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Der Israelit · 1921-11-24 · Heft 47 (24.11.1921) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
62 (1921)
Issue
Heft 47 (24.11.1921)
Date
1921-11-24
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 2 Nr. 47 1. Leitartikel: ProfessorDr. DavidHoffmann V'jt? — 2. Homrletik: Dr. Felix Kanter: Zu inrp ''i. — 3.Kleines Feuilleton: Ben Awigdor. (Bismarck über die Mischehe./ — 4. Wochen rundschau Baseler Program und Schmäh Israel. — Nur Rassenkampf . . . — 5. Aufsätze: Die Chederfrage in Polen. — 6. Korrespondenzen und Nachrichten: Berlin, (Zuschüsse zu den Lehiergehältern'. — Berlin, (Deutschnationaler Beschluß). — München, «Keine Bewährungsfrist bei «rrrtlsemitischen Radau). — Breuun, (Ukrainische Waisenkinder nach Anierika). — Krakau, (Die Vet-Jacob-Bewegung). — Warschau (Dr. Pvsnanzki, Oberrabbiner von Warschau). — Warschau, (Rabbiner beim Ministerpräsidenten). — Marschau. — Wilna, (Die Wahlen in Wilna). — Paris, (Zentrale für Emigranten). — Warschau, (Was geht in der Ukraine vor'?). — London, (Lord Rothschild und das Palästina-Problem). — London, «Das Mandat.) — London. (Die arabische Delegation). — London, (Der König von Arabien und die Juden). — London, (Die Nvt'age der jüdischen Wohltätigkecks-Jnstitute). — London, (Dr. Gaster über die Lage der rumänischen Juden). Bukarest, (Zwangs-Sabbatruhe). — Jerusalem, (Aus Palästina). — Jerusalem, (Der 2. Novemter in Jerusalem). — J^MMem, (Dke 'Bestattung der Opfer). — 7. P e rsvijFlien. — 8. Berkntschtes. — 9 Frankfurter Berichte.— Vereins kal ender. —Gebetzeiten. — 10. Feuilleton-Beilage: Der Schatz am Herde. — Prof.-Rabbiner Dr. Bambergec als Lehrer, Gelehrter und Mensch. — Durchwanderer-Hilf werk. — Professor Sr. David Hoffmann Traurige Kunde kommt von Berlin. In der Nacht zu Montag ist der in der gesamten jüdischen Welt hochgefeierte Nektar des Berliner Nabbinerseminars,Prof. Dr. David Hoffmann, im Alter von 78 Jahren verstorben. Wer den greisen, von Jahren und Arbeit gebeugten Gelehrten in den letzten Jahren gesehen, mußte wohl befürchten, daß dieser große geistige Spender uns''sticht mehr lange beschieden sein würde. Dennoch trifft uns die Trauerkunde wie ein schwerer Schlag, den wir nur im Gedanken an die göttliche Schickung überwinden körnen. Umsomehr, als David Hoffmann geistig nicht zu altern schien; vergaß man doch in seiner Nähe, da man aus dem sp.udelnden Quell seines Geistes und Wissens schöpfte, ganz den schwachen, gebrechlichen Körper. Er selbst vergaß seine Jahre und seine Schwäche, und allen Vorboten der baldigen Heimfahrt trotzend, gab und gab er mit vollen Händen, so daß man glauben mußte, sich des Meisters und seiner Lehren, seiner Wegweisung auf dem Gebiete der jüdischen Forschung noch lange, ja immer freuen zu dürfen. David Hoffmann wurde am 1. Kislew des Jahres 5604 in Verbo, Komitat Neutra (Ungarn) geboren. Sein Vater, der dort als Dajan und Jeschiwahlehrer wirkte, erfaßte es sogleich, welche he'l'ge Ausgabe ihm in der Er¬ 3u mttf ”n. Kurze Betrachtungen zum Wocheiabschnitte.