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Der Israelit · 1921-11-03 · Heft 44 (3.11.1921) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
62 (1921)
Issue
Heft 44 (3.11.1921)
Date
1921-11-03
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Sette 6 fit. 44 9« I»rsem B November 1981 hiesigen Gemeinde betätigt hatte, wie er Jugendvereine geschaffen, wie er ganz besonders den Talmud-Thora- Verein durch Schiurim und durch Zyklen von Vorträgen zu hoher Anerkennung und Bedeutung gebracht. Insbesondere brachte der erste Vorsteher, Herr Stadtrat Braunschweig, in längerer Ausführung den Dank der Gemeinde zum Ausdruck für das jederzeit friedliche, ersprießliche und segensreiche Wirken des verehrten Rabbiners und auS allen Herzen und von jeem Munde kamen die besten Glück- und Segenswünsche. Aidhausett (Unterfr.), 1. Nov. Samstag, den 19. November, begeht Herr Lehrer Rosen selb er seinen 70. Geburtstag und sein 50jähriges Dienstjubiläum. Als Erzieher der Jugend, als Vorbild der Gemeinde und als Berater und Helfer für jedermann, hat er sich in 43jähriger selbstloser Wtrkamkeit am hiesigen O-te die Liebe und Achtung der gesamten Bevölkerung erworben. Möge es dem wackeren Jubilar vergönnt sein, noch viele Iahe in körperlicher Rüstigkeit und geistiger Irische zum Segen seiner Gemeinde seines Amus zu wallen. Vermischtes. Berlin, 6. Cft. Der nationalsozialistische „Völkische Beobachter" in Münch n ist auf Ersuchen der Reichsregierung vom Münchener Polizeipräsidium neuerdings auf 14 Tage verboten worden wegen zweier Artikel, betitelt „In Berlin" und „Der eiserne Kanzler", in welchen Aufsätzen die Reichs!egiernng eine Verächtlichmachung des Reichskanzlers Wirth und des Wiederaufbauministers Raihenau erblickt. Berlin, 9. Okt. Im „Oranienburger Tageblatt", dem am tl t ch e n (!!j Beröffentlicbungsorgan für Staats¬ und Komwunaldehörden, prangte am LS. September folgendes Inserat: „Das jüdische Neichsministerium, Rathenau, Schiffer, Gradnauer, Rosen, ist der Gerichtsvollzieher der Entente. Wir leben aber nicht tn Palästina und haben deutsche Männer, die unser Volk deutsch und treu vertreten müssen. Wer es nicht länger dulden will, schließe sich dem deutschvölkiichen Schutz- und Trutzbund, Ortsgruppe Oranienburg, an. Drucksachen von 2 Mk. aufwärts durch Rosemann, Eden luo." Das gleiche Inserat war in den letzten Wochen auch in anderen amtlichen Pubtikalionsorganen der Provinz Brandenburg zu finden. Liest die Regierung, die Zeitungen, die sie durch die Vergebung amtlicher Anzeigen unterstützt, nicht? Berlin, 29. Okt. Dr. Artur Dinter hat gegen den „Vorwärts", die „Dresdener Volksztg." und die „Königsberger Volksztg ", wegen persönlich beleidigender Kritik seiner „deutschvölkischen Tätigkeit" Strafantrag gestellt. Es ist dies der 3 t. P.ozeß, den Dr. Dinier seit Erscheinen seines Auskiäiungsbuches „Die Sünde wider das Blut", zu führen hat. Auch geren Paul Weyland, den Versaffer der ausgezeichneten Schritt „Die Sünde wider den gesunden Menschenverstand", hat Dinier Strafantrag gestellt und zugleich das ehrengerichtliche Verfahren beim Ehrenhof deS Deutschvölkischen Schutz- und Trutzbundes beantragt, da Weyland diesem angehört. Nürnberg, 23. Okt. An Cholhamoed Sukkos eröffnete die hiesige Frauen- und Mädchengruvpe „Esras Noschim" mit einem geselligen Abend das Winterhalbjahr. Nachdem die erste Vorsitzende Frau I. Karpf die ziemlich zahlreich erschienenen Damen begrüßt hatte, ergriff Frau Dr. Bamberger das Wort, um tn einem Referat einen Rückblick auf das Vergangene zu werfen und uns mit dem Wtmerprogramm bekannt zu machen. Mit Freude wurden die lehrreichen religiösen Vorträge begrüßt, welche