Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 62 (1921)
- Issue
- Heft 40 (6.10.1921)
- Date
- 1921-10-06
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2. Nr. 37. ^v l ä t t - r.^ Werbung von Grund und Boden int Heiligen Lande dient, so tritt er an jeden thoratreuen .Juden mit der Frage heran, wieviel von deinem Vermögen hast du übrig, um nicht nur der Gesamtheit, sondern auch um dir selbst Besitz im Lande deiner Väter zu errverben. Tollte doch jeder Jehudi, lueuit auch nur 4 Elle:: Bode:: in Erez-Zisroel sein Eigeil trennen köimen. * 2 des Statuts bestimmt die Pflicht Der Paläpinazentraten bezügl. des Keren-Hajischuw. „Tie Palästinazentralen aller Länder sind' rerpslichtet, den Keren-Hajischuw mitallen M'vaftcu gtt fördern. Tie für wirtschaftliche Zwecke bereits gesammelter: Gelder, oder die sonst dafür zur Verfügung stehenden Gelder, sind alsbald der Zentralverwaltnng des Keren-Hajischuwzur Verfügung zu stellen." Es dürfte ohne weiteres ersichtlich sein, daß die Mittel, die der Keren-Hajischuw benötigt, gewaltige sind, sollen wir doch durch ihn in den Stand gesetzt werden, auch endlich einmal eine Aaada-.Kotonie irr Erez-Zisroel zu _ gründen. Bei den grasten Kosten, die für diesen Zweck erforderlich find, kommt zunächst nur eilte Heine Siedlung in Frage. Die Pläne für diese, sowie der Kostenanjchlag liegt fertig vor. Sobald der Keren-Hajischuw durch die Opferfrcudigteit unserer Aaudasreurrde dazll in den Stand gesetzt ist, kann mit deni Ankauf voll Boden rind dessen Besiedlung durch Agudistcn begonnen lverden. Der Keren-Hajischuw .untersteht zwar der Aglldas Zisroel, doch bringt es seilte ganze Einrichtung als rein wirtschaftliches Unternehmen mit sich, dast er int klebrigen vollständig selbständig arbeitet und allch eine eigene Verloattung besitzt. 8 h des Statuts bestimmt daher bezügl. der Verwaltung des Kereil-.Hajischluo Folgendes: „Die Zentratverwaltung des Keren-Haji-. schlllv besteht aus mindestens fünf und höchstens 34 Acitgliedern, welche vom Zentralrat der Weltorganisation „Agudas Zisroel" gervählt werden und zwar zunächst auf die Tauer von drei Fahren. Die Zentralverwaltung hat für sichere Verwaltung und Anlage der Gelder Sorge zu träger: mtb entsprechend Den Weisungen des Zentratrates der Agudas Zisroel Boden in Palästina 51t erwerben. Der Zentralrat übt sein Aufsichtsrecht gegenüber der Zentralvertvattullg des Keren-Hajischuw durch die Palästinazentrale der Agudas Zisroel in Frankfurt a. M. aus, welche laut Beschlust der Wiener Konferenz vom Adnr 5681 mit der Leitung der wirtschaftlichen Angelegenheiten betraut wurde." Die Männer, die bisher der Zentralverwaltung des Keren-Hajischuw angehören, bürgen allein durch das Ansehen ihres Namens in der Geschäftswelt dafür, daß die Gelder, die die Spender dem Keren-Hajischuw anvertrauen in sicheren Händen ruhen, und nur zu wirklich ernsten Unternehmungen, auch vom kaufmännischen Standpunkte aus gesprochen, verwendet!> werden. Wir lassen der Vollständigkeit halber auch noch die übrigen drei Paragraphen des Statutes folgen: 8 4. Bodenkäufe. Tie Berechtigung von Ankauf von Boden aus Geldern des Keren-Hajischuw steht nur der Zentralverwaltung zu. 8 5. -Organe des Keren-Hajischuw. Vor Behörden und Gerichten wird der Keren-Hajischuw durch einen dreigliedrigen aus der Mitte der Zentraloermalttmg des Keren-Hajischuw gewühlten Geschäftsausschust^vertreten. e AuflöstlstgMMenL)ajjstMv.. Tie Auflösung des KererRHaiiscWv erfolgt aus Be'schlust des Zentralrates der Agudas Zisroel. Etwa vorhandene Gelder gehen in diesem Falle in den alleinigen Besitz der Weltorganisation Agudas Zisroel über. Wir stehen in einer für jeden Zehudi besonders ernsten. Zeit, es soll sich eilt jeder ju dieser: Tagen prüfen, wie er sich vergangenes Jahr gegenüber Gott und den Menschen in seinen Gesiunr-ngeu und Harrdlurrgen geführt hat. Soweit: diese Prüfullg unser Verhalten gegenüber den Menschen angelst, sollen wir nicht vor der Frage Halt niachett, inwieweit wir uns evtl, gegenüber dent cmplueu verfehlt haben, sondern wir sollen uns auch mit peinlicher Gewissenhaftigkeit fragen, „hast Du Deine Pflicht gegenüber dem „.KeltarsJisroelst erfüllt."