*) Bon Dr. Felix Kanter in Zwittau (Mahren). „Abraham kam, um die Sarah zu beklagen und sie zu beweinen." Der Midrasch wirft die Frage auf: Woher kam er'? Und)gibt zur Anlwort: Ec kam vom Berge Morija?X2p*io no iniei. Es ist scheinbar höch«i gleichgültig, ob wir wissen, woher Abraham kam Und doch ist in diesem kurzen Midrasch-Ausspruch ein tiefer Sinn enthalten. Abraham schlck-e sich an, seine alte.^hochbetaqie Gattin zu beklagen und zu beweinen. Nun, gar so beklagenswert war untere Stammmuiter Sarah nicht: wer ein solch' segneteS Alter erreichte wie Sarah, ist scheinbar nicht so sehr zu beklagen und zu beweinen. „Wenn zuw Grabe wallen entnervte Greise, dann gehorcht die Natur ruhig nur ihrem alten Gesetze, ihrem ewigen L *) Aus »vnn t^pV', 2. Teil von Rabbi Wei? b lum und Sch. Le mit an in Kristiania. Der JSraelit. ziehung dieses Sohnes und in der Entfaltung seiner hervorragenden geistigen Kräfte für das Judentum zufiel, und schickte ihn schon in jungen Jahren in die berühmte Jeschiwah zu Papa, wo er eine Zeitlang zu Füßen des P^tt? Dino saß. Als aber kurz darauf Israel Hildesheimer V'^T in Elsknstadt seine Jeschiwah unter der Devise pK *]"n Di? mvi gründete, zog diese Neuschöpsung, die sich die Vermählung von Thoralernen mit wissenschaftlicher Bildung zur Aufgabe machte, wie viele Andere von den Besten der damalige Bachurim, auch Hoffmann an. Zum ersten Male bot sich dem ungewöhnlich begabten und strebsamen Jüngling hier Gelegenheit, den alten Wein in neuen Schläuchen zu sehen. Und Hoffmann hat bei Hildesheimer nicht nuc Thora und Wissenschaft gelernt, sondern von ihm gelernt, px pH Di? min zu lehren, für die harmonische Verbindung von Thora und Wissenschaft ein ganzes, reiches Leben zu arbeiten, so daß er später der berufene und getreue Sachwalter von dessen geistigem Erbe werden konnte. Der Sechszehnjährige zählte bald zu den bevorzugten Lieblingöschülrrn Israel Hildesheimers. Nach zwei Jahren ging er aber auch, wie es sich für die damalige Zeit für jeden angehenden Rabbiner und Lehrer im ungarischen Judentum von selbst verstand, nach Preßburg, wo er neben dem erfolgreichen Talmudstudium sich noch „nebenbei" in den profanen Wissenschaften vervollkommnte und sein Abiturientenexamen glänzend bestand. Im Jahre 1865 sehen wir ihn in Wien, wo er auf der Universität philosophischen und orientalischen Studien oblag, um zwei Jahre später seinen ersten Wirkungskreis als Lehrer an der Präparantenschule zu Höchberg zu finden. Die Höchberger Zelt bildete insofern einen Grenzstein im Leben und Wirken Hoffmanns, als sie ihm, unter dem Einfluß des damaligen Würzburger Raw und der Rabbinen Wechsler und Jona Rosenbaum in Zell bet Würzburg, den deutschen Einschlag gab, der ihn nun sein Lcbenlang auszetchnete. Ein glücklicher Zufall fügte es, daß er im Jahre 1869, just zu der Zeit, da Israel Hildesheimer seine Tätigkeit von Ungarn nach Berlin verlegte, dorthin kam, um seine Studien zu vollenden. In der Nähe des Meisters konnte er nun seine Universitätsstudien bis zur Promotion in Tübingen auf Grund einer Dissertation unter dem Titel „Mar Samuel, Rektor der jüdischen Akademie zu Nehardia in Bakylon/ Lebensbild eines talmudischen Weisen der ersten Hälfte des 