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Der Israelit · 1921-11-10 · Heft 45 (10.11.1921) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
62 (1921)
Issue
Heft 45 (10.11.1921)
Date
1921-11-10
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Ho. 45 Seite 5 10 November 1SL1. Malästina. ver?6isgruß an 9en Oderhvmmissar. Jerusalem, 31. Oktober. Am ersten Roschhaschonotaqe nach dem Gottesdienste in der Synagoge der Churba vereinigte eine Frühstückstafel im Hotel Amdurskt Her berr Samuel mit einer Anzahl von geladenen Gästen. Oberrabbiner Kuk feierte den Oberkommissar als den Samuel unserer Zeit und bat um Aufhebung des Einwanderungs- Verbotes. Im Namm der Agudas IIsrael begrüßte Herr Dr. S. E hrm ann-Frankfurt a. M. den Ober komm ssar- Herr Wolowski aus Kanada erinnerte in einer Ansprache Samuel daran, wie er 1913 als englischer Postminister in Kanada von einem kleinen jüdischen Mädchen auf hebräisch mit dem Wunsche begrüßt wurde, er wöge einst als Minister in Jerusalem wirken. Dieser Wunsch sei mehr als erfüllt. Der Oberkommissar antwortete in längerer Rede. Oberrabbtner Kuk habe ihn mit Sam uel verglichen, Rabbi Jakob Meir mit Nechemjah, er halte aber beide Vergleiche nicht aus. Er habe, als man ihm beim Ausrufen aus der Thora vorgelesen hatte, wie Abraham mit Abimelech dem König der Philister einen Bund schloß, daran gedacht, daß es wohl anginge, auch jetzt mit den Nachbarn einen Freundschastsbund zu schließen. Er habe die beste Zuversicht, daß sich im kommenden Jahre die Dinge bessern werden. Er, Samuel, stehe seit 20 Jahren im englischen Regierungsdienste, aber keine Arbeit habe bei ihm soviel Interesse erweckt und ihm soviel Freude verschafft, wie die in und für Palästina. etwas PaMina-5la1iM. Jerusalem, 30. Oktober. Aus dem Berichte, den die Handelsabteilung bei der palästinensischen Regierung für das Jahr 1920—2l veröffentlicht, sind folgende interessante Zahlen und Daten zu entnehmen: Ganz Palästina umfaßt 3000 Quadratmeilen, auf denen im Ganzen 700000 Seelen wohnen. Ein Drittel der Bevölkerung bewohnt 22 kleinere Städte und größere Dörfer. Es fehlt an Menschen, Arbeit, Kapital und Handel. Eigene Währung hat das Land nicht und weder Handel noch Finanz sind organisiert, nur in den größeren Städten existiert hier und da eine Privatbank. Im Steuerwesen herrscht noch das alte türk sche System und das gangbare Geld ist das eghptische Pfund. Handelsbeziehungen werden vornehmlich mit England, Aegypten, Ostjordanland und Syr en gepflegt, doch zeigen sich auch schon einige flache Anfänge von Welthandel mit Z ntral-Europa. Die Entwicklung des wirtschaftlichen Lebens kann nicht eher in Fluß kommen, als vis das Mandat ratifiziert ist. Die Eisenbahnschienen Palästinas erstrecken sich auf 1000 Kilometer. Es wird zur Zeit eine Elektrisierung der Bahnen in Erwägung gezogen. Straßenbahnen gibt es in den palästinensischen Städten noch nicht. Von den zwei Millionen Hektar brauchbaren Landes in Palästina sind zur Zeit nur 300000 mit Wintergetreide und 200000 mit Sommergetreide bestellt. Eineinhalb Miüonrn Hektar Land liegt noch brach. Die Fischerei hat eine gute Zukunft, da Oel und Salz zur Konservierung genügend vorhanden sind. Der Reichtum an Mineralien ist noch nicht ausgeforscht. Es werden zur Zeit am Salzmeer Experimente gemacht zur Gewinnung von Naphta. Im allgemeinen ist eine bedeutende Hebung des Lebens tm Lande zu bemerken. Alles hängt vom neuen Zustrom an Menschen und Kapitalien ab. Jerusalem, 1. November. Eine Reihe von Hausbesitzern und Zimmervermietern haben sich verpflicht, Geschäftsräume und einzelne Zimmer an keine Bewohner zu vermieten, die den Sabbat entweihen. Der ASraelit. Amerika. Her Rabbiner als ßefandfer- Werv-Kork, 31. Oktober. Aus Washington wird gedrahtet: Der Rabbiner Josef Saul Kornfeld, der im Jahre 1876 in Oesterreich-Ungarn geboren ist, wurde zum Gesandten der Bereinigten Staaten in Teheran ernannt. nichtfiffieruna 9er einroanöerjng nach nmeriha. Merv-Hsorlr, 1. November. Entgegen der Meldung von der gänzlichen Sistierung der Einwanderung nach Amerika, von Ende Oktober spätestens aber Dezember bis 1. Juli 1922, infolge Erreichung der Quote, bemerkt das New-Iorker „Morning-Journal", daß lt. offiz. Daten, die