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Der Israelit · 1921-09-29 · Heft 39 (29.9.1921) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
62 (1921)
Issue
Heft 39 (29.9.1921)
Date
1921-09-29
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Der Jfltfttlit 29 September 1921 ©ehe 6 3ii. 39 die Delegierienversarrmilung überhaupt. In der letzten Sitzu'.rg des G?nreinderates kam es zu hesli en Zusammeustöpkn tu dieser Frag!-. Schließlich wurde rin? zehngliedrige Kommission innerhalb der Gerueiüdeverwaltun.q mit der Prüfung der Angelegenheit betraut. In Haiffa wurden nach mehrtägiger Verhandlungen sieben Araber, die sich in der Kolonie „Kinaur" bei „Sichrann Jaakauw" an elnenr Ueberfall und Herdenraub beteiligt haben, zu je 12 Jahren Zwangsarbeit verurteilt. Erfreulich ick es, wie sehr auch die Mitglieder der Jeschiwaus, vereinigt im Verbände „Jeire cuiune Israel", sich tcit:g an der Aufbauarbeit Palästinas beteiligen. Das Oberrabbinaf. IerusaUm, 20. September. In bir letzten Sitzung des Obcrrabbinais, zu dir auch die Lai?rmitglieder zugezogen waren, wurde über Ermeitenmg der Machtbesuguisse des Kobegiums aus Grund les der Regierurg in dieser Cache e «gereichten Wikn?orandunis verhandelt. llnte*. den Rabbinern wurde dann auch Uvch in Sachen der sechs infolge der Dinlonst-aiion gegen d-e Sabbatschander im Stadlgarten unter Anklage gestellten gesetzestreuen Juden beraten. Auch andere interne Angelegenheiten kamen zur Sprache. In zwei Fällen wurde das Oberrabb nat in letz-eier Zeit auscihalb Jerusalems augerufcu. In Jaffa soÜ bei den Behörden die Absicht herrschen, kiren Teil des elt-u jüdischen Friedhofes zu räumen, und in Bethlehem wurde von der Stadtverwaltung die zuerst erteilte Erlaubnis, Reliov'.crarbeitcn am Rah-lgrate vorzuuehn en, mit einem beleidigenden Schreiben an das Oberrabbinut zurückgenommeu. Im erstereu Falle wurde beschlossen, alle g-schlichen Abwehrmutel zu ergreifen, und von der Verwaltung in Bethlehem wurde ein Entschuldigungsschreiben an das Oberrabbinat bewirkt. Ob die Bauarbeiteu am Rahclgrabe nun frcigegeben sind, ist nicht gesagt. <J)eVX^arb WWW Bon Dr. Oskar Wolfsberg in Berlin. Line erroiöetung )u t b. Schleichs Mhel „Lebenserneuerung" in ür. 34 9es „Is aelif". Der „Israelit" brachte kürzlich Prof. Schleichs Ausführungen über meine Besprechung im „Jeschurun". Ich halte es für geboten, die in naturwissenschaftUchen Dingen vielfach nicht kompetenten Leser auf die zahlreichen Mängel und Lücken der Schleichschen Darlegungen hmzuweisen. Vor der sachlichen Erörterung weniqep-rsönliche Bemerkungen: Es lag mir absolut fern, Herrn Schleichs Verdienste um die Wissenschaft zu schmälern. Ich weiß von dem Wert seiner Lokalanaesthesie. Auch habe ich nie einem Chirurgen die Berechtigung zu biologischer Forschung absprechen wollen. Aber es ist nur zu naheliegend, dee Fehler und Lücken seiner zellthkoretifchrn Arbeiten (von denen noch die Rede sein soll) darauf zurückzuführeu, daß er dem Gebiet fremd gegnrüberstcht. Wenn ein Autor Falsches vortrögt auf ihm entleg'-nen Forschungsgebiet, muß er es sich gefallen lassen, daß er unsanft daran erinnert wird, daß er kein berufener Vertreter ist. — Ich üb blasse es dem Leser sich darüber ein Urteil zu bilden, wie es sich ausnimmt, wenn jemand in einer Polemik, statt eine sachliche Widerlegung zu geben, seine Meriten aufzählt. Mag sein, daß seine Vorbildung auf biologischem Gebiet die meine weit übertrifft. Was hat das mit meinen kritischen Einwänden zu tun? Werden sie dadurch widerlegt? Klrngt es nicht geradezu lächerlich, daß Herr Schleich über mich schreibt: „ . . . wobei er (Wolfsberg) vergißt oder verschweigt, daß ich (Schleich) vier Jahre lang bei keinen. Geringeren als Rudolf Virchow pathologisches Anatom war!?" Nein, Herr Schleich, weder habe ich es vergessen, noch