Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 62 (1921)
- Issue
- Heft 44 (3.11.1921)
- Date
- 1921-11-03
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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3. ftowember 19S1 Ausdruck, daß die Textuutrrschiede, die zwischen dem englischen Mandatsentwurf einerseits und dem französischen und belgischen Entwürfen andererseits bestehen, keine materiellen Unterschiede in der Ausübung der Mandate bedingen. Durch eine Subkommission sollen vervollständigende Informationen über die nationale Stellung der in Frage stehenden Völkerschaften eingezogen werden. Definitive Beschlüsse sollen erst gefaßt werden, nachdem die Bestimmungen über die Ausübung der Mandate festgelegt sind. (Ziko.) Uaiitstina. Die Salafchas- Jerusalem, 5. Okt. Seit einigen Tagen weilt hier der bekannte Folascha-Forscher Dr. Feitlo witsch. Er kommt direkt aus Abessinien, und erbrachte 4 junge Falaschas mit, die hier in Jerusalem zu Lehrern sür die Falaschas-Schulen aüsgebildet werden sollen. Aus seinem Bericht über die Logs der Falaschas ist zu entnehmen, daß die Zahl der Falaschas zurzcit im Ganzen 50000 beträgt. Sie sind samt und sonders religiös gesinnt und halten treu und fest zu den jüdischen Gesetzen und ihren alten Bräuchen. Von den späteren religiösen Einrichtungen, die nach der Zerstörung des ersten Tempels getroffen wurden, wissen sie nichts, auch nichts von Chanukka und Purim. Im allgemeinen hat sich das religiöse und moralische Niviau unter den Falaschas in letzter Zeit sehr gehoben. Mischehen und Taufen haben so gut wie gänzlich aufgehört und ihre Hoffnungen sind nach Palästina gerichtet. Herr Dr. Fettlowitsch beabsichtigt, von h'ec nach Amerika zu gehen, um dort eine kräftige Aktion für die Pataschas etnzuleiten. fla 9er fflefimauer. Jerusalem, 10. Okt. Nach Ueberwindung vieler Schwierigkeiten gelang es einflußreichen Männern in Jerusalem, einige Räume in der Nähe der heiligen Mauer zu mieten und sür Abhaltung von öffentlichen Gottesdiensten einzurichttn. Auf diese Weise kann von jetzt ab an Sabbat und Feiertagen vollständiger öffentlicher Gottesdienst an der Westmauer abgehalten werden, was bisher schon aus dem Grunde unmöglich war, weil es dort keinen Raum zur Unterbringung von Thorarollen gab. In der Regel pflegten sich an Festtagen die frommen Bcler nur zum Musaph-Gebete vor der Mauer zu versammeln. An den letzten Feiertagen konnte dort bereits vollständiger Gottesdienst unter Dach abgehalten werden. In einer großen Versammlung des Ungarischen Kollel wurde Beschluß gefaßt, alle Maßnahmen, die im Bereiche der Möglichkeit liegen, zu ergrei'en, um der überhandnehmenden Sittenlockerung und Sabbatentweihung in der heiligen Stadt entgegenzutreten. Es wurden von orthodoxer Seite auch Beschlüsse gegen die moderne Schulen und ihrrn Lehrplan eingenommen. Die „Zeire Agudas Jsroel" nahmen einen Beschluß zur Gründung einer Bibliothek an. Auch soll sich das Komitee der Agudas Jtsroel in Jerusalem mit Hilfe einer gegründeten Gesellschaft mit dem Ankauf von Häusern und Grundstücken in Palästina befassen. Die Jeschtwah „Haus des Chetam Softr" in Sassed erläßt einen dringenden Aufruf, in dem unter Hinweis auf die große Zahl der aus der Jeschtwah bervorgegangenen Thoragelehrten an die jüdische Oeffenüichkelt der ganzen Diaspora appelliert wird, sie mit Geldmitteln zu unterstützen und es zu verhüten, daß in dieser kritischen Zeit ein Thora-Jastitut von dieser Bedeutung dem Untergange verfalle. Die Million 968 Dr- 0an9areli. Jerusalem, 10. Okt. Dr. Bandareli, der Vertreter der amerikanischen Gesellschaft in Palästina, äußerte sich über seine Mission in Palästina ungefähr wie ' »er Arraeln. folgt: Das Vermögen der Gcsellschast beträgt 5 Millionen