Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 62 (1921)
- Issue
- Heft 39 (29.9.1921)
- Date
- 1921-09-29
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/2446951-2450138-2450176--69254-2526427- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
! 8. No. 69. „Der JSraelit." 29. September 1921. ein Vehikel für den Menschen ist, um zudem Geistigen, das doch immer unendlich weit von dem Irdischen und Körperlichen entsernt ist, emporzustreben. „Religion ist — nach Herrn Wierer — passives Erlebnis, das nicht in Handlung umgesetzt werden kann, ohne sich selber zu widersprechen. Religion wird erlittett und nicht getan". Hier wird Religion mit dem ekstatischen Erlebnis, mit der manchmal an das Pathologische streifenden Verzückung gewisser Gottsucher verwechselt. Wiener ist aber offenbar der Ansicht, daß seine Auffassung vom Begriff der Religion zu akzeptieren ist, auch wenn sie mit der aller ernst zu nehmenden Philosophen in Widerspruch steht. Beim Gebet unterscheidet er zwischen dem sprüngltchen, aus der Seele hervorqrellenden und dem „Kuligebet". ,Der Gotteshymnus ist wie kein anderer Ausdruck reeigret, das erschütternde Golterlebnis zu vermitteln,- dann aber, da der Mensch nicht umhin kann, sich Gott menschlich zu nähern, wird der Hymnus, dessen inspirierter heiliger Ursprung ihn dafür empfiehlt, zur religiösen Handlung, zur kultischen Gebetsübung mißbraucht". Auch viele Psalmen wurden so zum Tempelkult „mißbraucht''. Herr Wiener ist ein sonderbaier Schwärmer. Nach seiner Auffassung wäre ein Kunstwerk nur v.m Standpunkt des schaffenden Künstlers aus als solches zu bewerten. Wenn es dazu verwendet wird, um in der Seele des Betrachters ähnliche ästhetische Gefühle zu erwecken, so wird es „mißbraucht". Daß das Schcmone-Esre danach als ein „typisches Kultgebet" bezeichnet wird, ist nicht weiter zu verwundern. Ich weiß nicht, ob es Herrn Wiener bekannt ist, daß dieses Schemone-Esregebet schon in der Seele von Millionen andächtige Stimmung und tiefes religiöses Empfinden geweckt hat. Daß er der jüdischen Welt in vielem ziemlich fremd gegenübersteht, beweist zum Beispiel auch die Behauptung (S. 17), daß die Opfer ethische Sünden entsühnen. Sein historisches Urteil wird unter anderem durch die Aeußerung charakterisiert, daß der alte Sadduzäismus in mancher Hinsicht „protestantisch" war, und datz es dem Sadduzäismus hauptsächlich um „religiöse Grundsätze oberster Bedeutung zu tun war, dem Karäismus dagegen um weit äußerlichere Dinge. Daß Wie, er nach der Art oder Unart gewisser jungjvdischer Schrtststeller Micha und Jeschaja mit Jeschu und Schaul von Tarsus in einem Atem nennt und Spinoza als den „größten Verkünder der Gotierweisheit seit dem Exil" bezeichnet, sei nur nebenher erwähnt. Einzelne Lichtstrahlen in den Ausführungen Wieners, wie die Bemerkung, datz sich im Judentum „ein starkes Distanzgesühl zu Gott mit inniger Goltverlrautheit einigt" oder datz bet den Gebeten um Vergeltung die Strafe niemals auf konkrete, einzelne Menschen, etwa Fürsten oder Völker, sondern nur auf den abstrakten „Feind und Bedränger" herabgefleht wird, können an dem allgemeinen Urteil üLer das Buch nichts ändern. Dr. I. U Personalien. Jules Klein 7"S7. Bischheim b. Straßbnrg, i. E., 20. Sept. Eineii auch in Frankfurter Kreisen nicht unbekannten Mann, den letzten Lohn des großen Kvlinnrer Ralvs R. Salvmvn K fein, hat man am 22. Etat in Bischheim unter großer Anteilnahme zur letzten Ruhe getragen. Ter Straßburger Oberrabbiner Schwartz, der Präsident des elsässischeu Konsistoriums Tr. Schmoll in Straßbnrg und der Bischheimer Ortsrabbiner Tr. A. Weil gaben der allgemeinen Trauer um oeu Tahiugeschiedeneu tu treffenden Worten beredten Ausdruck. Jules Klein hatte feine Jugendzeit zum großen Teil in Frankfurt verlebt, er war ein Schüler der Realschule der Israelitischen Religions-Gesellschaft. Im Elsaß war er eine markante Persönlichkeit, inehr als 2.7 Jahre vertrat er