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Der Israelit · 1921-09-15 · Heft 37 (15.9.1921) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
62 (1921)
Issue
Heft 37 (15.9.1921)
Date
1921-09-15
Page
– (sequence 5)
Language
German
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15. September 1981 und Prof. Marburg üver-dasVersuchswesen. In der Plenarsitzung vom Mittwoch wird bie Palästinad ebatte fortgesetzt. David Tri et sch beantragt folgende Resolutionen: 1. „Unsere Kolonisation muh von den Erfordernissen deS Volkes und der gegenwärtigen Lage ausgehen. Zur Begründung führt er au: Bisher hat man grohe Summen für notwendig gefunden, die phantastische Endsummen ergaben. In allen Formen unserer Kolonisation muffen intensive Methoden angewendet werden. 2. Das System der volksmähigen, verhältnismähtg billigen Kolonisation wird unseren weiteren Arbeitsplan zu bestimmen haben. Begründung: Ich verstehe nicht, wie unsere Arbeiter mit einer kostspieligen Kolonisation zufrieden sein können, die ihre selbständige Niederlaffung verhindert. Wenig Land, intensive Bewirtschaftung ermöglicht erst viele kleine Bauern und Gärtner. Wir müssen mit wenig Land und wenig Geld ein Maximum von Kolonisation erreichen. Tie durchschnittliche Kolonie mit 200 Einwohnern muh aufhören, wir brauchen die Dichtsiedlung. 3. Die Leitung des Aufbauwerkes mutz in der Exekutive sein, um erfolgreiche Arbeit zu ermöglichen". (Beifall). Epstein-Palästina bedauert im Interesse der Städtesiedlung, daß es keine Gewerbeschulen für Handwerker im Lande gebe. „Wir werden bald Professoren und Musiker haben, aber keine Schuster und Schneider, darum wandert' alles Geld an die Araber." Dr. Bod enheimer spricht für die Städtesiedlungen, erklärt' das Scheitern des Oppenheimer'schen Stedlungsprojekts in den Verhältnissen und beantragt, das Hauptbureau des Nationalfonds unverzüglich nach Erez Jtsroel zu verlegen. Nach einer scharfen Auseinandersetzung mit Sokolow und Ltchthüm wird der Antrag an die Palästina-Kommission verwiesen. Agronom Dyk führt aus, daß die Arbeiter in Merchawiah unter Leitung Kaplanskis durch Durchsetzung des Einheitslohnes den Kommunismus eingeführt hätten. (Grohe Unruhe.) Der Betrieb sei dadurch vollkommen zerrüttet. Die neuen Methoden sind von Westeuropa übernommen, aber die Arbeiter sind dort ganz anders geartet, darum sei alles ins Wanken geraten. Das Farmensyftem müsse erhalten bleiben. Delegierter Wilkonsky empfiehlt die gemischte Wirtschaft, die allein unabhängig mache von allen Konjunkturzufällen. Ein gleiches empfiehlt O e t t i n g e r, der in den Soskinschen Vorschlägen eine Verkennung aller Tatsachen sieht. Erste Voraussetzung sei die Bewässerung der Ländereien. Das Vorhandene müsse erhalten und ausgebaut werden, statt immer mit neuen Versuchen zu kommen. Es sprechen noch weiter in der Palästina-Debatte Schetnkin, Dr. Nacht und Dr. Gottlieb. Ersterer sagt, daß unter den Einwanderern in Palästina genügend Handwerker aller Art vorhanden seien. Auch dieNachmittagssttzung bringtnichts Neues zurPalästinafrage. Etnigk Redner bemängeln, daß wie in der Politischen Debatte, so auch in der Palästina-Debatte fruchtbare Vorschläge ausgeblteben sind. Andere verlangen radikale Aenderungen in der Palästinaarbeit und werfen der Leitung Syftemlosigkeit und halbe Arbeit vor. Dr. Katzenelson fragt, ob man für die heutigen Einwanderungsbeschränkungen dieBalfournote gebraucht und was die Exekutive zur Aufhebung des Einwanderungsgebotes getan hätte. Mereminskt verlangt im Namen der „Zeire- Zion" die Schaffung von Ar Leiters tedlungsgenossenschasten. Zum Schluß spricht D. Jett in als Vtzebürgermeifter von Jerusalem und vertritt den Standpunkt der dortigen jüdischen Bevölkerung. , . ...;; . : * S L In der Abend sitz ung von Mittwoch wird von Sokolow unter stürmischem Beifall der Versammlung eine Begrüßungsdepesche der englischen Regierung verlesen, die wie folgt lautet: „Ich bitte, dem Kongreß die herzlichsten Wünsche der Regierung Sr. Majestät zu übermitteln, die bas Vertrauen hat, daß es Ihnen _ Der A»raettt.