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Der Israelit · 1921-10-13 · Heft 41-42 (13.10.1921) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
62 (1921)
Issue
Heft 41-42 (13.10.1921)
Date
1921-10-13
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Sem 11 -tr. 41 u. 42 13. Oktober 1921 volle Verantwortung ftiv die Emigranten zu tragen hätten. Frankreich. Sur Ksge 8rr luSen in tunis. Karls, 8. Oktober. Die Zahl der Juden in Tunis läßt sich nicht feststellen. Die Schätzung schwankt zwischen 80.000 und 130.000 Seelen, die Wahrheit wiro wohl in der Mitte liegen, so daß man oie Zahl mit 100.000 annehmen faitn. Der größte Teil wohnt in der Hauptstadt Tunis, der Rest zerstreut im ganzen Lande. Die Regierurig steht den jüdischen 'Singieu vollkommen gleichgültig gegenüber. Obwohl nachgewiesenermaßen die Inden schon seit Jahrtausenden im Lande wohnen, wird ihren Forderungen und "Bedürfnissen kaum Rechnung getragen. Alle Ausgabe für den jüdischen Kultus, Schulen usw. wiro den Juden zugeschoben. Aus allen Aemtern und Stellungen sind sie, wenn auch nicht im Prinzip, so doch in der Praxis vollkommen verdrängt. Sie sind bei: Lokalbehörden vollkommen ausgeliefert, die ihnen alle Schwierigkeiten bereiten, wenn sie daran gehen, sich die französische Staatsangehörigkeit zrr verschaffen. Es ist besonders schmerzlich, daß nach 40 Jahren französischer Vorherrschaft, die Juden noch nicht das hindeste zur .Hebung ihrer Rechte und Besserung ihrer Lage erreicht haben. Auch die Besserung der wirtschaftlichen Lage, die nach dem Kriege sich bemerkbar macht, kann den Mangel an einem Minimum vor: Freiheit und Bürgerrecht nicht ersetzen. Der Haß der Beamtenschaft gegen die Juden macht sich auf allen Gebieten des Lebens geltend und erschwert den Juden .Handel und Wandel in hohem Maße. Die Hauptnahrung für die Hetze liefert der Uiitftanb, daß die Inden, kraft des Gesetzes, das sie außerhalb der Rechte und Pflichten stellt, zu Kriegsdiensten nicht herangezogen wurden, dann aber wie überall. die Behauptung, daß sich die Juden am Weltkriege sehr bereichert hätten. Daß die erste Anschuldigung sie nicht trifft, ist ja klar und hinsichtlich des zweiten Punktes ist che Uebertreibnng hier noch schlimmer als in Europa. Es ist sogar nachgewiesen, daß, dem Gesetze zum Trotz, viele Tuneser Juden als Freiwillige in die französischen Kolonialtruppen eingetreten sind. All diese Rechtfertigungeil nützen aber nichts. Die Hetze wird in wildester Weise fortgesetzt und führte bereits zu zwei ernstlichen Pogromen, ulld zwar int August 1917 und im November 1918. Es ist bedrückend, daß die französischen Behörden nicht nur die Schuldigen nicht in wirksamer Weise zur Rechenschaft ziehen, sondern sich sogar alte Mühe geben, die Sache zu vertuschen und die Hetzer der verdienten Strafe zu entziehen. In einem Wlcmoranbuni an die Regierung wurden jetzt all die Klagen, Beschwerden und Wünsche der Tunensischen Juden formuliert, und es ist zu hoffen, daß evtl, niit Hilfe des Völkerbundes, null den Juden vor: Tunis endlich ihr Recht lvird. N«lastlna. ffiifdo/iserfolge im heiligen Lande. London, 5. Okt. Nach hierher gelangten Berichten »offen die Missionäre — die merkwürdigerweise zu der besonders geschützten und bevorzugten Kategorie von Einwanderern gemäß der letzten Verordnung gehören — in der letzten Zeit leider besonders erfolgreich unter den jstngen, jüdischen Ehaluzim gewesen fein. Viele von diesen können leine Arbeit finden und sehen sich der furchtbarsten Not gegenüber. So werden sie leicht die Beute der Missionäre, die ihnen rrrit reichlichen Geldmitteln unter die