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Der Israelit · 1921-11-17 · Heft 46 (17.11.1921) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
62 (1921)
Issue
Heft 46 (17.11.1921)
Date
1921-11-17
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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17. November lMi »er ZMraeltt. Stv 46 Seur o als Vertreter vorsah, bet den Juden aber lediglich einen „Bekenner der israelitischen Religion" — also einen liberalen Kultusvorsteher! Die DJahlreform und die Orthodoxie. Wie«, 10. November. Die kommenden Wahlen zum Kultusvorstand werfen ihre Schatten voraus. Während naturgemäß in zahlreichen Fragen die drei orth boxen Mitglieder des Kultusvorstandes mit der Mehrheit zusammen, gegen zionistische Experimente aufzurreten Gelegenheit hatten, hat sich jetzt bet der Frage der LWahlrs form das Bild geändert. Zur größten Entrüstung der herrschenden liberalen Mehrheit trat in der letzten Sitzung der orthodoxe Vertreter, ^Kommerzialrat Stegmund B o n d i, entschieden für die Demokratisierung des Wahlrechtes ein und wurde dabei von seinem Kollegen,' Herrn Wolf Pappenhetm kräftig unterstützt. Ob es auf den ersten Hieb gelingen wird, die Entrechtungspolttik der Mehrheit des Gemeindevorstandes zu beseitigen, erscheint natürlich fraglich. Auf die Dauer kann ein System, das unter nahezu dreihunderttausend jüdischen Seelen nur neunzehntausend Wähler kennt, sicherlich nicht aufrecht erhalten werden. Sonntagsruhe- Bratislava, 4. November. Durch eine Verfügung der hiesigen Polizeibehörde ist die vollkommene Sonntagsruhe für sämtliche kaufmännischen Betriebe mit Ausnahme der Lebensmittelgeschäfte ein geführt worden. Alle Bemühungen der orthodoxen Landeskanzlei, den Erlaß dieser Verordnungen und insbesondere ihre Ausdehnung auf die sabbattreuen Kaufleute zu verhindern, waren leider erfolglos. Indessen wird man sich selbstverständlich bei der Entscheidung der Polizei-Direktion nicht begnügen, sondern alles aufbieten, um eine Bestimmung zum Schutze der am Sabbat feiernden Kaufleute an höherer Stelle zu erwirken. Nolsn. eine lMmische ttalial-Sißung. Krakau, 12. November. Seit langer Zeit schon bemühen sich dieZionisten, die in der Gemeindeverwaltung neben den Afsimilatoren gut vertreten sind, die Bewilligung einer größeren Summe für Keren Hajessod aus Gemeindegeldern bei den Repräsentanten durchzusetzen. Am letzten Dienstag kam die Frage, nachdem sich die Kommission für die Bewilligung ausgesprochen hatte, nocheinmal im Plenum der Repräsentantenversammlung zur Verhandlung. Der zionistische Referent und Begründer der Interpellation schlug die bekannte Taktik ein, den Keren Hajessod als allgemeine über den Parteien stehende jüdische und Palästinainstitution hinzustellen, die mit dem Zionismus nur im losen Zusammenhänge stehe, weshalb alle, auch die Gemeinden, zu ihm beisteuern müßten. Von orthodoxer Seite wiesen die Herren M. Deutscher und I. Frenkel nach, welche Bewandtnis es mit diesem zionistischen Fonds hat, der zum Wiederaufbau Palästinas in rein zionistischem Sinne, d. h. gegen den Geist der Thora, bestimmt sei. Es entwickelte sich eine scharfe Polemik, in deren Verlaufe Herr Deutscher, entgegen der gefallenen Aeußerung, die Orthodoxie hätte für Palästina nichts übrig, die Palästinaarbeit der Agudas Jisroel schilderte und speziell den orthodoxen Palästinafonds Keren Hajischuw und dessen Ziele im einzelnen auseinandersetzte. Letzterer ziehe die praktische, stille Arbeit unter Berücksichtigung der Verhältnisse und aller Zukunftsmöglichkelten des Landes vor allen leeren Phrasen vor. Die Aguda gehe rein kaufmännisch vor und lehne