Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 62 (1921)
- Issue
- Heft 46 (17.11.1921)
- Date
- 1921-11-17
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Gelte 2 Nr. 46 Der JSraelil. 17. November 1921. spruch zeitlicher Weltbeherrscher verrückt werden können, von unermeßlichem Segen sein. In Kattowitz, der größten Gemeinde des abgetrennten Gebietes, wurde seinerzeit der Grundstein zur Weltorganisation der Agudas Jisroel gelegt. Der Geist von Kattowitz wird bei den guten Elementen innerhalb der zehntausend an Polen übergehenden jüdischen Seelen das Gefühl treuer Gemeinschaft mit den Gesinnungsgenossen hüben und drüben aufrecht und lebendig erhalten. Wochenmndschau. Nie Teuerung uni» die jüdischen Seamten. Die neue Teuerungswelle, die seit etwa Monatsfrist über unsere schwer bedrückte Wirtschaft hereingebrochen ist, hat, wie wir aus zuverlässigen Berichten feststellen, unter den festbesoldeten jüdischen Gemeindebeamten insbesondere der kleineren Gemeinden erschreckend trübe Folgen gezeitigt. Das Unglück will, daß dieses rapide Ansteigen der Preise für Lebensmittel und sonstige 'Bedarfsgegenstände mit dem Beginne des Winters und mit den Hcrbstfetertagen zusammengefallkn ist — beides Momente, die ohnehin geeignet sind, die schmale Kasse des Beaniten auf die schwerste Probe zu stellen und seine sorgsame Hausfrau zur Verzweiflung zu bringen. Es ist nun Tatsache, daß, auch beim besten Willen der Gemeindevorstände, der bürokratische Betrieb der Gemeindkstuben — und zwar nicht gerade bloß in den Groß-Gemeinden, — bei jeder notwendig werdenden Gehaltserhöhung wochenlange Beratungen und Ueberlegungen notwendig macht, die in normalen Zeiten ein ganz berechtigter Ausfluß verwaltungsmäßiger Gewissenhaftigkeit ist, angesichts der außergewöhnlichen Lage jedoch zum Verbrechen wird. Jeder Tag und gewiß jede Woche Verzögerung, die bis zur Bewilligung einer Gehaltserhöhung für den Familienvater eintritt, bedeutet für diesen eine furchtbare Schädigungdenn die Kaufkraft der ihm bewilligten Beträge sinkt vdn Tag zu Tag und es kommt vor, daß die erwiesene „Wohltat" sich geradezu in nichts auflöst, nur weil sie zu spät gekommen ist! Wir möchten daher an alle jüdischen Führer und Leiter der jüdischen Gemeinden in Stadt und Land den dringenden Aufruf richten, sich ihrer Pflicht gegen die Beamten im Geiste des liULv? s'v'-rpv r wn? bewußt zu werden! Gerade den Besten und Feinfühligsten im Kreise der Kurze Vetrachlungen zum Wochenabschnitte.*) Von Dr. Felix Kanter in Zwittau (Mähren) Zum Vers 7 im 18. Kapitel unseres Wochenabschnittes (:"2i ne2Dn) bemerkt der Midrasch nvu '"r, )b flvixn ’swj? n"apn, „Gott sprach: Ich habe ihm (Abraham) das Gebot von min »an‘>v offenbart — wie sollte ich ihm die Zerstörung von Sodom verheimlichen" y Der Zusammenhang von rvnjtn »aivy und der Zerstörung von Sodom ist scheinbar auffallend und daher) unverständlich. Kenner der Halacha werden aber den Zusammenhang leicht herausfinden. Eine Mischna in Erubin lautet: Alles darf man zu »an»y nrtfn verwenden, ausgenommen sind nur Wasser und *) Entnommen dem vortrefflichen Werke tPWin, 2. Teil, herausgegeben von den Rabbinern Sch. Lewitan in Kristiania (Norwegen) und I. Weisblum in New-Iork, City. Dieses Werk sei allen Freunden guter Homiletik aufs Wärmste empfohlen. jüdischen Gemeindebeamten wird das unausgesetzte Fordern und Schreien immer mehr zuwider, und man kann wirklich nicht behaupten, daß die Töne, die gegenwärtig aus der Lehrer- und Beamtenpresse an unser Ohr dringen, allzu schrill sind. Umso höher und gebieterilcher erwächst den Vorständen die Pflicht raschen und entschlossenen Handelns. In den letzten Wochen sind von der Geschäftswelt überall ungeheuere Summen verdient worden, die auch in den Budgets der Gemeinden früher oder später zum Ausdruck gelangen müssen und werden. Es bedeutet