die orthodoren Interessen mit nnerschrockenem Berennermut im elfäfsischen Konsistorium. Für die Erhaltung des jüdischen Geineindelebens, für die 'Ausbildung der jüdischen Kultusbe,.miktt fetzte er fich mit aller Tatkraft, mit feinem Herzblute ein. Was er zu Recht erkannt, dafür trat er mit Mut und Ueberzeugnng ein. Dabei war er bei aller Festigkeit ein Mann des Friedens. Er erwies sich als ein würdiger Sohn seines rühinlichst bekannten und noch heule' im besten 'Andenken steheudett großen Paters. Biel Leid uud Kummer hat das Leben ihm gebracht. Er hat sich nicht niederkriegen lassen. Seinen goldenen Hninvr hat er nicht verloren, und tun manches treffende Wort von ihm wäre es schade, wenn es der Pergeffenhejt anheimfiele. Zwei verwaiste Kinder weinen um den Verblichenen, ein großer Perwandtenkreis und eine zahlreiche Freuudesfchar trauern um ihn. In der Geschichte der elsässischeu Judeuheit wird der Raine des Mannes, der feine beste Kraft für das überlieferte Jndentnm eingesetzt hat, unvergessen bleiben. - 2x;n Hamburg, 19. Septbr. 'Am Sabbalausgang iNlki 'B wurde plötzlich und unerwartet Herr Ab'. Sally H e y m a n n in ein besseres Jenseits abberufen, zur liefen Trauer aller, die ihn kannten. An der Bahre ivrach am Montag der Nachfolger feines Sctiwiegervmeos — Rabbt Elioktm Schlt-ung.rs b'st — Herr Dr.?.. B a m berger und würdigte mit beredten Worten die herrlichen Eigenschaften des Perstvrbenen. Jit ' vorbildlicher Bescheidenheit, aber auch vorbildlicher I Pflichttreue als Gatte und Batet, als Jehudt und Mensch | wußte er den Nnmen Jisrvel in seinem regen Verkebre mit Andersgläubigen stets zu Ehren zu bringen. In Gemeinschaft mit der Gattin verstand er, die Kinder für Thora und Mizwaus zu erziehen, die nun den größten Trost der Witwe bilden werden. n"2NU Friedberg, 27. Sept. Unsere Gemeinde Hot durch den Heimgang der Frau Johanna Ha mmel einen schweren Ve.lust erlitten. Eine selten brave Frau, aus frommem und geachtetem Hause stammend, verstand sie es, ihre Kinder zu tüchtigen Menschen heranzubt'.den, Ihr frommes Gemüt — sie versäumte keine rrsn — offenbarte sich besonders vor ihrem Tode, denn sie berief die Frauen der p"n, der sie selbst viele Jahre angeyörte, an ihr Sterbelager. An ihrem Grabe widmete ihr Herr Lehrer Ehrmann warme Worte der Anerkennung und wies besonders auf ihr Irenes Wirken in den verschiedenen jüdischen Vereinen hin. Mögen ihre Kinder in ihre Futzstapsen treten und ihr Nachfolgen auf dem Wege der Tugend und Frömmigkeit. rrnsjn Frankfurter Berichte. Girre Siebzigerin. Frohgemut und still, ihrer allem Lärmen und Prangen' abholden Natur entsprechend, hat Frau E R o s e n h e i m in Frankfurt a. M. jüngst ihren 70. Geburtstag gefeiert. Nicht das sei hier verzeichnet und gerühmt, was sie aus dem Reichtum ihrer Seele und ihres klar gerichteten Geistes ihrer Familie überantwortete Aber gepriesen mag und muß werden, daß sie das Beste und Reifste ihrer reingestimmten und harmonisch abgetönten Petsöntichkeit der Enge und Beschränkung des Jchs und Umkreises enttückte und hinaushob und weitete zum Dienste der Allgemeinheit. Ueber ein Menschenalter schaltet sie, zuerst lange im Verein mit ihrem unvergeßlichen Gatten s.A., dann in königlich getragenem Witwentum allein als Sachwalrerin der. Familie v. Rothschild in Armenangelecenheiten. In ihren Räumen spiegelt sich im Kleinen die ganze Fülle, Heiligkeit und Mannigfaltigkeit des jüdischen Schicksals von der Wiege über das bräutliche Glück und die Bedrängnis der Lebenserhaltung hinaus bis zum Grabe wieder. In vielem Herzeleid, wie auch immer es geartet sein mag, widmet sie weises Verstehen, lindes Mitempfinden und lichte Hilfejeden Schrei des Elends, deren ungezählte aus allen Weltgegenden an ihr emporbranden, macht sie sich zutiefst zu eigen und bringt ihn voll vornehmem Takt, klugem Bedacht und stolzer Würde ihren Auftraggebern zu Gehör. Und das fei ihr zu ihrem Ehrentage schlicht und