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Der Israelit · 1921-11-24 · Heft 47 (24.11.1921) · page 15

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Journal
Der Israelit
Volume
62 (1921)
Issue
Heft 47 (24.11.1921)
Date
1921-11-24
Page
– (sequence 15)
Language
German
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34.November 1921. „Blätte r." x. 80. Seite 8, so fehlten seine schriftlichen Anre'gsungen und Antmg'e Lei keiner Sitzung, zu der sich die Führer der Agiuda versammelten. So wird sein anfeuerrkdes und erwärmendes Wort im Kreise der AgUdas Jsroel über den Tod hinaus weiter wirken und fein Andenken in unseren Reihen für alte Zeiten hoch und heilig« gehalten werden. n'aawn- Eröffnung eines Zlnmigrationsbiiros ln Jerusalem. Jerusalem, 10. Nov. Am Rosch-Chodesch Eheschwan wurde in Jerusalem ein Jmmigrationsbüro für Einwanderer von Mitgliedern der AgUda Jisroel eröffnet. Das Büro wird auch für Verköstigung und Unterbringung der Ojlim sorgieu. Ferner hat das Büro im Stadtzentrum mehrere Mend^Schiurimkurse eingerichtet. Aehnliche Büros sollen auch in den anderen Städten, besonders aber in Jaffa, eingerichtet werden. nTO VL7 Messianismus? Ein Tendenzversuch von L. B. Die Not des Thauro-Bolkes ist surchrbar. Geistig wie materiell. Und da der einzig vernünftige Gesundungswea, genaue Diagnostizierung der Abfallsmotive, so unsagbar schwer, in irgend einem Einzellfall wohl geradezu unmöglich (denn wer versteht sich bald auf solche Psychoanalyse?!) — möchte man schier verzweifeln. Thauro — freilich — ist immer schon ein ä">n gewesen. Aber nur für die Gläubigen. Ohne mtv schützt auch sie nicht vor Verderb. Und noch um eines Andern willen ist Jisroels Bruch so schmerzhaft. Zwei Hauptverderber lassen sich ja unschwer erkennen: verführende Idee und verführende Not. Jene, die Idee, trotz ihrer seuchenhaften Grandiosität als Verführerin dem Kenner jüdischer Vergangenheit nicht eben verwunderlich. Auch nicht dem Kenner Judentumswesens. Geist gegen Geist. Daß aber Not, die grausam-bittere Not dem Thauro-Volke solche Wunden schlägt, ist schier unfaßbar für ein Geschlecht, dem es immer noch, selbst bet minimalstem jüdischem Jntensitätsgehalt, eingeflötzt wurde, datz wachsende Not stets wachsende Treue gegen Gott schuf und — schaffen würde. Es war ein Traum. — Oder sollte der Lehrsatz von der Proportionalität jüdischer Not und Treue nur für den Grenzsall krassen Todesschreckens gelten? Oder datz in der Allianz der Verführer die Idee der Hauptverderber iei, will sagen, daß die in Jisroel von Juden propagierte unjüdtsche Idee die durch Not und Leid zur Treue-Reaktion Disponierten lockpfeifend in den süßlich berauschenden Nebel ätherischen oder erdgerüchigen Judentumssurrogates hineintaumeln ließ? Genug, der Zusammenbruch ist da — ij?S32 f'8 ’iüi? ip >2*71 .138” '38 „ich schlafe, doch mein Herz ist wach" - ist der Normalzustand unseres Golutz. Das wahre Herz ist unser alles, das wahre jüdische Herz. Aber Jisroel ist krank am Herzen, katastrophal herzxrank. Wer, was schafft Energie, Lebensenergie? Soll's eine „neue Idee" sein, oder qac ein „neues Ideal?" Aber Stimulantia sind Gift. Ist ja überhaupt absurd, das Leid Jisroels, Gottes Kindes, von Gott geschlagen, mit Tränklein und Pülverchen menschlicher Geistesalchimie kurieren zu wollen. So könnte nur eins bleiben : Eine Energiequelle, so alt, so ewig, so göttlich wie Jisroel selber {12 V' pfwn 18'127 I2ip D’*i2i ib>b> 8021 mm, 118121*7 12V122 i*7j?o jna v"i woä> drr> 12V1 BHpon i’2i ^iV'i imi.18123 1122.1 : (8"v 1"2) .... 