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Der Israelit · 1921-11-24 · Heft 47 (24.11.1921) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
62 (1921)
Issue
Heft 47 (24.11.1921)
Date
1921-11-24
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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24. November 1911 Der MraeM No. 47 «eite 5 mäßiges Recht auf freien AufenhalL nur den Staatsbürgern zustehe.! . •-—l Die Delk-Zscob-Dewegung Krakau, 21. November. * Unter dem Namen „Beth-Jacob" sind hier in Krakau wie in Tarnow, Meletz und anderen Städten Galiziens jüdische Mädchenschulen gegründet worden/ die in religiösem Geiste jüdisches und profanes Wissen den Schülern übermitteln. Diese Schulen bilden einen der besten Erfolge der Aguda-Bewegung. f Volon. Dr. Posnamfti, Oberrabbiner non fflarfdiau. Warschau/ 21. November. Eine zettlang hörte man nicht wehr viel von der Kandidatur Dr. Posnanzkis als Oberrabbiner von 'Warschau und man konnte der Meinung sein, daß man von neologer Seite nun gewillt sei, den Gefühlen und Wünschen ver Gemeinde in ihrem überaus größten Teile Rechnung zu tragen. Umso niederschmetternder wirkt die unerwartete Mitteilung, daß dieser Tage in aller Stille Dr. Posnanzki vom Ministerpräsidenten Ponikowskt als Oberrabbtner von Warschau bestätigt wurde. Man geht nicht fehl in derAnnahme, daß der Ministerpräsident gleich bei Antritt seines schwierigen Amtes, da tausend Dinge der Erledigung harrten, mit dieser Angelegenheit, die er nicht genügend kannte, einfach überrumpelt worden ist. Hätte Ponikowski die Akten studiert und die Gründe geprüft, die seinen Vorgänger Rattai von der Bestätigung abhielten, dieses Attentat auf die geheiligten Traditionen der Gemeinde wäre nicht zustande gekommen. Man sieht darin die Hand eines Herrn Adelberg, der als Chef der Abteilung für jüdische Angelegenheiten im Ministerium auf Ponikoweki großen Einfluß hat und andererseits mit Posnanzki eng befreundet ist. Es ist begreiflich, daß sich jetzt die allgemeine Erregung hauptsächlich gegen diesen Adelberg richtet, der es für gut findet, die jüdischen Angelegenheiten eigenmächtig nach Art der jüdischen Gewalthaber zur Zeit von Nikolaus zu „erledigen". Zur Sache selbst ist daran zu erinnern, daß seit Jahrhunderten die Stelle des Oberrabbinats in Warschau aus Pietätsrücksichten unbesetzt blieb und daß Dr. Posnanzki wohl ein hervorragender Gelehrter ist, der manches zur Bereicherung der jüdischen Wissenschaft beigetragen hat, aber die Qualifikation eines Raw, zumal in der größten Gemeinde des Ostens, deren Rabbtnatskollegtum aus anerkannten Thoragrößen besteht, keineswegs besitzt. Das Dekret des Ministerpräsidenten kann ihm höchstens den Titel, niemals aber die Autorität oder die Anerkennung der Gemeinde verschaffen. Rabbiner beim nTinifierpräfiflenten. Warschau, 17. November. Am Montag empfing der Premieur Ponikowskt eine Delegation des Rabbinerverbandes, bestehend aus den Rabbinern Kahona-Warjchau, Ltebschütz-Kaltsch und Kanal-Btaschki. Die Rabbiner baten 1. um Bestätigung der Statuten des Verbandes, 2. Revision des Prozesses des Hingerichteten Rabbiner Schapiro aus Schiedlez, 3. Abschaffung des immer noch üblichen Kurzolls für Juden, der der Verordnung des Mintsterrates widerspricht, 4. Sabdardispens für Mische Kinder in den Regierungsjchulen, 5. Erteil« g der Rechte einer öffentlichen Schule an die Chedarim. Der Ministerpräsident zeigte sich all diesen Wünschen sehr geneigt. Die Statuten des Rabbtnerverbandes sollen noch diese Woche ihre Genehmigung erhalten. Ebenso sind bereits Schritte unternommen zur