde, hat Saadja in seinem Werke nuHl nttlöK in anschaulicher Weise ungefähr folgendermaßen ausgedrückt: „Wir wissen, daß, wenn wir nicht vollständig zur Thauro zurückkehren, wir bis zum letzten Ende auszuharren haben. Aber wenn das letzte Ende herannaht, bevor wir die völlige Rückkehr vollzogen haben, so wäre es töricht, zu meinen, daß wir schuldbeladen des Erlösungsglückes teilhastig werden könnten, da wir doch wegen unserer Schuldenlast gerade ins Unglück geraten sind. In solchem Falle, so überlieferten es unsere Weisen, müßten wir von derart fürchterlichen Leiden heimgesucht werden, daß wir die völlige Rückkehr zur Thauro erwählen würden, um von diesen Qualen befreit werden zu können." Wer verhüllt nicht das Anlitz bet dem Gedanken, daß das jetzige Leiden unseres Volkes noch gesteigert werden müßte? Wohl nie war unser Volk so erlösungsbedürftig wie jetzt. Wohl nie waren „die Schritte des Erlösers" so nahe hörbar wie jetzt. Wohl nie war die Sehnsucht stärker als jetzt. Wohl nie war die Hoffnung gespannter als jetzt. Und dennoch! Wenn das „letzte Ende" noch nicht erreicht sein würde in unseren Tagen . . . Wenn es noch wett entfernte Vorboten wären, deren Schritte wir in unserer Nähe zu vernehmen glauben . . . Unsere Hoffnung wird sich immer wieder erneuern. Denn: „wir harren den Verheißungen unseres Königs entgegen Ende nach Ende." Lomspomlenreii u. ßacbriebttii. Deutsches Reich. Die deutfcfien Juden für die deuffdte Heimat- Werlin, 23. Nov. Der Zentralveretn deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens hielt am Sonntag vormittag im Logenhause in der Kleiststraße s-ine Hauptversammlung ab, die von 300 Delegierten aus allen Teilen des Reiches sowie von Abgeordneten aus dem besetzten Gebiet und den abgenennten Teilen des Reiches besucht war. Die Tagung wurde von 3) Malbim hält noch am Jahre 4828 (68 d. ß. Z.) als Jahr der Zerstörung des zweiten Tempels fest. Justizrat Brodnttz (Berlin) geleitet. Als erster Redner sprach Landesrabbiner Dr. Rieger (Braunschweig) über den Kampf der jüdischen Deutschen um ihr Heimatsrecht und schloß mit dem Hinweis darauf, daß die Juden keine Vorrechte erfordern, sondern auf ihrem Rechte bestehen. Der nächste Redner, Syndikus Dr. Ludwig Holländer behandelte in einem längeren Referat das Thema „Im Kampf um unser Vaterland." Er polemisierte im ersten Teil seiner Rede besonders gegen den Freiburger Historiker G?org v. Betow. Im weiteren Verlauf wandte sich der Referent gegen Ludendorff, der in seinem Werke behauptet, das jüdische Volk erstrebte die Besitzergreifung der zu diesem Zweck beweglich gemachten Güter. Der Vorwurf der Drückebergerei der Juden ist völlig unbegründet. Das haben hoh- Offiziere, wie General v. Löser, Oberstleutnant v. Albert und General Deimling ausdrücklich a> erkannt. Ludendorss habe in seinem Werk behauptet, das deutsche Volk hat sich völlig volksfremden und jüdischen Einflüssen hingegeben, und an anderer Sieüe schr.ibt Ludendorff: M t Frankreich und England Hand in Hand arbeitete die Oberleitring des jüdischen Volkes. Das schwerste, was man Juden vorwerfen kann, ist in dieser Abhandlung von Ludendorff yorgeworfen worden. Der Neserem gab anschließend ein sehr reichhaltiges Materal bekannt, um diese Anschauungen Ludendorffs zu widerlegen. Im Anschluß daran brachte Dr. Holländer einen Briefwechsel des Geschästsführenden Ausschusses der Vereinigung deutscher Studenten jüdt'chen Bekenntnisses mit dem General Ludendorff zur Verlesung. Ludendorff lehnte es in seinem Aut oorischretben ab, seine Angriffe in seinem Werke irgendwie zu erläutern, indem er schreibt: , Bet der Stellungnahme der unter jüdischem Einfluß stehenden Presse und damit der Jndenschaft gegen mich, kann ich Ihnen, als einer jüdischen Organisation, eine Berechtigung zu Ihrer Frage nicht anerkenen. (!!) Es kamen dann eine Reihe von Delegierten aus den besetzten, abgetretenen und abzutretenden Gebieten zu Wort. Sämtliche Redner betonten ihre unwandelbare Treue zum Deutschtum. Referendar Dr. Urtas-Hamburg sprach namens des „Verbandes der jüdischen Frontsoldaten." — Im Sinne der Referenten wurde einstimmig eine Entschließung angenommen. Der JUdifdie Frauenbund. Werliu, 23. November. Die VII. Delegierten- und Mitglteder-Versammlung des Jüdischen Frauenbundes fand am Anfang November in den Räumen des Elberfelder Frauenklubs unter Beteiligung von Vereinen und Ortsgruppen aus allen Teilen Deutschlands statt. Der Leitgedanke der Tagung war eine „Orientierung über zeitgemäße Fragen". Die Hauplreferate behandelten: „Die Tuberkulosebekämpfung mit besonderer Berück,Ichtigung der Kindersterblichkeit bei den I rden"; Folgen des Entwurfs zum Retchsschulgesetz für die jüdische Schule",- „Berücksichtigung der Konfession und Weltanschauung im Retchsju g end-Wo hlfahrtsgesetz",- „Stellung des Jüdischen Frauenbund, s zum § 218 des Strafgesetzbuches (Verbot der Abtreibung)". Zum 1. Thema sprach Fr. Dr. Alice Gottschal k-Grabowskt aus Köln. Sie faßte ihre Ausführungen und Forderungen zusammen in den Leitsatz: Tuberkulose ist ansteckend, vermeidbar und heilbar. In der Aussprache wurde die Herausgabe eines aufklärenden Flugblatts „Was alle Kinder wissen müssen" als erste Propagandaarbeit in diesem Sinne beschlossen. Die Frage der Folgen des Reichsschulgesetzentwurfs wurde von zwei Referentinnen, Fräulein Löb und Fräulein Frei mann, Köln, beleuchtet. Die Folgen des Entwurfs für die jüdische Schule wurden an Hand von drei Leitsätzen beantwortet: 1. die jüdischen Volksschulen, die wir haben, können bestehen bleiben. 2. Die Neugründung von staatlichen und privaten jüdischen Gttindschulen ist möglich. 3. Eine B-ieuchtung des Charakters und der Methoden der Grundschulen zeigt, daß die jüdische Bekenntnisschule notwendig ist. Beide Referenten forderen die jüdische Schule, da sie allein im Stande sei, jüdischen Kmdern eine Synthese von jüdischer und deutscher Kultur zu bieten, bet welcher der Unterricht in

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