Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 62 (1921)
- Issue
- Heft 46 (17.11.1921)
- Date
- 1921-11-17
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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17. November 1921 Der Israel,,. fix. 46 Seite 7 namentlich die Kinder und Säuglinge in großer Zahl hinrafften. Ein Teil der Frauen und Mädchen sind der Wüste zum Opfer gefallen, in der sie sich verirrten. Der Oberkommissar von Mesopotamien erließ selber einen Aufruf an die jüdische Gemeinde, ihren Brüdern za helfen. Man brachte einen Teil der Unglücklichen in die Ruine et es Bes- Hamidrasch zu Bagdad und zeigte sich unfähig, der Gesamtheit der Flüchtlinge ein irgendwie menschenmögliches Obdach zu bereiten. Merkwürdigerweise weigert sich die indische Regierung einen Teil der Flüchtlingedie sich dorthin wandten, aafzunehmen. Personalien. Zur Würdigung Aron KvLers b^'. Breslau, 14. Nov. Die hier erscheinende „Jüdisch Liberale Zeitung" schreibt Folgendes: „Eine Zierde der Breslauer Gemeinde, eine Zierde der Judenheit ist mit dem erst Achtundfünszigjcihrigen dahingeschwanden. Er stand dem Liberalismus und uns Liberalen wahrlich nicht freundlich gegenübernichi um Haaresbreite wich er von den frommen Ueberlieferungen, in denen er ausg wachsen; der Gedanke, daß auch die Religion dem Gesetze der Entwicklung unterworfen sei, flieh bei ihm auf bewußt schroffe Ablehnung und die Anhänger di-ser Auffassung waren ihm zeitlebens ein rechtes Äergernts. Dennoch - diesem Manne konnte keiner ernstlich gram sein,: war doch all sein Denken, Reden und Handeln durchglüht von tiefster und heiligster Ueberzeugung und wußte doch vvi allem jeder, daß Aron Kober ein Jude war in des Wortes höchstem und reinstem Sinne. Die da von „christlicher Nächstenliebe" wie von erwas Besonderem und Ausschließlichem — wohl gar im Gegensatz zu den Lehren des Judentums — zu reden wagen, sie mögen hingehen und beschämt dieses nun abgeschlossene Leben betrachten, dem das Judentum seinen köstlichen Inhalt gegeben. Nicht nur hilfsbereit hilfsf eudig war dieser Mann allezeit. Er gab mir offenem Herzen und übervollen Händen, wo immer eine soziale Aufgabe oder ein einzelner Menschenbruder ihm der Förderung wert erschien, wo immer eine Nor an ihn herantrat. Doch nein: erwartete nicht, bis sie sich ihm nahte: mit denn edelsten Spürsinn suchte er sie auf, dankte von ganzein Herzen edem, der ihm die Gelegenheit wies, ein gutes Werk u: tun und war am frohesten, wenn er Helsen durfte, ohne daß es auf den lauten Markt und an die große Blocke krw.". Wir fügen dieser gegnerischen Stimme einige Worte ras dem Nachruf des „Jüdischen Beobachters" in Köln an, die eine rverrvolle Ergänzung zu den in den seiden letzten Nummern des „Israelit" en.-hcrltenen Lebensdaten Aron Kobers bilden. Wohl alle Bcftrcdüngen, die in den letzten 20 Jahren das H)oiaircue Judentum Deutschlands und — weiter über Deutschland hinaus — die Gesamtjudenheit bewegten, fanden Aron Kober einen rührigen Verfechter Als die Jreie Vereinigung sich reorganisierte, da gewann ihr erster Llnie Äron Kober" durch seine unermüdliche Tätigkeit die thoraireue Judenheil Schlesiens und Vofcns. Er gehörte zu den Gründern der Agudas JrSroet: m seinen! Scharfblick und feiner genauen Kenntnis der deutschen und ostfüdiichen Verhältnisse erkannte er von Anfang an die Bedeutung der thorarreuen Weltorganis iton. Und was hat er während des Krieges und nachher in der Agudas Jieroet und für sie geleistet! Seine ständigen geschäftlichen Nellen in bolen und in der Ukraine rvaren die besten