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Der Israelit · 1921-09-29 · Heft 39 (29.9.1921) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
62 (1921)
Issue
Heft 39 (29.9.1921)
Date
1921-09-29
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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29, &eptemdev 19S1 Der Hßraelit. na. 36 «eite 5 nalen an die Arbeiter zur Kenntnis und erklärte, daß die Arbeiter nicht mehr so dumm seien, auf dem Umwege über den Antisemitismus sich au den Wagen der Nationalisten spannen zu lassen. Die> Arbeiter stünden nur dem Kapitalismus gegenüber, ganz gleich, ob der einzelne Kapitalist Jute oder Christ sei. Oesterveirh. Kram alle rrar der wiener Börfe. Men, 23. Sept. Ernste Krawalle fanden am Montag, Dienstag und Mittwoch vor der Börse statt und nur dem energischen Eingreifen der Polizei ist es zu danken, daß großes Blutvergießen vermieden wurde. Die Demonstrationen sind von christlichsozialer Seite vorbereitet und durchgeführt worden. Sie trugen den klarsten antisemitischen Charakter, was sich vor ollem darin ausdrückte, daß jüdische Bankhäuser überfallen und jüdisch onssehende Passanten, die mit der Börse nicht das geringste zu tun haben, in der Tawbahn mißhandelt wurden. Christlichsoziale Agitatoren hielten aufreizende Reden. Ungarn. Verfolgung jüdifcher Lehrer. Budapest, 22. Sept. Wie der „Neuen Freim Presse" aus Budapest gemeldet wird, hatte der dortige Magistrat die in städtischen Diensten stehenden jüdischen Lehrer und Lehrerinnen entlassen, die jüdischen Schuldirektoren degradiert, die jüdischen Handelshochschulprofessoren ohne Begründung an Bürgerschulen versetzt und zahlreichen jüdischen Lehrern den Unterricht in gewissen Gegenständen untersagt. Auf diese Weise wurden über 400 Personen gemaßregelt. Die demokratischen Stadtrepräsentanten haben dagegen eine große Aktion eingeleitet, bisher ohne Erfolg. Me ßefee gegen die ungarifchen Juden. Budapest, 22. Sept. Am Montage kam es den ganzen Tag über in verschiedenen Teilen der Stadt Budapest zu antisemitischen Straßenkundgebungen. Die Gäste wurden aus den Kaffeehäusern auf die Straße grholt und mißhandelt. Bor dem Hause der sozialistischen Zeitung „Nepizava" kam es zu großen Ausschreitungen, denen erst die Polizei ein Ende machen konnte. 14 Verhaftungen wurden vorgenommen. In den Abendstunden kam es im Judenviertel zu Prügelszenen, wobei eine ganze Reihe von Personen verletzt wurde. Budapest, 22. Sept. In einer Monster Versammlung der Demokratenpartet am Sonntag vormittag protestierten die Redner — durchweg Christen — mit flammenden Worten gegen die Entlassung jüdischer Lehrer und Lehrerinnen und die Degradierung jüdischer Schuldirektoren und äußerten sich mit Erbitterung und Verachtung über das Vorgehen des Urhebers dieses unerhörten Kulturskandals. Die Versammlung war außerordentlich gut besucht. Außer den Klubmitgltedern und den liberalen Stadtrepräsentanten hatten sich die entlassenen und degradierten Pädagogen eingefunden und auch von den Liberalen waren viele erschienen. Im Auditorium sah man die pensionierten jüdischen Magiftratsräte Dr. Emil Vita und Dr. Gaza K e m 6 n y, anwesend war ferner der Rechtsanwalt der degradierten Schuldirektoren Dr. Desider Pol6nytdas Erscheinen dieses den Demokraten politisch so fernstehenden Mannes, der alles auf- °ietet, um den verfolgten Pädagogen zu ihrem hechte zu verhelfen, hatte im Saale große Freude hervorgerufen. Die Versammlung eröffnete Minister a. D. Abgeordneter Gabriel v. Ugron, der zunächst witteilte, daß alle im Interesse der verfolgten ^rhrer und Lehrerinnen bisher unternommenen Schritte