Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 62 (1921)
- Issue
- Heft 39 (29.9.1921)
- Date
- 1921-09-29
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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39. September 1921. Der Israelit. Nr. 39. E eite 8 Möglichkeiten find in der Ordnung unseres Schauforblasms vorgesehen: Dreimal: Tekioh, Scheworim, Tekioh und dreimal: Tekioh, Teruoh, Tekioh. Sndste uns doch beide authentisch überkommen, die eine in einer Mtschnoh und die andere in einer Boraitha.^ (Rausch Haschonoh 33 b.) Diesen beiden Tonfolgen geht aber seit den Tagen des R. Abahu die beide TeruohArten enthaltende Gruppe voran: Dreimal: Tekioh, Scheworim Teruoh, Tekioh. Die besondere Bedeutung dieser die Schaufortöne des Rausch Haschonoh eröffnendrn Tongruppe ist daraus ersichtlich, daß R. Abahu sie dem Schausorblasen einverleibte, obwohl keine Mischnah und Baraitha sie erwähnt. Auf dieses Merkmal der Scheworim Teruoh-Gruppe lenkt der unsere Aufmerksamkeit, und der yttfl"1 giebt dazu eine Erklärung, aus welcher der Gedanke hervörzugehen scheint, daß die drei Tongruppen unseres Schauforblasens aus zwei Teilen bestehen, von denen der erste auf die Trompeten der Wüste und der zweite auf den Schaufor des Jobeljahres hinwetst. Die Erklärung des W"' '2L wurzelt in der Erwägung, daß R. Abahu die Tonreihe: Tekioh, Scheworim Teruoh, Tekioh einrichtete, weil er die Möglichkeit berücksichtigte, daß die in der Tauroh für Rausch Haschonoh vorgeschriebene Teruoh beide Tonweisen, unsre Scheworim und unsre Teruoh, in sich vereinigt. Scheworim - Teruoh vereint, entsprechen aber, wie die Gemoroh bemerkt, dem Gemütszustände des Menschen, dem ein Mißgeschick widerfahren, und ein solches hat keine Stätte im Jobel-Abschnitte, wo im Gegenteil aus jeder Zeile das Glück der Freiheit strahlt. Dagegen ist im Abschnitte der Trompetentöne der Wüste ein Unglück erwähnt, das nach Gottes unerforschlichem Ratschlüsse einen Menschen zu treffen vermag. Heißt es doch an jener Stelle: „Und wenn Ihr in den Krieg kommt in Eurem Lande gegen den Dränger, der Euch bedrängt, so blaset Trruoh auf den Trompeten, usw. (4. B. M. 10,9)." Wo gäbe es nun, bemerkt treffend, ein größeres Unglück als die Not des Krieges, und er zieht daraus den folgerichtigen Schluß : Da R. Abahu die Zusammensetzung „Scheworim-Teruoh", den Ausdruck des Mißgeschicks, einführte, so huldigte er jener Ueberlieferung, die auf die Trompeten der Wüste zurückgreift, bei denen das Unglück in genanntem Brrse seine Erwähnung findet. Im Sinne dieser Erklärung des ’JB kommen in der Ordnung unseres Schauforblasens darauf tun, daß du mir dein köstlichstes Kleinod nuvertraulest, mit dkm du dich Tag für Tag ergötztest"? 9ht„ sprach der Allgüttge zu Moscheh: „Weil du dich in Demut verkleinertest, möge zum Lohne hierfür das besetz nach deinem Namen benannt werden". So heißt es auch (Maleachi 3) „Gedenket der Lehre meines Dieners Moscheh"! (Sabbat, 89). Rabbi Lewitas aus Jabne meinte: Gar sehr, gar sehr sei demütigen Geistes,- denn des Menschen Hoffnung ist der Wurm". (Die verschärfte Form deutet an, daß mau hier ans Aeußerste gehen darf, wenngleich sonst der goldne Mittelweg empfohlen wird). ma» Erduld,mg und Fügsamkeit. „Die Schmähungen mit anhören ohne darauf zu reagieren, Beleidigungen vernehmen, ohne etwas zu entgegnen, die alles aus Liebe tun und sich selbst mit Schmerzlichem freuen — auf sie scheint der Vers genuinst: „Und Seine (Gottes!) Freunde sind der Sonne Ulrich in ihrer Kraft". (Sabbat, 88). In der Nachbarschaft Rabbi Meiers w'ren ausgelassene Menschen, die ihm so manches Böse zusüoten, sndaß R. Meier deren Ende herbeiwünschte. Sein Leib jedoch hieß dies nicht gutman sollte vielmehr >ur deren Besserung beten. Das tat auch R. Meier und mit