Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 62 (1921)
- Issue
- Heft 46 (17.11.1921)
- Date
- 1921-11-17
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Sette 4. No. 40 Der Israelit. 17. November 1931 Nathan Stein (Üb.) wiederum zum Präsidenten der Synode gewähltals Vizepräsident wird Eduard Bauer (kons.), zu Schriftführern Dr. Bloch-Konstanz und Dr. Darmstädter- Ladenburg gewählt. Vorsitzender Dr. Stein-Karlsruhe weift auf die Wirkungen des KriegsausgangeL Hin. Durch den Machtspruch über Oberschlesien wird die deutsche Gesamtheit schwer getroffen, darunter auch zahlreiche Juden in Oberschlesien, die hierdurch dem deutschen Vaterland? entrissen werden. Die wirtschaftlichen Schwierigkeiten machen sich, wie auf allen Gebieten, auch bei der Kirche geltend. Zwischen Stadt und Land muß ein Ausgleich gefunden werden. Die Stellung der badischen Judenheit zur Gesamtorganisation der deutschen Juden ist einer späteren Zeit Vorbehalten. Die Neuordnung der Dinge brachte den Kirchen die Selbständigkeit. Hieraus ersteht jedoch die besondere Pflicht, daß der Verlauf auch dieser Synode dem der bisherigen entspricht. Nach Bildung der' Ausschüsse und Mitteilung der eingegangenen Anfragen und Anträge vertagt sich um 12lj2 Uhr btc Synode auf Montag nachmittag. In der vom Präsidenten Dr. Nathan Stein am Montag nachm, eröffneten Schlußsitzung der israelitischen Landessynode gab zunächst Synodalmitglied S ch l oß b erg er-Bruchsal den Vericht des Haushaltsausschusses über den Voranschlag 1921—1923, der nach der zuletzt noch vorgenommenen Aenderung nunmehr pro Jahr mit einer Endsumme von 2325000 Mark abschließt. Als notwendig erweist sich die Anstellung eines hauptamtlich tätigen besoldeten Oberratsmitglieds. Das Verordnungsblatt soll ausgebaut werden. Als Zuschuß zu dem Aufwand für die israelitische Landesbkhörde sind 1400C0 Mark für ein Jahr eingesetzt. Die Zuschüsse zu den Rabbinergehältern betragen 100000 Mk., zu den Gehältern der Reltgionslehrer und Kantoren 900.000 Mk. Zur Unterstützung des Unterrichts in den Filialorten fnd 60000 Mk., sür Instandsetzung der Gebäude 100000 Mk. ausgeworfen. Dem Pensionsfonds werden insgesamt 438 100 Mk. zugeführt, darunter 100000 Mk. Fondsverstärkung. Für die Filialorte wurde die Veranstaltung wiffenschaftlicher Vorträge durch die Lehrer gewünscht. Angeregt wurde der Ausbau der Wanderbibliothek. Notwendig wäre es, daß die Gemeinden bei entsprechenden Anlässen das Friedrich-Luisen-Hospitz in Bad Dürkheim bedenken. Als St euer fuß ergibt sich von den Vermögensfteueranschlägen 4,5 Pfg. von 100 Mk., von den Einkommensteueransätzen 31,5 Pfg. von 1 Mk. Der Gesamtvoranschlag wird einstimmig genehmigt. Sprache ist eine Seele. Gott gab den geplagten Sklaven neue Sprachen, neue Seelen. Und die Knechtschaft der Menschheit war gesprengt. Die Seelen waren einander fremd gewordenaber verstehen konnten sie einander besser. Die Seelen waren gleich und frei. IV. Nachdem wir nun gesehen, daß gar oft S.klaven-i elend die Sinne der Menschen vom ewigen Gotte zu niederen selbsterdachten Göttern geführt, ihnen den Sinn für die Ewigkeit und Willensfreiheit Gottes geraubt und sie zur Vergötterung vergänglicher Willenslähmungen gebracht hat, verstehen wir auch weshalb es im Zehugebvre zuerst heißt: -Ich bin, der dich aus dem Sklavenhause geführt und dann: „Tu sollst keine anderen Götter vor mir haben". Der Märchenspuk heidnischer Götterwelten weicht von selbst, wo Menschenwürde und Einzelgiück, von keines Tyrannen Macht geschmälert, den Menschen im Diesseits ein Eden schassen. Wenn nun wir zur Heimat der Väter zurückstreben, so muh der Neuerrichtung unseres Gottesstaates vorangehen unsere innerliche und äuherliche Loslösung aus