erfolglos geblieben seien. Infolgedessen bleibe nichts anderes übrig, als diese Angelegenheit vor die große Oeffentl'chkeit zu bringen, damit diese das perfide und siige Vorgehen gegen unbescholtene Arbeiter der Kultur nach Gebühr stigmatisiere. Referent Einnör Bärsony sogt u. a.: „In gesetzwidriger, gew ssenloser Weise wurden ungefähr 40 0 Lehrer und Lehrerinnen entlassen und 23 Schuldirektoren zu Lehrern degradiert, als Lohn für ihre Verdienste um die nationale Kultur. Diese brutale Gewalttat übertrifft alles, was der Magistrat und die Majorität der Stadtrepräsenianz an Gewalttätigkeiten und Gesetzwidrigkeiten bisher begangen haben. Wir werden auf das Niveau der Balkanstaaten herabsinken, die Nation wird zugrunde gehen, wenn es nicht bald gelingt, der Willkür dieser Elemente einen Damm zu setzen. Es ist ein nationaies Interesse, daß die Gesetze geachtet, daß die Rechtsordnung und der soziale und konfessionelle Friede wieder hergestellt werden. Wer sich dem widersetzt, begeht einen Verrat an seiner Nation." Redner weist sodann, sich auf Gesetz? und Verordnungen berufend, vom juristischen Gesichtspunkte die Ünhaltbarkeit des Magistratsbeschlusses nach. Unter den Entlassenen, sagte er, gibt es viele, die seit einer Reihe von Jahren im Dienste der Hauptstadt stehen, eine der entlassenen Kindergärtnerinnen hat sogar bereits das 2 8. Dienstjahr vollendet. Redner würdigte die Verdienste der degradierten Schuldirektoren, die sich stets, auch während des Kommunismus, als gute Patrioten erwiesen hoben. Man hat sie entlassen, weil sie Juden sind, um, wie Herr Wolff von Welfenau, dieser „edle" Christ, erklärt, die ungarische Raffe vor den Juden zu schützen. Man wirft den Juden vor, die Revolution augezettelt zu haben) nicht dieJuden haben die Revolution herbeigeführt, sondern der Abschaum der Bevölkerung. Redner führt mehrere Tatsachen an, um den Patriotismus der Juden zu beweisen. Statt einander zu verfolgen, sollten alle Ungarn wie Brüder Zusammenhalten, denn sonst sei ein Wiederaufbau des Landes ausgeschlosien. Es wird dann folgender Beschluß au trag einstimmig angenommen: „Im Interesse der Kultur, der Rechtsgleichheit, des guten Rufes der Nation und des konfessionellen und gesellschaftlichen Friedens verurteilt die Versammlung die gesetzwidrige Verfügung des Magistrats, durch die aus konfessionellen Gründen seit Jahren wirkende Fachlehrerund -lehrertnnen entlassen, gesetzmäßig gewählte Schuldirektoren degradiert, Handelsschulprofessoren ohne jede Begründung in die Bürgerschulen versetzt und stellvertretende Lehrkräfte entlassen wurden. Die Versammlung fordert, daß diese flagrante Rechtsverletzung wieder gutgemocht werde, sie fordert ferner die Wiedereinsetzung der entlassenen Lehrkräfte in ihre Stellen, und wendet sich an die Mitglieder des Mumztpalausschusses mit der Bitte, in der Generalversammlung für diesen Beschluß einzutreten." Es sprachen noch in ähnlichem Sinne Dr. Desider Polon yi und andere Redner. Eine Stellenvermittlung der Demokratenpartet ist nach Kräften bemüht, den Entlassenen zu einer Existenz zu verhelfen. ' Amerika. DJarnung an ßusroanderer. Wew-Vork, 8. September. Die Hebrew Immigration Aid Society in New-Aork hat vor einiger Zeit eine Kommission nach Mexiko entsendet, um anläßlich der von mexikanischen Negterungskrrisen propagierten Einwanderungsagttation nach Mexiko die Zustände im Lande zu prüfen und festzuftellen, wie weit es möglich wäre, Grundlagen für die jüdische Einwanderung zu schaffen. Die e Kommission der „Hias" ist nun, wie aus New-Iork gemeldet wird, vor kurzem dorthin zurückgekehrt und hat ausführlichen