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Der Israelit · 1921-09-29 · Heft 39 (29.9.1921) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
62 (1921)
Issue
Heft 39 (29.9.1921)
Date
1921-09-29
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Sette 4. No. 39. Der JSraeltt. 29. September 1931 amtes ausgeübt werden. Die versammelten Vertreter empfahlen einstimmig die moralische und finanzielle Unterstützung der beiden Berliner Zentralen des Arbeiterfürsorgeamtes und der Deutschen Zentralstelle und des von ihnen gemeinsam verwalteten Ostjudenhilfsfonds. Das in Hannover begonnene Reorganisationswerk soll in einer Mitgliederversammlung der Deutschen Zentralstelle, die unmittelbar nach den Feiertagen in Berlin stattfindkn soll, weiter durchgeführt werden. Die Offjuden in Deutschland ZS erlitt, 3. September. In letzter Zeit mehren sich die Fälle, daß äußerst strenge Bestrafungen von Ostjuden, die bereits vor längerer Zeit unerlaubt die Grenze überschritten haben, vorgenommen werden. Die ostjüdische Einwanderung hat seit zehn Monaten so gut wie völlig aufgehört. Unerlaubte Grenzüberschreitung wurde ursprünglich als ein Vergehen mit relativ geringen Geldstrafen belegt. In letzter Zeit wurden aber bereits Geldstrafen von 12000 Mk. und mehr verhängt, und we^n der Flüchtling dagegen Einspruch erhob, wurde diese Summe noch um die Einspruchskosten von 400 Mk. erhöht. So geschieht es äglich, daß Leute, die zum Teil seit einem Jahre in Deut chland ansässig sind, und sich inzwischen eine Existenz geschaffen haben, plötzlich herausgerissen und ins Gefängnis geschlappt werden, da sie naturgemäß eine so hohe Strafe nicht bezahlen können, da neuerdings Ratenzahlung ebenfalls abgelehnt wird. Das Traurigste aber ist, daß sich in' letzter Zeit ein Verfahren herausgebildet hat, überhaupt nur auf Gefängnisstrafe zu erkennen und daß unterschiedslos auch so gegen Frauen und Greise vorgegangen wird. Dieses ganze Verfahren ist völlig sinnlos. Formal zwar haben die Flüchtlinge die Bestimmungen des Retchsministeriums des Innern über die Paßpflicht verletzt, tatsächlich aber konnten sie dieser Paßpflicht gar rftcht Nachkommen, weil sie in einer großen Anzahl von Fällen keinen Paß ihres Heimatstaates bekommen konnten. Diese Verhältnisse sollten den zuständigen Gerichten bekannt sein und die jüdischen Organisationen, vor allen Dingen das Arbeitersürsorgeamt, hätten unseres Erachtens die Pflicht, den Justizminister und die Gerichtsbehörden darauf aufmerksam zu machen. Auf keinen Fall kann die jüdische Okffcntlichkeit tatenlos zusehen, wenn arbeitende ehrliche Leute wegen eines lange Zeit zurückliegenden Vergehens, das für sie notwendig war, aus ihren Arbeitsstätten gerissen, wenn Frauen und Kinder monatelang ins Gefängnis ge-chleppt werden. in schönster künstlerischer Weise auSgenatiet ist. Die Vignette am Kopfe, von Herrn Nathan Jeidel ausgeführt, zeigt mst einigen nrarkanlen Strichen den höheren Zweck des Ganzen. In einiger Ferne winken die Silhouetten der Zionstürme, umgeben von Palmen. Die zwei Thorarollen zu beiden Setten besagen es, wie und in welchem Sinne die Aufbauarbeit in Palästina von uns gedacht ist. Unter der achtzackigen Rosette auf dem schönen Titelblalie rnht der nriu rßtts 7>v»vM-Wunsch der Palästinazentrale und darunter die einzelnen Blätter, je für eine Woche (von Sonmag bis ra») berechnet, unter Berücksichtigung des jüdischen wie des bürgerlichen Kalendariums. Jedes Blatt trägt unten einen Satz aus Bibel, Talmud oder Midrasch, der sich auf Zion bezieht. Und nicht zu übersehen das je nach vier Blättern wiederkehrende grüne etwas prosaisch anmutende aber dennoch hochwich,ige Blatt: die Z a hlkar te mit der Kontonummer 53900, Franksurt a. M. (Briefadresse: Dr. S. Oppenheimer, Frankfurt a. M., Eschenheimer Anlage 31). (Tic Liinvc wider das germanische Blut.) Wir lesen in; „Vorwärts": Ter 'Antisemitismus vecfi-gt in seinen, mampfe gegen das Judentum über ein veichbaltiges Arsenul von geistigen Waffen. Nicht nur die bildende Kunst vgl. die Wunddekorutivnen der öfscittticheii Bedürfnisanstalten wildern auch Poesie und Wisieiischaft liefern sie ihn,. Poet und gelehrter forsche,' -u 3 in che.' jst Herr Tr. Arthur Tinter, einer der rewa'st 'che. Heecruser im deutschvölkischen Pesreiuugsk.'