allen NiveÜierungsströmen der Kultur. Dann nur geht es von Gvluih zur Erlösung, von Freiheit zur Einheit. Namens der Gehaltsregelungskommission berichtete Synodalmitglied Müller-Heidelberg über die Vorlagen bezüglich der Gehaltsverhältnisse der Rabbiner, Reltgionslehrer und Kantoren und deren Ruhegehalte. Die Vorlagen erwiesen sich angesichts der WirtschaftZverhältnisse als sehr notwendig. Wertvoll ist die Neustaffelung der Grundgehälter. Ohne einen sozial gesicherten Religionslehrer gehen die Landgemeinden zugrunde, weshalb eine entsprechende Regelung notwendig ist. Auch die Landgemeinden müssen sich an entsprechende Ausgaben für religiöse Zwecke gewöhnen. Die in der Verordnung sestgelegten Sätze gelten als Mindestsätze. Die den Kultusbeamten gebrachten Opfer werden sich lohnen. Durch die Gehaltsregelung soll der Geist des Vertrauens in alle Organe der Landeskirche getragen werden. Zur Einzelberatung äußerten sich Synodalmitglied G rzymisch-Bruchsal, Vertreter des Oberrats Prof.Loewy-Freiburg. Synodalmttglied Kassewitz-Freiburg weist darauf hin, daß die meisten Ausgaben der Landeskirche direkt oder indirekt den kleinen Landgemeinden zugutekommen, und betont, daß die Synode für die Lehrer alles tat, was möglich war, wenn man auch gerne weitergegangen wäre. Der Religionsunterricht auf dem Lande läßt viele Wünsche übrig. Schuld daran ist in der Hauptsache das Schwinden des religiösen Sinnes. Die Rabbiner sollten öfter als bisher in die Landgemeinden kommen. Wir müssen die Landgemeinden wieder zur alten Höhe bringen. — Hierauf werden die Vorlagen über die Gewährung von Ruhehalt und über die Gehaltsoerhältniffe der Religionslehrer und Kantoren, sowie über die Dienstverhältnisse der Reiigionslehrer und Kantoren einstimmig angenommen. Die Festsetzung der Teuerungszuschläge für Rabbiner, Lehrer und Kantoren mit Wirkung vom 1. Oktober 1921 auf 25°/0 des Grundgehalts und der Kinderzulage wirb einstimmig genehmigt. Auf eine Anfrage von Synodalmitglied O. Jeselsohn-Mannheim, teilt der Vorsitzende des'Oberrats Straus mit, daß alles getan wird, alle Steuerzugänge rechtzeitig zu erfassen. — Eynodalmitglied Dr. Ies elf ohn-Mannheim weist darauf hin, daß es unbedingt nötig ist, den Lehrerstand zu verringern, da man am Ende der Mittel ist. Wenn auch Kündigungen unmöglich sind, so sollte man deshalb bei erledigten Stellen an Einsparung von Lehrersteüen denken. Ebenso sollten auch vornehmlich nur seminaristisch vorgebildete Lehrer und möglichst Badener angeftellt werden. Synodalmitglied Dr. Darmstädter-Ladenburg tritt ebenfalls für Einsparung von Lehrern ein, weist jedoch aus die darin liegende Gefahr für die Lockerung des des religiösen Lebens hin. — Konferenzrabbtner Dr. Löwenftein -Mosbach tritt sür Lehrerkonferenzen ein und hebt die Bedeutung der Lehrer für die kleinen Gemeinden hervor. Vorsitzender des Oberrates Dr. Straus erklärt, daß all die Anregungen bereits bisher 4n der Proxis betätigt wurden. — Ein Antrag Schloßberger auf Vereinigung verschiedener Bezirkssyuagogen wird dem Oberrat als Material überwiesen. Abg. Schlesinger bittet, Pforzheim hierbei auszunehmen. — In Aenderung der Besteuerungsor'dnung vom 6. September 1895 wurde beschlossen, für jede weitere Klasse den Normalsotz um je 100 Mark zu erhöhen und des weiteren den Oberrat zu ermächtigen, bei besonderen Umständen anstelle 0er dreijährigen Steuerlichen Einschätzungsdauer eine jährliche Einschätzung stattfinden zu lassen. Auf die verschiedenen Anfragen bezügl. des Standes der neuen Kirchenverfassung teilt 'Vorsitzender öes^ Oberrates Dr. Straus mit, daß in der letzten Äusschußsitzung vom Oktober v. I. Dr. Simon zum Vorsitzenden des Verfassungsausschusses gewählt wurde. Auf mehrere