also keinerlei Versündigung gegen die pflichtgemäß zu wahrenden Interessen der Steuerzahler, wenn die Gemeindevorstände angesichts der Katastrophe, vor der die Beamten stehen, das Ergebnis der nächstjährigen Steuerveranlagung antizipieren. Handelt es sich doch tatsächlich darum, die Vertreter der Thora vor unnennbarem moralischem Druck und mittelbar vor Entkräftung und Krankheit zu schützen. Möchten die Führer der jüdischen Gemeinden auf der Hut sein, daß nicht der heilige Dienst, den auch sie übernommen haben, zur verhängnisvollen Verantwortung für sie werde! Die Konferenz in Washington. Wenn auch die Anläufe, die die Völker unter dem verheerenden Eindrücke des Krieges nach der Richtung des Weltfriedens genommen haben, alle enttäuschten, so möchte doch das jüdische Herz nicht verzweifeln unb jedes neue Zeichen von Friedeil itub Versöhnung unter den Völkern zum Anlaß neuer Welthoffnung nehmen. I n Washington sprach es Hughes, der Staatssekretär der Vereinigten Staaten am 12. Nov. klar und deutlich aus: Alle Rüstungen zur See müßten -eingestellt werden. Insgesamt sollteil für die amerikanische, englische ititb japanische Marine 66 Einheiten erster Klasse, die bereits geballt oder sich iin Bau befinden, mit einer Gesamttonnage von 1 (>78 043 Tonnen innerhalb von drei Monaten nach Zustandekoinmen der internatiorlaleil Verständigung z e r ft ö r t werden. Tie Vereinigten Ltaaten würden all Einheiteil erster Klasse 500 650 Tonnen, Großbritanilieil 604 450 und Japan 299 70!) Tonnen opfern. Z e r st ö r e u und o p s e r n! Tie Völker selbst sollerr einen Teil ihrer gefährlichsten Waffen zerbrechen uild die Insignien voll Macht unb Gewalt, voll Mißtrauen uild l1nsriede.il, in die Fluten werfen . . . lind es ist dies ilicht mehr die Vision eines Jesajas, der mit Seherange in ferne Jahrtausende blickt,, es ist dies auch nicht die Sprache der Gewalt, die den Ohnmächtigen Entwaffnung und Entwürdigung diktiert, Salz. Als Grund dafür führt der Talmud Jerus. an, daß Wasser und Salz eine rftSp enthalten: durch Wasser ging b*e ganze Welt zugrunde (zur Zeit der Sintflut) und die Frau Lots wurde in eine Salzsäule verwandelt. Diese Strafe (Verwandlung) fand zur Zeit der Zerstörung von Sodom statt. Wenn also unserm Stammvater Abraham die Gebote und Vorschriften von rvnjtn ’2iTj? offenbarte, muhte er ihm auch gleichzeitig die Zerstörung Sodoms mitteilen, wegen der wichtigen baiachischen Vorschrift, dah Salz bei rnxn ’irpj? nicht verwendet werden darf und deshalb weil bei eben dieler Zerstörung von Sodom das Salz zur n^p wurde für die Frau von Lot Die Nachricht von der bevorstehenden Zerstörung Sodoms erschien in den Augen der Schwiegersöhne des Lot als lächerlich ch:r>n »yya pnstös wi). Nun, gar so läche, ltch klang diese traurige Botschaft nicht und zum Lachen lag da wahrhaftig kein Grund vor. Durch folgenden bekannten Ausspruch unserer Weisen erscheint uns aber das Berhaltrn der Schwiegersöhne Lots nicht nur verständlich, sondern sogar als gerechtfertigt. Dieser talmudische Ausspruch lautet fr:» p’2 921 iTimb iw-,, „Der Engel des Verderbens macht keinen, Unterschied zwischen dem Guten und Bösen, dem pnx und wenn er seine traurige Mission zu erfüllen ausgeht". Und nun beachte man genau den Wortlaut in unserm Wochenabschnitte. Die Enge! forderten Lot auf, Sodom zu verlassen mit der Begründung i"2i uras* D'TiniPö '2, „weil w i r diesen Ort zerstören". Lot aber berichtete seinen Schwiegersöhnen ’vvn ns '“! n'ntPö a, „daß Gott diese Stadt zerstören wird". Wenn Gott selbst das Strafgericht vollzieht, dann macht er schon einen Unterschied zwischen dem Guten und Bösen, dem Frommen und Frevler. Wozu * es ist bte Sprache' von freien Menschen zu freien Menschen, von Völkern zu Völkern, ein konkreter Vorschlag' auf einer Konferenz, die ehrlich bemüht ist, die Gnindlagien zu einem