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Der Israelit · 1921-10-06 · Heft 40 (6.10.1921) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
62 (1921)
Issue
Heft 40 (6.10.1921)
Date
1921-10-06
Page
– (sequence 2)
Language
German
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(i Oktober 1921. 'Cätc a Nr. 40 Der JSraelit. legenheiten nicht kollidiert. Wie viel müßte danach eine fromme Minorität an Steuern aufbringen, um eine zuverlässige Schechita, eine Mikwoh verlangen zu dürfen^? Wer entscheidet darüber, was „ansehnlich" ist, was den allgemeinen Gemeindeangeiegcnheiten zuträglich ist und was nicht? Der Nationalrat? Wer wählt ihn und wie ist er zusammengesetzt, wenn die „ansehnlichen Minoritäten" nicht die ausreichende Legitimation des Steuerzettels für den Eintritt ins Wahllokal besitzen? lieber das Wahlrecht der Frau spricht das Statut nicht direkt, als scheute es sich, das Kind beim Namen zu nennen. Aber es sagt in tz 8: „Die Körperschaften gehen aus allgemeiner Wahl hervor. Aktives Wahlrecht hat jedes Mitglied, das das 20. Lebensjahr erreicht hat, gewählt kann jeder werden, der ein Mindebalter von 25 Jahren hat und die hebräische Sprache in Wort und Schrift beherrscht". Und in 2 ist zu lesen: „Alle Gemeinde- Mitglieder haben gleiche Rechte und- Pflichten." Daß dabet an Gemeindemitglteder beiderlei Geschlechtes gedacht ist, braucht nicht mehr betont zu werden. In dieser stillen Voraussetzung gedenkt man, ohne viel Gerede, sogar das passive Wahlrecht der Frau durchzudrückcn. Man darf gespannt sein, wie sich die Delegiertknversammlung und das Oberrabbinat, für dessen Autorität sich die Telegi-Aenversammlung einsetzt, zu dieser und anderen Voraussetzungen des konfessionslosen Statu.eneutwurfes stellen werden. Liebliches aus SoVjet-Mßland. Uiga, 28. Sept. Vor bom ..Revolutionären Tribunal" in VOi iiiC't wurde dieser Tage eilt Prozeß zuru Anotrage gebracht, der die ganze Bevölkerung in höchster Erregung hielt. Einer Frau in l'iiu-M, deren Braun 1915 in den Krieg gezogen und in Gefangenschaft geraten war, gelang es, nachdem ne in der Annahme, ihr Manu iei tat, ein Verhältnis mit einem geurien Samuel Slein eiugegangen mnr, den Rabbiner M. in M in öl hinters Lichl zu führen mW unter Verfclgneignng der Tatsache, das, sie bereite verheiratet sei, von ihm getraut zu werden. Ale der Rabbiner tage daraus den Sachverhalt erfuhr, eilte er voller Bestürzung Nim N uy.'ii Paar und forderte kategorisch die ö f u u g der illegalen E h e, ivae aber >ieäe vertveigerte, auch dann noch, als im l!r:iv’ l'.izrvi'chen der erste Gatte der Frau weder hennkam. Tie Erregung der A aifev libec diesen ungeheuerlichen Skandal oncgs ,nu jedem Tage mcd anläßlich in es tragischen Todesfalles in der Nachbarschaft dees Paares kam es zu einer heftigen Temonstnttion. Man wollte die Frau zwingen, an der Bahre der Tüten (es handelte sich um eine im Wochenbett verstorbene junge Frau) einen Eid zu Leisten, daß sie sich nun von ihrem Manne, den sie aus unzulässige Weise geheiratet Halle, trennen rvürde. Zu diesem Zwecke wurde sogar uou der Menge die Bahre unter Anwcmdnng von Gewalt in das Steinsche Haus gestellt. Es kam bei dieser Gelegenheit zu Mißhandlungen der Frau und ihrer Angehörigen. Auch später w'nrde das Ehepaar Stein von aufgeregten Menschen aus der Straße wiederholt titlich aiigegrisfeu. Bei der Verhandlung vor dem Tribunal ergibt sich, daß die Aufregung der Gemüter groß, aber erklärlich war. Außerdem Rabbiner K., der der geistigen Leitung der Aktion beschuldet wird, saßen noch sieben Männer und Frauen auf der Anklagebank. Tie Verhandlungen nahmen sechs volle Tage in Anspruch. In rührender Weise schilderte Rabbiner St. seine Sceleuqualeu, nachdem ihm zum Bewußtsein gekommen war, daß er im