Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 62 (1921)
- Issue
- Heft 41-42 (13.10.1921)
- Date
- 1921-10-13
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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13. Oktober ma._ dition -auch heute noch den begabten Jüngling mit Vorliebe dem, wenn auch wirtschaftlich wenig Ulänzenden, so doch im Sinne des Thorageistes idealen Lehrerberufe zuführt. Schon in Rücksicht auf die Qualität des jüdischen Lehrernachwuchses darf deshalb die bayerische Anstalt nicht ein gehen. Die Bedeutung Würzburgs. als Lehrerbitdungsstätte ist gerade auch in den letzten Jahren deutlich in die Erscheinung getreten. Mit Kriegsende schien es fast, als ob der Zugang zum jüdischen Lehrerberufe anfgehört hätte. Die Würzburger Anstalt wies jedoch selbst in der Zeit des größten Tiefstandes im Zugänge sinn Lehrerberuf eine Frequenz auf, welche nur unwesentlich hinter dem Durchschnitt der letzten Jahrzehnte zurückblieb. Gegenwärtig zeigt der Zugang in beit bayerischen Lehrerbildungsanstalten eine steigende Tendenz. Insoweit die Frage des Schülermaterials in Betracht kommt, dürfte also für die Zukunft des Würzburger Seminars keinerlei Befürchtung bestehen. Hingegen droht die Finanzlage den Bestand der Anstalt in Frage zu stellen. Neben den Bedürfnissen für eine zeitgemäße Besoldung der Seminar-Angestellten erheischen namentlich hie Zuschüsse der Verpflegung der Zöglinge im Jnternat immer höhere Summen. Es ist ja genugsam bekannt, daß der Zugang zum jüdischen Lehrerberuse zrt einem guten Teile sich aus Kreisen rekrutiert, denen die Bestreitung der gesamten Ausbildungskosten aus eigener Tasche, namentlich in der gegenwärtigen Zeit, nicht leicht fällt oder gar unmöglich ist. Wollte man aber strebsamen und würdigen Jünglingen die notwendigen Stipendien ans der Seminarkasse in Rücksicht auf deren Fitranzlage versagen, so wiEde das eine vor dem jüdischen Bewußtsein gar nicht zu rechtfertigende soziale Härte bedeuten und außerdem letzten Endes das Judentum selbst schädigen, weil damit ein Teil der besten Elemente dem jüdischen Lehrerberufe verloren ginge. Soll aber die Würzburger Anstalt weiterhin den Gemeinden jüdische Lehrer und Beamte zuführen, so nntß die Anstalt auch finanziell in die Lage versetzt werden, daß sie den an sie. herantretenden gesteigerten Anforderungen gerecht werden kann. Tie jüdischen Gemeinden sind es, für welche die Anstalt arbeitet. Droht aber das von Jahr zu Jahr angewachsene Defizit der Anstalt den Untergang — und der Zeitpunkt des Zusammenbruchs liegt in greifbarer Nahe, wenn nicht gründlich Wandel geschaffett wird — dann ivürden die Gemeinden die Folgen in Form eines empfindlichen Lehrermangels sehr rasch mit eigenen Leibe verspüren. Daß es dazu nicht komme, liegt im Interesse der jüdischen Gesamtheit. Wem die Zukunft des Judentums in den deutschen Gemeinden am Herzen liegt, der sorge nach Kräften für die Finanzierung der Lehrerbildung.' sie ist das einzige Mittel, dem sonst müreigerlich drohenden Lehrermangel und damit der Gefahr des Zusammenbruchs des deutschen Judentums vorzubeugen. eomrponsenren u. Nachrichten. Deutsches Reich. lMjugen-vebskke im StaSlparianient. Aerki«, 5. Okt. In der S t a d t v e r o r d n e t e n - Versammlung kam es gestern zu einer zeitweise recht heftigen Aussprache über den Zuzug ans dem Osten nach Berlin. 