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Der Israelit · 1921-10-13 · Heft 41-42 (13.10.1921) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
62 (1921)
Issue
Heft 41-42 (13.10.1921)
Date
1921-10-13
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 Nr. 41 u. 42 Der ft&xatlH. 18. Oktober 1921. Kreisen der jüdischen Eltern, die dem Chaos auf dem Gebiete des Schulwesens noch ziemlich fassungslos gegenüberstehen. Wenn die „Freie Lehrerzeitung", die unsren Ausführungen im allgemeinen zustimmt, uns darüber belehren zu sollen glaubt, daß in der Frage des Schulvorstands und des Präsentationsrechts schon alles „erledigt" sei, so ist das, wie uns sehr wohl bekannt, de lege lata ganz richtig. Aber es gibt, auch außerhalb der jüdischen Orthodoxie, glücklicherweise noch recht einflußreiche Parteien, die mit der jetzt herrschenden souveränen Verachtung des Elternrechts ganz und gar nicht einverstanden sind, sodaß eine kräftige Initiative nach dieser Richtung durchaus nicht aussichtlos scheint. Man sollte doch auch in religiös gesinnten Lehrerkreisen einsichtsvoll genug sein, um nicht zu wünschen, daß die Kommunalbehörde oder der Staat selbständig über Fragen der religiösen Erziehung — und dahin gehört die Lehrerberufung — entscheidet. Interessant ist die Mitteilung der „Freien", daß in Nürnberg bereits eine verfassungsmäßig orthodoxjüdische öffentliche Bekenntnisschule genehmigt sei, nur jiimmt sie nicht ganz. Unsere Aufforderung zur Erörterung des Gedankens der Errichtung freier, privater Talmud-Thoraschulen hat uns einen äußerst temperamentvollen Artikel unseres geschätzten pädagogischen Mitarbeiters Baruch Stern eingebracht, den wir an anderer Stelle veröffentlichen. Wir müssen vor allem gestehen, daß uns das schwere Geschütz, das Herr Stern auffährt, in keinem rechten Verhältnis zu den von uns gegebenen Anregungen zu stehen scheint. Wir schrieben nach einer sehr warmen und eindringlichen Empfehlung der öffentlich-jüdischen (ev. ortho dox-jüdischen) Bekenntnisschule wörtlich: „freilich dürfen wir nidjt oariiber int Unklaren »viii, dag in den öffentlichen Bekenntnisschulen der iVut.iC iMu'plau mit feinen vom indischen Standpunkte aus lächerlich kleinen Dosen von „Religionsuiilerrjch:" nuferen Lindern nimmermehr diejenige «'->.'!! ndiagc UI! bit'lisch-talmudifchem Wissen ZN gewahren vern-ag. ans der sich eine wahrhaft jüdische Bildung in' Sinne der Thanrv zu entwickeln vermag. Tiefes Zie ist eben nur im Rahmen von völlig freien, durch staatliche Lehrpläne nicht gehemmten und eingeengten Talmud Thvraschmen ,',n erreichen. Wäre Ö-? auch nur u», der Linder der vstjüdifchen Ausländer lutUon. die dem SchnlZwang nicht unterliegen, so würde c* sich wahrlich verlohnen, das; die berufenen .nreife der <>>rnndnng solcher Talmud Thorafchnlen ernste Armnertfamkeit widmeten, Schulen,^ in denen dic jüdische Wissenschaft, die in Thora, Mischnah und Talmud niedergelegte wnrZelechte jüdische Luitur den vHiHinu'U des Unterrichtsstoffes ansmacheu, während in einem täglich Zweistündigen Unterricht in Schreiben. L' ieu, Rechnen und Realien den Lindern die Clenienle ancb der modernen Lullnr beigebracht würden. Das Thema verdiente eine besondere Behandlung und wir Aus dem B'Eün nHD von Rabbiner Samson Thenen in Verlad (Rumänien). Bon A. Mannheimer in Dettelbach. (Schluß). jnn ftlio, Bösrede und Verleumdung. Die Zunge ist die allzeit bereite und behende Verbreiterin unheilstiftender und oft verhängnisvoller Reden. Ihr widmet nicht nur die Thora, sondern das gesamte jüdische Schrifttum besondere Aufmerksamkeit. In Geschichte und täglicher Erfahrung zeigt sich die Macht der Zunge. Einst sandle R. Gamliel seinen Knecht Tobias auf den Markt mit dem Auftrag: „Bringe mir von dort das Beste, was du siehst". Da brachte ihm der Knecht eine