Dollar. Hauptaufgabe der Gesellschaft ist, alle industriellen Unternehmen, die erfolgreiche Entwicklung versprechen, mit Krediten zu den günstigsten Bedingungen an die Hand zu gehen. Die Gesellschaft hat nickt nur den Zweck, die Industrie in Palästina zur Blüte zu bringen, sondern auch den, den Amerikanern das Bewußtsein beizubringen, daß man mit Palästina auch rentable Geschäfte machen kann. In der Aufbauarbeit gedenkt die amerikanische Palästinagesellschaft, mit all den anderen Organisationen, die in und sür Palästina arbeiten, Hand in Hrnd zu gehen. Häuferbau in Paiäftina. Jaffa, 6. Okt. (I. C. B.) Hier fand eine Versammlung der Häuserbaugesellschaft Neweh-Schalom statt, die jetzt schon 405 Mitglieder zählt. Die Gesellschaft ist im Begriffe, einen 'Vertrag über den Ankauf von 22ÜDuwemfür 26 000Lst. abzuschließen. Hiebci zahlen die Mitglieder 10000 Lst., der Rest wird als Anleihe ausgenommen. Für den Häuserbau gibt die A. P. C. einen Kredit auf 50 Häuser und Bürgschaft für Kredit auf weitere 150 Häuser, sodaß die Gesellschaft an den Bau von 200 Häusern schreiten kann. Die Bavgesillschaften Kedem und Haboneh haben den Häuserbau übernommen. Anreriks. Die Ehrung eines Rabbiners. Wew-York. 5. Okt. Die hier wohnenden Juden aus Lomscha und Umgegend feierten ein großes Fe't aus Anlaß des Besuches des Lomschaer Rabomers, Rabbi Leb Gordon in Amerika. Das Beshamtdrasch war angefüllt von einer großen Menge, die tiesergriffen den Worten des Rabbiners lauschte. Nach einer tiefgründigen Rede kam der Herr Rabbiner auf die Lomschaer Jeschiwa zu sprechen, die in 40 jähriger Lehrtätigkeit wahre Größen an Thora hervorgebracht hat und der jetzt der Untergang drohe, falls sich nicht wohltätige Thorafreunde ihrer annehmen. Eine worgenommene Sammlung brachte eine ansehnliche Summe für die Jeschiwa und wurde beschlossen, einen festen Fonds in Amerika für die Lomschauer Jeschiwa zu gründen. Eine üragöbie im nero-Uorher Hafen. Mew-YorK, io. Skpt. Ende August langten mit dem Schiffe „Finnland" im New-Iorker Hafen Frau Rahel Keller mit ihrem Sohne, Josef aus Przymsl in Galizien an. Frau Keller, die im 59. Lebensjahre steht, hat wohlhabende Kinder in Amerika, die von der Ankunft der Mutter und des Bruders Meldung bekamen und sich zu deren Empfang im Hafen einfanden. Da wurde den Reisenden erkärt, daß der Prozentsatz der Einwanderer bereits erreicht sei und sie die Rückreise nach der Heimat anzutreten hätten. Die Familie wandte sich ans Ministerium in Washington und endlich kam von dort die Entscheidung, daß dev Mutter die Landung erlaubt sei, der Sohn aber zurück müsse. Alle Vorhaltungen, Vorstellungen und Versprechungen der Familie, die sich in den besten Verhältnissen befindet und alle Verpflichtungen für die Einwanderer übernehmen wollten, blieben nutzlos. Bei der Trennung von Mutter und Sohn spielte sich eine Szene ab, die alle Dabeistehenden, sogar die Schiffsmatrosen erschütterte. Die Mutter weinte bitterlich und weigerte sich, ohne ihr Kind das Schiff zu verlassen, umsomehr, als dem Sohne durch das ihm ausgestellte Visum die Rückk.hr nach Polen ausdrücklich verboten sei. Fast gewaltsam mußte die Fran ans Land gebracht werden, während ihr Sohn auf dem Schiffe bleiben mußte. Die Brüder und Verwandten des jungen Mannes haben sich mit einem neuen Gesuch nach Washington gewendet. No. 44 «ettr b Ein Sen Oer New Uorfter Mrtiiroafi. Wem-Hork. 10. Oktober. Die Jeschtwah auf den Namen von Rabbi Jzchok Elchonon feierte ihr erstes Semichah- Fest, an dem zehn Hörer ihre Rabbinatautortt sation erhielten. Die Prüfungskommission besteh! aus den anerkannt größten Rabbinern Amerikas- Ihr gehören auch der Präsident des „Amerika' Nischen Rabbineivereins", Rabbi Löwenlhal, Rabbiner Dr. Klein und viele