Werbereisen für die Aguda. Seinem unermüdlichem Arbeiten ist es zu verdanken, daß jahrelang jüdisch-polnische Arbeiter in den oberschlesischen Grub-n ihr Bro: verdienen konnten unter Heilighaltung des Schadbos und der Speifegesetze. Durch seine' ihm gleichwertige Gattin, versorgte er in Breslau und Schlesien Hunderte v<on jüdischen Soidaren mir Koschrrverkösrigung. Im Hause Aron Kobers fand jeder Zuflucht und Hilfe. Alle Bestrebungen für den Aufbau Erez JisroelS im Sinne der Thauro, waren Aron Kober heiligste Aufgaben. Kraft und Geld setzte er ein für das orthodoxe Schulwerk wie für den Keren Hajllchum. Was hierfür tu Breslau und Schlesien aufgebracht wurde, ist zum allergrößten Teil Aron Koder zu verdanken. Das sterche gilt für den Kriegswaisenfonds und die ganze Hilfsaktion für die Ukraine. Jahrelang ivar er auch Kurator des Kölner Lehrerseminars und des Berliner Rabblnerseminars. Bei aller Tätigkeit für die jüdische Gesamtheit vergaß er nie seine lokalen Verpflichtungen in Breslau. Wenn in Bres.au heute ein kräftig ausblühendes wahres Judentum zu finden ist, so ist das zum großen Teil Aron Kober zu verdanken. Ueberall half er mit Rat und Tat, sei es für Machstke Thauro, 'ei es für Aguda Orts- und Jugendgruppe, sei es für den Jeschurun (dem Breslauer Esra) oder für die Bereinigung jüdischer Akademker; ganz besonders aber lag ihm die, großenteils auf seine Initiative gegründete Breslauer Talmud Thauro am Herzen. Immer wieder betonte er, daß alle politischen und organisatorischen Erfolge nur dann einen Wert besitzen, wenn ihnen im Innern Thaurolernen- und Lehren entspricht. Tbauro zn lernen und zu verbreiten, im eigenem Hause und in der jüdischen Gesamtheit, das war bis zum letzten Augenblick der ihn beherrschende Gedanke. R. Jakob Liebschütz. Kowno, 10. Nov. Am Nüstetage zum Roschhaschonofeste verstarb hier kurz nach seiner Rückkehr aus der russischen Verbannung , der den Lesern dieser Blätter nicht unbekannte R. Jakob Lieb schütz, der frühere langjährige Sekretär von Rabbi Jzchok Elchonan und Herausgeber von dessen Schriften und Lebensgeschichte. Der Verstorb-ne gehörte zn den populärsten Männern im früheren Rußland und leine Memoiren, die bis jetzt nur zum Teile veröffentlicht und, sind jüdische Kulturdokumenre von höchster Bedeutung. Seine literarische Nachlassenschast der Qessknrttchleit zu übergeb, n, wird eine Eh enaufgabe der Ko.wnoer Gemeinde sein. Die Beerdigung fand unter starker Beteiligung und großen Ehrungen statt. Vermischtes. Frankfurt a. M., 10. Nov. Wie die Deutsch- Holländische Palästina-Verwaltung im Inseratenteil bekannrgtbt, har Herr P-ovinzlalraobmer Dr.Gradenwitz in Hanau das Amt eines Gab bat für die Erez J-sroel-Angelegenheiten in stnein Rabbinatsbezirk l bernommen. Herr Dr. GrclleniVitz wird sicherlich in ebenso hingebungsvoller sind ersolgieicker Weise, wie sein verewigter Vorgänger, Herr Ravbiner Dr.Salomon Bamberger s. A., die Erez Jrsroel-Interessen bearbeiten und die Liebe zum heiligen Lande im Kreise der seiner Führung anverrrauren Gemeinden aufrecht zu erhalten verstehen. Berlin, 18. Nov. Der Israelitische Fortbildunosverein „Moniefiore" lBereinshetm Oranienburgerstr. «>9) versendet seinen Leh plan für das Winterhalbjahr 1921/22. Derselbe enthalt folgende Schiurim: Sonntag, Gemeinsamer Schiur für Damen und Herren; nachmittags “»l/a —0l/2 Uhr,; Dr. Hermann St lein; Montag, 8-9 Uhr abends,-„v""L'r:« : Herr Max Da o i d; Mitwoch abend 8l/2 Uhr,Ällilgltederavend; Donnerstag und Sabbat abend 8-9 Uhr, mir r"r -nx '; Herr Dr. Hermann SK lein; Freitag