Bericht erstattet. Sie kam auf Grund etng-hender Studien der wirtschaftlichen und politischen Verhältnisse in Mexiko zur Erkenntnis, daß Mexiko kein günstiger Ort für die jüdische Auswanderung ist und daß es jüdische Emigranten deshalb vermeiden sollen, dorthin auszuwandern, um nicht sich neuerlichen Leiden auszusetzen. Die „Hias" wird demnächst auch spezielle Berichte über die Einwanderungsmöglichkeiten nach anderen Ländern, zum BeispielKuba, Brasilien usw., veröffentlichen. Palästina. Brief aus Jerusalem Jerusalem, 10. Sept. Die Ueberfälle und Insulten an der Westmauer häufen sich in letzterer Zeit in erschreckender Weise. An einem der lktzten Sabbate wurden die an der heiligen Mauer zum Gebete versammelten Juden plötzlich aus den umliegenden Araberhöftn mit einem Steinhagel bedacht, der nicht nur den Gottesdienst störte, sondern einige Juden sogar ernstlich verletzte. Die Betenden stoben voller Angst auseinander. Die Polizei erschien am Platz, ohne daß die Schuldigen festgestellt werden konnten. Solche Szenen wiederholen sich in letzterer Zeit so oft, daß es wohl höchste Zeit wäre, daß die Behörden zum Schutze von Leib und Leben der frommen Beter etwas unternehmen. Freilich ist es weit beschämender, daß auch im eigenen jüdischen Kreise skandalöse Schändungen der jüdischen Heiligtümer, besonders des Sabbats, Vorkommen. Im Stadtgarten der Jaffaerstraße zu Jerusalem hat sich seit kurzem ein großer Zirkus aufgetan, dessen Besitzer und zum Teil auch Akteure, Juden sind. Die Besucher sind in der Regel ebenfalls Juden. Trotzdem kündigt die Direktion in den hebräischen Zeitungen für Sabbat zwei Vorstellungen an, und es finden sich Juden, die sich ihr Sabbatvergnügen auf diese Weise gegen Eintritt, der am heiligen Tage bezahlt wird, verschaffen. Danach ist wohl die Aufregung in den frommen Kreisen der Stadt, in der man bis jetzt solche öffentliche Sabbatentweihungen noch nicht gesehen hat, begreiflich. Und so kam es denn an einem der letzten Sabbate zu Krawallen und Schlägereien, im Gefolge eines Proteftzuges, den gesetzestreue Juden nach dem Stadtgarten und dem Zirkus unternahmen. Die Ordnungspolizei mußte eintreten. Sie zerstreute die Demonstranten und verhaftete sechs von ihnen. Auf Intervention des Oberrabbiners Jacob Metr wurden sie wieder auf freien Fuß gesetzt. Auf seiner Reise durch Galiläa weilte der Oberkommissar Herbert Samuel an einem der letzten Sabbate in Saffed und besuchte dort in Begleitung seiner beiden Söhne den Gottesdienst in der alten Synagoge, die zu Ehren des Tages auf das Prächtigste geschmückt war. Es herrschte gehobene Stimmung in vollgefülltem Raume. Der Oberkommissar wie seine Söhne wurden zur Thora aufgerufen, und Herr Rabbiner Mtletkowskt hielt eine begeisterte Ansprache, in der er auf die Tanaim, Amaratm und alle Großen alter Zeit, von den Gaonim bis zu Rambam und Ramban hinwies, deren Gräber in Saffed von der unverbrüchlichen Liebe der Alten zum heiligen Lande sprechen. Nach dem Gottesdienste wurde eine kleine Festtafel im Gemein d hause arrangiert. In Petach Ttkwah spukt wieder das Gespenst des Frauen Wahlrechtes. Die Frage schwebt seit zwei Jahren in der Luft. Nun. wollen die Frauenrechtlerinnen mit Hilfe ihrer männlichen Schutztruppe aus dem Kreise der Arbeiter nicht länger warten und fordern kategorisch zumindest das aktive Wahlrecht für die kommenden Gemetnderatswahlen. Die Arbeitervertreter verlangen das Normalwahlgesetz der Jerusalemer Deleqtertenversammlung als Grundlage für alle Wahlen, dieses Normalstatut wird aber in der Provinz so wenig anerkannt, wie

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