Zunge. Gamliel nahm sie in Empfang und sind gerne bereit, die Spalten des „Israelit" dazu zur Verfügung zu stellett." Das ist alles. Ueber die Frage der Ausländer-Schulpflicht haben wir uns mit Vorbedacht zunächst nicht ausführlich geäußert, sondern vielmehr die Dinge einmal genommen, wie sie sich unter der derzeitigen Rechtslage präsentieren. Man kann es ruhig den jüdischen Verbänden überlassen, in dieser komplizierten Frage, in die nicht nur religiöse, pädagogische und kulturelle, sondern auch gemeinde- und staatspolitische Erwägungen Hineinspielen, die Sachkenner und Interessenten zu hören und alsdann mit der nötigen Umsicht vorzugehen. Gesetzt den Fall, die gesetzliche Schulpflicht der Ausländerkinder ließe sich nicht erreichen, so spricht unsres Erachtens alle Wahrscheinlichkeit dafür, daß man sich, wie manchen Ortes bisher schon, mit einem Fremdenschulgeld Helsen, keinesfalls aber den barbarischen Weg der Ausweisung beschreiten wird, der für Deutschland heute schon aus außenpolitischen Rücksichten ungangbar ist. „Gefährlich" ist es, den unwahrscheinlichen Fall von Ausweisungen als Schreckgespenst an die Wand zu malen, sei es auch, um die Ausländerkinder von dem Besuche der — wie wir gleich zeigen werden, zu Unrecht — so gefürchteten Talmud Thoraschulen abzuhalten. Ueber die Vorzüge und Nachteile des alten „Cheder" wollen wir uns mit Herrn Stern in keine Auseinandersetzung einlaffen, zumal er freimütig bekennt, in dieser Hinsicht selber keine Kompetenz zu besitzen. Fest steht jedenfalls, daß die hervorragendsten Leuchten jüdischer Geistes¬ und Herzensbildung im Osten aus dem Cheder hervorgegangen sind, fest steht ferner, daß das Argument, die Schule sei Erziehungs-, nicht blos Bildungs-Anstalt eher die Volksschule mit ihrem zu gutem Teil ethisch irrelevanten Unterrichtsstoff trifft, als das Cheder, in dem die gesamte unterrichtliche Atmosphäre von der erzieherischen Macht des Gotteswortes beherrscht ist. Aber das alles ist nicht von ausschlaggebender Bedeutung. Wir haben ja nicht mit einer Silbe angedeutet, daß uns die Uebertragung des ostjüdischen Cheders mit all seinen unleugbarenEinseittgkeiten und Mängeln nach Deutschland wünschenswert erscheine, und wir wissen nicht, wie unser gesch. Mitarbeiter dazu kommt, einen solchen Wunsch in uns htneinzureflekfteren. Was uns allerdings erstrebenswert erschiene, wäre ein Schultyp — wir haben ihm den Namen Talmud-Thora-Schule beigelegt —, der die Ordnung, die Reinlichkeit, die pädagogische Methode der deutschen Volksschule sprach: „Nun, Tobias, gehe abermals zum Marktplatz. Bringe mir diesmal das Schlechteste was du dort siehst". Als Tobias wieder kam, brachte er — abermals eine Zunge. Wie lehrreich ist das Verhalten dieses heidnischen Dieners! Eine Zunge ist das Beste und unter Umständen auch das Schlechteste, je nach dem Gebrauche, den man von ihr macht. Unter den drei Wunderzeichen, die Moses in seiner Sendung an Israel vollziehen sollte, war auch das Aussätzigwerden seiner Hand. Nach Auffassung §er Weisen war dies eine gelinde Strafe für seine Worte: „Stehe, sie werden mir nicht glauben". Das hörte sich wie eine Verleumdung an. Raw meinte: Vor einem „Stäubchen" Bv'srede mag sich wohl kein Mensch auch nur aus einen Tag zu schützen. Eher noch vor Raub und Unsittlichkeit. Die Kundschafter hatten eigentlich nur auf „Holz und Stein" verleumderische Reden verbreitet. Dennoch wurden sie so hart bestraft. Umsomehr erscheinen diejenigen strafbar, welche über ihre Nebenmenschen Böses sprechen. „Was könnte ich noch mehr für dich Inn, trügerische Zunge"? (Ps. 120). Dieser Vers wird hübsch folgendermaßen gedeutet: Gott ftgt zur Zunge: „Alle Glieder des Menschen sind in aufrechter Stellung, du jedoch in liegender. Alle sind von außen sichtbar; du befindest dich innen. Ja, noch mehr, ich