Arme greifen l'.nd manchmal auch Arbeit zu beschaffen in der Lage stlld. Mall sollte glauben, daß es bei einiger Aufmerksamkeit doch nicht schwer fallen sollte, von jüdischer Seite diesell jammervollen Skandalen entgegenzutreten. Aus Paläffina Ierttsakem 25 Sept. (I. C. B.) In Jaffa wurden im Prozeß gegen die Araber, welche im Mai die Kolonie Rechoboth angegriffen haben, ein Angeklagter zu zlvei Jahren, zwei zu einen: Jahre Gefängnis verurteilt. Tie von der Regierullg beschlossene Organisierung einer neuen M u st e r p 0 l i z e i (Selccted Polices ist in vollem Zuge. Die Polizei lvird ans Reiter-Eskadronen, 1. Kallal-Eskadroi: und 2 Fuß-Eskadronen bestehen, die Zusammensetzung soll ill der Weise erfolgen, daß Judei: und Araber in gleicher Zahl (ca. 175 aufgenommen werden; außerdem soll eine Allzahl Tschcrkessen ausgenommen werden. Tic Reiter-Eskadron lvird alls 40, die Fußf-Eskadroil aus^95 Mann, außer beit Unteroffizieren, bestehen. Tie Entlohlluug beträgt für den Reiter ohne Charge 91,-., für den Fmßgendarmen 8>5 im Monat, außerdem dtusrüstung, Wohmmg ulld ärztliche!: Dienst.umsonst. Tie Berittellen müssen ihr Pferd selbst mitbringen. Bisher habeil sich beim Baad-Haleumi' scho:: eine große An za lg von jüdischen Polizeikandidaten gemeldet. Der Leiter des Justizwesens, .Herr B entwich, ist für 2 Monate nach London berufen worden, um dort bei der Ausarbeitung der Konstitutioir mitzmvirken. Tie Regierung hat bekanntlich gleichzeitig hier ein Komitee von arabischen (christlichen und mohanlmedanischen) Notabell: einberusen, die ihr bei dieser Frage beratend zur Seite stehen sollen. Bon Seiten der Judei: ist bisher keil: solches Komitee einbernfen. worden, vermutlich weil die Regierung ill dcm verschiedenen Komitees die Repräsentanten des organisierten Jischab sieht. km nwslemilcli-lhrMlicher Beirat Jerusalem, 20. Sept. Ende August hat .Herbert Sanluel einen moslemisch-christlichen Beirat berufen, der wie es scheint, ein Gegenstück zum jüdischen Nationalrat bilden soll. Herbert Taumel fragte die Erschienenen, ob sie init ihm über den Entwurf einer Verfassung über Palästina bereiten wollten. Die Kommission lehnte dies jedoch ab, unter Berufung darauf, daß sich eine „g e - wählte arabische Delegation" gegenwärtig in Londoll befüide. Der Beirat soll fortan monatlich unter den: Vorsitz des Oberkomnlissars zusammentreten. 068 Oberrabbinat. Jerusalem, 7. Okt. Vor kurzem fand in: Hause des Oberrabbiner Kil k eine Plenarsitzung bc£ OberrabbinatS für Palästina statt. Zur Verhandlung standen Mitteilungen aus verschiedenen Kolonien über brachliegende Grundstücke, die von den Eigmtümern verlassen wurden. Alle Altstrengungen der Kolonieverivaltnngen, die Besitzer ausfindig zu lnachen und sie an ihre Pflicht, dem Boden gegenüber zu erinnern, zeitigten keinen Erfolg. Die VeNvaltnngen beantragen, ihnen den Boden 511111 Zwecke des Verkaufteiw Interesse des Jischuw freizugeben. Das Oberrabbinat stellt sich nach langer Beratung prinzipiell aus den Standpunkt, daß den Verivaltnngen das Recht znstche, unter gewissen Bedingungen, die verlassenen Güter zu v e r p a ch t e n , und sollen diese Bestimmungen vom Rabbinat noch im einzelnen ansgearbeiret lverden. Man hofft, denselben gesetzliche Kraft verleihen zu können. Das Rabbinat aus Jaffa macht Mitteilung über einen Streitfall mit den Jaffaer Lo kalbehörden, die ein Hans, das seit alter Zeit als Eigentum der Schule „Schaare Thora" galt, einem angeblichen Privaterben zugesprochen haben. Das Oberrabbinat beschließt, init gesetzt lichen Mitteln gegen diesen Akt vorzugehen. Das Oberrabbinat wendet sich