uns Herr Rabbiner D - Klein auch für diesen Winter wieder tn Aussicht stellte. Hierauf wurden von verschiedenen Damen Vorträge ernsten und heiteren Inhalts zu Gehör gebracht und dazw'schen erfreute uns Frl. Gärtner mit sehr gelungenen Liede! n zur Laute. Alles in Allem war es ein sehr genußreicher Abend und werden wir es alle darikoar begrüßen, wenn der Verein wie in einem Programm vorgesehen, noch öfters solche geellige Abende veranstaltet. Köln, Olt. Ueber den aus Köln gebürtigen bekannten eucstijch-'N Finanzmann Sir E. Cassel, dessn raufbahn anläßlich seines Todes in unseren Blättern gewürdigt wurde, wird jetzt nach „The Universe", der katholischen Wochenzeitung Englands, bekanni, daß derselbe als Katholik gestorben sei. Tie Tatsache des llebevtvttiS zur katholischen Religion sei e ne volle Ueberraichung für viele gewesen. Das Be.näbais fand : ach römisch katholischem Ritus auf dem SMiiul Green F iedhos statt. Danzig, 10. Ott öuftan mittag um 12 Uhr fand tu d-r Neuen Sy mga e die Enth ü l l u ngeiner Ehrentafel zum Andenken d r nn .Kriege gefallenen Angehörigen de Davz'ger jüdischen Gemeinde statt, e Gegen 12 Uhr füllten JOe Rite me des Gotteshauses. Unter den Chrrneästen b.funbet'i sich d-.>r Suaarskommrssar des Deutschen RKWo, V.rtrcter aller staatlichen^ u"d städtischen V!,ö drn, so -ie Vertreter der Jndusti i?, der Handelweit und Wissenschaft. Rach cinleitendent Gesänge h cU der Obereabbiner der hiesigen j ji'd schon Gemeinde, Dr. Kuelter, eins Ansprache,'in der er auf die weltbewegenden Ereignisse des Jahres 1914 und den Ausbruch deS Krieges zurückgriff. Mit Begeisterung leien auch die HeereSpflichttgen dec jüdischen Gemeinde für das deutsche Vaterland in den Kampf gezogen. Denen, die da^ei ihr Leben ließen, sei die gegenwärtige Stunde geweiht. Nach der Gedenkrede enthüllte Dr. Kaelter die Tafel und die tn vergoldeter Schrift gehaltenen Namen der Gefallenen wurden sichtbar. München, 30. Okt. Während des Weltkrieges schloffen vor dem Standesamt tn Nürnberg ein Kaufmann K. und die Kaufmannsiochter Mina F., beide russische Siaatsangnhörtge jüdischen Glaubens, miteinander die Ehe. Die Eheschließung wurde im Heirats. register beurkundet. Im Januar 1920 stellte die junge Ehefrau bei dem Standesamte den Antrag, am Rande der Heiratsurkunde zu vermerken, daß d^e Ehe geschieden sei. Dem Anträge wurde eine Bescheinigung des früheren Distrikirabbiners in B., Dr. D., betgefügt, wonach die Ehe des Albert und der Mina K. am 19 Januar 1920 von ihm nach jüdi'ch-talmudischem Recht geschieden worden sei. Das Standesamt wies den Antrag ab, wurde aber vom Amtsgericht zur Eintragung des Randvermerks angewiesen. Im Beschwerdewege gelangte die Sache schließlich an das Reichsgericht, das das abt.hnende Verha len des Standesbeamten billigte und folgendes ausführte: Als russische Behörde kann der frühere Distriktsrabbiner Dr. D. nicht tätig gewesen sein, als er die Ehe in Fürth schied; denn das wäre mit der Gerichtshoheit des Deutschen Reichs und seiner Länder unvereinbar. Die Frage der Anerkennung des Urteils eines ausländischen Gerich s scheidet damit aus. In Deutschland aber findet eine geistliche oder eine durch die Zugehörigkeit zu einem Glaubensbekenntnis bedingte Gerichtsbarkeit nicht mehr statt. § 76 des Personenstanbgesetzes bestimmt das ausdrück ich und erklärt die bürgerlichen Gerichte in streitigen Ehesachen für ausschließlich zuständig. Ebenso sagt § 15 Abs. 3 des Gerichtsverfassungsgesetzes, daß die Ausübung einer geistlichen Gerichtsbarkeit in weltlichen Angelegenheiten ohne bürgerliche Wirkung sei und daß dies insbesondere bet Ehe- und Verlöbnissachen gelte. Diese Bestimmung