wiederholte Anfragen teilte Dr. Simon mit, die Vorarbeiten machen Fortschritte, jedoch erst zu'Beginn der Synode hörten wir, daß der Unterausschuß sich in der Hauptsache auf den Entwurf Dr. Pfälzer stützt. Dr. Simon erklärte mündlich, in etwa 14 Tagen den Entwurf vor legen zu können. Wir wollen hoffen, daß im Januar eine Synode zur Durchberatung der Verfassung berufen werden kann. Vorsitzender Dr. Stein dankt dem Oberrat für seine weittragenden Vorlagen, den Hilfsarbeitern des Oberrats für ihre wertvolle Arbeit, weist schließlich auf die Bedeutung der steuerlich wichtigen und notwendigen Entscheidungen hin, anerkennt den guten Willen der Synode zur Erreichung des Möglichen und dankt dem Landtag für die Ueberlaffung der Räume. — Synodalmitglted Kassewitz weift auf den harmonischen Verlauf der Tagung hin, was ein Verdienst des Präsidenten ist, dem namens der Synode der Dank ausgesprochen wird. (Beifall). — Vorsitzender des Oberrats Dr. Straus weist' auf die vorbildliches Leistung der Synode hin, dankt den Abgeordneten und vor allem dem Präsidenten für seinessvorzüglicheMeschäftsführung und schließt die Synode um. 8% Uhr. Das neue Misclie ÜJaftlredif in Danzig. Danzig, 8. Nov. Der Vorstand der hiesigen Synagogengemeinde hat einen Gesetzentwurf zur Abänderung des Wahl-Gesetzes von 1847 über die Verhältnisse der Juden dem Senat unterbreitet. Der Senat hat den Gesetzentwurf, da gegen ihn keine Bedenken bestehen, dem Voikstage zur Beschlußfassung zugehen lassen. Die wichtigste Aenderung in dem Gesetzentwurf ist die, daß künftighin auch die volljährigen weiblichen Mitglieder der Gemeinde wahlberechtigt sein sollen. Das p assiv e Wahlrecht der Frauen mußte aber, wie in der Begründung angeführt wird, deshalb abgelehnt werden, weil „eine Wählbarkeit weiblicher Mitglieder nach den Anschauungen streng gläubiger Gemeindemitglteder gegen dasReligtonsgesetz verstößt." Die Wahlen zur Gemeindevertretung sollen in Gemeinden über 500 Seelen nach den Grundsätzen der Verhältniswahl durchgeführt werden. In Gemeinden unter 500 Seelen kann nach dem bisherigen Verfahren gewählt werden, sofern nicht die Gemeindekörperfchaften eine, Verhältniswahl beschlossen haben. Wir möchten dem Hinzusügen, daß wenn die Schöpfer des Wahlgesetzes, wie sie angeben, wirklich auf die strenggläubigen Gemeinde- Mitglieder Rücksicht nahmen, sie dies durch Ablehnung auch des aktiven Wahlrechtes der Frau hätten beweisen sollen. Gesterreiitz. Der 3u3e?ahlf Sie 3eche. Wien, 10. November. In der gestrigen Sitzung des Nationalrates gab es eine ausgedehnteJudendebatte. Es handelte sich um das wiederholt zwischen Nationalrat und Bundesrat hin- und hergeschobene Schulaufsichtsgesetz für die Sradt Wien, wobei die Sozialdemokraten den Konfessionen kein Vertretungsrecht zum Stadtschulrat zugestehen wollten. Die Debatte ergab nun das merkwürdige Resultat, daß bei dem Aufeinanderpraü der sozialdemokratischen Reltgionsseindschaft und des christlichsozialen Koufessionattsmus, die I u den die Kosten zu zahlen hatten. Während mit einer Mehrheit von 86 gegen 84 Stimmen durch die vereinigten Parteien der Christlich-Sozialen und der deutschen Bauern dem katholischen und evangelischen Geistlichen Zutritt zum Stadtschulrat gewährt wurde, schwenkten bet oer Abstimmung über einen Vertreter der jüdischen Religion die Bauern zu den Sozialdemokraten ab, sooaß rer jüdische Vertreter gegen eine Minderheit von 81 christliche sozialen Stimmen mit einer Mehrheit von 89 abgelehnt wurde. Ein charakteristisches Kennzeichen für die Aschenbrödel-Rolle, die man im jüdischen Kreise häufig dem religiösen Moment zuweist, ist übrigens die Tatsache, daß das Gesetz bet Katholiken und Protestanten zwar ohne weiteres einen Geistlichen