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Der Israelit · 1921-11-24 · Heft 47 (24.11.1921) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
62 (1921)
Issue
Heft 47 (24.11.1921)
Date
1921-11-24
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 Nr. 47 ®n Sftaeiu 24 November 19S1 Geldbeschaffungsversuchen dazu gezwungen worden, eineempfindlicheprozentual-Herabsetzungallerseiner Unterstützungen zu beschließen, während die wirtschaftliche Lage der Armen und des Mittelstandes im Gegenteil eine Heraufsetzung dringend erfordern würde. Der Vorgang hat beträchtliche Aufregung in jüdischen Kreisen hervorgerufen, ohne daß es vorläufig den Anschein hat, daß eine Rettung der Lage und insbesondere eine dauernde Sicherung der Einnahmen ermöglicht werden könnte. Rumänien. Dreafler Uber Sie baue Ser rumänifthen 3u8en- London, 4. November. Der aus Rumänien zurückgekehrte Dr. Ga st er hat im Joint Foreign Komitee über seine Einbrüche.-in Rumqnte.n in längerer Rede berichtet, die in jüdisch-nationalistischen Kreisen starken Anstoß erregt. Dr. Gaster girg davon aus, daß er schon im vorigen Jahre gelegentlich des Abschieds- Bankettes für den Chief-Rabbi öffentlich erklärt habe, die rumänischen Juden seien nunmehr im Besitze voller Freiheit und hätten keine Ursache zur Klage wehr. Er sei glücklich, diese Behauptung auf seiner Reise durchaus bestätigt gefunden zu haben. Das trifft sowohl auf die älteren Teile Rumäniens zu, als auch auf die neuerworbenen Provinzen. Durch ein kürzlich veröfftntliches Dekret ist die ungeheure Mehrheit der Ju^-en ln Alt Rumänien vollkommen emanzipiert worden. Ein kleiner Teil von 10 oder 207hat seine vollen Bürgerrechte noch nicht erlangt, weil er von Pseudo-Zionisten verführt worden ,sei, sich nicht rechtzeitig innerhalb der festgesetzten-Frist zu melden, in der Hoffnung, daß dadurch größere Konzessionen erlangt werden könnten. Erst vor wenigen Tagen hat Dr. Gaster eine direkte Mitteilung von der höchsten Stelle in Rumänien erhalten, worin vollste und g ewissenhaftesie An Wendung der die jüdische Gleichberechtigung sichernden Gesetze fest versprochen wird. Bet den letzten Wahlen ist in Bessarabien RabbinerZ i r e l s o h n, der Vorsitzende der bessarabischen „Agudas Jisroel" und in der Bukowina der Zionist Dr. Strauch er gewählt worden. In Alt-Rumänien haben nun die zionistischen Drahtzieher beschlossen, einen jüdischen Block zu bilden, mit der Behauptung, daß das unglückselige Mtnoritätenfchutz-Gesetz nicht in günstiger Weise auf sie angewendet werde. Infolgedessen verbündeten sich natürlich alle anderen politischen Parteien gegen die Juden, sodaß kein einziger jüdischer Abgeordneter dort gewählt wurde. Er (Dr. Gaster) habe den rumänischen Juden gesagt, daß der Jude kein Recht habe, für sich eine besondere politische Position zu beanspruchen, sondern daß die Juden frei seien, denjenigen politischen Parteien sich anzuschlteßen, zu denen ihre politischen Anschauungen neigten. Natürlich gäbe es immer Leute, die fühlten, daß. sie sich über etwas zu beschweren hätten und die unbedeutende Dinge übertrieben. Sie reiten auf der Vergangenheit herum und statt in die Hand einzuschiagen, bte ä ihnen von der rumänischen Regierung entgegengestrcckt wird, versuchten sie eine Art Guerillakrieg sortzusetzen. Dr. Gaster hat die rumänische Regierung auf die in der Verwaltung vielfach herrschende Korruption aufmerksam gemacht und aufmerksames Gehör gefunden. Die Negierung erwarte Hilfe bei der Lösung der großen Aufgabe, das Land auf gesunder Grundlage zu konsolidieren. Man dürfe natürlich nicht erwarten, daß ein tiefeingewurzelter