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Der Israelit · 1921-12-01 · Heft 48 (1.12.1921) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
62 (1921)
Issue
Heft 48 (1.12.1921)
Date
1921-12-01
Page
– (sequence 3)
Language
German
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1. Dezember 1921. Wochenmndschau. Sie »Erledigung^ -er Spliourgesuche in Oesterreich. In der Sitzung des FlnanzauS s chu sses ies österreichischen Nation alrates vom 23. November berichtete Minister Waber über seine Tätigkeit in Sachen der Flüchtlinge und Optanten und teilte u. a. mit, daß von den 200000 Optionsgesuchen bereits 180000 „erledigt" sind. Die übrigen werden bis Mitte Dezember aufgearbeitet sein. Wie diese Erledigung vor sich ging, darüber gab Abgeordneter S ettz Auskunft. Er sagte: „Was die Optionen betr'fft, so gesteht der Minister uns beinah: zu, daß für ihn 'amtliche vorliegenden Opttonsgesuche überhaupt nickt ex.stieren und daß er sich bloß einer formellen Pflicht entledigt, indem er den Auftrag gibt, überall einen abw eislichen Vcrmeik auf den Gesuchen zu macken, wenn man aus einer blos oberflächlichen Durchsicht gesehen hat, daß es sich um die Option einer Person handelt, die in dem Versucht steht, ein Jude zu sein oder irgendeine Beziehung zu Juden zu haben. Der Minister gibt selbst zu, daß das Gutachten des Verwaltungsgerichtshofes, auf das man sich heute beruft, durchaus nicht klar und deutlich ist. Umso-notwendiger wäre es daher gewesen, daß er selbst endlich irgend eine feste Meinung in den Optionsfragen gewinnt. Es kommt vor allem auf den Begriff „Rasse" an. Der Ausdruck ist sichtlich sehr zweideutig. Zweifellos ist unter diesem Begriff, wie ihn der französische Text im Artikel 80 des Friedensvertrages enthält, nicht das verstanden, was wir im gewöhnlichen Splackgebrauch unter „Rasse" verstehen, sondern man denkt hier an eine gewisse Volksgemeinschaft, Knlturgememschast oder vielleicht an eine Gemeinschaft der geschlchtlichfn Entwicklung. Es wäre Pflicht des Mnlsters gewesen, dcn Begriff „Raffe" genau zu umschreben, und so den Behörden eine Weisung zu geben. Denn wir dürftn seine Entscheidungen, Nnnn wir sie in ihrer Gänze betrachten, nicht immer dahin auffassen, daß sie Entscheidungen'gegen alle Juden sind. Der Minister macht dabet bestimmte Ausnahmen. Ein Rcssenjude zum Beispiel, dessen Eltern sich taufen ließen und der nunimhr mit einem Taufschein, aus dem sich seine Zugehörigkeit zum Judentum nicht ergibt, kommt, wird ohne weiteres anerkannt. Der Minister gesteht ja selbst ganz offenkundig ein, daß für die Kleines Feuilleton. Sie wichtigsten Smzelarbellen Professor Sr. Hoffmanns y'xr- Beiträge zu «Vammelwerkrn Jubelschrift zum 70. Geburtstage von Dr. Jsr. Hildesheimer. Bert'n 1890. lieber eine Mechilta zu Deuteronomium. Festschrift zum 70. Geburtstage Dr. A. Berliners. Berlin 1903. Ein Midrasch über die Dreizehn Middoth. Festschrift zum 40 jährigen Amtsjubiläum Rabbiner Dr. S. Carlebochs. Berlin 1910. Die lieber« liefe ung der Väter und die Speisegt setze. Ganz kleiner Auszug von Briträgen in Zeitschriften. Jüd. Presse 18'7. Die biblische Schöpfungsgeschichte und die Geologie. — Einige Aus« spräche unserer Weisen über das G^bet. „ ,, 1878. . Ueber die Synagogen im Altertum. 1879. .