'Sie Rechtsparteien benutzten die Gelegenheit zu antisemitischen Kundgebungen; besonders ihr Führer Der JSraeUr. Pastor Koch zeichnete sich dabei mts. Stadtv. Lew in (Demokrat) stellte sich auf den sachlichen Standpunkt, daß in jedem Fall die freien Wohnräume in Berlin in erster Linie der einheimischen Bevölkerung und nicht den zngezogenen Leuten zur Verfügung gestellt werden müssen. Wer die Zugezogenen' seien und welcher Religionsgemeinschaft sie angehörten, müsse, dabei vollständig gleichgültig bleiben. Der unabhängige Sozialdemokrat. W a l d e ck-M a n a s s e bezeichnete die Haltung des deutschnationalen Pastors Koch als unchristlich. Antisemitisch sei immer a n t i eh r i stlich und aii ti mc 11 schlich zugleich. Mau sollte auch an so wichtige Probleme wie die Unter- .bringnng der Flüchtlinge aus dem Osten ohne Voreingenommenheit Herangehen. Die ganzen Vorgänge aber zur Agitation gegen die Inden benutzen zu wollen, sei unschön. Die Mehrheit der Stadtverordneten lehnte dann auch die Anträge der Rechten über die Aufnahme einer Statistik über die zugezogenen Ostjnden ab. Der Bändige Ausfällig des öerneindeoerbandes in Bauern. München, 8. Okt. In einer gemeinschaftlichen Sitzung des Rates und des Ständigen A n s s ch u s s c s des G e m e i n de v e rb a n d e s in B a y e r n kam es zur Beratung verschiedener Angelegenheiten des bayrischen Gemeindewesens. In erster Reihe stand ans der Tagesordnung die Regelung der Rabbinergehälter. Ans den Referaten der Herren B r a n n s chw c i g er- Würzburg und Dr. B r a d e r - 'Ansbach in dieser Angelegenheit ergibt sich, daß die staatliche Hilfe sich als sehr unzureichend erwiesen hat. Ihre Vorschläge gehen ans eine Eingliederung in die Gruppen X und XI des Beamtenbesoldnngsgesetzes vom 2. Juli 1920. Nach lebhafter Debatte wurde beschlossen, daß zunächst 75.000 Mk. als erste Notstandsaktion verwendet werden. Eine generelle Regelung der ganzen Frage behält sich der Verband für die nächste Zeit vor. Es folgte dann die Beratung über die eingelaufenen U u t e r st tt tz u n g s g e s u ch e notleidender Gemeinden und über Gesuche von Lehrern um richtige Eingruppeerung. Das Referat in dieser Frage hatte Herr Lehrer Dingfelder als Vorsitzender des Bewillignngsausschnsses. Es werden 19.000 Mk. für die notleidenden Gemeinden seitens des Bewilligungsausschusses genehmigt, außerdem 50.000 Mk. als Kontozahlung von Seiten des Ständigen Ausschusses für die auf Eingruppierung wartenden Religionslehrer. In der Diskussion betonte Herr Seminarlehrer S t o l l -Würzburg die RBwen- .digkeit, die Gemeinden über die Bedeutung des Verbandes anfzuklären. Der Vorsitzende oer Versammlung, Herr Df. R e u m n i) c r, erläuterte das religionsgesellschaftliche Stenergesetz in überaus anschaulicher Weise. Es kommt dann noch außerhalb der Tagesordnung der in Bayern und speziell in München erschreckend überhan-dnehmende A n t i s e m i t i s - mus zur Sprache. Herr Kommerzienrat Siegmund Frankel berichtet über eine von ihm geführte Deputation beim Minister des Innern. Dieser zeigte den besten Willen, gegen die Hetze mit allen zu Gebote stehenden Mitteln einznschreiten. Dr. N e u m a ii e r gab noch einige Mitteilungen über die Kompetenzen des Radln ne rttnb Genie in dev e rb and es in Bayern, an denen das Ministerium großes Interesse nehme. ®ejievveidj. Die InDaliüen gegen Sie nnfifemifenhrahehler- Wien, 20. Sept. Auf dem vom Antisemitenbund in Salzburg einberufenen Antisemiten tag am Sonntag kam es während der Ausführungen des Sekretärs des Wiener