abend 8 Uhr, rriprr-Bortrag, abwechselnd; Sabbat vorm. 12— l Uhr, Herr Isidor Fellner; 'T.1'; Herr Max Neuberger; mit w.r1' Herr A. P i r. e z o w e r; Sabbat 1"/, Stusid? vor Tracht, -.sr'';Herr Dr. Meier Munk. Die Bibliothek hat über 1200 Bände. Bücher Ausgabe Montag abend 9 Uhr. Die Vereinsräume sind allabend ich und Sabbat den gauvu Tag geöffnet. Freitag abend anschließend an den Vortrag gemütliches Zufammerisein. Berlin, 11. Nov. Der Generalsekretär des ArbeiLersütsorgeamtes der jüdischen Organisationen Deutschlands, Herr Alfred Berger, wurde vom Leiter des preußischen Mediziualwesens, Herrn Ministerialdirektor Pros. Dr. Gottstein zn einer längeren Unterredung empfangen. Der Ministerialdirektor nahtu mit besonderem Interesse die Mitteilungen über die sanitäre Behandlung und Unterbringung der ostjüdischen Flüchtlinge, die durch die Stellen des Arbeiterfürsorgeamtes der jüdischen Organisationen D utschlavds, insbesondere in dem FlüchrUngSasnl in d:r Wieienstraße in Berlin untergebracht werden, entgegen Berlin, kl. 'Nov. Seit mehr als io Jahren besteht die JSraclitUche Erzi hungsattstalt für geistig zurückgebliebene Kinder in Be el itz (Mark). In dreier Zeit hat sich das Bedürfnis in immer steigenden! Maße herausgesleüt, für diejenigen Insassen, die durch die Anstalt nicht soweit gefördert werden können, um in das Leben hinaus entlassen zu werden, ein Dauerheim zu schaffen. Neuerdings hat . sich dem Vorstand eine Möglichkeit eröffnet, in der näheren Umgebung von Berlin ein Anstaltsgebäude kostenlos zur Verfügung gestellt zu erhalten, das sich im wesentlichen für daS geplante Dauerheim gut eienen und nicht allzugroße Umbaukosten erfordern würde. Daher erläßt der Verein Beelitz zur Zeit an sämtliche jüdischen Gemeinden Deutschlands Frageboaen, die sich mit der Feststellung der Personalien erwachsener Schwachsinniger beiderlei Geschlechts und mit der Ermittlung der für das Projekt eventuell zur Verfügung stehenden Mitte! befassen. Es wäre erwünscht, wenn alle das Vorhaben durch ihre Mitarbeit unterstützen, würden. Fragebogen sind in jeder gewünschten Zahl durch das Büro des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes, Berlin W. 05, Steglitzerstr. 0, I. zn beziehen. Berlin, 7. Nov. Am Dienstag, den 8. und Min woch, den 9. d. Mts., begann in der Nähstube des Arbeiterfürsorgeamtes. Auguststr. 17 Vst., resp. in der Küche des Bolksheimes, Dragonerstr. 22 ein Ausbesser¬ und koschere Koch-Kurse für berufstätige jüdische Mädchen. Die Kurse finden zweimal wöchentlich von 7—10 Uhr stalt. Parallel zu dem Abendkursus läuft ein Nachmittag-Kochkarsus für schulpflichtige Mädchen ich Alter von 12 bis 14 Jahren. Etwaige Anmeldungen und Anfragen find zu richten an die „Weibliche Äbteilung des Jüdischen Arbeitsamtes", Auguststr. 17 III. Breslau, st. Nov. Mit einem Anträge der Leichenwärter und Leichenwärterinnen der Breslauer Synagogeugemeinde des Stadtrats Frey, hatte sich der Schlichrungsausschuß am Montag zu befassen. Diese verlangen Zahlung der Gehälter nach der Retchs- Besoldungsordnung. Wird diesem Ersuchen nicht entsprochen, so ist mit einer allgemeinen Arbeitseinstellung zu rechnen. Nach lär gerem Verhandeln kamen die streitenden Parteien u. a. dahin überein, daß ein Vertreter des Deutschen Trunsportarbeiier-Berbandes (OrtSverwaltung Breslau), zu der Gehaltskommisstonssitzung eingeladen werden soll, der mit den Bevollmächtigten alsdann die Verhandlungen führen wird. Breslau, 6. Okt. Der Staatsanwalt am Landgericht Breslau erläßt heute in den schlesischen Blättern einen Steckbrief gegen