Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 62 (1921)
- Issue
- Heft 44 (3.11.1921)
- Date
- 1921-11-03
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4. No. 44 -Zer JSraeltt. 3. November 1921 wobei Kutscher und Pferde in Stücke gerissen wurden. Selbstverständlich wurden allerlei Kombinationen an diese Explosion geknüpft. In den nabegelegenen Synagogen brach infolge der Detonation Panik aus. Kotzmen. gegen die Juöen als Deulfche- Wrag, 23. Oktober. Anläßlich der für den 30. d. M. anberaumlen Neuwahlen in die Prager israelitische Kultusgemeinde droht die nationaldemokratische „Parodni Politika" mit Pogromen. Das Blatt schreibt: „Es in ein Skandal) daß bisher in der Synagoge deutsch gepredigt und in den Aemtern deutsch amtiert wird. Zu lange schon war das jüdische Rathaus eine deutsche Feste, die die tschechische Oeffentlichkeit gereizt hat. Jetzt handelt es sich um d e Tschechisierung und Entpolitisierung des jüdischen Rathauses. Am 30. d. M. wird sich die wahre Gesinnung des Prager Judentums zeigen." — Und was sagen die Hakenkreuzler in Deutschland dazu? Ungarn. nnfifemififcfie exjette öes Horthy-milifärs. Budapest, 25. Okt. Trotz des Standrechtes ist es heute zu-Ausschreitungen gekonimcn, die sich gegen die parlamentarischen und pubiizistlschen Gegner des Horthy-Systems richteten. Das Horthy Militär, verstärkt durch „Erwachende" und bewaffnete Studenten, durchzog den ganzen Tag über die Hauptstraßen und drang schließlich auch in die hauptsächlich von Juden bewohntin Bezirke ein. Jüdische Passanten wurden schwer mißhandelt, die Cafes und Gasthäuser, in denen jüdische Gäste verkehren, zum Schließen gezwungen. Verschiedentlich wurde geplündert. Die Polizei war dem Miliiär gegenüber machtlos. Das Gebäude des Demokraten-Klubs (der Vazsonhi-Partei) wurde gestürmt. Ein Angriff auf die Börse wurde von der Polizei abgewehrt. Die Druckerei „Athenäum", in der der „Az Eft" und der „Peftt Noplo" hergestellt werden, wurden vom Pöbel angegriffen und demoliert. Noten. Ueberfall auf eine Synagoge- Warschau, 26. Oktober. In Tiktin (Polen) wurden in der Synagoge während des Kol nidre-Gebetes von bübischer Hand die Fensterscheiben etngeschlagen und mehrere Beter durch Glassplitter und Sieinwürfe verletzt. Im Gotteshause brach eine furchtbare Panik aus. Es gelang, die Uebeltäter ausfindig zu machen und sie zur Anzeige zu bringen. Warschau, 26. Oktober. Wenige Tage nach dem tu Bad Nauheim erfolgten Tode des Stoliner Rebbe verstarb in Warschau die Mutter des Rabbi, Frau Sarah Debora P er l o w, „die alte Stolmer Rcbbezin" wie mau sie hier nannte. Sie war auch die Mutter des „Kosnitzer Rcbbe" und Schwiegermutter des „Grodsinsker Rebben". Ihr Manu, der alte Stoliner Rebbe, war der Sohn von R. Ahron Karlinr. D e siebenundsiebzigjährige Greisin erfuhr vom jähen Tode des Sohnes nichts. Die Bestattung fand unter gewaltiger Betelligung statt. IlieaterlkanSal- Warschau, 27. Oktober. Infolge eines Theaterskandals sind 15 Juden verhaftet worden. Stach Schluß der Vorstellung leisteten sich die Schauspieler den „Ma Jofith- Tanz" mit der offenen Absicht einer Verächtlichnrachung der Juden. Die in großer Za l anwesenden Juden protestierten heftig und störten durch Pfeifen und Schreien die Vorstellung. Von der anderen Seite wurden Rufe hörbar: „Nieder mit dem Juden!' Es kam zu Schlägereien, in deren Verlaufe die Polizei 