guten Glauben seinen Segen zu einem so unsäglichen Eheverbrechen gegeben Halle. Ter als Sachrerständiger geladene greise Oberrabbiner Rabbi Elieier R a b i n o w i t s ch , erklärte glatt: „Hätten wir Rabbiner die nötigen Machtbefugnisse in der Hand, ivir hätten dann das Ehepaar zur Scheidung gezwungen!" Tie letzte Sitzung, zog sich durch die ganze Nacht und als gegen 9 Uhr morgens das Urteil verlesen wurde, befanden sich mehrere tausend Menschen im Fuhürerraum. Rabbiner K. wird zu li Monaten Festung verurteilt, die anderen Angeklagten erhalten von 6 bis 3 Monaten Festung. Einer wird zu ü Monaten Gefängnis verurteilt. Tie Verhandlungen wurden in j v. d i? ch e r Sprache geführt. In Witebsk haben die Behörden ein großes, altes Bes Hamid rasch beschlagnahmt, um den Raum für einen sogenannten „kulturellen sjweck" zu verwenden. Tie Gemeinde führte .klage an höherer Stellte, aber alle Verhandlungen, auch mit der hierher gesandten Bermittluugskvmmission scheiterten. Als die jüdische Gemeinde den Orts-Sowjets den , Vorschlag machte, aus ihre — der Gemeinde — Kosten ein leerstehendes Gymnaiialgebäude für den betreffenden kulturellen Zweck herznrichten, iunrbc dieses Anerbieten mit beleidigenden Worten zn- .rückgewicien. Es ist interessant, daß trotz dem Entscheid der Zentralvcrwaltung zu Gunsten der Gemeinde sich die Ortsbehörden beharrlich weigern, das Haus zu räumen. 1K3N •*) . Elu Feldherr, der bei seine»' König in hohe Anwhen stand und dessen Vertrauen er genoß, rvur Eines großen Vergehens gegen sein königlichen Herrn und Gebieter angeklagt. In sein voller Erkenntnis der Größe sein Schuld wandte cr sich an einen berühmteen Verteidig« der ihm an; Tage des Gerichtes ratend und Jöelfc: .sollte. Di"sererteilte ihm folgenden Ra Glerch ber Begmn der Gerichtsverhand'ung soll er u Gnade und L>bm-.-'uuq bitten. Gleichzeitig aber s, er es nicht un.e.l tz-n, seine Kinder, namentlich t chn, rn den Gerichtssaal mitz o-chter, um sie milde zu. stimme ar, hivzuweisen. Dieser Rat iüi —.--y‘l“ olge gekrönt. Die Richter, obglei von der Schuld des Auge!tagten überzeugt, wurdl aber beim Anblick der jungen, zarten Kinder von M ec es nicht unie.l kleinsten und j?> brinaen und di auf sie, die Kind-, auch vom besten Aus „Nene Gleichnisse" von Dr. Felix Kanter, Rabbiner in Zwittau. Verlag „Haiwri",.Mährisch- Ostrau. leid ergriffen, machten von dem Rechte der Begnadigung Gebrauch und sprachen den Augeklagten frei. Kurze Zeit darauf verging er sich abermals gegen seinen König. Diesmal, davon war er überzeugt, war eine viel größere und härtere Strafe für ihn zu gewärtigen. In seiner Not und Verzweiflung wandte er sich abermals an seinen Verteidiger, der ihm aber diesmal folgenden Rat erteilte: „Gleich nach der Verlesung der Anklage, bevor noch der öffentliche Ankläger Zeit findet, das Wort zu ergreifen, reiße deine Kleider vom Leibe und zeige hin auf die Wunden, die du in den verschiedenen Schlachten und auf den verschiedenen Schlachtfeldern für deinen König erlitten hast. Zeige hin auf die Brandwunden, die von den feindlichen Geschossen herrühre», zeige hin auf die Glieder, die dir amputiert wurden, auf die Wunden, die teils vernarbt sind und teils uoch frisch bluten". Der Angeklagte befolgte auch diesen Rat und erzielte damit, was er wollte und was er sich wünschte, einen vollständigen Freispruch. Als er aber bald darauf sich abermals gegen den König verging und deshalb wiederum unter Anklage gestellt wurde, meinte der Verteidiger: „Jetzt weiß ich keinen anderen Rat für dich, als an die Gnade und Barmherzigkeit des Königs zu appellieren, seine Güte und Großmut anzurufen. Ein Appell an die Gnade des Königs — dies allein kann dich retten und dir helfen". In unserem w2X-Gebete bitten wir um Gnade und