Antisemitismus sofort verschwindet, aber er sei überzeugt, daß ein beträchtlicher Wandel zum besseren für die rumänische Judenheit eingetreten sei. Die Schwierigkeiten, die verblieben, seien durch den neuen Zionismus geschaffen, der die alten Ideen des Zkonisnms aufgegeben habe. Man habe den Leuten eingeredet, Palästina sei jetzt jüdisch, und wolle m Rumänien Schulen mit hebräischer und jüdischer Unterrichtssprache einrichten. Dr. Gaster schilderte dann die Lage der 40000 ukrainischen Flüchtlinge in Rumänien, die von der Regierung zum Teile im südlichen Rumänien auf eine Reihe von Ortschaften verteilt worden sind. In der Debatte wurde von zionistischer -Seite gegen die Ausführungen Dr. Gasters natürlich starker Protest eingelegt. Smanas-Sabbafruhe. Bukarest, 9. November. Der Jüdische Nationalrat in Siebenbürgen ist im Ministerium um Durchdringung eines Gesetzes bemüht, das alle jüdischen Geschäfte in Siebenbürgen zwingen soll, am Sabbat zu schließen. Frankreirh. äenfrale fUr Emigranten- Baris, 17. November. Auf einer Konferenz, an der Vertreter der Jca, Haias und Dr. Paul Na t h an vom Hilfs vereme der Deutschen Juden teilnahmen, wurde beschlossen, eine Zentrale für jüdische Auswanderung zu schaffen. Ualasttna. Rus Paläfiirm- Jerusalem, 16. November. Infolge der allgemeinen wirtschaftlichen Krise, die verstärkt wird durch das Ausbleiben der amerikanischen Gelder ist, nach einem Bericht des „Daor Hajaum", die Not insbesondere der orthodoxen Institutionen in Jerusalem sehr groß. Aus der Mitte der Kolonie „Risckron Lezion" wurde beim Oberrabbinat scharfer Protest eingelegt gegen die Baugruppe „Schlckal", die am Sabbat ostentativ mit ihren Wagen in die Kolonie angefahren kam. Das Oberrabbinat tat diesbezügliche Schritte bei der Kolonieverwaltung, die den Schuldigen einen Verweis erteilt hat und sie ernstlich verwarnte, derartige Verletzungen der religiösen Gefühle nicht zu wiederholen. Der Bau des Hospitals „Bikur Choltm", der bereits in vollem Zuge war, mußte aus Mangel an Mitteln eingestellt werden. Es ist zu hoffen, daß mit Rücksicht auf die Notwendigkeit dieser Anstalt, die Bauarbett bald wieder ausgenommen werden kann. In der sefardischen Talmud Thora ist eine neue Abteilung unter dem Namen „Tiferes Jeruschalajm" eiöffnet worden, in der besonders solche junge Leute herangebildet werden, die den Rabbiner- oder Schochet-Veruf ergreifen. Es ist bedauerlich, konstatieren zu müssen, daß während in Jaffa die Bautätigkeit eine sehr rege ist, von einer solchen in den jüdischen Kreisen Jerusalems kaum zu merken ist. In nichtjüdischen Kreisen wird dagegen sehr fleißig an der Errichtung von neuen Häusern gearbeitet. Im jüdischen Viertel „Meah Schearim" sind im ganzen drei Häuser hinzugekommen, ebensoviel in „Sichraun Mosche". Eine Folge davon ist die Teuerung der Miete für alle Wohnungen, die zum größten Teil nichtjüdischen Besitzern gehören, ü Eine neue Jeschiwah in der Nähe vom Krankenhaus „Misgaw Ladach" ist im Bau begriffen, und ist zu hoffen, daß nach Mem Jahre die Stadt Jerusalem um ein schönes Gebäude und eine wichtige Institution bereichert wird. 0er 2. noDember in Jerufalem- Jerusalem, 12. Nov. Der unmittelbar nach den Unruhen von Jerusalem eingesetzte außerordentliche Gerichtshof hat bisher folgende Urteile gefällt: Ein Araber, bei dem eine Bombe gefunden wurde, wurde zu fünfzehn Jahren Gefängnis verurteilt, ein zweiter Araber gleichfalls zu fünfzehn Fahren, weil er bewaffnet an den Exzessen im jüdischen Viertel teilgenommen hatte. Ein Araber wurde zu fünfzehn Monaten, zwei zu zwölf Monaten, drei zu neun Monaten und vier zu Geldstrafen verurteilt, acht