^Tste Prvsellten r des adibenischen ' Königshauses. : ■ " „ „ 1883. Ueber die Bedeutung des alten tsraelltischen Opfer kultuS. „ „ litt. Ueber die Speise- und Reichet'-- gesetze der Thora. Der JSraellt. Nr. 48. Sekte 8 Abweisung die Konfession uiaßgebend ist. Es ist eine Ungleichheit, die einfach unerträglich ist, indem man unter Berufung auf die Rasse, diejenigen, die zur Konfession der maßgebenden Kreise in Oesterreich übergetretkn sind, wlitaus günstiger behandelt als b:e anderen. Das kann auf die Dauer nicht g-duldet werden. Der Mtnister hat für diese Geschädigten einen sehr billigen Trost gefunden, indem er ihnen den freundlichen Rat erteilt, sie mögen sich eine Gemeinde suchen, die ihnen die Aufnahme bewilligt, so daß ihnen dann die Staatsbürqersch ft unschwer verliehen werden könne. Das ist für olle reichen Juden ein Ausweg, g-rade für diejenigen Juden aber, die während der Kriegszeit und in der Nachkriegszeit sich h'er einem redlichen Erwerb hingegeben haben, ist das gegenstandslos. Es geht auch nicht an, das Gesetz zuerst zu umgehen und dann die Leute auf ein solches Hintertürchen zu verweisen." Minister Dr. Waber erwiderte darauf, daß mit Rücksicht auf die unerw ünschten Sta'atsbürger aus dem Osten es nötig sei, eine strengere Praxis zur Durchführung gelangen zu lassen. Gegen ein solches Argument wird sich allerdings mit Vernunftsgründen nichts ausrichten lassen. Wo blinder Haß spricht, wird die Gerechtigkeit vergebens ihre Stimme erheben. Das Maltykium der jüdischen Schüler. In b'x in Breslau ^scheinenden „Jüdischliberalen Zeitung" schreibt Rabbiner Dr. Behrens, Göttingen über das Martyrium der jüdischen Schüler und Schülerinnen in den meisten deutschen Schulen u. a. wie folgt: „Im Grunde ist das ja gar nicht neu. Wer in dem irtztkn Menschrnalter eine deutsche Schule besucht bat, meist davon zu erzähl'«. Alle Faktoren erweis, n sich im wlserttlichen a's machtlos. Selbst eine Vorurteils l>se Leitung kann dies e Schlange den Gift;abn nicht aus! rechen. Es genügt j", in der Klosse, ini Unterricht, auf gemeinsamen Spaziergängen ein Wort, eine Gebäide, eine harmlose Bemerkung, um Kiänkung auf Kränkung aus das jugendliche Herz zu häufen, um eine Verbtiterung zu erzeugen, eine Stimmung zu erwecken, die!ste E wachsenen kaum in ihrem vollen Ausmast würdigen und nachempfinden können. Dost die Klassen sich vollzählig absondern von den jüdischen Kameraden, ist etwas Alltägliches gewo den. Das sind Eindrücke, die in der Jugend haften und das Weltbild, das doch nun einmal in der Kindheit in seinrn ersten Konturen sichrbar wird, unverlierbar bestimmt. Es ist schmerzlich, zu denken, daß die natürlichsten und fröhlichsten Stunden unserer jüngerer Generationen vor der Zeit mit diesevl Wermutstropfrn getränkt werden.. Die Harmlosigkeit bat aufgelöst. Die jü dischen Schüler sind geächtet und verfemt und müssen es sich gefallen lassen, daß sie aus Schritt und Tritt wegen ihrer Abstammuno, ihres Namens, ibres Glaubens, gehöhnt und getänselt werden. Wohl ntemc ls ist ein Schülergeschlecht so brutal, so ungerecht, so un- „ „ 1884. Das Schilo tu, Segen Jakobs. „ „ 1887. Die historischen Momente im Schewoneh-Esreh-Gebet. „ „ 189). Die Ueberlieferung der Väter und der Neu-Sadduzäismus. „ „ 1896. Das Olenugebet. „ „ 1898. Der Gottesname. — Die Gebete. „ „ 1899. Die Synagogen im Altertum. „ „ 1900. Das Schemone-Esre-Gcbet. „ „ 1901. Die Lehrweise in Babylonien und Palästina und der Ve kehr zwischen den Schulen beider Länder. Aus dem Magazin für die Wissenschaft des Judentums. (20 Jahrgänge zusammen mit Dr. Berliner herausgegeben). 1875. Die Freilassung des hebräischen Knechtes. 1876. Das Alter des Versöhnung-festes. 1877. Einheit und Integrität der Opfergesetze. 1878. Die jüdisch-traditionelle Auffassung des Gesetzes über falsche Zeugen. — Die Präsidentur im Synhedrium. 1879. Die neueste Hypothese über den pentateuchischen Priesterkodex. — Bemerkung über den letzten Abschnitt vom Trak'ül Baba Mezta. 1882. Bemerkungen zur Kritik der Mischna. 1885. Anmerkungen (zu „Ueber den Kaiserschnitt im Talmud") 1886. Die Bairaita über die vier Söhne.' 1892. Die Antonius - Agadot im Talmud und Midrasch. Zahllose Rezensionen in verschiedensten Zeitschriften. Im Jahrbuch der Jüdisch Literarischen Gesellschaft: 1903. Zur lolmudtschen Lexikographie. 