andere an. Die Je' schiwah zählt zur Zeit 500 Schüler, die bei intensivstem Talmudstudium stch auch allgemeines Wissen anetgnen und die englische Sprache so weit beherrschen müsftn, um eine korrekte englische Predigt halten zu können. HarOings Rofch-ßafchono-öruß an die 3u9en. Werv-Yorlr, 5. Oktober. Präsident Har ding ersuchte die Nerv-Iorker „Jew>sh Tribüne^ anläßlich des No sch-Haschono-Festes die folgende Botschaft zu vermitteln: „Aus Anlaß der Feier des Rosch-Haschono- Festes fr ue ich mich, meine guten Wünsche und mein Wohlwollen sür die jüdische Bevölkerung der Vereinigten Staaten und ihie Glaubensbrüder in der ganzen Welt zum Ausdruck bringen zu können. Wir können uns nicht oft genug der großen Dienste erinnern, welche das jüdische Volk der Welt geleistet hat und noch heute leistet. ES ist ein gutes Gefühl, zu wissen, daß wir in einer Zeit leben, in welcher veraltete Vorurteile fast überwunden sind, und daß die Nützlichkeit deS jüdischen Volkes für die gesamte Menschheit eben in Erkenntnis dieser Tatsache zusehends zuntmmt. Personalien. Aron Kober ^"t. Breslan, 1. Nov. (Privaitelegramm an den „Israelit"). Aron Kober ist heute plötzlich verstorben Wie ein Blitz aus heiterem Himmel trifft uns diese erschütternde Kunde und noch ist der Schu erz zu srisch und brennend, um eine sachliche Würdigung dieses Mannes, seines Lebens und feines Wirkens zu ermöglichen. Das müssen wir uns für eine ruhigere Stunde Vorbehalten. Gesagt sei nur, daß der Verlust für das gesetzestreue Juden.um in Deutschland und in der Welt unersetzlich ist. Aron Kober war voller Energie und Tatkraft. Und diese Kraft gehörte ausschließlich der guten jüdischen Sache. Ein Mann von seltener Hingabe, von glühender Liebe und Begeisterung für Israel und seine heilige Lehre, stand er unter nicht gerade sehr günstigen Umständen in der schlesischen Hauptstadt, aus Vorposten, über die jüdische Sache treu wachend. Allein sein wettschauendes Auge richtete sich über seinen Kreis hinaus, überallhin, wo gute positive jüdische Arbeit geleistet wurde. Sein reger tätiger Anteil an allen Arbeiten und Aufgaben der Agudas Jisroel wird unvergeßlich und unverwischltch bleiben. Und er ging im besten Mannesalter mitten aus der Arbeit von dannen, mit dem festen Glauben an die Kraft und den Erfolg der guten jüdischen Sache. Möge sein W27 uns beistehen! Die Beerdigung findet, wie uns telegraphisch mitgeteilt wird, in Halberstadt statt, über die wir noch ausführlich berichten werden. Neinheim (Hessen), 26. Okt. Ein echtes npx, ein Btederwetb im besten Sinne haben wir in Frau Moritz Bentheim, geb. Frohmann, am ersten - Tag JV.3D n"n zu Grabe getragen. Erst 38 Jahre alt, starb sie an den Folgen einer Operation in Darmstadt. Die zahlreiche Beteiligung an ihrer Beerdigung gab Zeugnis von ihrer großen Beliebtheit bei Arm und Reich. Mit Rücksicht auf .n"n konnte Herr Lehrer Borenberg ihr nur einige herzliche Worte des Abschieds widmen. Möge 'n dem trauernden Gatten, der einzigen Tochter und der Schwester in ihrem Schmerze beistehen. n"3Xin. Bad Homburg v. d H., 3t. Okt. Zu Ehren ihres scheidenden Rabbiners mrsammelte sich die hiesig» jüdische Gemeinde fast vollzählig um ihren geistigen Führer, um vor seinem Abschiede nochmals einige Saunden gemeinsam mit ihm zu verbringen. Mit einem Vorträge über die Jugenderziehung begann die Abschiedsfeicr. In meisterhafter Wei,e führte Herr Dr. Winter in seinem Vortrage aus, wie man die Jugend zrr wahrhaft guten Jchudim erziehen könne, wie Thauro und Awaudo gepflegt und »nieder nach alter Välersitte in den jüdischen Herzen und Häusern ihre Heimstätte finden können. Ans der Menge der dann folgenden Ansprachen ersah man, in welch' vielfältigen Weise sich der Scheidende im Vereinsleben der