.-nch. Hut jüngst einen Roman erscheinen lassen, eer den Titel trügt: „Tie Sünde wider das Blut" und in pvetncher Schute einen wissenschaftlichen Kern darbiner. Timen Kern bildet eine rassenbiologische Erblichkeitstheorie, öeffimmungen über die Einwanderung nach Kanada- Aertin, 15. September. Personen, die nach Kanada einwandern wollen, müssen einen Paß ihres Heimatlandes haben und eine Geldsumme im Werte von 250 Dollar kanadischer Währung bei sich führen, außer den Mitteln für die Bahnfahrt bis zum Reiseziel. Sie müssen die Reise 'direkt von ihrem Heimatslande antreten und in ununterbrochener Fahrt mit dort gekauften oder in Kanada bezahlten Schiffkarten ausführen,- sie müssen körperlich und geistig vollkommen gesund, moralisch einwandsfrei sein, irgend eine Sprache zu lesen verstehen, die genaue Adresse einer Person in Kanada besitzen, zu der sie sich begeben wollen. Es ist dabei zu bemerken, daß die kanadischen Einwanderunasvorschriften durch administrative Bestimmungen jederzeit geändert roerden können. Von den angeführten Bestimmungen sind folgende Ausnahmen vorgesehen: 1. Von den Geldvorschriften Besitz von 250 Dollar sind befreit, Eltern, die zu ihren Kindern fahren, Kinder unrer 18 Jahren, die zu ihren Eltern reisen, Frauen, die ihre Männer aufsuchen, Landarbeiter und Dienstboten mit gesicherter Arbeit, die dies durch Dokumente Nachweisen können. Sie alle müssen jedoch die Mittel zur Bahnfahrt bis zum Reiseziel besitzen. 2. Ein Hochschnlec kann nach Kanada zugelassen werde,', um seine Studien an einem kanadischen Kollege oder an einer kanadischen Universität fortzusetzen, ohne den obigen Bestimmungen unterworfen zu sein. Jedoch muß der Betreffende Nachweisen können, daß er wirklich Student ist und in einem kanadischen Kollege oder an der Universität immatrikuliett werden soll. 3. Touristen,Reisende,Mitglieder dramatischer, künstlerischer und athletischer Gesellschaften können zeitweilig in Kanada zugelassen werden, ohne daß die obigen Bestimmungen Anwendung finden. Folgen de Kategorien von Einwanderern können aus keinen Fall in Kanada zugelassen werden: Schwachsinnige, Idioten oder Personen, die früher geisteskrank waren; Tuberkulöse, an Trachom¬ oder Kopfausschlag Leidende oder mit Infektionskrankheiten Behaftete - Taube, Blinde, Verbrecher. Ferner Emigranten, die von einer Wohlfahrtsorganisation Geld empfangen haben, um sie zur Landung in Kanada in Stand zu setzen oder deren Fahrt nach Kanada von einer Wohlfahrtsorganisation bezahlt worden ist. Personen, die gewaltsamen Umsturz von Gesetz und Obrigkeit vertreten. Mitglieder anarchistischer oder gleichartiger Organisationen; Angehörige von Staaten, UHl'-he lehrt, das; durch die Mischung mit dem jüdischen Bin re das germanische Btttt vergisler werde. Wir sind nicht anmaßend genug, um aus eigener Kratt gegen einen dentsch-nalivnaleii Tenker vom Range Tinters ankämpftn zu wollen. Es sei uns aber gestaltet, auf eine Kritik hinzuweisen, die Professor 0 e v. z ein Gelehrter von Weltruf und nichts weniger als ein Indensrennd, in dem soeben erschienenen 13. Bande des „Archivs für Raffen- und GefeilschaftHvivlvgie" veröffentlicht. T inier - heisst es da , oer über R a ) f e n b i ul o g i e anftlären lvvlle, bedürfe dieser Anfklä'ni'i r za allererst selber. Die Wissenschaft habe längst mir dem öden Aberglauben, wie ihn hier Tinter verbreitet. aufgeräumt. Tamil falle Vvn vornherein die Behauchung einer allgemeinen Vergiftung des germanischen Blutes in sich zusammen. Der Held des Dinterfchen Romans solle ein Germanen-Urbild sein, er sei aber ein hysterischer Psychopath. Eine .'