gutem Erfolge. Verfolgte haben auf die besondere Gnade Gottes r". hoffen, das mögen sich die Verfolger ein für allemal oemgt sein lassen. Denken wir an so viele geschichtliche Beispiele: an Hebel der van Kajin verfolgt wurde und ociftn Opfer Gott wohlgefiel, an Noah, den seine Zeitgenossen, an Abraham, welchen Nimrod, an Isaak, den die Philister, an Jakob, welchen Esau, an Joseph, den leine Brüder, an Moscheh, welchen Pharao, an David, den Kgntg Saul verfolgte. All diese Männer erkor zu wichtigen Taten und Dingen. Auch das von beide Ueberlieferungen zu ihrem Rechte: Diejenige, welche sich auf die Trompeten der Wüste bezieht, in der ersten Gruppe: Tekioh, Scheworim Teruoh, Tekioh und jene auf den Jaum Kippur des Jobeljahres gerichtete, in den ihr nachfolgenden Gruppen: Tekioh, Scheworim, Tekioh Tekioh, Teruoh, Tekioh. Es ist gewiß ein tiefer Gedanke, der aus dieser Ordnung zu uns spricht. Man denke: Ein neues Jahr beginnt, der Schaufor erschallt, und seine ersten Töne sind der Ausdrllck des Mißgeschicks, welches der Abschnitt aus der Zeit unseres Aufenthalts in der Wüste vermerkt, und für welches er das Blasen dieser Töne fordert, mit der betqefügten Verheißung; „So werdet Ihr bedacht werden vor Gott,' Eurem Gotte, und errettet vor Euren Feinden!" Am Beginne des Jahres bringen uns somit düse Töne die erhebende Wahrheit zum Bewußtsein: Welches Mißgeschick die Zukunft im Schoße zu bergen vermag, — Gott leitet uns unversehrt hindurch, so wir dem Rufe des Schaufor in rechter Weise Folge leisten. Ist dies nicht in der Tat zugleich der Gedanke für den sNn ET, den Tag des Gerichtes, wie für den fTDJn Dlv den Tag des göttlichen Gedenkens! Rufen nicht diese das Mißgeschick andeutende Töne den Gedanken in uns wach, daß wir um unserer Unzulänglichkeit willen ein so geartetes Schicksal verdienten und rufen sie uns nicht gleichzeitig die alte Verheißung zu, daß auch dann Gott unser gedenke?! Wo wäre aber dos Geschlecht, das mit größerm Verständnisse als das unsrtge der Anordnung des R. Abahu zu begegnen vermöchte! Aus der Not der Zeit begreifen wir dm weitschauenden Blick, der ihn veranlaßte, in das Schauforblasen des Rausch Haschonoh — an erster Stelle — die Töne einzufügen, die aus jenem Verse hervorgehen, der von der Not des Krieges spricht und die nur von Gott zu erwartende Hilfe in der bestimmten Form der göttlichen Verheißung zum Ausdruck bringt. In der Wüste ward dieser Vers gesprochen) auf den öden Steppen, in welchen wir des äußern Beistandes ermangelten und an seiner Statt die unmittelbare rettende und erhaltende Wundermacht Gottes erlebten. Und die Töne, die all dieses bezeichnen, trägt uns an der Jahreswende, am Tage des Gerichtes, der Schaufor als erstes entgegen. So hat es einst R. Abahu im vollen Verständnis der heraufziehenden Galuih-Jahrtauffnde festgesetzt. — Wenn aber diese Töne verklungen, die gleichsam aus der denkwürdigen Zeit unseres Aufenthaltes in der Wüste zu uns herüberschallen, — dann brechen aus dem Schaufor die beiden anderen Tongruppen hervor, die als: Tekioh, Scheworim, Tekioh und Tekioh, Teruoh, Tekioh uns durch die Ueberlteferung an den Jaum Kippur des Jobeljahres erinnern; an die glückliche Zeit, in welcher Israel im heiligen Lande, dem Lande seiner Bestimmung, lebte; au den erhabenen Tag, an welchem beim Schauforklang die Knechte ihre volle Freiheit wiedergewonnen und die Felder in den Besitz ihres Eigentümers zurückkehrten. So vereinigt die Ordnung unserer Schaufortöne die beiden in der Gmiorvh ausgezeichneten Ueberlieferungen der Baraitha, deren verschiedenartiger innerer Sinn mit der doppelten Bedeutung harmoniert, tu weicher der Schaufor im heiligen Schriftlum erscheint. Wie er hier bald die Angst und Bedrängnis, bald die Freiheit und Freude kündet, so tönt er