wurden frei gesprochen. — Drei Juden winden verhaftet, gegen welche demnächst der Prozeß statlfinden soll. Amtlich wird nun die Liste der Opfer der Ausschreitungen in Jerusalem am 2. November bekanntgegeben: Tote: Abraham Mesner aus Przemysl, 19 Jahre alt,' Arte Peterfraind, 28 Jahre alt- Jsachar Lolowizky, 36 Jahre alt; David Cohen aus Marokko, 45 Jahre alt. Verwundete: Samuel Agony aus Saloniki, 19 Jahre alt- Rabbi Salman Rubin, 60 Jahre alt- Meir Cohen, 26 Jahre alt- Jsak Snowman, Max Lubic, 33 Jahre alt- Alexander Block aus Budapest, 30 Jahre alt- Stephan Türk, 32 Jahre alt- Reuben Rapp aus Polen, 27 Jahre alt; Simon Slohan, Moses Fischmann, S. Pomeranz uus Pcken, 21 Jahre ali5- Moses Wolf, Abxaham Levin, 40 Jahre alt- Israel Ortstein, Jakob Schwarz, 72(1 Jahre alt- Benjamin S»4 6 Jahre-ialt-cDavid- Michael Ghwily, öO^älfrT UMBiWrrLbWhre at#r; ^Schtfra iLo'lcli,^..18 . Masel Cohen, Berta -h, 25 Jahre alt. Die Befiattung der Opfer. Jerusalem, 7. November. Am Freitag Mittag wurden die vier Opfer der Unruhen vom 2. November auf dem Oelber ge zu Grabe getragen. Schon am frühen Morgen sammelte sich eine große Gemeinde um das Rothschild'sche Krankenhaus, um den Toten das letzte Ehrengeleite zu geben. Mllitärabtei-- lungen und jüdische Polizei bildeten die Ehrenwache und hüteten die Ordnung. Die erste Trauerrede hielt Oberrabbiner Jacob Meir. Nach ihm. sprach Oberrabbiner Kuk. Dieser sagte: Aus zwei Gründen könne Mn an diesen Bahren nicht weinen, erstens sei der schmerz zu groß, um die Tränen fließen zu lassen, zweitens weint man nicht an der Bahre von Heiligen, die sich für ihre Brüder geopfert, sondern schöpft aus deren Heldentaten neuen Mut. Es sprach noch der Vater eines der Ermordeten in rührenden Worten. In der Nähe vom Oelberge stellte sich ein starkes Militäraufgebot der Menge in den Weg, so daß eine nur verhältnismäßig geringe Zahl bis zu den Gräbern mit hinauf konnte. Die Zahl der Teilnehmer am Trauergeleite durch die Straßen wird auf 8—10000 geschätzt. Jerusalem, 18. Nov. In einem Schreiben, das von 250 der angesehensten jüdischen Kaufleute in Jerusalem unterschrieben ist, beschwert sich die jüdische Kaufmannschaft Jerusalems beim Oberkommissar über die Verwaltungstnstanzen, die alle Verantwortung für die öffentliche Ordnung am 2. November übernommen haben und ihrer Psitcht nicht nachgekommen sind. Sie verlangt für die Zukunft besseren Schutz für jü- | disches Leben und Eigentum. Personalien. Griesheim, 13. Nov. Eine Zierde der Frauen wurde in Frau Rickcheu Joseph im noch nicht vollendeten 61. Lebensjahre am vergangenen Pin tt>*n zur ewigen Ruhe bestattet. Das große Leichenbegängnis legte beredtes Zeugnis ab von der großen Liebe und Wertschätzung, deren sich die Verstorbene erfreute. In ihr vereinigten sich die schönsten und edelsten Tugenden einer Frau, wie sie auf dem Lande immer seltener werden. Mit echter Frömmigkeit und Herzensgüte ausgestattet, war sie durchdrungen von der nms* zu unserer ntPHpn y’jmn, deren Vorschriften sie peinlichst genau beobachtete, sodaß sie mit Recht als eine wahrhaft fromme und gottesfürchtige Frau galt. Trotz der schweren Schicksalsschläge, die auch ihrer Familie durch den Krieg nicht erspart geblieben find, blieb sie standhaft und gottergeben im Vertrauen zu Infolge des L>-!N twn war es nicht möglich, sie durch ein “iedh zu ehren, wie sie es verdient hatte. Möge Gott bte Hinterbliebenen in ihrem Schmerze wieder aufrichteri. n"aSin. Vermischtes. Breslau, 4. Nov. Der Lehrstuhl der s e m i t i sch en Philologie an der Breslauer Universität ist an

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