Revision des Schapiroprozeffes und der Abschaffung des Kurzolles für Juden. In der Frage des Sabbatdtspensens in den Schulen und der Chedarim konnte der Minister nur versprechen, daß die Anträge mit dem nötigen Ernste im Mintsterium erwogen werden sollen. Warschau» 17. November. In Schiedlez verstarb plötzlich der Vorsitzende des Feldgerichtes, das seinerzeit - Rabbiner Schapiro verurteilt und hingertchtct hat, Wladtslaw Pepl owski in noch jugendlichem Alter. Kitarrerr. Die HJahlen in flJilna. Witna, 16. November. Auf eine Anfrage der Regierung bei der Wilnaer Kehilloh, wie sie sich zu den bevorstehenden Landtagswahlen für Zentraüitauen verhalten würde, beauftragte diese Dr. Wigodski, dem Minister zu erklären, daß, solange ein Dekret über die Wahlen nicht veröffentlicht ist, eine Stellungnahme der jüdischen Parteien zu den Wahlen nicht erfolgen kann. Kurland. war gebt in ber Uhraine vor? Warschau, 22. November. Die neuesten Vorgänge in der Ukraine erwecken hier die größten Befürchtungen. Flüchtlinge, denen es gelang, polnisches Territorium im Kreise Wolynien zu erreichen, erzählen von neuerlichen Pogromen in mehreren Städten. Ueberall sind aus jüdischen Kreisen Geiseln eingezogen worden, denen man mit Erschießen droht, wenn die Stadt die Forderungen der Aufständigen nicht erfüllen sollte. England. Lord Rolhfdiilb unb bas Paläüina Problem- London, 17. November. Lord Rothschild hat in Leeds dieser Tage eine Rede gehalten, die charakteristisch für den gegenwärtigen Stand des Palästina-Problem es ist. Es handelte sich um die Eröffnung eines Wohliätigkettsbazars. Der Redner führte aus, daß man im Namen der Menschlichkeit den ostjüdischen Auswanderern helfen müsse, die nach Palästina gehen wollen. Palästina sei indessen nicht das öde und unbewohnte Land, für das es viele Leute ausgeben, und es sei für einen Emigranten, der aus einem halbverhungerten Lande, ohne Subsistenz-Mittel nach Palästina auswandere, unmöglich, sein Ziel zu erreichen, ohne am Anfang unterstützt zu werden. Als zuerst vorgeschlagen wurde, den unglücklichen Juden Ost Europas zur Auswanderung nach Palästina zu verhelfen, habe große Begeisterung geherrscht und er fürchte, daß diese Leute zu viel Hoffnungen und Erwartungen gehegt haben. Es seien jetzt beträchtliche Schwierigkeiten vorhanden. Wenn diejenigen, die den Emigranten helfen und neue Ansiedler ermutigen wollten, den Einwohnern des Landes klarzumachen, suchten, daß jene in keiner Weise mit ihnen zusammenstoßen, sondern, daß sie nur aus furchtbarer Unterdrückung unter die wohlwollende Herrschaft Groß-Britanniens flüchteten, so würde sich die Ansiedlur g von Juden in Palästina in friedlicher Weise volles hen. Bestrebt Euch, so schloß Lord Rothschild, freundliche Beziehungen zwischen den ankommenden Juden und den Einwohnern des Landes herbeizuführen. Nur auf diese Weise können wir hoffen, endlich ein wohletngerichtetes Heim für die Juden zu schaffen. Ich hoffe, es wird ein fortgefitzter Strom von Einwanderern sich nach Palästina ergießen, der dieses Land wohl zu einem Lande, das von Milch und Honig fließt, gestalten wird. Wenn man bedenkt, daß Lord Rothschild die historische Persönlichkeit ist, an die die Balfour- Erklärung gerichtet war, so erscheint es begreiflich, wie wenig zufrieden die zionistische Organisation mit dieser Auffassung von Zionismus und Balfour- Erklärung ist. Das JTlandaf. - London, 18. November. Bei der Beantwortung von Anfragen, die sich auf dem bekannten Verkauf großer Ländereien des britischen Patriarchats in Jerusalem an die zionistische Organisation bezogen, teilt die Regierung