-jusa mittensevnng ans Unfähigkeit, zwischen Tatsachen und Illusionen zu unterscheiden, ans dilettantenhafter Ueberhebu'chkeit, abergläubischer Einbildungskrafc und antistnuitischem Verfvegungswahii. Die phantastische Seelenwandernngslehre Tinters ist nach Lenz vvltkvmmen u n w iffenf ch a f t l i ch , die Wahrheiten der Rassl'nuhre würden dnrcb sein Buch kompromittiert. Lenz kommt zu dem schulst, daß au. sich richtige rassenbmlvgische Gedanken geradezu ihren Wert verlieren, wenn sie durch Tinters Mund gehen, so das; Tinters Buch nicht nur eine Sünde wider den Geist des Germanentums, sondern :v i d e r da s a e r m a n i f ch e B l n t sei. Peinlich, eine solche öffentliche Hinrichtung Vvn beirenndeter Hand. Und um so peinlicher, als sie nicht die einzige ist. Tenn es mehren sich die Stimmen uns dein deutsch-völkischen Kriegsläger, die Tindie in dem letzten Kriege gegen Kanada gekämpft haben. Sodann Personen über 15 Jahre, die keine Sprache oder keinen Dialekt lesen können. Ausnahmen von letzterer Vorschrift sind jedoch für folgende Kategorien zugelassen: Vater, Mutter oder Großeltern über 55 Jahre, die sich rechtmäßig in Kanada aufhalten, Frauen, dse zu ihrem Manne reisen, eine unverheiratete oder verwitwete Tochter, die zu ihrem Vater reist. Diese Personen können einwandern, auch wenn sie Analphabeten sind. Sie müssen jedoch den übrigen Vorschriften des Einwanderungsgesetzes entsprechm. Von besonderer Tragweite für die jüd ischen Einwanderer nach Kanada ist die Bestimmung, daß die Fahrt direkt vom Heimaislande aus in einer ununterbrochenen Reise erfolgen muß. Diese Vorschrift bezieht sich auf alle Passagiere, einerlei mit welcher Gesellschaft sie nach Kanada fahren, oder in welchem Hafen sie sich einschiffen. Die Kanadapassagiere sollten sich demgemäß von dem Vertreter der Schiffahrtsgesellschaft im Einsch ffnngshafen im Falle des Umtausches von Schiffst rrtenanweisungen gegen Schiffskarte bescheinigen lassen, daß eine ununterbrochene Reise vom Heimaisland aus vorliegt. Zu bemerken ist noch, daß in ganz besonderen Fällen eine Einreisebewilligung von Col. J. Obed Smith, Superintendent of Emigration for Canada, 1 Regent Street, London, erteilt werden kann. verein zur Abwehr des flnfifemifismjs- Kamöurg, 23. Sept. Der Verein zur Abwehr des Antisemitismus hielt am Sonntag in Hamburg seine Jahresversammlung ab. An Vertretern des Staates Hamburg waren anwesend u. a. Senator Nöldecke und Grünwald sowie einige Bürgerschaftsmitglieler. Der Vorsitzende Dr. Gothein betonte die Notwendigkeit, den Antisemitismus zu bekämpfen im Interesse der Zukunft des deutschen Volkes. Leider segle der Antisemitismus unter der Fahne des Patriotismus. Unter den Begrüßungsansprachen war bemerkenswert die des Vorsitzenden des Bundes Jüdischer Frontsoldaten Hamburg, Dr. Urias. Ais Hauptredner sprach Hauptpastor Feiden aus Bremen über die Methoden des Antisemitismus und führte aus, daß die jetzt in Deutschland grassierende Form des Antisemitismus die Juden geradezu dazu treiben könnte, die Lust an der Mitarbeit am Staate zu verlieren. Bei der Diskussion brockte ein Arbeiter ein geheimes antisemitisches Rundschreiben der Deutschnatioter, dev Tenker und Tichter, als chstgenossen nicht rvehr dulden wollen. Und so lvird diesem unermüd liehen antisemitischen Waffenschmiede um Ende nichie , anderes übrig bleiben, als seine Tätigkeit ans dao Gebiet der bildenden Kunst — vgt. oben — zu per legen, wo er, anonym schassend, wenigstens keine im feist liehe Kritik und Hinrichtung zn fürchten hac. Familiennachnchien. Barmizwoh-Jeier Robert, Sohn der Witwe Regina Ringeiblum, geb. Hilftnraih, Harburg a. d. E„ Wilstorferstr. 15 II, in der Synagoge zu Harburg. Ssbbat-nnraiig und Hingang. o’aau row* Ort: Anfang Datum Ausgang Ufti| um 5681 Uhr Min. Frankfurt a. M 5 35 i. 28. 6 50 Berlin .... 5 40 Oft. E:ut 0 27 München . . . 5 45 6 32 Stratzburg . . - - - - Stuttgart. . . 5 30 0 45 Posen .... - - - Nürnberg. . . 5 40 6 33 Hamburg. . . - - -

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