den früheren Prioatdozenten Dr. Rüge aus Heidelberg, der eine antisemitische und deuischvolkische Puischor^anisation in Oberschlesien leitete, die im Zniammenhang mit ähnlichen Organisationen in München arbeitete. Dr. Rüge war vor einigen Wochen, nachdem die P esse schwere Anschuldigungen gegen diese Geheimorgan>sation wiederholt gebracht hatte, bereits verhaftet worden, wurde aber damals merkwürdioerweise sofort wieder frei gelassen. Jetzt beschuldigt ihn der Steckbrief des Oberstaatsanwalts n cht nur der Geheimbündelei und des unerlaubten Waffenbesitzes, sondern auch der Urkundenfälschung und des versuchten Mordes. Rüge ist natürlich inzwischen verschwunden. Augsburg, 3. Nov. Am Sonntag vormittag 10‘/4 Uhr nunden in der Synagoge Kriegergedenktafeln emgewe'hr. Dte beiden Tafeln aus karrarifchem Marmor trogen außerden Namen der 24 im Weltkrieg gefallenen Kuliusgemr indemttglieder die Inschrift: „Die Gemeinde ih-en Gefallenen. Sie starben auch für uns 1914—1918." Namens der Kullusgemeinde übernahm deren erster Vorstand, Herr Justizrat Dr. Epstein, die Tnieln mit dem Versprechen, daß das Andenken der so früh Gestorbenen stets in Ehren gehalten und die Gemeinde sich dauernd daran erinnern werde, daß die Glaubensgenossen dieses Opfer ihres Lebens für die Allgemeinheit gebracht haben. Herr Dr. Grün seid hielt nach einem von Herrn Oberkantor Heymann gesu genen Psalm die Gedenkrede. Cincinnati, 15. Okt. Der Dekan des hiesigen Un-on Hebr ew College Prof. Goithckrd Deutsch ist, wie bereits gemeldet, nach kurzem.Krankenlager an Lungenentzündung gestorben. Mit ihm ist einer der bedeutendsten jüdischen Gelehrten in Amerika dahingegangen. Er rvar Verfasser einer Reihe von Werken geschichtlichen wie reltgiösen Inhalts, auch hat er ein Drama und mehrere Romane gesch ieben und war Mucubeitee mehrerer Zeitschriften. Prof. Deutsch beher:schte deutsch, englisch und französisch mit gleicher Fertigkeit und schrieb Werke in dreien Sprachen. Er erreichte ein Alter von 62 Jahren und war tu Stau itz, Oesterreich geboren, studierte auf der Wiener Universität, Ivo er den Doktorgrad erhielt und wurde im Jahre 1891 als Professor der Geschichte an das hiesige Union Herbrew College berufen, einen Lehrstuhl, beit er bis zu feinenr Tode innehatte. In seiner relig ösen Denkart nach dem radialsten Liberalismus orientiert, zeichnete er sich doch darin von den Nesormern seines Standes in Amerika aus. daß er reiches jüdisches Wissen besaß und e n warrrres Interesse für alleS, was Juden und Judentum angittg. Frankfurter Kenchle Urotvertrikung. Der Recheuschaslsbericht des Jsraellliichen BrotverrellnnaSvcretn^ für HM9 und 1920 verzeichnet für 1920 07.591 Mk. als Geschenke, neben 8888 50 Mk. Mitgliederüeiträqen gegenüber 00 »4 Mk., resp. 8210 Mk. im Jahre 1919 'und' 5775 Mk. resp. 8022.50 Mk. für 1918. Wenn auch die festen Beiträge nur langsam gewachsen sind, so biülnrigt doch die Svendenlitte in geradezu rührender Welle, daß J-canksurrS jüdische Einwohnerschaft ihren alten, verdienten Ruf auch hier bewährt hat, jederzeit großzügig einzusreheu gegen wahre tll'ot und B'dräugniS. Allerdings m angesichts der [teilt oben Teueiung weitere kräftige Mithilfe dringend nötig. 5adbal-/lnkavg titid Mzgang. 512V. Ort: Anfang! Datum 1 Auögang Uhrj Mto. t Uhr!Mtn. Frankfurt a. M 4 10 19. 18.! 25 Berlin .... 4 10 9?ÜU Mar- 1 cheschmau^ 4 55 München . 4 20 5 15 Cöln. 4 00 5 9.0 Ltuttgart - 4 00 5 22 Breslau :: 41 4 44 Nürnberg. . . 4 15 5 12 Hamburs 4 05 ö U5 Samiliennachrichten. Barmizwoh. Emanuel, Sohn des Herrn Jonas Wolf. Köln a. Rh.