Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 62 (1921)
- Issue
- Heft 47 (24.11.1921)
- Date
- 1921-11-24
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Set Israelit. Nr. 47. Seite 8 24. November 1921. Grfolge seiner solchergestalt gerichteten Tätigkeit werden sich bis in die fernsten Generationen bemerkbar machen. Es ziemt sich noch, ein kurzes Wort über den Menschen Hoffmann zu sagen. Seine N12V war sprichwörtlich und erinnerte in ihrer Art an die Größten der ältesten Zetten. Er düntte sich nie zu hoch, mit den Kleinsten und Geringsten zu verkehren, wenn es galt, diese zu belehren oder ihnen mit Rat und Tat zu helfen. Den Geräuschen des politischen Lebens abhold, nahm er doch, wenn es nottat, auch Stellung zu den Fragen des jüdischen Lebens. Er betätigte sich als Vorsitzender des Gesetzestreuen Rabbinerv vvka n d e s,als Mitglied des oberstenRabbintschen Raies. der Agudas Jisroel, als langjähriger Ausschuß-Vorsitzender der „Freien Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums, als ^Repräsentant 'der „AdasrWßroel-GMein de. iw Berlinuls^Mitglied des RabbiNates u'ntr-Ehrenmitglied vieler Vereine und Institutionen mit wärmstem Hnteresie. Seine der Wissenschaft geweihte Zeit war ihm nicht zu kostbar, um sie, wenn es ihm erforderlich schien, in den Dienst der ."ttlvrr zu stellen. Man darf von Hoffmann sagen, daß er als Gelehrter vielleicht wissenschaftliche Gegner hatte, als Mensch aber, wie sein Vorgänger Israel Hildesheimer, keine Feinde htnterlaffen hat. David Hoffmann wird uns unvergessen bleiben, wie sein Werk und seine Lebensleistung unverwischllch im jüdischen Leben aller kommenden Zeiten ihre Nachwirkung zeigen werden. .Y'a^n * Bibliographie der Schriften und Aufsätze von Dr. D Hoffmann V'stt. l.-Gesibständige Schriften. 1. Mar SMstel, Rektor der jüd. Akademie zu Nahardea in Babylonien (Lebensbild eines talmudischen Weiien in der ersten Hälfte des III. Jahrhunderts, nach den Quellen dargestellt. Leipzig VI. u. 18 S. S. 1873. 8". 2. Die Zeit der Omerschwingung und des Wochenfestes. (Beiträge zum Jahresbericht des Rabbinerftminars). Beiltn 1874. 58 S. 4". 3. Twin diiv herausgegeben von Dr. A. Berliner und Dr. D. Hoffmann p. 1—22. 4. Der oberste Gerichtshof in der Stadt des Heiligtums. (Beilage zum Jahresbericht des Rabbinerseminars). Berlin 1878. 47 S. 4°. 5. Abhandlungen über die pentateuchtschen Gesetze. I. Heft. Berlin 1878. . 92 S. 8°. 6. Die erste Mischna und die Kontroversen der Tanarim. Ein Beitrag zur Einleitung in die Mischna (Beilage zum Jahrekbericht des Rabbinersemtnars). Berlin 1882. 54 S. (Hebr. Uebersetzung b. S. Grünberg 1912) 7. Der Schulchan-Aruch und die Rabbtnen über das Verhältnis der Juden zu Andersgläubigen. Zur Berichtigung d. v. Prof Gildemeister in dem „Jsaakiade"- Prozesse abgegeben, gerichtl. Gutachtens. Berl. 1885 V!. 8. Zur Einleitung in die halachtschen Midraschim. (Beilage z. Jahresbericht d. Rabbinerfem.) Berl. 1888. 9. U2PK tmeöi Djiino ppn: vjd rwarw: die Mifchnaordnung Nefikin. Hebr. Text mit Punktatton, deutsch. Uebersetzung und Eiklärung. Berl. 1893—98- 10. Der Schulchan-Aruch und die Rabbinen über d. Verhältnis d. Juden zu Andersgläubigen. 2. Aufl. Berlin 1894. 