3. Jahrhunderts" abschlteßen. Drei Jahre, 1871 bis 1873, wirkte er dann als Taimudlehrer unter Samson Raphael Hirsch an der von diesem gegründeten Realschule der Jsraeliticheu Brauche) da ist nichts, was den Menschen entsetze' — . meint der Dichter. Abraham aber ging bei seiner Klage von einem ganz andern Gesichtspunkte aus: er vergegenwärtigte sich d^s Bild aus dem Berge Moria, dort sollte er sein Kind opfern und dieses Kind zögerte nicht, sich opfern zu lassen. Diese Opferwilligkett und Opferfreudigkeit — wem anders waren sie zu verdanken als — Sarah, der A?Mer, die es meisterhaft verstanden hat, ihr Kind ipü'Mcher Glaubensliebe und zu solcher Glaubensstärke zu erziehen. Vom Berge Moria ging Abraham bei seiner Klage aus und von diesem HesichlHpunkle ausgehend, war seine Klage allzusehr ^Mechtigt und begründet. „Und Abraham sprach zu seinem Diener, dem Aeltesten seines Hauses, der du verwaltete alles, was ihm gehörte". Die Aufzählung all dec Obliegenheiten Eliefers, des langjährigen Dieners Abrahams, geschieht h'er nicht ohne G-und Abraham war nämlich in einem Punkte sehr mißtrauisch: da, wo es sich um die richtige Wahl der Gattin für seinen Sohn Isaak handelte. Alles hatte er seinem langjährigen Diener Elieser anverrraut, alles, was er besaß und sein eigen nannte. Als es sich aber um die Wahl der zukünftigen Lebensgefährtin seines Sohnes Isaaks handelte, schwand sein Verirau,err,:.zu seinem, langMrigen Diener vollständig, .flnd.,er. ließ^iAfl sch/p tz^en bei Gott, dem Schöpsendes -H)mMels.,unä der.Erbe. Auch wir sind häufig mißtrauisch, aber im umgekehrten Verhältnisse. In materieller Hinsicht gehen wir häufig in unserem Mißtrauen viel zu weit: jeder Arme und Hilfsbedürftige erscheint in unfern Augen als Schwindler und Betrüger, jeder K a ke als Simulant, jeder Bittsteller als Berufsschnorrer und als arbeitsscheu. Hin- - 24. November ISA. Reltgtonsgesellschaft in Frankfurt am Main. 1873 wurde er aber auf den Posten berufen, den er nun bis zu seinem Lebensende ausfüllte und der ihm zum äußeren Rahmen großer Taten wurde. Zunächst Dozent für Talmud und Pentateuchexegese, wurde er nach dem Ableben Israel. Hildesheimers zu dessen Nachfolger im Rektorate gewählt. Als Rabbiner, der D" 12? rnari/ als welcher er im Nebenamet seit dem Tode Hildesheimers wirkte, hat er mehr als zweimal ganz D"tt? durchgelernt. lieber die wissenschaftliche Bedeutung Hoffmanns im Rahmen dieseöArtikels zu referieren, geht nicht an. Das soll noch später nachgeholt werden. Das eine sei nur gesagt: Der Grundzug all seiner wissenschaftlichen Arbeiten besteht: darin, bei^aller wissenschaftlichen Objektivität und völliger Ausschabung-von Tendenzschrfftstellerel, die Grundsätze ünQErgchnffse Lrr jüdischen Ueberlteferung MgsheiWen-''?THorüausüArng rgeHen alle Angriffe-'-.irihMrrmtzVaüßen zu verteidigen und deren überragende Weisheit und Reinheit aller Welt zu zeigen. Ohne persönliche Polemik zu treiben, verstand es Hoffmann, wie kaum ein anderer, die Lehre und Ehre der alten Träger der Thora vor den Verdrehungen und Anwürfen der modernen, jüdischen Geschtchtsklitterung zu schützen und den ewigen Gehalt ihrer, von den modernen