im Oberhause mit, daß sie an sich keine Veranlassung habe, den Völkerbund um Hinausschiebung seiner Entscheidung über die Mandate mit Rücksicht auf die englichen Parlamentsverhandlungen zu bitten. Indessen sei keine große Aussicht auf Bestätigung des Palästina-Mandates durch den Völkerbund vorhanden, solange der Vertrag von Saures nicht ratifiziert sei. Oie arabtfche Delegation. London, 18. November. Die arabische Delegation hat sich durch den kalten Wasserstrahl, den sie von den Regierungsorganen zunächst empfing, nicht abschrecken lassen. Sie veranstaltet in mannigfachen Formen Zusammenkünfte mit politischen Persönlichkeiten, um gegen die zionistischen Bestrebungen und gegen die Balfour-Deklaratton Stimmung zu machen. Immerhin scheinen die Herren doch zur Einsicht gekommen zu sein, daß es eine allzu starke Zumutung für die englische Regierung bedeute, die Zurücknahme einer feierlichen Erklärung zu verlangen. Wie gemeldet wird, soll vielmehr sofort nach der Wiederherstellung des zur Zeit unpäßlichen Kolonial-Mintsters Churchill eine Zusammenkunft zwischen der arabischen Delegation und den zionistischen Vertretern unter Churchills Vorsitz stattsinden, bei der natürlich die Balfour- Deklaration selbst die unverrückbare Grundlage der Verhandlung bilden wir». Vom jüdischen Standpunkt aus kann es nur begrüßt werden, daß man sich an den Verhandlungstisch setzt. Der König von Arabien und die Juöen- London, 8. November. Der Vertreter des Hedschas-Königs (bekanntlich des Vaters des bekannten Emir Fetsul) Haddad Pascha, der gegenwärtig in London weilt, hat arabischen Blättern gegenüber eine Erklärung abgegeben, die für die Stellungnahme des maßvollen Arabertums charakteristisch ist. Er sagte: „Wir werden gut daran tun, von England keine Zurückziehung der Balfour-Erkiärung zu verlangen. Es ist ganz unmöglich für eine große Macht so etwas zu tun. Ich glaube nicht, daß ein einziger Araber existiert, der von England verlangen würde, daß es eine der uns gegebenen Versprechungen annulliere. Aber ich glaube, daß das englische Volk, das sein Reich auf der Grundlage der Gerechtigkeit aufgebaut hat, weiß, daß keine andere Grundlage Dauer verheißt und man wird gegen die Araber sicherlich immer mit Gerechtigkeit Vorgehen." Die Hauptsuche sei, daß ein Parlament in Palästina gewählt werde, das gleiche Toleranz allen Konfessionen entgegenbringen wird. Es sei durch Interpretation der Balfour-Erklärung möglich, beide Parteien zu befriedigen, ohne die eine oder andere zu beeinträchtigen. In einem Interview äußerte sich der Herausgeber des Jerusalemer „Daor Hajaum", der edensalls zur Zeit in London sich aushält, daß nach seiner festen Ueberzeugung, eine arabischjüdische Verständigung aus dem besten Wege sei, obgleich die scheinbar so intransigente arabische Delegation in London in der Tat als Vertretung einer Mehrheit der arabischen Bevölkerung angesehen werden müsse. Es fet von der größten Wichtigkeit, daß die englische Regierung eine Aussprache in London herbrisühre, die, sobald sie nur einmal begonnen, auch zu praktischen Ergebnissen führen wird. Die Notlage 9er jüöifcfien HJohitätigheits- Institute. London, 8. November. So seltsam es auf dem Kontinente klingen mag: Auch in dem siegreichen England mit seiner gesunden Valuta ringen die gemeinnützigen Einrichtungen um ihre Existenz und sie sind in einer Weise gefährdet, wie man sie sich vor dem Kriege kaum je vorstellen konnte. So ist die große Zedokoh-Kasse der Londoner Juden, der sogencmntß „Board of Guardians“ nach vergeblichen

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