vom Jmmigranonsbüro beim Labour Department stammen, diese für viele Juden geradezu katastrophale Nachricht nicht den Tatsachen ent'pricht. Aus einer Lifte des Jmmigraiionskommissars vom 29. September it ersichtlich, daß die einzigen Länder, die ihre Quote bereits erreicht haben, sind: Spanien, Türkei, Palästina und der Distrikt von Smyrna. Bon allen anderen Ländern können noch Immigranten ins Land gelangen, während Polen, Österreich, Ungarn, Jugosiavien, Tschecho-Siovakei, Rumänien, Schweiz, Deutschland, England u. a. m. noch nicht einmal ihre Septemberquote erreicht haben. (Die Berechnung der Monatequote ist allerdings ein wenig kompliziert, da in jedem Monat bis ein Fünftel der Jahrrsquote frei tff; das Jahr wird ab 1. Juli gerechnet.) Laut Berechnungen des „Morning Journal" können aus den meisten Ländern, aus denen die jüdischen Immigranten stammen, während der nächsten Monate noch fast ebenso viel Immigranten nach Amerika gelangen, als bisher, seitdem die neue Jmmigrationsbill in Anwendung ist, aber auch dann werden die Tore nicht ganz geschlossen sein, da dann, aber erst dann noch gewisse Kategorien über die Prozentnorm ins Land gelangen dürfen. Außerdem führt jetzt die „Hias" noch Verhandlungen mit Hoooer, um Frauen und Kindern aus Sowjet-Rußland zu gestatten, zu ihren Männern resp. E tern nach Amerika zu fahren. Die Quote für Rußland in der Zahl von 50000 ist noch fast ganz offen. Dagegen bemühen sich die Gegner der Immigration, eine Verschärfung der Einwanderungsblll nach Ablauf derselben schon sitzt vorzubereiten. Wenn schon nicht eine gänzliche Einstellung, so wollen sie doch zumindest die Quote auf 1 Prozent ,)erabdrücken. Sie behaupten, daß das Volk für gänzliche Schließung der Tore ist, zumindest aber ür eine rLtnschränkung der jetzigen Einwanderungsquote. Hauptargument bildet die im Lande herrschende Arbeitslosigkeit, die durch die Einwanderer angeblich noch verstärkt wird. Personalien. Aron Kober bx“' Frankfurt a. M., 4. November. Ein Mann, der ganz dem Leben gehörte, der ln jede Minu>e seines gesegneten Daseins die volle, vor> veh l-los Hingabe aller gesammelten Kaft der Persönlichkeit zu legen mutzte, ist der jüdischen Gesamtheit entrissen worden, als Aron Kober vor wenig Tagen die Augen zum letzten Schlummer schlotz. Wenn einem Menschen in unseren Tagen das Plädtkat L'vn, „ganz" gebührie, so war er es! Früh der vüte-lichen Erziehung beraubt, war Aron Kober im Verein mit seinen Brüdern von der Mutte-, einer Frau voll klarer jüdischer Erkenntnis und reinster Gottesfurcht, in die Gedankenwelt des Judentums und seine Praxis eingeführt worden. S. R. Htrschs Feuergetst har über den Werdenden bingeleuchtet und in seiner empfänglichen Seele eine Glut der Begeisterung für Gott und Irin Gesetz entzündet, die sein ganzes Leben bis zum letzten Atemzuge wie mit einem elektrischen Fluidum durchdrtngen sollte, mn» nons bv otto 72, sagen unsere Weisen — die Pfuchtgetreuen, vom Eifer der Gottesliebe Getriebenen sind immer in Eile! Dieses Wahrworts lebendiger Zeuge rvar unser Aron Kober. Er stürmte förmlich, immer von der Sehnsucht nach dem Höchsten erfüllt, immer in Sorge um das Getingen, von Mizwo zu Mizwo, ränmle mit jug nd'ich-r Tatkraft Hindernisse aus dem Wege, die anderen unüberwindlich schienen, und kannte keine Rüasicht auf Bequt-mlichkeit und Gesundheit, wenn es galt, der min und L'vlp n.ST neue Siege im Kleinen wie im Glotzen zu erstreiten. In der Kinderstube und am Familienlstch, aus dem schwierigen Boden der Breslauer Gemeinde, tm Vereinsteben und irr den grotzerr Organisationen, in denen Aron Kober an leitender Stelle rviikte — überall jenes hinreißende nimn niö’ön, das grade in unserer Zeit und in den Länden, des Westens zur seltenen Erscheinung geworden ist. Und noch eines wais, das Aron Kober vor tausenden braver, gottessürchliger Genossen auszeichnete: er konnte weinen um Pn:n bi^n! Es war erschütternd, den Ausbruch seines Schmerzes zu hören oder zu lesen, wenn irgendwo durch die Ungunst der Zeiten das Heiligtum der Thoratreue gefährdet oder auch nur in den Seelen der Mitwelt, der Jugend in seiner Ehre beeinträchtigt schien. Seine Jü ischkeit war eben von jener geldretnen Gediegenheit, wie sie nur in der Feuerschnielze