Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 62 (1921)
- Issue
- Heft 46 (17.11.1921)
- Date
- 1921-11-17
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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PW Ein Eentraloroan IBr das offhoinxe Jutenfam I fsaaggg fiegründef dod Dr. Lehmann in (Haina cs&sa aa n u - ,ß z m „ 17. November 1921 62. Jahrgang. ©ss Sranhfurf a. in., 9en ig.^cheschwan 6682 9B9 M 46 Abonnement pro Vierteljahr: Deutschland öei den Postämtern sowie öei direkt. Bestellung u. Rechnungserteil. durch d. Verlag M. 7.20 viertel), f.Lehrer u.Kultusbeamte («.direkt) M.3.60vierteljährlich, Deutsch-Oesterreich Kr. 90.— vierteljährlich: Tschecho-Slowakei Kr. 12.— Ungarn Kr. 40.—vierteljährlich, Polen (nur in deutscher Reichsmk.) Mk. 12 vierteljährl., Nnmänien 10 Lei, Holland fl. l, Skandiuav. Kr.2, Schweiz fs. 1.50,Frankreichu.BelgienFr.2.50, England 1 8h. 6 p., 9tmevita 0.50 Doll, vierteljährl. Einzelnummer 60 Psg. Durch den Buchhandel wie beim Verlag. Der Israelit erscheint jeden Donnerstag Inserate : Mk.3.—, fürStettensucheudeMk.2.—, für die sechsgesp.Col.-Z. eluschl.Teuergszschl.; Ausl.-Jns. Mk6.— pro Zeile. Rab. n. Tarif. Bei lauf.Jnseratauftr.tarifm. 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Kle i n es Feuilleton: B Cohen: Biblische Urgeschichte der sozialen Freiheit. — 4. Wochenrundschau: Die Teuerung und die jüdischen Beamten. — Die Konferenz in Washington. — 5. Aufsätze: — Prof. Dr. A. Sulzbach: Eine neue Talmud-Uebersetzung. — 6. Korrespondenzen und Nachrichten: Karlsruhe, iTagung der israelitischen Landessynode Badens) — Danzig, (Das neue jüdische Wahlrecht in Danzig). — Wien, (Der Jude zahlt die Zeche). — Wien, (Die Wahlresorm und die Orthodoxie). Krakau, (Eine stürmische Kahal-Sitzung.) — Bratislava, (Sonntagsruhe). — Warschau, (Razzias). — Warschau, (Der Städtetag in Warschau). — Warschau, (Jüdische! Stadträte unter Anklage). — Wilna, (Aus Wilna). — j London, (Die amtliche Untersuchung über die Mai-Pogrome! in Erez Iisroel). — Wien, (Neue Pogrome der Petljura-! Truppen?) — Paris, (Die Konferenz in Washington zur Judenfrage). — Jerusalem, (Die Abtrennung des Ost-! Jordanlandes. — Jerusalem, (Der Obe komnüssar bei den Jemeniten). Jerusalem, (Ein Pogrom in Mesopotanuien). - 7. Personalien. — 8. Vermischtes. — 9. Frankfurter Berichte. — Gebetzeiten. — 10.! Vereinskalender. — 11. Feuilleton-Beilage:! Ein Häuflein Erde. — Das Glück. — 12. Kind er ecke: Aus der talmudischen Weisheit. — Die Zerreißung Oberschleflens. Die Genfer Entscheidung in der oberschlesischen ssrage bedeutet nur zur ersten unwesentlichen Hälfte ein Salomonisches Urteil und nur insoweit, als auch hier der Machtspruch lautete: „Zerschneidet das Kind!" Damit aber hören Weisheit und Einsicht auf, denn man zerschnitt das Kind wirklich, ohne auf die in verzehrendem Weh sich windende w^ahre Mutter weiter zu achten.- Und wo irgend auf Erden ein Unrecht im großen geschieht, bekommen wir Juden unser gehäuftes Teil dabei ab. Das war schon bet Kriegsausbruch, in den verschiedenen Phasen des Krieges und ist auch jetzt bei der Liquidation des traurigen Erbes von August 1914 in gleichem Maße der Fall. Mit der verfügten Abtrennung des oberschlesischen Industriegebietes vom deutschen Staatsberbande wird die deutsche Judenheit wiederum um etwa 10000 Seelen ärmer. JnKattowitz zählte die jüdische Gemeinde 1913 rund 6500, in Königshütte etwa 1000 Seelen. ^!ach diesen Gemeinden sind Myslowitz mit 500, Tarnowttz und Rybntk mit je 400, Pleß und Lubltnetz mit je 300, Nikolai und Los lau mit je 200 jüdischen Seelen zu nennen. Es kommen noch mehrere Landgemeinden hinzu, die die obengenannte Gesamtzahl vervollständigen. Dieser jüdische Prozentsatz wäre an sich bet einem Millionenverlust an Bürgern für Deutschland nicht allzugroß. Aber es soll in diesem Zusammenhänge gar nicht davon gesprochen werden, was wir Juden Deutschlands mit diesem Ausfall