? Gibt es wirklich in der heutigen Zeit, wo sich so gewaltige Erschütterungen irr der jüdischer: Geschichte abspielen, und wo Erez-Zisroel einfach mit der unumstößlichen Belveiskraft einer gegebenen Tatsache in den Vordergrund unseres Interesses gerückt wird, noch thoratrene Juden, die sich ablehnend verhalten .können? Oder soll man gar deshalb nichts von positiver Erez-Zisroelärbeit wissen wollen, weil sich leider der Abfall' auf dem heiliger: Boden breit gemacht hat, und weil die bisherige Besiedlung sich nur zum kleinsten Teil tu unserem Sinne vollzogen hat. Hat dämm etwa unsere Pflicht gegenüber Erez-Zisroel oder unsere. Liebe zu ihm eine Verminderung erfahrcn? Wollen wir den andern denn alles überlassen und unsere Tätigkeit darauf beschränken, händeringend über schlechte Zustände zu seufzen! Nein, und abermals nein! Gerade die in der Agudas Zisroel selbständig organisierte Zudenheit, die den Gehorsam gegenüber dem Gottesgesetz ans ihre Fahne geschrieben hat, hat erst recht die Ausgabe das Gebot der Stunde zu erkennen, und auch ihrerseits mit allen zur Verfügung stehenden Kräften am Aufbau von Erez-Zisroel zu arbeiten. Und darum must bei der Prüfung unseres Verhältnisses zum Kellal- Jisroel sich in diesen Tagen ein Zeder auch fragen, was hast Du dafür getan, daß Erez- Zisroel nicht, Gott behüte, ein unheiliges Land werde, und daß es aus Grund der einmal nicht wegzuleugnenden politischen Machtverhältnisse in die Hände von solchen kommt, die seinen Boden wieder entweihen." Möge das Ergebnis dieser Prüfung sich in Taten knndgeben, möge es in diesem Jahre dazu führen, daß sich ein jeder nach bestem Können beteilige am Werke des .K ereil?H a ji) cf)uw! Dr. Willy H 0 fmann - Frankfurt. Sie Arbeitsweise der Ortsgruppen. Referat für den Delegiertentag von Dr. I. Segall in Berlin. Ich bin von der Leitung des Grrrppenverbandes der Agudas Zisroel gebeten worden, ein Referat über das. Thema „Straffere Zentralisierung der Ortsgruppen" zu halten. Ich habe den Auftrag übernommen ulkd bin gern bereit, die Erfahrungen, die ich durch langjährige Mitarbeit in anderen Organisationen gesammelt habe, in den Dienst unserer A g u d a s I i s r 0 e l zu stellen. Es . handelt sich um rein praktische Fragen, die ich besprechen will, die den Ausgangspunkt für eine, wie sich hoffe, fruchtbringende Diskussion bilden sollen. Das Wesentlichste für eine jede Ortsgruppe scheint mir die Bildung eines Arbeits-Auss ch u sses zu fein und damit komme ich gleich zum Kernpunkt des ganzen Problems, wie man eine wirklich brauchbare Ortsgruppe schaffen kann, die ein wirksames Instrument für die Durchführung der Agudas Jisroel-Aufgaben bilden soll. Uns fehlt es bisher in Deutschland an arbeüssreudigen, sich^mit ihrer ganzen Persönlichkeit für unsere Tuche einsetzenden Menschen. Wir leiden nicht unter dem- Mangel an Gedanken, an Ideen, an Aufgaben, wir leiden nur att Menschenmangel, und solange wir es *) Anmerkung der Redaktion: Infolge Zeitmangel konnte das Referat auf dem Delegiertentag der Ortsgruppen der Agudas Zisroel nicht gehalten werden, und bringen wir es daher hier zum Abdruck: 6; Oktober 1921 nicht fertig bringen, Träger der Arbeit zu finden, solange werden wir es auch in Deutschland ztt keiner den großen Anforderungen wirklich entsprechenden Organisation