118121*7 12V122 1*7J> 1'V2 Ist ja so Gottes Weise, Heilung zu schassen vor dem Krankheitsschlag. Das also müßte es wohl sein: N'V2 *?V 12 V, die Summe der Moschiach-Beziehungen: Messianismus. Was Messianismus besagen soll? Datz Jeder, Jude und Jüdin, groß und klein, sich als Baustein fühlten zum v'2pi bzb man i'2, nicht nur im Leid als 2'3121 1282 ,28, vielmehr noch in Freud und Glück, — sich als Wegstetn fühlten zu jenem Ziel, zu dem hien eben 1128 und tfits» und U>ip2l 1'2 führen. Messianismus, das spezifische jüdische Energikon. Nicht „neue Idee", nicht „neues Ideal". (Schon schlimm genug, datz es ein . ismus" sein mutz!) Soll nicht mehr sein und nicht weniger als der Sinn jüdischen Lebens. Nerint's Golutz-Ende, nennt's Golutz- Sch'chino-Ende, nennt's wie Ihr wollt — es sei der Sinn des jüdischen Lebens. Wie soll es aber geschehen, datz unser herzkrankes , Volk am Messianismus gesunde? Hier ist es nun, wo diese Zeilen nur schüchterne Psadsucher sein möchten, um die Führer des Volkes, wenn sie es sind, an den Wegestrahlpunkt zu rufen. — Es scheint sich das kranke jüdische Volk in zwei große Gruppen zu teilen: Gläubige und Ungläubige. Die Gläubigendoch ihr Herz ist nicht wach, nicht rege. Es gilt, ihr Herz durch Erziehung, so weit nur irgend ein möglicher Erziehungsetnsluß, ja soweit nur irgend eine mögliche Beeinflussung überhaupt in Haus, Schule und Leben reicht, zu messianistischer Verwirklichung jüdischen Lebenssinnes zu wecken, datz in ihrem Herzen Moschiach-Sehnsucht erstehe, deren Ruf nimmer verstummt, Sch'chino-Heimweh, deren Feuer nimmer verlöscht, bis sie messianistische Tat gebiert — i'imx : '7111.1 111 ^81 '28 n'2 *78 1'18'21V Np 13218 8*71 Messianismus ist enp 1218 Daß darum um des Himmels Willen hier keine Lüge sich einschleiche! Jisroel für Jisroel — da ist kein Zweifel möglich, ist Thauroh-Gehorsam eins und alles. Doch Jisroel für die Welt? Man wolle nicht mißverstehen. Ist Jisroels Zukunftserfüllung Zukunftserfüllung für Menschheit und Welt, so fragen wir: Wie führt der Weg jüdischer Moschiach-bewlitzter Lebensenergte durch oder über die Welt zur Moschiachersüllung? Da gtebt es solche, welche die für Gott werbende Kraft des Jtsroel-Volks-Lebens als dieses Lebens höchsten Sinn betrachten, welche Jisroel als das von Gott instituierte D'3112 ID'JCD erkennen, als das vorbildliche Priesterreich Gottes, das durch seine stumme leuchtende Hoheit alle ruft, die sehen und hören können und — wollen. Und es gingen von hier zwei Sprötzlinge aus: Es glaubten die Einen, in einer „aufklärenden" Emanzipattonskulturlust kosmopolitischen, individualisierenden Humanitätszeitgeisles, als wirkende Kraft dieser stummen Missionstendenz des jüdischen Volkes betrachten zu müssen den durch das Golutzschicksal des Volkes in nichtjüdische Umgebung hineinversprengten Einzelnen, als durchaus vollwertigen, selbständigen Pflichtrepräsentanten des Priesterreickes, und es geschah, daß Einzelne sich einzeln zu fühlen begannen, vereinzelt, einsam, und — sich verloren. Es glauben aber die Anderen, in einer sozialrechtlichen Völkergenesungskulturluft europäisch-wiffenschaftlich-exakten, extrem-nationalistischen Zeitgeistes, als mlrkende Kraft dieser stummen Misionstendenz des jüdischen Volkes betrachten zu sollen den durch die Thauro gegebenen nationalen Charakter der durch das Golutzschicksal des Volkes in nichljüdische Umwelt Hineinversprengten. — Noch ist dieser Sprötzling, so zugleich als Raum- und Zeitgenosse dieser Kulturluft und dieses Zeitgeistes prononciert, noch nicht zur Fruchtreife gediehen. Der im rimmel weiß, ob er Segensfrucht reifen wird, will sagen: Wahrheitsfrucht. Denn Er weiß, ob Zeitgeistspur an ihm haftet. — — Und wiederum solche, die es mitwlrkend erleben, datz jede zu Gottes Willensbefriedigung befreite Gotthörige Energiespur in Mensch- und Naturwelt, datz jede Ii3t2-Tat, datz jedes 1111- und i*7.ii-Wort, datz jedes der Gotthuldigung dienende Denken und Fühlen die Mensch- und Naturwelt zum Hinanreifen