Antisemitenbundes Gattermaner zu Störungen, die durch aus einer anderen Versammlung kommende Invaliden hervorgerufen wurden und in Tätlichkeiten aus- <sette 9 -tr. 41 u. 42 arteten. Es entstand eine Schlägerei, und die Versammlung des Antisemitenbundes mußte vorzeitig geschlossen werden. An ihre Stelle trat eine Versammlung der Invaliden, in der der Obmann der Jnvaltdenorganisatton ankündigte, daß die Abhaltung weiterer antisemitischer Versammlungen gleichfalls verhindert werden würde. doimbewegung des Perfonais in HJIener jüöifchen Spitälern. Wien, 29. Sept. Am 10. d. verlangten die Angestellten des Rotschild-Spüals von der Israelitischen Knltnsgemeinde einen neuen Vertrag. Das Personal fordert eine 150prozentige Erhöhung der Bezüge. Danach ivürden sich die Bezüge zwischen 2300 und 5600 Kronen monatlich bewegen. Die Angestellten werden auch verköstigt. Am 15. d. wurde bei der Kultusgemeinde verhandelt. Herr B n ch w a l d vom Vorstand teilte den Vertretern der Arbeiterschaft mit, daß das Höchstaiisinaß eine 30 prazeinige Erhöhung der Bezüge oder eine einheitliche monatliche Erhöhung von 500 Kronen sein könne. Die Gewerkschaftsvertreter erklärten, daß sie unter dem Vorsitz Buchwalds nicht verhandeln und verlangten von der Knltusgemeinde einen anderen Vertreter. Inzwischen hat int Spital und im israelitischen Versorgungshause das Personal bereits Freitag eine vorübergehende Arbeitse t u ft e 11 u n g angekündigt. Die Betriebsräte haben auf ihre Arbeitsgenossen dahin eingewirkt. die Arbeit vorläufig wieder aufznnehmen und das Ergebnis der Verhandlungen abzuwarten. JTttsrachi-'Konferenj. Karlsbad, 16. Sept. (I. C. B.) Nach Kongreßschluß fand hier die letzte Sitzung der Misrachi-Weltko nseren z statt, auf der die neue Misrachileitung gewählt wurde. In die palästinensische Misrachi-Epekmive wurden gewählt: Professor Pick, Nabb. Fishmann, Rabb. Dr. Schönfeld und H. Rtwktnd. In das A. C. des Misrachi wurden gewählt: Sir- Stuart Samuel, die Rabbiner Kovalski, Teitelbaum, Nußbaum, Dr. Nurok, Dr. Landau, Löwenthal, G. Schmelkes, Schapira, Neufeld, Zitron und die Herren Hirsch, Speer sowie Frau Syrkis. E.—* Dotzmen. 3üdiiche Emigrafionshonferenj. Vrag, 2. Okt. Zur Zeit tagt in Prag eine Jüdische Emigrationskonferenz, ans der Vertreter aller Länder Berichte erstatten über dm Stand der Auswanderung. Die Referenten schilderten das Flüchtlingselcnd in Polen und Rumänien nadie fürchterliche Lage der Emigranten ans Sowjetrnßland und der Ukraine. Der Präsident der Konferenz, Herr Leo Motzkin, verlas ein Expose übep die Ziele der Konferenz. Redner glaubt, auf drei Punkte ein besonderes Gewicht legen zu müssen: 1. Die Möglichkeit, den Bedrohten die Ausreise ans den Pogromländern zu ermöglichen. 2. Tie Ausschaltung des Wettbewerbes im Zusammenschluß aller Hilsskörper schäften. 3. Tie Erschließung von Jmmigra tionsmöglichkeiten. Aus dein Bericht 2 ch e w ins, Rewyork, über die Tätigkeit der H i a s ist folgendes zu entnehmen: Das Einwanderungsverbot habe seine Ursache in der langjähigenr Agitation gegen die Einwanderer, andererseits in' den reaktionären Nacherscheinnngen des Krieges. Dazu tritt noch bte große Angst vor dem Bolschewismus, dessen mit Vorliebe besonders die jüdischen Immigranten beschuldigt werden. Tie Gesellschaft Hias ivill alle Mittel anwenden, daß die Nenanwendnng des Einwanderungsverbotes gemildert werde. Angesichts der Schwierigkeiten, welche für die Einwanderung nach den' Vereinigten