ist ein Teil der deutschen Gerichtsverfassung und daher von jedem deutschen Gericht und von jeder deutschen Behörde zu beachten. Sie unteischetdet nicht zwischen Inländern und Ausländern und gilt daher auch für, Evestretligkeiten der letzteren. Ein vom Personenstandgesetz avweichender, die Anerkennung von Scheidungsurteilen jütischer Geistlicher oder anderer Organe einer Reliaionsgelellschaft verbürgender Staaisvertrag ist mit Rußland nicht abgeschlossen worden. Ist hiernach aber die Scheidung der Ehe der Eheleute K., «ie sie Dr. D. vollzogen hat, ohne bürgerliche Wirkung, so kaun sie auch nicht gemäß § 55 Personenstandgesetzes tn das Heiratsregister eingetragen werden. Sprechsaal. Menetekel. Geehrte Redaktion! Die Not der jüdischen Beamten, vom Rabbiner bis zum Synagogendiener, nimmt immer bedrohlichere Formen an. 95 °/0 besitzen nicht m hr das Existenmintmum. Wo man hinhorcht, dieselbe erschütternde Klage. Der und jener sind zu ammengebrochen — manch einer direkt vor dem O ned — ändere stehen vor dem Zusammenbruch. Viele erfüllen ihre Pflicht seufzend ra-raus tagein unierm lastenden Banne schwerer Sorge. Das traurigste aber an dieser bösen Erscheinung ist, daß ein großer Teil unserer Gemeinden nicht leistungsschwach, sondern leistungsunwilltg ist und nicht das elementarste Verständnis für die Not ihrer Beamten besitzt. Wieviel sarte Hartherzigkeit macht sich in unseren Gemeindestuben breit! Kürzlich klagte mir ein Kantor, daß er noch im Vorjahre monatlich mit 208,33 Mark auskommen mußte. Und der treffliche Mann amtiert seit fast 30 Jahren in einer reichen, größeren preußischen Gemeinde, die notorisch kein unbemitteltes Mt glied tn ihren Reihen zählt. Vor Wochen schrieb ein bkkannter Rabbiner in einer orthodoxen Zeitschrift, daß die Not in unfern jüdischen Beamtenfamilien noch schlimmer sei als das entsetzliche Etend nnserer Glaubensgenossen in der Ukraine. Wir wollen uns nicht aufseinen Standpunkt stellen. Aber der Leb'nsstand unserer Beamten ist auf eine erschreckend tiefe Stufe herabgegliiten. Es gehört schon ihre sprichwörtliche Bedürfnislosigkeit da;u, daß sie zu einer Zeit, wo die Staatsbeamten angesichts der ständig wachsenden furchtbaren Teuerung auf allen Gebieten des Wirtschaftslebens aufs dringendste um Gehaltszulagen bitten, mit einer Summe'ausreichen solleir, die oft nur einen geringen Bruchteil d r staatlichen Grhä ter beträgt. Dabei ist anerkannter maßen d'e rituelle Lebensweise erheblich kostspieliger als die andere Daß das Ansehen des Judentums, dessen Vertreter nary außen unsere Veam>eu doch einmal sind, durch deren Notlage in empfindlichster Weise bloßgestellt wild, ist unausb!ribl''ch. Worauf warten uns re Gemeinden noch? Soll etwa erst die nichtjüdtsche Oessemlichkeil durch Verzweiflungsakte innerhalb unserer Bcamtensamilieu ans ein bisher nicht gekanntes Elend ostentativ hingewiesen werden? Wenn anderseits Beamte, von harter Not getrieben, zu geschäftlichem Nebengewerbe »reifen, «er will den Stab über sie brechen? Und doch muß für die Gemeinden unberechenbarer Schaden daraus erwachsen. Denn man kann normalerweise nur einem Herrn dienen. Als trübe Begleiterscheinung beobachten wir eine erschreckende Maffenflucht aus dem jüdischen Beamtenstande. In einem bayerischen Städtchen zählte ich vor einem Monat fünf ehemalige Lehrer, die im letzten Jahre den Beruf wechselten und in dortig n Geschäften Unterkunft fanden. Man halte sich diese Tatsache nur einmal recht vor Augen! Innerhalb eines Jahres tn einem Städtchen fünf ehemalige Lehrer! Das ist ein geradezu beängstigendes Bild. Einen Lehrüberfluß hatten wir nie. Wie viele jüdische Gemeind n mögen bereits