11. v'-QN STEGES nstpb “irs 'ttipb Neue Coürctaneen aus einer Mechilta zum Deuteronomium. (Beilage zum Jahresbericht d. Rabbinerfem.) 1897. 12. Ein Midrasch über die dreizehn Middoth. Festschrift zum 70. Geburtslage A. Berliners. Franks, am Main 1903. 13. Die wichtigsten Instanzen gpgen die Gras- Wellhauseniche Hypothese. Heft I. (Beilage z. Jahresbericht des Rabbinerfem.) Berlin 1904. 14. Mechilta d. Rabb. Simon b. Jochai, ein^halachtscher u. haqadtscher Midrasch zu Exodus. Franks, am Main 1905. 15. Das Buch Levitieus übers, u. erklärt. I. Halbband. Lev. 1 bis XVIII. Berlin 1906. 16. Z. Einleitung in die Mechilta d. Rabbi Simon b. Jochai. Franks, a. M. 1906. 17. Das Buch Levitieas übers, u. erklärt. II. Halbband. Leo. XVIII. Ende. Berlin VI. 1900. 18. Ein Sendschreiben an den Verein z. Wahrung des gesetzestreuen Judentums in Baden. Zur Aufklärung über d. badische Gebetbuchreform. 1907. 19. Midrasch Tannatm zum Deuteronomium, gesammelt u. m. Anmerkungen versehen, ncvst mehreren Beilagen. H.st I. Deut 1, 1-20. Berlin 1908. 20 Midrasch Tannaim z. Deuleronomium, gesammelt u. m. Anmerkungen versehen. Heft II. Deut. 20, 10—Ende. Beilin 1909. 2t. Z. Einleitung t. d. Midrasch Tannaim z. Deuteronomium 1909. 22. Die Mischna-Ordnung Tohorolh. Hebr. Text mit Punktation nebst deutscher Ueberfetz. u. Erklär. I. Heft. 1910. 24. canp '"ex? b"^ rviotp iev bv Snan pvü 23. Das Buch Deuten onomium übersetzt und erklärt l. Halbband i, Berlin 1913. 25. Die wichtigsten Instanzen gegen die Graf- Wellhausensche Hypothese. Heft 2. * *' * Die Bestattung, zu der hunderte von Schülern und Verehrern des Heimgegangenen Großen herbeigeeilt waren, gestaltete sich zu einer überwältigenden Kundgebung der Trauer und der Liebe. Die am Dienstag um 11 Uhr in der Synagoge der Ad atz Jisroel-Gerne in de stattgehabte Trauerfeter wurde nach einem Pfalmenoortrag durch eine warmempfundene Ansprache Dr. Meier Hildesheimers namens der Gemeinde elngeleitet, worauf im Aufträge des Kuratoriums des Rabbiner-Seminars Herr Hermann G u m p e r tz, Hamburg, für die S ch a h- Chewra Herr Prager und im Aufträge des Vorstandes der Synagogengemeinde Adatz JtSroel Herr Kn oller das Wo t ergriffen. Auf dem Friedhose der Adatz Jisroel versammelte sich dann um 3 Uhr ein .zahlloses Trauergesolge aus allen Kreisen und Ständen der Berliner Bevölkerung, das in tiefer Ergriffenheit dem Hesped des Herrn Rabbiner Dr. Munk lauschte. Ihm schloß stch der Sohn des Heimgegangenen, Rabbiner De. Hoffmann, Breslau, an, worauf für das Dozenten-Kollegium des Rabbiner-Seminars Herr Dr. Grün berg, für die ehemaligen Schüler Rabbiner Dr. B o n d i, Mainz und Rabbiner Dr. Cohn, Basel, dem Schmerze um den Verlust des Meisters und Führers erschütternden Ausdruck verliehen. Besonders ergreifend war zuletzt die Ansprache eines der gegenwärtigen Schüler des Heimgegangenen, des Seminaristen Julius Merzbach. Die übrigen noch vorgemerkten Redner, die Vertreter der Synagogengemeinde Breslau, der Freien Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums, des Bundes gesetzestreuer Gemeinden, der Weltorganisation „Agudas Jisroel" und ihres deutschenGruppen verbandeö, sowie der Synagogengemelnde Israelitische Religionsgesellschaft Frankfurt a. M. muhten auf das Wort