bringen. Hier muß der Hebel einsetzen. Ich, glaube aber, daß es bei gutem- Willen gelingen wird, in sieden Ortsgruppe ein Paar Menschen für unsere Ideen ,so zu begeistern, daß, sie zu einem Arbeitsausschuß sich zusammenschließen, welcher die Sache in die Hand nimmt.. Man muß, auch unsere Kreise davon überzeugen, daß, wie ein gesunder Geist nur in einem gesunden Körper wohnen kann, zur Erfüllung der Agudas Jisroel-Aufgaben „Organisation" die erste Voraussetzung bedeutet. Organisation ist, wie Herr Jacob Rosenheim richtig ausgeführt hat, Selbstzweck. Leider hat sich diese Erkenntnis bisher gerade in unseren Reihen noch nicht Bähn gebrochen. Noch nirgends habe ich so wenig Verständnis für diese Grundtatsache einer gesunden .Entwicklung gesehen, als bei unseren sonst durchaus einsichtsvollen geistigen Führern. Es darf teine Ortsgruppe in Deutschland geben, die nicht einen Arbeitsausschuß besitzt, der zum mindesten aus drei Personen bestehen soll, dessen höchste Zahl 15 zu betragen hat. Ein .Mehr ist schädlich, denn sonst entsteht allzuleicht aus einem Arbeitsausschuß ein Redeparlament und anstatt praktische Arbeit zw leisten, werden nur tiefgründige Diskussionen gehalten, aber keine Beschlüsse gefaßt, noch weniger aber solche ausgeführt. Man wird mir nun entgegenhalten: mop ein .Arbeitsausschuß, wenn ein Vorstand in der Ortsgruppe besteht? Ter Einwand ist berechtigt, und ich würde auch neben einem Vorstand einer: Arbeitsausschuß garniclst wünschen, wenn ' man es erreichen könnte, überall einen Vorstand so zusammenzusetzen, daß er auch arbeitsfähig ist. Leider aber zeigt die 'Erfahrung, daß mn in Den seltensten Fällen ein wirklich aktiver Vorstand möglich ist. Der Umstand, daß in einen Vorstand möglichst die repräsentntivsteu Persönlichkeiten hineinkommen sollen, daß er in seiner Zusammensetzung ein Abbild des Gesamtcharakters der gesetzestreuen Bevölkerung bieten soll, daß ferner ältere Personen, deren Ratz und Einsicht für die Leitung der Ortsgruppe von Nöten ist, zugezogen werden müssen, bringt es mit sich, daß seine Aktionsfähigkeit beschränkt ist. Darum soll neben dem Vorstand ein vorwiegend aus jüngeren, im praktischen Leben stehenden Menschen, bestehender Arbeitsausschuß gebildet werden, welcher die eigentliche Arbeit leistet. Es darf nichts in der Ortsgruppe getan werden, was nicht vorher -Gegenstand gründlicher Durchberatung innerhalb des Arbeitsausschusses gewesen ist. — Die Abgrenzung zwischen den Kompetenzen des Avbeitsausschzusses und Vorstandes muß eine Geschiäftsbrdnung regeln. Es ist fclbstvcrständlich, daß alle prinzipiellen tvichtigen Angelegenheiten, bevor sie zur Ausführung an den Arbeitsausschuß weiter gegeben werden, innerhalb des Vorstandes zur Beratung gelangen und selbst, wenn es einmal zu Aus'- einandersetzungen zwischen den beiden Organen kommt, so schadet das auch nichts. Ta ja.beide dem gleichen Zwecke dienen wollen, „Ortsgruppen lebendig zu erhalten", werden sie sich in Einzelfällen verständigen. Tie Erfahrung hat wenigstens in anderen Organisationen, bei denen ich bisher mitgewirkt habe, gezeigt, daß es niemals zu tiefgreifenden Differenzen nach dieser Richtung hin gekommen ist. Am leichtesten wird dem vorgebeugt, wenn der Vorsitzende des Vorstandes zugleich Vorsitzender des Arbeitsausschusses ist, oder ein führendes Mitglied des Vorstandes dem Arbeitsausschuß angehört. Ter Arbeitsausschuß muß tu regelmäßigen kurzen Abständen zusammentreten, in der ersten Zeit möglichst alle «8—14 Tage. An Arbeit wirds nicht fehlen. Schon die organisa^^Me Tätigkeit erfordert eine Unmenge' Von-AWeit und je mehr man mit der Sache verwächst, umsomehr zeigt es sich, was alles im MnzelüeU "zu geschehen hat, wenn eine Ortsgruppe wirklich ein