mit einer Bittschrift an die Regierung, den jüdischen Soldaten Festurlaub zu erteilen. Ebenso den jüdischen Gefangenen in den Strafanstalten Gelegenheit zu bieten, die Feiertage in jüdischer Weise zu begehen. Ein Thoragelehrter, der sich in: jüdischen Kultus auskennt, wird entfenbet, um die Feiertage mit den jüdischen Gefangenen zu verleben. Eine Deputation des Qberrabbinates wurde gestern in Sachen des Rahelgrabes vom Obel--- kommissar empfangen. Wie mm: hört, hat .Herbert Samuel den Rabbinern sehr beruhigende Angaben über den Laus der Angelegenheit ge? macht. Jnäufirie in Paläffina Iiaffa, 6. Okt. Bor Jahresfrist -etwa gedachte ein Großindustrieller ans Lodz, Herr Reichert, hier eine Fabrik für Textilindustrie zu gründen. Mit großen Opfern und Kosten beförderte er oie Maschinen und die Webstühle hierher, konnte aber leider infolge der ungeheueren Palutaoifferenz zwischen Polen und Palästina die Fabrik nicht in Betrieb setzen. Alle Mühe, von irgend einer Seite Subventionen zu erhalten oder sonst irgendwie tätiges Interesse an seinem großzügigen llnternehmen zu erwecken, blieben erfolglos. Zun: Glück fand letzt die stillliegenoe Fabirk einen Annehmer und Erlöser in der Perfol: des Herrn Bloch aus Ncwpork ^Bruder ocs bekannten vr. Bloch in Wien . Er trat mil einem namhaften Dollarvermögen in das Um telnehmen ein und konnte auf diese Weise ein? A. G. gegründet werden, deren Leitung in deil Händen des Initiator, Herrn Reichert, des Herrn Bloch und des Herrn Dr. B enderli, des Vertreters der Brandeisschell Palästina-Gesell schaft liegt. Die Fabrik lvird in einem ge erg neten Gebäude zwischeil Jaffa nnb Tel - Abis schon ili den nächsten Tagen in Betrieb genom lnen, zunächst mit nur 20 Arbeitern, die aber bald auf hundert vermehrt lverden sollen. Die Produktion besteht in Spinnerei- und Weberarbeit und die Unternehmer sind voller Hoffnungen iltbezng auf die Entwicklung der Sache. Arnevika. 14 mil innen Dollars für 9as hungernäß Europa- Aew-V-rk. 26. Sept. „Chicago Tribüne" mclbet ans Chicago: 200 hervorragende Juden der Vereinigten Staaten, die gestern Gäste von Julius Rosen- Wald waren, beschlossen, für ein Hilfslverk zur Bekämpfung des Hungers iit Europa 14 s))l i l li 0 nen T 0 l l a r s zu stiften und dabei mir dem amerikanischen Ernährnngshilfsiverk und der Gesellschaft der Freunde zusammenzuarbeiken. Neue EinmanäerungsbetckränKungen in 9en öereinigten Staaten. Washington, 29. Sept. (I. C. B ) Das Kabinett beschäftigt sich augenblicklich lnit der Gesetzesvorlage über die Einschränkung der Einwanderung nach den Vereinigten Staaten. Es sollen zunächst über die Errichtung von Gesundheitsämtern, die das Einschleppen' von Seuchen zu verhindern imstande sind, Beschlüsse gefaßt werden. Personalien. Abraham Steinhäuser Cassel, 10. Okt. Abraham Stei n h äuser, eine Duldernatur von ganz seltener Grütze, hat am Sabbatausgang xsn o 's: im Patriarchenalter von 79 Jobren seine reine Seele ausgebaucht. Welch schwerer Schicksalsschlag traf ihn und mit welchem Gottvertrauen trug er sein Leid. Im besten Mannesaller vor die schwere Frage gestellt, ein folgenschweres, voraussichtlich den Geist umnächtendes Nervenleiden auf sich zu nehmen oder des Augenlichtes völlig zu entraten, e'tq nnm, entschied er sich für das geistige Leben und entbehrte so fast ein Menschenleben lang des Augenlichtes. Und wie ertrug er dieses Leiden! Niemals hatte er ein Wort der Klage über sein Schick'al, das zu ertragen, ihm seine Gattin, mit der er 52 Jahre in seltener Harmonie verbunden war, zu erleichtern verstand.

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