verwaist, wie viele Gotteshäuser verödet, wie viele jüdische Kinder ohne religiöse Unterweisung sein? Eine Enquete sollte schleunigst veranstaltet werden. Bisher bttdeten die kleinen und mittleren Gemeinden den Jungbrunnen, der nicht bloß physisch, sondern noch mehr religiös die Großgemetnden speiste, in denen Geburtenrückgang und fortschreitende Verflachung des jüdischen Lebens in besonderem Maße zu konstatieren find. Diesem Zuzugee verdanken die Großgemetnden vielfach ihre besten Mitglieder. Wenn nun jene kleineren Gemeinden infolge Beamtenmangels rapid entjuden, also die deutsche Judenheit zwischen Mahlsteine gerät, wie lange wird sie der Zermalmung widerstehen? Sehen unsere großen Führer nicht die Hand, die das Menetekel für die deutsche Judenheit an die Wand matt? Im Judentum gibt eS eine Gemeinbürgschaft. Namentlich bei großen Verbrechen hatten die Behörden in alter Zeit feierlich zu bekennen, daß sie ihre Pflicht vollauf getan und am Geschehenen nicht nur direkt, sondern auch indirekt schuldlos seien. Werden unsere modernen Führer die Frage bejahen können, ob sie ihre Pflicht gegen ihre Beamten erfüllt? Man täusche sich nicht! Es geht um Sein und Nichtsein deS deutschen Judentums. Die Frage aber richtet sich an alle. E. H. in Pl. Srieskaflen. Leib Isaak, Rabbiner aus Kaiisch, zur Zeit in GubtN oder in Frankfurt a. M. Bet uns ist ei« Schreiben für Sie eingegangen. Wir bitten um Angabe Ihrer genauen Adresse, damit wir Ihnen den Brief übermitteln können. Frankfurter Krrichtr. Isaak Isaak n"i>- Kurz vor den Feiertagen wurde auf demFiedhof der Israelitischen R^Ugionsgesellschafl Isaak Isaak im Alter von 73 Jahren in bescheidener Stille, wie das Leben dieses Mannes allezeit vor sich ging, zur letzten Ruhe gebettet. Ein Biedermann im besten Smne dieses Wortes, von einer Offenheit, die zuweilen etwas schroff wirkte, aber aus Wahrheitsliebe kam und eine innere Herzensgüte nicht verleugnen konnte, wandelte er unier uns, von allen hochgeachtet und geliebt. Unvergeß ich bleiben seine Verdienste im Synagogenchor unserer Gemeinde, in dem er seit den Zeiten von Rabbiner Hirsch V'xt noch unter der Leitung Jaffets, über ein halbes Jahrhundert, als eifrigstes Mitglied mitwiik e. Diese Mitarbeit zur Hebung und Verschönerung des Gottesdienstes war ihm wie eine geheiligte Lebensaufgabe und er wachte über die alten Traditionen unseres Synagogengesanges, mit dem er von Grund auf vertraut war, mit einer Gewissenhaftigkeit, ja mit einer gewissen Eifersucht, die den späteren, neueren Dirigenten zuweilen zu schaffen machte. Aber sein Rat wurde gern gehört und ferne Mitwirkung allezeit sehr geschätzt. Er genoß auch sonst im Leben und in seiner geschäftlichen Tätigkeit, solange er eine solche ausüble, allgemeine Wertschätzung infolge seiner Ehrlichkeit und Korrektheit. Ein Mann von Tatkraft und ausgeprägtem Pflichtbewuhtsein ging von uns und wir werden ihm ein ehrendes Angedenken bewahren. Da das Ableben Isaaks nicht rechtzeitig und allgemein bekannt wurde, war die Berei iqung bei der Beerdigung nicht so zahlreich, wie es dieser Mann verdient hätte. Aus dem Kreise seiner Getreuen im Synagogenchor sprach Herr Liebermann ander Bahre herzliche Worte des Abschiedes und des Dankes. Jüdische Arauerivereinigung. Die jüdische Frauen Bereinigung e. V. macht darauf aufmerksam, daß am Sonntag, den 6. November, abends 6 Uhr, im Hürsaal Friedberger Anlage der Bortrag-ZykluS des Herrn Dr. Joies Vreuer über „Prophetenwort und Gesetzeslehre" beginnt. Das jüdische Keim. Rasch genug hat sich der Segen des Jüdischen 1 Heimes, Rechneigrabcnstraße, in seinem vollen Um-

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