verzichten, weil die finkende Sonne eine weitere Fortsetzung der Traueransprachen unmöglich machte. o :' Wochenmndschau Baseler Programm und Schmäh Zsroel. In dem von der 3ion^ft^c^en Federation „Binjan Haaretz" herausgegebenen ^Mitteilungsblatt" finden wir eine Betrachtung zu den Herbstfti-r'agen aus ter Feder von Dr. S. Hildesheimer, die eist wertvolles zionistisches Selbstbekenntnis enthält. Der Verfasser spricht von der leider nur selten in der rechten Weise betätigten, manchmal nur einmal im Jahre sich zeigenden Jaum Kippur-Stimmung weiterer jüdischer Kceise und schreibt dann: „Sie alle muffen es wie eine Offenbarung erleben, daß das Schönste und Veste in ihnen die jüdische Religiosität ist, nicht nur die sogenannten liberalen Juden, sondern nicht minder diejenigen zionistischen Gesinnungsgenossen, die da sich und anderen einreden wollen, mit der nationalen Phrase die Jnhaltlosigjkeit ihres Judentums verdrcken zu können. Es tst^ben doch ein Irrtum, in dem viele voll uns sich nur zu lange befunden haben, daß, wie Moses Calvary es einmal ausgesprochen hat, „unser richtungsloser Enthusiasmus, unsere Sehnsucht nach Hingabe, unser Persönlichkeilsdrang, - alles dieses Gewoge von Gefühlen nun eine neue Heimat findet im nationalen Judentum". Es gibt eben doch einen höheren und größeren jüdischen Gedanken als das Bekenntnis zum Basler Programm uird das ist das Schmäh Israel, das wir mit erschütternder Inbrunst am Jom Kippur sprechen! Und wer es nicht mit dieser Kraft zu sprechen vermag, ist doch noch nicht von der Glut jüdischen Geistes erfüllt, er mag ein noch so guter Zionist sein. Dazu eben uns und unsere Kinder zu erziehen, muß in ursier Lebensprogrumm ausgenommen werden. Uns erscheinen Aeußerungen des „Israelit" in der Betrachtung über die ..Lehren von Karlsbad" sicherlich zutreffend, daß ein Kongreß von Vertretern des jüdischen Volkes nicht erst durch parlamentarische Abstimmung darüber beschließen dürfe, ob für unsere Hetmstälie in Palästina die jüdische Ueberiieferung Grundlage sein soll, oder nicht. Und alle diejenigen, die im Kongreßsaale über den Mtsrachiantrag den Uebergang zur Tagesordnung durchgesetzt haben, könnten es erleben, daß über kurz oder lang die Gestein" war rs auch, was Elieser durch die Gnade Gottes in Rebekka fand. Das Wörrchen (vielleicht) kommt zweimal in diesem Wochenabschnitt vor (Kap. 24, 0 und 39). Zum zweiten bemerkt Raschi, daß es wie ( zu wir") gelesen werden könnte und schließt daraus, daß Elieser eine Tochter hatte, die er gerne dem Isaak zur Frau gegeben hätte. Diese ganze Kombination stützt sich scheinbar darauf, daß dieses Wörtchen ohne , Waw", also defekiiva, in der Thora geschrieben steht. In Wirklichkeit geht Raschi von einer andern Prämisse aus. Für das deutsche „vielleicht" gibt es in der heiligkn Bibelsprache zwei Ausdrücke: je und Das Wörtchen je wird dort angewendet, wo der Wunsch vlrvalret, daß der gehegte Zweifel nicht eintrete (vgl. £-23^ nne* jej, hingegen wird angewendet, wenn bewünschl wird, daß der entgegengesetzte Fall ja einlrete (vgl. navv '8X8 oder 'je XL" '*?