15 Juden, auf die l man als die Rädelsführer hinwies, verhaftete. Von den Polen konnten alle im Saale bleiben. Die Vorstellung ging ungestört weiter . . . Mauen. Austreibungen aus Wilna. Kowrro, 25. Oktober. Laut Mitteilungen des „Irischen Leben" in Kowno hat die Regierung Zei'gowski in Wilna eine große Anzahl von Juden als „Landsfremde" aus dem Gebiete Wilnas und Zentrallitauens ausgewiesen. Gnsland. Um clas jU9i[(fte eiierechf. London, 15. Oktober. In der letzten Sitzung der englisch-jüdischen Frauen-Union unternahmen die Kreise um Miß Hands wiederum einen Vorstoß gegen das jüdische Eherecht, das in seinen Vorschriften über die ChaNzn und über die außerordentlich erschwerte Wlederoercheiratung verlassener Ehefrauen allzu große Unzuträalichkeiten für d e jüdische Frauenwelt herbeiführe und daher der Reform bedürfe. Der Referent des Abends Advokat Haenriguis nahm zwar einen sehr anerkennenswerten konservativen Standpunkt ein und kam zu dem Ergebnis, daß das jüdische Eherecht jedenfalls erheblich besser sei, als alle in der Neuzeit erfundenen ehe rechtlichen Systeme. Harten in Einzelfällen ließen.sich unter keinerlei Recht vermelden und müßten eben um des Ganzen willen getragen werden. Von Interesse war jedoch in der Debatte die Eröffnungsrede der Miß Hands, weil sie darin einen Brief des gegenwärtigen Justizsekretärs von Palästina, Mrs. Normann Bentwitch verlas, worin dieser die Hoffnung ausdrückt, daß eine Konferenz stattfinden werde, die zur Aufgabe haben solle, die Interpretation des jüdischen Gesetzes mit den „erleuchteten Ideen dieses Zeitalters" in Einklang zu bringen. Auch in der Debatte tauchte wiederum tie Idee einer rabbinischen Konferenz zur Abänderung der „veralteten" Bestimmungen des jüdischen Gesetzes auf. In ihrem Schlußwort betonte die Vorsitzende, daß die Frauen-Liga selber sich ihrer Verantwortung bewußt sei und unvorsichtige Schritte vermeiden würde. Die erste Sitzung des Wiriscliatts-Aussstiustes (Economic Board) für Palästina London, 20. Oktober. Während der Keren Haseffod bekanntlich derart konstruiert ist, daß er vollständig in zionistischen Händen sich befindet und als ein Instrument der zionistischen Partei-Herrschaft gelten muß, hat man — wohl hauptsächlich unter dem Einfluß d"r englischen Negierung und insbesondere Sir Alfred Monds — für die Zwecke des palästinensischen Aufbaues unter dem Namen „Economic Board für Palestine“ ein besonderes Organ ins Leben gerufen, das vor 14 Tagen seine erste Jahresversammlung abhielt und das hauptsächlich zur Heranziehung der reichen Geldmittel der assimilatorisch gesinnten englischjüdischen Kreise für die Zwecke des Aufbaues dienen soll. Den Vorsitz führte in Verhinderung Sir Alfred Monds der bekannte liberale Führer Sir Robert Waley Cohen. Er verlas ein Expose Alfred Monds, worin darauf hingewiesen wird, daß es eine besondere Pflicht der b r i t i s ch e n Judenheit sei, der englischen Regierung und dem englischen Volke bet 'der Ausführung ihrer hinsichtlich Palästinas übernommenen Verpflichtung zur Seite zu stehen. England habe sich bet der Balfour-Erklärurrg wie gewöhnlich nur von dem Wunsche leiten layen, den Unterdrückten ritterlich zu Hilfe za kommen. So sei es denn eine peziette Pflicht der englischen Ju^en, auch ihrerseits die Regierung in dieser Angelegenheit zu unterstützen. Er (Sir Alfred Mond) habe auch Dr. Weizmann zu