1905. Zur Einleitung in die Mechilta des R. Simon ben Jochat. 1907. Bemerkungen zur Geschichte des Synhedrion. düldiam und so wenig anpaffungssähig.gewesen, wie das unserer Zei>. Ein Lehrerkollegium, das, völlig homogen in sich den Antisemitismus energisch bekämpft und nb'ehnt, gibt es kaum rochen deutschen Landen. Was könnten diese Mümiec für das Gemeinwohl, für die Verständigung der einzelnen Bevölkerungsklaffen leisten, wenn sie nur mellten, wenn sie die Est sicht gewännen in die Notwendigkeit ihrrr^erzieherischen Arbeit, die der Zukunft des Vaterlandes gehören müßte. Di^> wenigen Guigesinnien werden nicht beachtet und dringen mit ihrer Mahnung nicht durch. Es ist ohnehin ein bit eres Geschäft, gegen den Strom schwimmen zu wollen. Die allgemeine Stimmung, besonders in der Ge bildete» schickit, ist aber für den Antisemitismus einmal aus he,gebrachter Gewohnheit, sodann aber infolge der Ei, flußnahme der Presse und der Literatur. Auf seine Autoien schwört ma', denn die müssen es ja wissen. Eigenes Urteil und eig'ne Erfahrung anzurufen, lehnt nran einmütig ob. Wir haben in den Kreisen, besonders der höheren Lehrerschaft, zu wenig Bolksmänner und zu viel Weilsremdheit und Eioenbrödetei. Es ist eine nicht zu charakterisierende Ungerechtigkeit, die unsere'- jüdiichen Jugend stillschweigend geschieht. Alle Erlasse von den höheren Stellen, alle parlamentarischen Elörierungenbringen uns nicht vorwärts, denn sie werden nicht beachtet. Wo sind die führenden Geister, die einmal mit oller Einsttzung ihrer Persönlichkeit den Finger in die Wunde tegen würden? Wo ist die vtelbernsene Wirksamkeit der Religion, die dieses gemeingefährliche Spiel, dieses hinterhältige Treiben öffentlich brandmarken und verurteil, n würde. Wir wollen doch, meine ich, pflichtgemäß zufriedene Staatsbürger erziehen, und nicht Männer und Frauen heranbilden, die schon aus der Schulbank den tiefen Stachel der Verärgerung in ihrer Seele empfinden. Wir düifen nicht dulden, daß die Freiheil der deutschen Republik in diesem Matze besudelt, in den Staub gezogen wird. Wie soll der deutsche Namen seinen alten Klang draußen in der Weil behal en, wenn so kurzsichtig wertvolles Gut zertreten wird. An der Tatsache, datz unsere Jugend ein schweres Martyrium erduldet, können, wir zu unserem Leidwesen nicht deuteln und nicht rütteln." Die Schilderung ist nicht übertrieben. Aber Herr Dr. Behrens vergißt, d'e Wege und Mittel zur Abstellung der Nebel zu nennen. Man kann doch keinen zur Liebe" zwingen. Auch Erlasse von höheren Stellen und parlamentarische Erörterungen vermögen es nicht. Wir haben in unseren Artikeln über „Jüdische Schulfragen 5adbal--inlang und Umgang. rwin Ort: Anfang i Datum Ausgang Ut)i|iNtn.| Ir» 21> 5682 Uhr Min. Frankfurt a. M 4 — 3. 2 5 15 Berlin .... 4 — Dez. Kislew 4 45 München . . 4 15 5 07 Cöln. 4 20 5 20 Stuttgart. . 4 30 5 16 Breslau . . . 3 38 4 33 Nürnberg. . 4 10 5 04 Hambura - 3 55 4 55 1909. Zur Einleitung in ben Midrasch Tanuaim zu D< uteronomium. 1910 Kritische Anmerkungen zur talmudischen Literatur. Zahlreiche Beiträge zu den hebt ätschen Zeilschristen .p^n TS2 n:n*7Dcn nm öScn “in jvi weannn ■fl Je'churun 1914- 1921. In jeder Nummer mit Ausnahme sehr weniger, ist H. mit einem größeren Beitrag vertreten, mir Problemen der Pentateuchrxegese, mit literarischen Notizen, mit apologetischen Auseinandersetzungen gegenüber den antisemitischen Angriffen gegen Talmud und Bibel. Besonde,s im hebräischen Teil sind in jeder Nummer feinsinnige Etkiärungen und Entscheidungen talmudischen Gehalles. Familiennächrichlen. Silberne Hochzeit. HerrKultusvorstand Samuel Eber Hardt und Frau Molchen, geb. Rosenberger in Maßbach, feierten am 24. d. Mts. das Fest der silbernen Hochzeit.

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