verlieren, sondern vielmehr von dem, was sie, unsere Brüder in den abgetretenen Gebieten, verlieren, von der rein menschlichen Tragödie dieser deutschen Altbürger Obeschlesiens, die sich unter weit schwierigeren Umständen als die christliche deutsche Bevölkerung seelisch, politisch und im praktischen Tun auf die Neuordnung der Dinge einzustellen haben. Dem christlichen Deutschen wird im schlesischen Neupolen die Betätigung seines Deutschtums auch nicht gerade leicht gemacht werden, aber man wird ihm aus seiner deutschen Gesinnung schließlich keinen Vorwurf machen, ihm seine deutsche Art nicht zum Verbrechen stempeln. Vom Juden wird man, wie man dies schon allezeit in den polnischen Kreisen Deutschlands getan, polnische Gesinnung, polnische Art a priori erwarten, um ihn bei all dem noch zu verdächtigen und zu verfolgen (Siehe Warschau!) Man wird von ihm zuerst die Polonisierung seines Hauses, seiner Sprache, seiner Schule verlangen, ungeachtet dessen, daß gerade der Jude seit Generationen mit der deutschen Kultur in den Ostprovinzen Deutschlands am engsten verwachsen ist. Juden waren die Väter der oberschlesischen Industrie. Die Geschichte der Hüttenwerke in Oberschlesien beispielsweise sieht auf Namen wie Elias Sachs, Salomon Hammer, Moritz Friedländer, David Löwenfeld, Rothschild und Sternberg als auf ihre ersten Pioniere zurück. Der Jude in Oberschlesien ist in seinem politischen Denken und Fühlen deutsch geblieben, obwohl oder gerade deshalb, weil er für sein Deutschtum leiden mußte, allem Undank zum Trotze, den er in den letzten Jahren des Hasses und des Mißtrauens von deutscher Seite geerntet hat. Es war gewiß nicht allein Furcht vor der drohenden polnischen Pogromluft, die dem Juden bei der Abstimmung den deutschen^Stimmzette' in die Hand drückte. Es war innerster Reihdeutsche Gesinnung, Glaube an Deutschlands Kraft und Zukunft, Bekenntnis zur deutschen Kulturgemeinschaft. Er könnte nun Polens Hand doppelt, als Deutscher und Jude zu verspüren bekommen. Möglich wäre es aber, daß die Polen nun, im Gegensätze zu früheren Zeiten, den Sinn der für sie arbeitenden Geschichte endlich -begreifen und sich der guten schaffenden Kräfte und Elemente zum Ausbau der jungen Republik und zur Konsolidierung der politischen Verhältnisse im Lande zu bemächtigen suchen werden. Dann wäre die Prognose für die kulturell hochentwickelte, politisch geschulte und wirtschaftlich tüchtige jüdische Bevölkerung Oberschlesiens durchaus keine schlechte. Es erübrigt sich, die Mahnung an unsere Brüder in den abgetretenen Gebieten zu richten, bei aller Treue zu den alten Taditionen als loyale Bürger des neuen Staates an feinem Ausbau kräftig mitzuarbeiten. Diese Mahnung hat bereits Jirmejahu vor zweteinhalbjahrtausenden ün die Brüder in Babylon gerichtet, und sie hat für uns in allen Stürmen und Uebergängen der Zeiten bis auf den heutigen Tag ihre Giltigkeit behalten. Nicht unerwähnt bleibe aber der jüdische Anschluß, der Anschluß an eine volljirdische Miüionenbevölkerung, der sich den Juden des schlesischen Neupolen eröffnet und der noch vielleicht ein Aktivunr in diesem schmerzlichen Trennungsakte ausmacht,- und vollends den Gesetzestreuen in Stadt und Land des polnischen Oberschlesien sei es gesagt: Die polnische Judenheit von heute ist in ihrer äußeren Struktur nicht mehr die von vor zehn Jahren. Die Zeichen der Zeit sind an ihr nicht spurlos vorübergegangen Die Gesetzestreuen sind, von zielbewußten Führern geleitet, in einer Organisation, der Tochterorgantsatton der Agudas Iisroel Schlome emune Iisroel vereinigt und wißen ebensowohl gute, kräftige jüdische Aufbauarbeit nach innen zu entfalten, wie über ihre Rechte und Interessen nach außen zu wachen. Die neue Blutzufuhr, der Zuwachs an Arbeitskraft aus der guten politischen Schule des früheren Deutschland kann diesem orthodoxen Verbände, Polens Judenheit wie dem Gesamtjudentum, dessen geistige Grenzen von keinem Macht-