aufrichtig gedankt, und diesem Danke der Wunsch gesellt, daß der, dessen Herz von unendlichem Erbarmen und unendlicher Liebe überfließt, und ln dessen Statthalterchaft auf Erden sie wirkt, ihr noch Jahrzehnte leidlosen, reudvollen und tatenreichen Lebens bestimmen möge. M. Sp. Mekor Wazim. Der Winterlehrplan des „Mekor Chajim" ist sehr reichhaltig und wird demnächst zur Veröffentlichung zelangen. Der Mikrovortrag findet nur noch Kesen rst? am Samstag vormittag statt. Mit nächstem Sabbat rfcitp nstr, ’p'1) 's wird er schon am Freitag abend nach Schut im Hörsaale Friedberger Anlage abgehalten. Sgiidas Aisroet-Jugendgruppe. An beiden Tagen m&n SSW wird in den Räumen der Jugendgruppe von 3 Uhr nachmittags an B^nfi gesagt. Sally Michel ■?*?. Das ii&Iidje Jahrzeitlernen für unser ehemaliges Vorstandsmitglied SaUy Michel, findet am rotP eine Stunde vor Nacht statt, worauf wir Freunde und Bekannte des unvergeßlichen Verstorbenen besonders aufmerksam machen. Derelnskälender. Verein Mekor Chajim. Samstag vorm, nach Schluß der Synagoge „Dinim"; Herr Rektor F alk. — mittags 12% Uhr, im Hörsaale Friedberger Anlage; „Mikro"; Herr Wolf Rosen zweig. — nachm. 43/4 Uhr im Vereinslokale: „Tefillohkurs" 0221 "pns jn); Herr Red. S. Schachnowttz. onnrag morgen: Jahrzeitstiftungslernen/ Esther Eschwege, geb. Adler-Stiftung, ittwoch abend? Uhr: „Gemoro"; Herr Dr. Jos. Breuer. Donnerstag abend eine Stunde vor Mincho: „Mischna"; Herr Rektor Falk. Allmorgenlich Mischnalernen im Hörsaale. Allabendlich 88/4 Uhr: „v"rr-Lernen im Vereinslokale; Herr H. Halpern. Agndas Jisroel-Jugendgruppe. Sonntag vorm. 7 Uhr: „Gemoro Sanhedrin"; 8 Uhr: „Raschi";Herr Leopold Oppenheimer. Mittwoch vorm. 9Ul Uhr: „Gemoro Sanhedrin". berids 83U Uhr: „Nervitm"; Herr Simvn Unna, Kleine Ob-'rmatnstr. 30. Donnerstag vorm.3/47 Uhr: „Gemoro Sanhedrin". Freitag vorm. 3/47 Uhr: „Gemoro Sanhedrin". SamStag vormittag 11'/, Uhr: „Gemoro"; Herr H. Halpern.- 113/4Uhr: „Mischna"; Herr A. Hirschberg. - nachm, 5 Uhr: „Gemoro Suckoh" für Anfänger; Herr Leop. Oppenheimer. Allabendlich 9U Stunde vor Nacht findet Lernen von wechselnden Dozenten statt, Agudas Jisroel-MadchengruPPe. Samstagvorm. 11*/» Uhr: „Aus dem n"i-Machsor"; Herr Louis Kahn. — nachm. 4 Uhr: „Thauro"; Herr Lehrer A. Htrschberg. — 5 Uhr: „Thillim"; Herr Louis Kahn, «eshamidrafch, Ostendstrafie 18. Samstag nachm. 5 Uhr: Halachischer Vortrag; Herr Herz H alpern. Sonntag früh 8—9 Uhr, Montag u. Mittwoch abend 8 9 Uhr: „Gemoro-Schiur" nvp J02; Herr Rechtsanwalt Dr. Jos Breuer. Montag, erster Roschhaschonotag, eine halbe Stunde vor Nacht: Vortrag; Herr H. Halpern. Täglich 7, Stunde vor Nacht „eis "n"; Herr Rosenzweig. Heöehetten. Freitag abend 5.35. Samstag morgen 8.—. Samstag nachm. 5.—. Samstag abend 6.50. Sonntag morgen 4.30. rwn t»*n- Vorabendgottesdienst 5.55. Morgens 5.55. N achmittags 4.30. Abends I. und II. Tag 6.45. chengott es dienst 5.15. Nachm. 5.—. Mittwoch morgen 5.—. „ 5.15 Familiennachrichien. Barmizwoh-Feier. Isaak, Sohn des Herrn Jakob Weißmann, Ostendstr. 78, Synagoge Obermain- Anlage 8. GroB-Frankfurt am Eschenheimer Turm Spezialitäten- Theater Neu eröffnet: KAFFEE ersten Ranges Weinklause Eingang nur StiftstraBe Unseren werten Gästen, Jahreswechsel Bekanntet! und Freunden yn» die Segen WünstSe. Emil Adler und Frau Adler s Kurhotel Bellevue Bad Nauheim. Rur auf diesem Wege tvünschen Verwandten und Freunden herzlichst D'Hr'D Hermann und Rosa Rosenthaler München. Für die uns anläßlich nuferer Hochzeit in so reichem Maße erwiesene Atlfnierksamkeitdanken nur ans diesem Wege nnd wünschen mi» noTjn -irr) Markus Schlesingern. Frau, Harrrbnrg, Dillstr. 21. N21L rr&\nm na-ra nritiv San.-Rat Dr. Rosenihal und Frau Bad Homburg v d.H Suche per bald ein streng vclinti’t älter. Mädchen das gut bürgerlich kochen und gute Zeugnisse anszutveise» hak. Zweites Mädchen Vorbau de» Offerten an Fra» Bruno Altmann. Kattowitz O.-S-. Friedrichsplatz 11. -'iit>.'