verschwiegen. Ich habe es nä...lich nie gewußt — und schäme mich dieser Unkenntnis nicht einmal. Denn weder '.st das historisch so wichtig, noch habe ich mich bisher für verpflichtet gehalten, seine Autobiographie „Besonnte Vergangenheit" zu lesen. Ich eile zum Sachlichen. — Da muß ich denn, bevor ich Grundsätzliches bringe, dreier Behauptungen Schleichs in dem gegen mich gerichteten Artikel Erwähnung tun, die ich nur — wohl in Ukberemstimmung mit allen Detallforschern — als falsch bezeichnen kann, und die die flüchtige Beweisführung Schleichs erkennen lassen. Da soll erstens nach Schleich keine Jufeklion möglich lein, nnnn nicht das Nuclein unzerstörbar wäre. Als Anhänger des Neovitalismus brauche ich das nicht auf das Nuclein zu beziehen. Aber auch die materialistischen Naturforscher glaubten sich immer mit der Tatsache der Infektion abfinden zu können. Man schreibt -s dem besonderen phyokalisch-chcmrschen Zustand der lebendm Zelle zu, daß sie nicht ohne weiteres abgetötet wird. Nack ihnen ist der Schutz der Zelle nicht durch das Chromatiu sondern die Zeügreuzschicht gegeben. So wird doch schon lange die Frage wniiltert, warum d e Magenepithelzellen der Verdauung durch d'N Magensaft widerstehen. Es gibt meines Wissens ke mn Beweis, daß das Nuclein oder d e Chromosomen das dauerhafte Element sind. Dazu müßte Schleich noch zur Hilfshypothese greisen, daß das Nuclein die übrigen ZeÜdestandteile schützt. Denn sonst müßte doch die Zelle in ihren anderen Teilen angegriffen werden. Auch stimmt es nicht, daß der Wirtsorganiemus vorzugsweise stirbt, wenn die Baklertenerzeugung ins Ungeheure wuchert. Meistens wird wohl der Organismus durch die Toxil e (Gifte) zugrunde gerichtet. Auch wird Schleichs Theorie den so gut charakterisierten Abwehrprozessen des Organismus: Bakteriolyse, Agglutination, Präzipitation nicht gerecht und setzt an deren Stelle den vagen Begriff der Nuclein Unzerstörbarkeit. Jene Prozesse beruhen doch gewiß auf ganzen anderen chemischen Grundlagen. Es ist zweitens für den Kenner der Vitawinlehre ein arges Stück, die Vitamine mit den Chromosomen identisiziert zu sehen. Das Nuclein ist chemisch einigermaßen charakterisiert, wie ich es in meinem Jeschurunreferat erwähnt habe als Eiweiß und Nucleinsäure. Wir wissen aber genau, daß es eine Reihe von Ergänzung; stoffen gibt, die gar nicht der Eiweißgruppe sondern den Lipoiden (höhere Fette) angehören. Die Frauenmilch und ebenso jede rohe Milch ist gewiß nicht arm an diesen lebenswichtigen Ergänzungsstoffen, enthält aber (abgesehen von der sogenannten Kolostralmilch in den erste« Tagen nach der Geburt) gar keine zelligen Elemente, also gewiß keine Chromosomen. Und doch ist sie ein halbes Jahr die Nahrung des Säuglings. Es ist also sehr geschickt, aber allem, was die Spezialforschung ausgedeckt hat, widersprechend, Chromosomen und Vitamine zu identifizieren. Wieso das Vorhandensein und die Bedeutung von Bitaminen den Calqrienchemismus erschüttert, ist mir nicht begreifllich. Daß Ernährung nicht lediglich eine kalorische Angelegenheit ist, das hat auch Otto Coh nh cim und seine Schule (so auch ich in meiner Arbeit zur Sekretion der Verdauungsdrüsen Z. f. physiol. Chemie Bd. 91, 344—371, 1914) von anderem Standpunkte her betont. Aber damit ist die kalorische Rechnung nicht ausgeschaltet. M. Rubner und O. Heubner, gewiß zwei höchst kompetente Autoren, haben gerade für den Säugling gezeigt, daß das Gesetz der Konstanz der Energie vollständig gewahrt bleibt. Auch Driesch, der den Vttalismus auf eine wissenschaftliche Basis gestellt hat, ist sehr bemüht, in seiner „Philosophie des Organischen" (Leipzig 1921, 2. Auflage) den Nachweis zu erbringen, daß seine „Entelechie", der vitale Faktor, dem Konstanzgesetz der Energie nicht widerspricht. Desgleichen stört das Reich der Organismen nicht das Gesetz von