Forschern mit der Brille der Gegenwart geschauten und bewerteten Ideen hervorzukehren. Aus Hoffmanns Büchern, die deshalb die beste Apologetik sind, weil sie niemals den Gegner verkleinern oder unterschätzen, spricht die absolute Wahrheit, die durch keine Verdrehungskunst und kein Totschweigen aufgchalten werden kann. Dem Schreiber dieses erklärte der greise Gelehrte in «ejWer unvergeßlichen Stunde in seinem Arbeitszimmer im vorigen Winter: „Würde es sich lediglich um Angriffe der Bibelkritik handeln, ich würde diese nicht einer Antwort für würdig erachten. Aber es sind alte Fragen, die auch Talmud und Midrasch, die früheren wie die späteren Kommentare aufwersen, Fragen die auch an die besten unserer lernenden Jünglinge herantreten. Warum sollten wir uns nicht bemühen, auf dem Wege der an die Ueberlteferung gebundenen Forschung die richtige Antwort zu finden und uns selbst wie den andern zu zeigen, daß auch die Wissenschaft nicht gegen, sondern für und m tt uns ist?" Uns und den anderen! Zunächst uns selbst! Das war charakteristisch für die Denkart und Tätigkeit Hoffmanns, die vornehmlich auf das Positive, auf die Vorbeugung, Belehrung unk Schaffung der Grundlagen gerichtet war, auf denen alle Spekulationen der sog. voraussetzungslosen Wissenschaft von selbst zusammenfallen. Die gegen sind wir sehr vertrauensselig in — religiöser Beziehung Alles, was als uw bezeichnet wird, erscheint uns auch tatsächlich als °)L>2, alles, was den Namen „Tefilltn", „Mesusa" oder „Zizis" führt, erscheint uns gut genug, um damit unsere religiöse Pflicht zu ecfüllen, unser religiöses Gewissen zu beruhigen. Bet Abraham war das gerade Gegenteil der Fall: in maierteller Hinsicht vertraute er seinem Diener alles, alles, was er besaß) in religiöser Hinsicht hingegen war er von größtem Mißtrauen erfüllt. Und so sollte es auch bei uns der Fall sein. Dreimal, so bemerkt die „Masoro" kommt das Wörtchen 12) vor. Einmal in unserm Wochenabschnitt :"v) j>ix 12), ein zweitesmal heißt es 'vp «rp Dl' .12 und endlich mp> px 12). Mit diesem scheinbaren Wortspiel will die „Masora" die Frage beantworten, warum Elieser diese sonderbare Probe am Brunnen an stellte, um die richtige Wahl für Isaak, den Sohn seines Herrn, zu treffen. Elieser, der langjährige Diener Abrahams, kannte die seltenen Tugenden und Eigenschaften seines Herrn zur Genüge. Der Grundzug Abrahams war — d e Liebe zu den Armen und Bedürsttgen, die d'idx ißisn. Eine solche Gattin wollte Elieser für den Sohn seines Herrn suchen. Und nun sprach er zu sich: ")2V jhx 12), „Dadurch werde ich wissen, daß du Gnade erwiesen hast meinem Herrn", das heißt, daß ich voll und ganz in seinem Sinne handle, wenn ich ein solches Mädchen ausfindig mache 'vp "zx AN' 12), „bei der die Armen und Notleidenden meines Volkes Schutz und Zuflucht finden werden". Dies wird aber nur dann der Fall sein np’ px 12), „wenn in ihr ein kostbarer Schatz enthalten ist", wenn sie ein wahrhast gutes und edles Herz besitzt, das wie kostbarer Edelstein alle Armen un^ Bedürftigen an sich zieht und lockt. Und ein mp' pa, „ein kostbarer Edel-

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