Rate gezogen, der die Bildung dieses unparteiischen Wirtschaftsausschusses willkommen geheißen und Mr. Joseph Cowen als Vertreter der zionistischen Organisation entsandt habe. Der Vorsitzende sagte dann weiter folgendes: Man darf sich die Tatsache nicht verhehlen, daß sehr viel Geld nötig sein wird, wenn der Aufbau auch nur mit einigem Erfolge durchgeführt werden könne. Die Nutzbarmachung der Wasserkraft die gegenwärtig unbenützt ins Meer ströme und die den wertvollsten Aktiv- Posten des Landes darstelle, der Bau von Häusern,Kredit er leicht er ung für Industrie und Ackerbau, Bewässerung und viele andere ähnliche grundlegende Unternehmungen, all dies sind dringende Notwendigkeiten und viele davon wahrscheinlich einigermaßen gute Anlagen. Aber alles hänge natürlich davon ab, daß das nötige Kapital aufgebracht wird. Das sei nur denkbar, wenn das Publikum überzeugt wird, daß die Unternehmungen, in welchen das Kapital angelegt wird, auf gesunder geschäftlicher Basis ruhen und geschäftsmäßig verwaltet werden. Dieses Vertrauen hänge wesentlich von der Zusammensetzung des Ausschusses ab, der bis auf 50 Personen erweitert werden soll und gerne hervorragende Persönlichkeiten der Industrie und der Geschäftswelt überhaupt noch cooptteren wolle. Auch sei natürlich ein Zusammenwirken mit anderen mit Palästina arbeitenden Körperschaften, wie z. B. der Zionistischen Organisation und dem „I. C. A." äußerst erwünscht. Außer dem oben angedeuteten weit ausschauenden Unternehmungen lägen bereits kleinere Projekte vor, die rascher in Angriff genommen werden können. Als Instrument für deren Ausführung habe man die Gründung einer Palästina-Gesellschaft mit einem vorläufigen Kapital von 200000 £ ins Auge gefaßt. Das oringenfte sei der H ä u s e r b a u, ferner ein Verkeh rs unternehmen, um Getreide und andere Produkte über das rote Meer nach Palästina und umgekehrt Waren von Palästina nach Transjordanien zu bringen. Die Regierung werde mit dieser Gesellschaft einen Vertrag hinsichtlich des Transportes von Post und Truppen schließen. Ein Unternehmen zur Produktion von Salz, das ein Kapital von ungefähr 40000 Pfund erfordere, erscheine erfolgversprechend, hierfür habe die Jea den halben Betrag zugesagt. Der Redner schloß mit dem nochmaligen Hinweis, daß, wenn auch manche aus nationalistischen Empfindungen heraus den Ausschuß unterstützten, andere doch in dem Gefühle handelten, daß die englische Regierung etmn Anspruch an sie in ihrer Eigenschaft als englische Juden habe. Die anschließende Aussprache brachte wenig Neues und machte nicht; den Eindruck, daß von dem Eifer des Board allzuviel Erfolg zu erwarten sei. Frankreich. HlanSafsfrage un9 Uölfterbun9- Waris, 26. Oktober. In einer seiner letzten Sitzungen nahm der Völkerbundsrat den Bericht der ständigen Mandatskommission entgegen. Die Kommission unterbreitete dem Rat verschiedene Anregungen und wies auf die Notwendigkeiten hin, der Frage der nationalen Stellung der Besucher der Mandatsgebiete ehestens eine nähere Prüfung angedeihen zu lassen. Die Kommission gab der Hoffnung 5abbai--lnkang und Mzgang. n: rav- Ort: Anfang Datum Ausgang Uhrjvttn. 1921! 5682 Uhr Min. Frankfurt a. M 4 30 5. 4. 5 04 Berlin .... 4 30 Nov. Marcheschwan 5 15 München . . . 4 40 5 31 Stratzburg . . — - - - Stuttgart. . - 4 45 5 41 Breslau . . . 4 01 5 04 Nürnberg. . . 4 35 5 30 Hamburg - - . 4 26 5 26