alle unnütze und kostsp elige, klingende Reklame ab. Die Aguda habe nie die Geulah versprochen, die kommt von einer höheren Macht, aber sie arbeitet klar und zielbewußt zur geistigen und wirtschaftlichen Befferung. Redner weist noch eingehend auf das vom Keren Hajessod unterhaltene Schulwerk in Palästina hin, und den darin waltenden unjüdischen Geist, was auch Nichtorthodoxe — wie S. Bernfeld u. a. — vollauf bestätigen. Für den Bodenankauf ist nur ein Fünftel der Gelder bestimmt, so daß die Beiträge der Gemeinde zu 4/5 nicht dem von den Interpellanten angegebenen Zwecke zugeführt würden, sondern teilweise dem antijüdischen Erziehungswerke. Die zionistischen Zwischenrufe vermochten nicht im geringsten, den mächtigen Eindruck der zweistündigen Rede abzuschwächen. Der Vorsitzende, Vertreter der Assimilation, befürwortete ein Kompromiß in der Befürchtung, die Zionisten durch Ablehnung ihrer Wünsche in die Opposition zu treiben. So schlug Herr Landau die Bewilligung von je 100000 poln. Mark für den Keren Hajessod und den orthodoxen Keren Hajischuw vor. Die orthodoxen Vorstandsmitglieder stimmten jedoch gegen diesen Vorschlag und erklärten, daß sie aus Prinzip die Bewilligung für den Keren Hajessod auch unter diesen Umständen nicht genehmigen könnten. In der Abstimmung wird aber der Kompromißantrag angenommen. Der Beitrag an den Keren Hajeffod wird bewilligt und den Orthodoxen für den Keren Hajischuw die gleiche Summe bereit gestellt, für den Fall, daß sie einen dahingehenden Antrag einretchen sollten. Ra?5ias. Warschau, 9. November. Die Warschauer Polizei hat zurzeit scheinbar nichts Befferes zu tun, als intensive Menschenjagd zu betreiben, und die Razztas richten sich ausschließlich gegen landfremde, das heißt aus Rußland oder Litauen stammende Juden. Am liebsten werden dafür die Freitagnächte und Sabbate gewählt, an denen die Gotteshäuser gründlich abgesucht werden. Die Zahl der Verhafteten, Internierten und Abgeschobenen mehrt sich mit jedem Tag und führte bereits zu einer geharnischten Interpellation im Landtage. Sie wird nicht von besserem Erfolge begleitet sein, als alle anderen jüdischen Interpellationen, die fast alle Sitzungen beschäftigen. Oer Städtetag in HJarfeftau- Warschau, 9. November. Am 8. November tagte hier eine Konferenz der Bürgermeister aus Stadt- und Landkreis Warschau, auf welcher u. a. die Frage der Emigranten und Heimlosen beraten wurde. Auf der Konferenz war auch das „Zentralkomitee zur Hilfeleistung an die jüdischen Kriegsopfer" vertreten, das auf eine Erleichterung des Loses der jüdischen Emigranten und Flüchtinge in den polnischen Städten hinarbeitete.^ Ebenso fand gestern eine Preß konfer enz statt, unter Vorsitz des Direktors der Kinderhilfe i)er A. D. K. Herrn Scho hang. Herr Schohang; will vor seiner Abreise nach Amerika die Presse über den Gang der Aktion informieren. Im April dieses Jahres wurden unterstützt 2000 Waisenkinder in Ostgaltzien, 500 in Westgalizien, 500 in Kongreß-Polen und 1000 in der Wolynier» Gegend. Zur Zeit werden erhalten: in Oftgalizien 2500, in Westgalizicn 600, in Polen 600, m Wolynier-Kreis 1800 und im Brisker-Gebiet 650 Kinder. Dazu kommen jetzt noch 700 Kinder in der Gegend von Wilna. Der weitere Gang der Aktion hängt von dem Erfolg in Amerika ab. Im Ganzen sind 15000 Kriegswaisen zur Versorgung angemeldet, von denen 8000 von der Organisation erhalten werden. Die Organisation steht aus dem Standpunkt, daß die Waisenkinder im Lande selbst versorgt werden müssen und ist im Prinzips gegen alle Experimente mit den Auslandsversorgungen. Jüdische Sfaöträte unter flnhlage. Warschau, 11. November, j In Schedlez