einer hell lodernden Gottesliebe gedeiht und die darum als ewiger Besitz der Nachkommen, ja der jüdischen Gesamtheit das Jndiv-üuum überdauert. So wird Aron Kobers, des jüdischen Menschen, Andenken für immer gesegnet und selber ein Segen sein für seine Familie und die jüdische Gesamtheit, ,T2wn * u, * Halberstadt, 5. November. Die Pforten des Halbersiäuer jva öffneten sich heute dem sterblichen Teil eines Mannes, besten sehnlicher Wunsch es war, hier dem Tag von n"nn CTen entgegenzuschlummern — Aron Kober Noch e-nmal war es ihm vergönnt, die Weihen des Tischri-'lltonats zu empfangen — ober das Hallet des neuen Chandesch vernahm er schon in der Welt des Lichts und der Wahrheit, deren treuester Künder und Kämpfer er gewesen. Er hatte sein m Sohn, der zur Stätte des Tarnolernei s fuhr, das Geleite gegeben und dankeifüllt ausg« sprachen, daß er auf diese Stunde sein Leben lang gewartet, daß sie ihm den Lohn all seiner Mühen bedeute, und sich der Arbeit des Tages zngewandt — da grüßte ihn der Engel des Todes, und m't dem Kusse seiner Gnade rief rhn Gott zu seinen Vätern. D'p'rx mx np1? '2 um- In der Halle des E'Vin n’3 hatte sich eine imposanie Menge versammelt, dem Verwandten und Freunde, dem Kollegen und Mitarbeiter leiderfüllten Herzens die letzte Ehre zu erweisen. Die Agudas Jtsroel, die Freie Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums, das Rabbiner-eminar zu Berlin hatten Vertreter entsendet, denen sich die Aogesandten mannigfacher Institutionen der Heimatgemeinde des Dahingegangenen zugesellten. Herr Rabbiner De. Auerbach, der Schwager Aron Kobers entbot den. Scheidenden, dem p'is, dem Bruder, dem treuesten Freund, liefergreifende Abschiedsworte. Ec schitd-rte den Geist seines Elternhauses, die Jahre seiner Jugend in Halberstadt und seines Hauses Gründung mit der ihm ebenbürtigen, edlen Lebensgefährti«. Oft vom Schmerze übermannt, entwarf er ein B>ld der staken, einheitlichen Persönlichkeit Aron Kobers, seines großen, liebevollen Herzens, seiner unveigletchlichen Gemilus Ehesed-Betäligung, seiner tiefinnigen Liebe zur mm und seiner unermüdlich, opferbereilendkn Hingabe für den heiligen Psttchlenkrets der n’Sö Er gedachte seiner Verdienste um den Zusammenschluß der cxv in Deutschland, seil er Begeisterung beider Gründung der Agudas Jisroei, seiner rastlosen Arbeit für die Ausrichtung zerstörter und die Erhaltung bedrohter Thoralehrstätten tm Osten, seiner Fürsorge für die Flüchtlinge des Krieges und nicht zuletzt für die Kriegs- und P ogr o m w a l sen. Namens der Palästina- Zentrale der Agudas Jisroei beklagte er den Heimgang des Erez JiSroel-Freundes, dessen Blick sehnsuchtsvoll nach dem heiligen Lande geschaui und der bei Tag und Nacht für dessen Wiederaufvau gearbeitet. Unvollendet bleibt sein Werk, unausgefüut seine Stelle, aber sein Gedächtnis bleibt unvegeßltch, und der Dank von Tausenden gelet et seine reine Seele vor Gotres Thron. Den Abschtedsgrutz der Heimat brachte Herr Rabbiner Dr. H offmann, der tie Wirksamkeit Aron Kobers in Breslau in leuchtenden Farben schilderte, wie er sich niemals Ruhe gegönnt, wle groß sein Woh.'iun, wie unermüdlich seine Hilfsbereitschaft in allen Chebraus der Gemeinde, wie er für mim niöf? Sorge getragen und wie ihm alles nie genug sein konnte. Seine mannhafte Persönlichkeit versch iffte ihm die Wertschätzung und die Mitcnbett aller Gemeinde- Mitglieder, weicher religiösen Gesinnung sie auch huldigen mochten, und fein Scheiden bedeutet für das jüdische Leben Breslaus einen unersetzlichen Verlust. Heitze Dankeswvrie kindlicher Liebe sprach schltetzltch der Schwiegersohn Aron Kobers, Herr Rabbiner Dr. Leo Cahn, Fulda, und entwarf aus kleinen Emzelzügen ein Bild des gütiger', liebevollen Vaters. Namens der Kinder gelobte er, daß der Geist Aron Kobers niemals aus feinem Hause schwinden werde und daß sie gemeinsam ver suchen werden, die Aufgaben zu erfüllen und den Zielen nachzusUeben, zu welchen er ihnen bis zur letzten Stunde mit nimmer müder Hand die Richtung gewiesen. i;nnp "inrw ward Aron Kober begraben und die heilige Erde uniereS nnapn 7i'2 birgt ein teures Grab mehr in ihrem Schoße. Einer ruhigeren Stunde muß es Vorbehalten

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