friedlichen Beisammensein der Nationen zu schaffen. Zu einer Zeit, da man in Paris und Genf vornehmlich nur die Sprache der Reparationen und Sanktionelt spricht, kommen diese anderen Töne und anderen Lieder über das große Wasser zu uns wie Himmelsbotschaften herüber, die uns lehren, daß wir uns unserer jahrtausendealten Verheißung voll der Zeit, da „die Völker ihre Schwerter zu Pflugeisen umschmieden werden", nicht zu schämen brauchen, und auch nicht unserer U) eise n L e h rer, die in der Waffe bei allen Goldverzierungell keinen Schmuck, sonderli eine Schmach , sahen und daraus sogar halachßche Konsequenzen zogen. Ter Segen der jüdischen Propheten begleitet die Arbeiten der Washingtoner Konferenz schon von der Eröffnungsrede an! Eine neue Talmud-Lleversehung. Von Prof. Dr. A. Sulzbach in Frankfurt a. M. Vorläufig liegt uns die erste Lieferung*) und zwar in der schmalen Ausdehnung von 96 S. vor, die nicht mehr als 19 Blatt des Traktates Berachot repräsentieren, also ein winziger Teil des Riesenwerks, das der Verfasser plant, und doch kann man sich schon ein Urteil über das bilden, was wir von der Weiterführung des Werkes erwarten dürfen. Das Geleitschreiben der Verlagsbuchhandlung sagt uns, daß es nicht überflüssig sein dürfte, „eine strengwissenschaftltche, richtige und gut deutsche Uebertragung zu bringen, die wetten Kreisen zugänglich und verständlich ist." Gewiß wäre dies zu begrüßen, wenn —, aber die vorliegende Lieferung des geplanten Werkes ist weder eine streng wissenschaftliche, noch richtige und gut deutsche Uebertragung, noch ist sie weiten Kreisen verständlich. Sie ist nicht wissenschaftlich, weil dem Verfasser die Kenntnisse fehlen, die ihn zu einem wissenschaftlichen Arbeiten auf dem Gebiete des Talmud befähigen. Gleich auf der ersten Sette glotzt uns ein Schnitzer an, der all:s Menschenmögliche übertrifft. D^rDntt) rOTtt inannn '■»'DiO pDJDi übersetzt der Verfasser: „Bon der Stunde an, da die Priester sich versammeln, um ihre Hebe zu verzehren." Zu „Hebe" kommt dann die Notiz „Opferanteil, *) Der babylonische Talmud. Uebersetzt und kurz erläutert von Dr. Nivard Schlögl, O. Cist. o.-ö. Professor für orientalische Sprachen an der Wiener Universitär. Wien 1921. Burgverlag Richter und Zöllner. 1. Lteferg. 96 S. also in diesem Falle die Flucht ergreifend Diese Aufforderung erschien ihnen also nicht mit Unrecht lächere lich, weil es vor Gott keine Flucht gibt und sein Strafe sich nur auf diejenigen erstreckt, die er strafend heimsuchen will. „Und Gott gedachte der Sarah" — dazu bemerkt dec Midrasch: „Mit Sarah wurden zugleich noch viele andere Unfruchtbare erfreut,' viele Taube erlangten ihr Hörvermögen wieder, viele Blinde wurden sehend, viele Narren wurden weise" usw. R. Lewi fügt hinzu: Auch die Himmelsltchter nahmen an Kraft und Stärke zu. nnn nöj? npDi nnpy nmn mt? mpß:tr rwa “ii2s *-n 921 o'ar nain . . owe nnrnnperu B'Bnr miNöH bn iB'Bin. Der tiefe Sinn dieses Midrasch- Ausspruches ist folgender. Auch zur Zeit unseres Stammvaters Abraham gab es solche, die taub und blind und dcm Irrwahn des Unglaubens verfallen waren) solche, die das Walten der göttlichen Allmacht nicht ein sehen, den wahren Glauben an den einig.einzigen Weltschöpfer nicht verkünden und verbreiten wollten) deren Leben daher unfruchtbar und deren Handlungsweise dumm und töricht war. Als sie aber das große, übernatürliche Wunder (yz'cn fö nbyab ts:) sahen, als sie sahen, wie Gott „der Sarah gedachte und sie mit einem Kinde erfreute" in einem Alter, in dem sie auf Kindersegen nicht mehr zu hoffen wagte, da wurden erst die Blinden sehend und die Narren weise, da ging vielen das Licht des wahren Glaubens auf und dieses Licht nahm an Stärke und Kraft zu. Dies war bei jedem Wunder der Fall, das Gott später den Nachkommen Abrahams erwies, wie bei onSö n.s'X’ und?pv d’ nvnp re.