wurden die jüdischen Stadtj verordneten unter Anklage gezellt, weil sie ein ' amtliches Dokument gefälscht Hätten. Ihr Vergehen besteht darin, daß sie einen Aufruf, in dem es hieß, „die Inden haben sich zum Teile loyal gegen Polen verhalten" unter Weglassung des Wortes „zum Teile" weitergegeben haben, da sie in dieser Einschränkung eine ungerechte kränkende Verletzung der jüdischen Bevölkerung sahen. Der Staatsanwalt forderte wegen „Urkundenfälschung und falscher Vorspiegelungen" harte Bestrafung. Das Gericht schloß sich aber der Ansicht des Verteidigers an und spra ch die A ng eklag ten frei. Aus Wilna. Wilna, 10. November. In der Angelegenheit des Gemeindegeländes ist insofern eine Wendung eingetreten, als der Direktor des Handelsdepartements nunmehr der Gemeindeverwaltung anhetmstellte, ihren Etgentumsrechtsanspruch auf die Häuser dokumentarisch zu beweisen. Im anderen Falle können die Räume der Gemeinde von der Regierung nur mietsweise überlassen werden. Im letzten September sind in Wilna 175 Reisepässe, vornehmlich nach Amerika, an Juden ausgestellt worden. — Im Altersasyle zu Wilna wurden infolge eines Lohnstreites sämtliche Angestellte entlassen. England. Oie amtliche Unterfudiung über die Mai- Pogrome in £re?-3isroel. London, ll. Nov. Dein englischen Parlament ist soeben der Bericht der Untersuchungs-Kommission Angegangen, die vom. Oberkommissar beauftragt war, die Vorgänge und Ursache)!, der im Mm dieses Jahres im heiligen Lande stattgehabten blnUgen Pogrome zu erforscheil. Ter Bericht ist unterzeichnet von dem Oberrichter von Palästina, Thomas Ha he rast und zwei Beiiigern. Als Vertreter der Inden gehörte der K'vni Mission Di. Elias an. Der Bericht gibt zunächst eine genaue Darstellung der Ereignisse am 2., 3. und 4. Mai m Jaffa, der Angriffe auf Kefar Tabu und Petach Tikivah, sowie derjenigen auf Aechoboth. Er gehl alsdann dazu über, 2 ch l u st folg e - rungeu aus den Tatsachen zu ziehen und die Verantwortlichkeiten der verschiedenen beteiligten Faktoren: des Gouverneurs von Jaffa, der Polizei, der Amber und der Inden festznsteilen. Es ist selbstverständlich, daß der Bericht, keinerlei Versuch unternimmt, die Mörder und Plünderer zu entlasten; insbesondere werden die Angriffe auf die Kolonien als „blutdürstige Ueberfälle auf friedliche Ansiedlnngen, denen keinerlei Provokation zngeschohen werden kann", mit scharfen Worten gegeißelt. Auch wird sestgestellk, dast die Polizei g ä u z l i ch v e. r sa g t und znm Teil g e m e i u s a m e 3 a ch e mit den Plünderern gemacht hat. Indessen besitzt der Bericht, der mit einem Begleitschreiben Herbert Samuels dem Eolonial- Amt überreicht llnd von Churchill als eine besonders „klare und durchdachte Darstellung" gerühmt wird, eine sehr erhebliche politische Bedeutung. Er stellt zunächst den. Anteil fest, den der B v (j ch e tu t v tu n v an der Entstehung der Unruhen hatte. Eine Handvoll jüdischer Kommunisten etwa 300 - , deren, umstürzlerische Ideen zugestandenermaßen nicht d e u g e ring st e ll A u k 1. a n g bei d e r g e - s a m t e n Arbeit e r b e v ö l k e r u n g P a l ä - ft i n a s g! e f n n d e tt h a b e n, bennhte die 'Gelegenheit, einer von den Behörden gestatteten Maifeier der sozialistischstüdischen Arbeiterpartei, inn für ihre Ideen Propaganda zic machen. Diese bolschewistische Demonstration war, lvie der Bericht als Sachlage formuliert, der Funke, der die latente Unzufrieden hei l de r A r a b e r g egen ü bei' den I nden z ll r Explosion brachte. Der politisch bedeutungsvollste Teil des Berichtes ist null derjenige, der die tieferlie-

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