habe dich mit einem Gehege von Zähnen umgebest. Was konnte ich also noch mehr tun"? Der Verleumder heißt auch Blutoergietzer. Er hat keinen Anteil am zukünftigen Leben. ’D^Dn npiät rttö» Almosen geben, Wohltätigkeit. Sie bilden feit Jahrtausenden das stolze Wahrzeichen des jüdischen Stammes. Unendlich sind die mit dem jüdischen Inhalt einer Talmud- Thora des Ostens verbindet, und der den in den jüdischen Disziplinen schlummernden Bildungswert derart fruchtbar für das Erztehungsgeschäft und für die Geisteskultur macht, daß man in zwei Stunden täglichen Profanunterrichts ungefähr das Ziel der Volksschule — sei es auch vielleicht durch Verlängerung des Schulbesuchs um ein Jahr — erreichen kann. Die Talmud-Thora-Schule, die beispielsweise s. Zt. Dr. Moses Auerbach in Petach-Ttkwa geschaffen hat (von hebräischer Unterrichtssprache, wie in Erez Jisroel, kann natürlich hier keine Rede sein) zeigt ungefähr, was uns bei unserer Anregung vorschwebte. Es wird wohl keine Sünde gegen die Würde der deutschen Volksschule und des jüdischen Lehrers sein, auch für uns Juden einmal eine „Versuchsschule" zu empfehlen, die auf neuen Wegen echte Jehudim von.erleuchtetem Geiste und festem jüdischen Wollen er-' ziehen soll. Inwieweit nun schulpflichtige deutsche Kinder von solchen Schulen Gebrauch machen könnten, inwieweit ausländische Eltern davon Gebrauch machen wollten, das sind zwei Fragen, die natürlich eingehende Prüfung verdienen. Es mag sein, daß der religiöse Idealismus auch der ausländischen Eltern nicht groß genug ist, um die so gestaltete Talmud-Thoraschule der öffentlichen Volksschule vorzuziehen, es mag andrerseits sein/ daß der Staat sich weigern würde, den Besuch dieser Schulen als Erfüllung der öffentlichen Schulpflicht anzusehen (obgleich auch dies iticht feststeht) — jedenfalls verdient der Gedanke selbst unseres Erachtens eine etwas liebevollere Behandlung als sie ihm in den sonst sehr interessanten Stern'schen Ausführungen zuteil geworden ist. Solche Schulen werden immer nur Ausnahmen bilden können — für den Durchschnitt muß selbstverständlich die möglichste Verbreitung und innere Ausgestaltung der öffentlichen jüdischen Bekenntnisschule mit aller Energie erstrebt und daneben durch die Errichtung vort Nachmittags-oder Abendkursen in. dcu jüdischen Fächern für eine Ergänzung des von der Schule übermittelten Wissens Sorge getragen worden. Sin Kommissariat des Völkerbundes für russische Röchklinge. Der bekannte Leiter des Conjoint Foreign Committee in London, Lucien Wolf, ist soeben von einem längeren Aufenthalt in Genf zurückgekehrt, wo er im Aufträge der vor einigen Monaten in Brüssel stattgehabten Emigrations- Konferenz der „JCA" und verwandter jüdischer Wurzeln und Verzweigungen dieser Ahnentugend, un. zählbar die Aussprüche der Großen Israels über sie Die Buchstabennamen „Gimel, Dalet" weisen auf die Worte „gomel dalim" hin, erweise den Armen Wohltaten. Der Fuß des Gimel hebt sich zum Dalet hin; eine sinnige Andeutung, daß Wohltäter von selbst dem Armen nachgeben sollen. Bewirtung von armen Wanderern überttifft sogar die Begrüßung der göttlichen Majestät. Esra traf die Anordnung, daß die Hausfrau frühe ausstehen möge, um den Armen frisches Brot zu bereiten. Die wenigen Auszüge aus dem Ldv-n nn» dürsten genügen, die Reichhaltigkeit und Brauchbarkeit des Werkes als Schtur-'SS darzutun. Die hübsche Ausstattung in Druck und Papier sind ein nicht zu unterschätzender äußerer Vorzug. Möge das Buch weite Verbreitung finden. Dem frommen Verfasser würde das die idealste und innigste Freude bereiten, nuam mir. Mische Melodien an öffentlichen plä-en. Von Dr. Arthur Kahn (Chnrwttenburg). .Anläßlich der orchestralen Ausführung der Lol Nidremelodie seitens der Knrkapelle in Bad Kis-

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