Barmherzigkeit. „Erhöre meine Stimme und erbarme dich unser", „Nimm an in Barmherzigkeit und mit Wohlgefallen unsere Gebete". Wir tun es unter Hinweis und Berufung auf unsere jungen zarten Kinder ULLI by ^on. Und abermals treten wir vor Gottes erhobenen Richterthron hin und — weisen cuf unsere Wunden hin, die uns geschlagen wurden nur deshalb, weil wir „Gotteskämpfer" waren. ' Corrcspondetizeti u. Nachrichten. Deutsches Reich. Die Derroenöung 9es Keren BajeHoö- Frankfurt er. M. 30 Sept. In linieren Ausführungen im Leitartikel der Vir. 38 schreibt uns ein Mitglied der Fiuauztommiiiion der Zionistischen Organisation, daß schon die Londoner .Jahreskonferenz nur 20«/o des K. Hajefiod zum Bodenkauf bestimmt habe und nur 27(jetzt 30°ö) für wirtschaftliche Anlagen. Tas „allgemeine'Palästinabudget", dem die andere Hälfte' des Keren Hajefiod gewidmet fein soll, enthalte aber nur 25.000 Sft. für Administration und 125.000 Lst. für Schnlzwecke. Ter übrige Etat von l.350.000 ist für wirtschaftliche ^Ausgaben und Sanitätswesen bestimmt. Ter Einsender folgert hieraus, daß der weitaus größte Teil des'Keren Hajeijod allgemeinen Palästiuazwecken ivirtschaftlicher Art und keineswegs Parteizwecken diene. Tieie Berichtigung ist insofern beachtenslvert, als mir aus der allgemeinen Bezeichnung „Allgemeines Palästiuabnd'get" in der Tat nicht hatten schließen können, daß es sich zum größten Teil um Ausgaben für Kolonisation, Kredite und ähnliche Tinge handele. Im übrigen ist jedoch zu beachten, daß. der Beschluß, wonach in diesem Jahre zu allere r st das allgemeine Palästina-Budget aus den Eingängen zu decken ist, trotzdem zu eitler fast völligen oder prozentual jedenfalls sehr erheblichen Bertvendnng der Keren Hajessod-Spenden für Partei,zwecke und Schulen führen kamt. Auch werden alle Voranschläge nicht verhindern können, daß man für Büros und Angestellte soviel verausgabt, wie die Lebensverhältnisse es eben erfordern. ein neues Befhaus 9er „B9aß Jisroel' in Berlin. Werkt«, 30. Sept. Donnerstag Nachm, den 29. September fand die feierliche Einweihung der von der Adaß Jisroel für den Westen Berlins eröffneten Synagoge in Charlottenburg (Goethepark) statt. Mit der Eröffnung der Synagoge soll einem lang gehegten Bedürfnis der im Westen wohnhaften' a^T Berlins entsprochen werden, die Pas \s*a (yoV ... owsto spvV ... bwi NVP „Tue es um derentwillen, die da erschlagen, ermordet, verbrannt oder ertränkt wurden, um deinen Namen zu heiligen". O, wir können mit Schmerz, aber auch mit Stolz auf Wunden Hinweisen, die uns wie keinem anderen Volke geschlafen wurden und — leider noch geschlagen werden, auf die Wunden, die uns geschlagen wurden, weil wir unser Glaubenspanter allzeit rein und hochüielten, weil wir unsere Treue nicht brechen, unserm Gott und unserm Glauben nicht untreu werden wollten. Und sollte auch dies ohne Eindruck und Wirkung bleiben, dann rufen wir, o Herr, deine Gnade und Barmherzigkeit an. “pam spa*? nrr>p ... "jjyaV ntpy. „Tue es deinetwegen, tue es um deiner großen Barmherzigkeit willen. Erweise uns Gnade und Barmherzigkeit und stehe uns helfend bei". . kleines Jemllelon. Nachsommer in Strümpselbrunn. Der Sommer neigt sich seinem Ende zu, die Tage werden kürzer und die Sommerfrischler kehren zu den heimischen Penaten zurück. Aber Strümpfelbrmin, das seit Jahren beliebt gewordene, shachAelegene walaumgevene liebe Dörfchen im Ooenwald hat ssine Pforten uoch nicht ganz geschlossen. Eine Schar talmudbeflissenec studierender junger Leute ist für einige Wochen hier eingezogen und hat dem Kurort Strümpfelbrunn für einige Wochen eine besondere Note ausgeprägt. Aus Frankfurt, Berlin, Köln und sogar aus der Schweiz sind sie hier eingetroffen, haben trotz der

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