zur Moschiach-Vollendung segnet. — O, die Glücklichen, die es gläubig erleben I Und wiederum solche, öle erkennen in der durch Jisroels Thaurogehorsam bewirkten Willensbeiriedigung Gottes (für welche jede zu größtmöglicher Wirkung zu bringende werbende Kraft desGotlesvolkes nur evenso Einzelpfltcht ist, wie jede andere Thauropflicht auch (2"i2 p"2 yni a'*>21,; 8"' ‘'“q /!?i n"s D'2^2 ‘bn, '2”2;) die einzig mögliche und dabei durchaus völlig an sich genügende (und darum wohl auch keine sonstige Tendenz neben sich duldende) Voraussetzung dafür, datz unserem Volke die Erlösung und dann — und damit — der gesamten Kreatur das Gnadenwunder Moschiach's zu Teil werde (1“' vym 5)12 ,2".12;ti>"21 1"1D 3v5t '’D 1''1' pl/2 '"213) So viele Wege, und wahrscheinlich noch viel mehr und heute — sind wir, wo wir sind. Sind sie alle falsch? oder ward nur der wahre von ihnen nicht getreulich von allen beschrilten? Aber Wege zum Ziel sind alle gewiß nicht. Führte doch der erste offenbar ins Verderben. Wenn nun versucht werden sollte, messianistische Erziehungsbahnung unserer Gegenwart und Zukunft zu verwirklichen, dann wird es vor allem darauf ankommen, mit ehrfurchtsvoller Scheu und Wahrhaftigkeit zu prüfen, ob der gewählte Weg in feiner Programmmethode von falschen, weil nur zeitlichmodernen, darum unwahren, darum unjüdtschen Anschauungen, Begriffen und Schlagwörtern rein ist. Denn nur diese Reinheit würde den Weg zu einem wahrhaften machen, zu einem Jisroels, des Gottesvolkes, würdigen, zu einem der Hoheit des Zieles, Moschiach's, entsprechenden. Sollte solche Ueberzeitlichkeit im Angesicht der überzeitlichen Thauro unmöglich sein? Aber wiederum, wetl's »ip 51218 ist, heiliger Boden, mutz über diese praktische Erwägung hinausgegangen werden, um der Wahrheit willen. Es harrt der Antwort die Frage: Ist Messianismus vielleicht nur Sinn historischen Weltgeschehens, aber nimmer stolzes Strebeziel bewutz- .ter Judentumserfüllung? Ist Messianismus Gottes Wellenplan, Absicht mit seiner Welt, aber nimmer Menschheitsaufgabe oder gar der Menschheit anmaßende Absicht mit ihrem Tun und Streben? — Herzenssehnsucht, die in i*7B5i und 13151 sich heiß vor Gott ergießen mag und soll 112- 2"1 ö"2 I2)tt>1 ,*71, '2"2) 11*72511) — aber nimmer die Tat des Armes, des Herzens und des Geistes beherrschen darf (2"i '"2, 22»)? — Oder anders gefragt: Entspricht es der Thauro- Wahrheit, zur höchsten Intention des jüdischen Lebens Moschiach zu machen (vielleicht selbst gar, wenn man Golus-Sch'chino-Ende drunter faßte), oder Ist nicht für ewig unseres Lebens Pflicht-1312 das reine 2»22> 2ti^>?! Und dies umsomehr, wenn etwa Messianismus nicht weiter reichte, als bis Moschiach, Messianismus also, wie Goluß zwischen sip und slp liegend, nur so wie Golus — Episode wäre?! Man könnte und wird wohl auch sagen: Wenn es nur die Herzerweckung schafft, warum nicht gar wirklich die selbst nicht höchste Moschiach-1313? no&b 81?P 1112V 12^*7 812’. Allein, ist Messianismus aus Opportunität nur intendiert noch — Messianismus? Dies zum Ersten. Und ist Messianismus, dann ist er wahrhaft oder er ist nicht. Er führt, im Zentrum des jüdischen Lebens fußend, zu so hohem und höchstem Ziel, daß, wie beim Kreis die zunehmende Länge der Radien auch die kleinsten Mittelpunktsmittel zur Me'klichkeit bringt, auch hier die kleinste Abirrung vom wahren Zielweg sich zum Irrweg, zum Unglück auswachsen könnte oder müßte. Dies das Zweite. Und ferner. Man bedenke nur: Man würde es unternehmen, Jisroels Zukunft auf Messianismus als höchstem Sinn und Ziel erziehend aufzubauen. Auf Messianismus, der also eventuell nach der Wahrheit und Wahrhaftigkeit jüdischer Weltanschauung überhaupt außer menschlicher Tendenzpfltcht oder gar Tendenzmöglichkett und -berechttguug liegt. Müßte