der Konstanz der Materie. Nie ist Neuschaffung von Materie durch belebte Körper beobachtet worden, und alle Gewichtszunahme ist durch Assimilation von Nahrung und Sauerstoff bedingt. Und da lesen wir von Schleichs Feder die Ungeheuerlichkeit, daß ein Neugeborenes mehr an Gewicht zunimmt, als es an Nahrungsmaffe aufnimmt. Man stutzt uns greift sich an den Kopf. Hat Schleich etwa ote schl.chte Tatsache, daß der Säugling eine positive Stickstoff-Bilanz hat, so unglückselig aus gebrücke? So muß denn Wachstum keine Folge von Zellenzeugungen sein, diese Behauptung ist emexotitio xrlnoipii, Wachstum durch Zellteilung könnte wohl maschinell vor sich gehen. Mit den blühenden Metaphern wie Zeühochzeit und Chromosompaarung löst man kein Problem. Und jetzt zum Prinzipiellen: Herr Schleich möchte den Anschein erwecken, a!s sei ich, weil ich dem Stoffwechsel und der chemischen Analyse Bedeutung belmesse, einer der materialistisch gestimmten Menschen. Dieser falschen Voraussetzung möchte ich gleich von vornherein die Spitze abbrechen, indem ich mich rückhaltlos zu Hans Dr iesch, dem hochgeschätzten ehemaligen Zoologen, der jetzt auf das Ordinariat für Philosophie nach Leipzig berufen ist, bekenne (oou meinen religiösen Ueberzeugungen, die hier nicht zur Debatte ftehm, ganz zu schwe-gen). Ich darf wohl annehmen, caß em Teil der Leser dieses Blattes meine Ociginalarbeiten und größeren Referate im „Jeschurun" (1914—1921) kennt. — Aber ein ander es ist es doch, Anttmaterialist zu sein, ein anderes die Bedeutung der Detailforschung zu leugnen. Um es kurz zu sagen: ich sehe keinen Beweis in Schleichs neuen Ausführungen. Er schreibt: „Ist das Wunder der Erzeugung eines Menschen als physikalisches Paradigma für alle Regeneration ... ein unsicheres Argument?" Hier in diesem Satz ist die Behauptung vom Autor unversehens zur Voraussetzung gemacht worden. Wie aber, wenn dies nicht zutriffck? Zellteilung aber nicht Befruchtung ist ein morphologisches Zeichen der Regeneration. Wer vitalistisch denkt, wird da von Reftitutionsreizen (Driesch) sprechen, wer im Rahmen der schulmäßigen Wissenschaft bleibt, wird sich'mit Haberlan dt (S. B. Pr. Ak. d. W. 1921) an die Wundhormone halten,' von Befruchtung und Chromosomen als Faktoren der Regeneration ist da garnicht die Rede. Ueber den Materialismus der Zunft erhebt! man sich nicht dadurch, daß man das Wesen desl Lebens an ein morphologisches Element, bezw. 1 an einen chemischen Komplex knüpft. Freilich» spricht Schleich vom „organisierten Nuclein" und i will damit bekunden, daß das Nuclein nur! Substrat ist. Aber dagegen ist mancherlei zu I sagen. Zunächst müßte eine chemische Theorie I des Lebens d. h. eine solche, die die besondere > Organisation der chemischen Verbindung in der > Zelle zur Grundlage hat,alle chemischen Individuen > berücksichtigen, denn es ist gewiß, daß Eiweiße und I Fette genau so bedeutsam sind. Sodann ist eine I chemische Theorie der Formbtldung weder nach I Driesch noch nach Roux ausreichend. Auch! Groß (Deutsche mediz. Wochenschrift Bd. 47,1 S. 83) betont, daß Schleichs Lehre materialistisch > ist. Um gerecht zu sein, bin ich gewiß, daß I Schleich darüber hinaus will. Aber es ist dies I ein falscher Weg. Will man im Gegensatz zuM > mechanistischen bezw. materialistischen System dem I belebten Organismus eine Besonderheitzuerkennen, > so muß man unter Berücksichtigung des Vor- > handenseins von Regeneration, Vererbung und V Handlungen von einer Autonomie des Lebens « sprechen, von einem vitalen Faktor, der in den > Raum hinein wirkt und an der räumlich wahr- I nehmbaren Zelle eben zu diesen ganz charakreri- I sttschen Phaenomenen führt. Damit erhalten die I morphogenetischen und chemischen Vorgänge im I Organismus ihren ganz eindeutigen Sinn. Der I

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