am Beginne des Jahres ans der Enge der Bedrängnis: „Tekioh, Scheworim Teruoh, Tekioh", und klingt dann schmettert d in die Töne der Freiheit und der Freude aus: „Tekioh, Scheworim, Tekioh Tekioh, Teruoh, Tekioh." eorrespondctmit u. ßacbricMe». Deutsches Reich. W erlitt, 12. September. Aus dem Wunsche heraus, die Tätigkeit der Provioz'alkassen der Deutschen Zentralstelle für jüdische Wanderarmenfürsorge neu zu bi leben haben die Provmzialkasse Hannover, Hamburg, Bremen, Magdeburg und Kassel beschlcsffn, die Provinzialkaffen, wo keine ' rbeiterfürsorgestelieit des Berliner ArbeilersürsorgeamteS bestehen, zu Zentralstellen der politischen und sozialen Hilfe, insbesondere für die ostjüdischen Flüchtlinge nuszubauen. Die Provinzicükassen sollen m analoger Weise wie die Arbeiterfürsorgestkllen len Schutz, die Arbeitsbeschaffung und die soziale Fürsorge für die ostjndischen Arbeiter übernehmen. Diese neue Aufgabe der Provinzialkaffen kann und soll gemäß den Intentionen des A r b e i t e r s ü r sorge- Felnden stets umd'ohte Israel darf hieraus ein trösi' l'ches Bewußtsein schöpfen. (Fortsetzung folgt.) Richtigstellung. Wir werden darauf aulmerksam gemacht, daß die in den „Einblicken in die Sidra" in Nr. 36 enthaltene Erklärung zum Satze iS nm' kS dem Inhalte nach dem bekannten Werke trncn von Nabbi Jecheskel Lieb schütz (dem Kaltscher Raw) entnommen ist. Kleines Feuilleton. Jüdische Jugendblätter. Vor mir liegt ein Jahrgang der „Jüdischen Jugendblätter", Hrsg, von der Esra-Bundrsleitung. Ein kurzer Blick in andere jüdische Jugendzeitschriften bringt uns ganz deutlich ins Bewußtsein: Es gibt noch kein wirklich gutes jüdisches Jugendblatt. In den Zeitungen kann das unleugbar vorhandene Bedürfuis nach gutem jüdischen Lesestoff für die Kinder nicht befriedigt werden. Diesem Mangel wollen die Esra-Jugendblätler abhelfen,- damit ist ihr Programm schon gekennzeichnet. Sie wollen nicht ein Organ darstellen, das ledigich für Esräer bestimmt ist, vielmehr liegt es ln der Absicht der Herausgeber, allen Eltern, die ein Interesse haben an der Lektüre ihrer Kinder, einen guten jüdischen Lesestoff in die Hand zu geben, der sowohl unierhaitend als noch beleb rnd — aber nicht im schulmeisterlichen Tone — auf die Kleinen wirkt. So findet sich denn in jeder iKuinmeiein buntes Sammel'nrinm: Betrachtungen über du lausenden Wochenabschoitt wrchstln ab mir kleinen, meist humoristisch gehaltenen Skizzen aus fco nt jüdischen L.'ben. Es folgen Eikiärungc-n in de> L^'i-Ecke, Ijdnäi'die Gedichte und Rätsel, ^a, einmal stand da sogar ein „wissenschaftlicher" Aussatz über „Jüdischen Bciefsriv, der großen Bestall bei Jungen und AiädllS fand. Anschauliche Schüde-ungen von den, jetzigen - eben in '"N werden unterbrochen von Beschreibungen der f-üheren Zustande zur Zeit unserer Könige und mancher sicht sich bet der -vundcrhüb'ch sinnfätligen Beschreibung des TrmgklS nach Jeiuschalajim versetzt. Dabei schellt man sich gar-vcht, einmal ein schönes Märchen von Oskar Wiide abzndtucken. Es braucht ja nicht alles, was nicht jüdisch ist, gleich unjüdisch zu sein. Vom Esra steht gewöhnlich nicht viel drin — und das mit Recht. Man mag sich zur Idee des Esra stellen wie man will, es wäre schade, eine wirklich gute jüdische Jugendzeitung, wie die Jugendblätter es nun etnn.al sind, dadurch den Außenstehenden zu verleiden, daß man in ihr pa.teimäßtg irgendwelche Ziele ausschlachtet. Diese Klippe Huben die Herausgeber bisher mit seiiernm Geschick vermieden. Sie werden sie weiter vermeiden, zu Nutz und Frommen der gesamten jüdischen Jugend. Harri) Abt. Ein Palästina-Adreißkalender. Ein sinniges Geschenk zu Roschhaschonoh mach; die Palästtnazenlrale der „Agudas Jtsrvel in Deutschland" ihren Freunden mit einem A b r e i ß k a l e tt d e r, de?