man nicht fürchten, eine durch seine nur mehr oder minder zu rechtfertigende Hochstellung geweihtes, geheiligtes — Schkagwort zu schaffen, ein Schlagwort, gerade durch diese Hoch- und Zeniralstellung geradezu reizend zum Mißbrauch durch verführende Idee, gleichwie etwa Zion, da es zum Schwerpunkt jüdischen Lebens, zum Zentralpunkt des gesamten Denkens, Fühlens und Wollens gemacht wurde, als unseliges Schlagwort durch Massen und Gaffen gezerrt, als berauschendes Stimulans zum Aufschwung der flügellahmen Seele entjüdischten Judentums mißbraucht, entweiht? Dies das Dritte. Vielleicht wird man erwidern dürfen: Kein Gegensatz. keine Anmaßung, keine Fälschung, keine Gefahr. Denn -. 2'2V 2V^7 die 1312, und N'V2 bv 12V die 12V12, will sagen: 2’2V 2V^ die Intention jüdischen Lebens, 13125-1 1VP31 128V 1"2p1 '32*7 111 113, und 1’V2 *7V 12V die dem jüdischen Leben geschehende Sinngebung durch gedankliche Erfassung und gemütliche Erlebung, die die vollkommene Erfüllung des iipi “|’3ii 722, kurz: 2’2V 2V^7 höchstes „Warum", 1’Vv ^V 12V höchstes „Wie" des Lebens Jisroels, ja aller Kreatur. Ob aber so oder anders die Antwort ausfallen müßte, wenn nur das Eine sicher ist: daß Messianis. mus jüdisch ist (und wie sollte i’Vv *7V 12V es nicht sein?!) — will sagen, daß die Welt Moschiach entgegenreift, (3"2'2 i"2 ,2'ipp), dann ist Messianismus das jüdische Zweckgesetz des historischen Geschehens. Damit scheint sich der Heilungsweg auch für jene anderen unseres Volkes, die am Herzen krank flnd, zu eröffnen. Die Ungläubigen. Ihr Herz schläft nicht. Es schlägt. Aber falsch. Pocht laut, zu laut für Trugglück. Das ist ihr Leiden. Jene, welche die ganze Welt ihrer Konstruktion und sich selber in die ehernen Ketten morallosen Kausalgesetzes schmieden und in Schuld und Sühne nichts anderes zu erblicken vermögen, als Dummheit und Unglück. Und Jene anderen, welche ihre Weltanschauung im Allgemeinen zwar noch nach messianistischer Weise aufzubauen meinen oder vorgeben, im Besonderen aber in praxi am Gängelband kausalgesetzlicher Moral einherstolzieren, also daß als ganzer Messianismus nur noch das schemenhafte Trug- und Lockbild einer als Ideal, will sagen: als Unmöglichkeit erklärten Zukunftsphantasie übrig bleibt. Also daß diese wie jene, was 131V1 sei, nicht ahnen können. Und an 121V1 hängt doch alles. Selbst Moschiach! (2'V 1"8 s’11132 ,'J?1 -1"1 1"2 121V1 '*71 /2”2). Das Prinzip des Heilungsversuches ist klar: da der Glaube fehlt, den Blick der Erkenntnis zu öffnen, zu überzeugen. Es müßte ein Werk geschaffen werden, in welchem 8i’V2i 82pp, des Moschiach Spuren, in Mensch- und Natur Weltgeschichte nachspürend auszuzeigen versucht würde. Man sage nicht von vornherein, das sei unmöglich. Ist ja urjüdische, nur der Verwirklichung noch harrende Wahrheit (z, B. i„2p 2’*7ii). Man versuche, objektives Mensch- und NaturweltgeschichtSe material auf meffianistische und nicht auf sogenanntexakt misienschaftliche, will sagen: tendenziöS-europäiiierende Weise zu systematisieren — eine, nein, die Aufgabe jüdischer ulllversttsg literaruml — und eS sollte ausbletben können, datz, gleichwie bei Durch« trahlung die inneren Teile sich, dunkler oder Heller,! chattenhaft auf dem Schirme malen, so auch hier wenigstens die katastrophalen Knoten und epochalen Verstärkungen des göttlichen Geschichtsgewebes dem fast Offenbarung schauenden Auge in einer Weise sichtbar würden, welche mehr als eine nur träumende Ahnung von der Struktur des ganzen Gewebes eröffnet?! Gauz zu schweigen von allem Segen, der ohnedies aus solcher, ehrlich geübter, messianistischer Wiffenschaft strömen müßte. So leuchtet es ja ein: „Wiffenschaft des Judentums" ist messiantstisch, oder sie ist nicht des Judentums.

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