\s‘). EI U ser bediente sich konstant des Ausdruckes und nie des js. Daraus schließt Raschi rnit Recht, daß Elieser mit diesem Zweifel den Wunsch verknüpfte, daß der verneinende Fall ja eintrete und zwar deshalb, weil er selbst eine heiratsfähige Tochter hatte, die er gerne Isaak zur Frau geben wollte. Kleines Feuilleton. Sen Awigdor. Karlsbad, 15. Nov. Aus Karlsbad kommt die Nachricht, daß dort der ekannte hebräische Schriftsteller Ben Awigdor (A. . L. Schalkowitz) plötzlich verstorben ist. Ben Awigdor gehörte zu den eifrigsten und erfolgreichsten Pionieren , der neuesten hebräischen Literatur, der er sowohl als Schriftsteller wie als Verleger mit dem ganzen Einsatz, seiner Persönlichkeit und seines Könnens ln einem vollen Vierteljahrhundert gedient hat. Seine prachtvollen Erzählungen und Novellen, die in seinen ,.Sifre Agorah" nach Art der Reclamhefte in früheren Jahren erschienen sind, genießen heute noch größte: Veliebiheit tm hebräischen Lesepublikum. Ben Armßoo^ gilt auch als Schöpfer der jüdischen Kindersind' JugendliterMrü^dle man vor ih>u nicht gekannt hat. Der von ihm gegründete „Achtasiasi, später „Tuschijah" brachte Hervorragendes aus den alten und neuen Schätzen der indischen Literatur heraus. 300 Bände der „Hebräischen Bibliothek", enthaltend die besten Schöpfungen der modernen hebräischen Schriftsteller und Dichter und der Wettliter Mur in bester Uebersetzung, sind imVerlag „Tuschjiah" erschienen. Sein ganzesDenken und Trachten war der hebr äischen Literatur gewidmet. Mit großzügigen Plänen kehrte er erst vor kurzem aus Amerika zurück, denen nun der unerbittliche Tod ein unerwartetes Ende gesetzt hat. Ben Awigdor hat ein Alter von nur 55 Jahren erreicht. (Bismarck über die Mischehe) Der Artikel in der vorletzten Nummer des „Israelit" zieht wohl mit Recht einen Trennungsstrich 8wifMiL'dhE,Ab-> geordneten v. BMtticknk Schönhällsew and Aem^nachmaligen Reichs! aÄHst eiv ^Daß^Äber' HOistsiaiÄ auch schon als Junker von Schötihausen, bei allen Vorurteilen seiner Zeit, zuweilen in jüdischen Dingen das richtige Wort traf, beweist seine Aeußerung z>rr Einführung der Zivilehe in der Sitzungider zweiten Kammer vom 15. November 1849. Bismarck sprach sich mit großer Schärfe und großem Aufwand an Geist und Humor gegen die Zivilehe aus und sagte dann gegen Schluß seiner Rede: „A/s ein wirkliches Bedürfnis kann ich die Zivilehe nur bei den Reformjuden anerkennen. Für einen wahren Juden wird die Ehe mit einer Christin ebenso eine sittliche Unmöglichkeit sein, als umgekehrt; wollen aber diejenigen Juden, die nicht mehr Juden sind, sondern sich fälschlicherweise Juden nennen, mit denjenigen Christinnen, die sich fälschlich Christinnen nennen, ziviliter sich zusammentun lasten, so mag man ihnen diese Ausnahme gestatten. Aber wunderbar finde ich es doch, wegen dieser wenigen Renegaten einer Bevölkerung von Millionen, die dem Glauben ihrer Väter treu geblieben sind, einen solchen unerhörten Zwang auserlegen zu wollen". — Es war wohl nicht die Sprache der Liebe, aber recht hatte er darin auf alle gälte. Savvat-Hnksng und Mzgang. mw "n nntr. Ort: Anfang Datum AuSgang Uhft Uiiu. 5683 Uhr Min. Frankfurt a. M 4 05 26. 25. 5 20 PeMn . . 4 - Nov. Mar cheschwan 4 48 München a 'f. . 4 20 5 09 Mn. . . . . 4 25 5 25 Stuttgart. . . 4 30 5 18 Breslau . . . 3 39 4 39 Nürnberg. . . 4 10 5 07 Hamburg - - . 3 59 4 59