__ gelingen werde, Palästina wieder aufzubauen. Die Juden und Araber werden in einem glücklichen Lande vereint sein." Ingenieur Körner teilt mit, daß sich in Karlsbad eine „Vereinigung der jüdischen Ingenieure" konstituiert hat. Kaplanski verwahrt sich gegen den von Dyk ihm gemachten Vorwurf des Kommunismus. Trietsch sagt, seine und Soskins Vorschläge würden von Dr. Ruppin nur halb ausgeführt. Da er an sie nicht glaube, so komme alles kleinlich heraus. Die Kolontsationsziffer von 1000—2060 Pfund sei unmöglich. Kais ermann aus Kanada erwartet alles Glück vnn der freien Einwanderung. . Sodann ergreift Dr. Lurie das Wort zu seinem Referate über die hebräische Kulturbewegung, die eine längere Debatte verursacht. Ursprünglich war der Dichter Btalik für dieses Referat vorgesehen. Dieser lehnte aber ab. Dr. Lurie beschränkte sich auf einen g e-> nauen Bericht über den Stand des hebräischen Schulwesens. Seine Ausführungen ergänzen Dr. Schmarjahn-Lewin und Dav. Dell in. In der Kulturdebatte sprechen Rabbiner Ntemirower, Abg. Dr. Thon, Prof. Heinr. Löwe, Mossinsohn, Rabb. Gold aus Amerika und Dr. Blumenstock. Alle Redner verlangen die Hebräisterung des jüdischen Geistes. Die Entwicklung der hebräischen Sprache solle als der stärkste Aktivposten angestrebt werden. Bon den Forderungen für das Schulwesen würde kein Abstrich geduldet werden. „Wer dem Zionismus die Kultur nimmt, nimmt ihm die Seele." — Löwe verlangt auch Ausbau des Herzl-Museums und der Nntv erst täts- Bibltothek. — Rabbiner Gold sagt, die Massen in Amerika hätten kein Vertrauen zur zionistischen Leitung in Bezug arf das Schulwesen. Er beantragt die Trennung des Schulwerkes vom Keren-Hajessod und die Gründung einer speziellen Institution. Es wird ein Antrag auf Schluß der Debatte angenommen, ohne daß ein Vertreter des Misrachi zu Kultur- und Schulfrage das Wort ergriffen hätte. Aus den Kommissionssitzungen vom Samstag wird bekannt, daß dort die Legtos frage eifrig behandelt wurde. Mit Iabotinsty für Bildung einer eigenen jüdischen Legion gehen nur die palästinensischen „Poale Zion", während die Arbeiter in Europa und Amerika unter Führung Kaplanskis und Lockers grundsätzlich gegen die Legion sind. Die Delegierten der anderen Parteien stimmen nur für einen Ausbau des Selbstschutzes. Unter diesen Umständen läßt Jabotinsly seinen Antrag auf einen diesbezüglichen Beschluß des Kongresses fallen und wird sich mit einer stillschweigenden Genehmigung der Prager Beschlüsse zugunsten der Legion begnügen. Karlsbad, 13. September. Der Kongreß trat Sonntag Abend zur 18. Sitzung zusammen, um das neue Organtsattonsstalut zu beraten und anzunehmen. Die Phantastereien Lichth et ms, der noch immer von einem „werdenden Staat" sprach, fanden keinen Beifall) man behielt daher im Wesentlichen die alten Formen bei. Die 35 Kommissionen arbeiten fleißig weiterwahrscheinlich wird die Kongreßtagung bis Mittwoch verlängert. Der Montag war dem Keren Hajessod gewidmet. Es sollen nur 207° für Bodenankauf, 30% für wirtschafltche Anlagen und 50°/° für das allgemeine Palästina-Budget verwendet werden. Ostjuden ln Deutschland. Im Anschluß an einen in dieser Nummer erscheinenden Aufruf, schreibt uns das Jüdische Arbeiterfürsorgeamt u. a.: Um mannigfachen Vorurteilen, die auch heute noch bet manchen wohlmeinenden Westjuden in Deutschland verbreitet sind, entgegenMreten, ist . es notwendig, wenn man. Über Ostjuden in Deutschland sprechen will, kurz, aber nachdrücklich daraufhinzuweisen, daß das'oftjüdtscheMenschenmaterial, das in den Kriegs- und Pogromjahren 1919 und 1920 nach Deutschland gekommen ist, ein gänzlich anderes darstellt, als die vor dem Kriege zum Teil nur zu berechtigt als „Schnorrer" berüchtigten Wanderarmen. Die Entstehungsgeschichte der Ostjudensiedlung in Deutschland seit dem Jahre 1914 gibt uns über diese Verschiebung/in der Art der nach Deulschland gekommenen Ostjuden eine Aufklärung. Zunächst kamen die jüdischen Arbeiter nach Deutschland, die, zum Teil gezwungen, zum anderen Teil auf freien Arbeitsvertrag hin, in der deutschen Kriegsindustrie arbeiteten. Von ihnen ging ein Teil nach Kriegsende zurück, ein anderer Teil blieb hier, und auch von den Zurückgegangenen kehrte ein gewisser Prozentsatz, nachdem er die heimische Industrie teilweise vernichtet fand, nach Deutschland zurück. Sie waren an harte Arbeit gewöhnt und suchten zum Teil ihre alten Arbeitsstätten wieder auf. Als dann in dem Pogromjahr 1919 und dem Kriegsjahr 1920 eine neue Einwanderung etnsetzte, bestand auch diese wesentlich aus jungen, arbeitsfähigen und arbeitswilligen Menschen, die sich den Gewalttaten bei der Aushebung zur polnischen Armee und den Gewalttaten im Heeresdienst selber gegen die jüdischen Soldaten zu entziehen suchten. Sie alle, in der Heimat oft Bürgersvhne, oft gelernte Arbeiter der Lodzer Textilindustrie, von proletarischem Klassengeist im besten Sinne des Wortes erfüllt, suchten in Deutschland Arbeit, nicht Wohltätigkeit. Eine dritte Kategorie endlich sind diejenigen, die, nach Uebersee auswandernd, bei der Unsicherheit der ganzen Verhältnisse im „Heimatstaat" in Deutschland einige Monate Zuflucht suchten, bis die die Auswanderung heute so sehr erschwerenden Formalitäten von Amerika aus ihre Erledigung gefunden hatten. Auch der größte Teil dieser Durchwanderer hat sich in der Zeit seines Aufenthaltes produktiv im deutschen Wirtschaftsleben betätigt. . Das Arbeiterfürsorgeamt der jüdischen Organisationen Deutschlands, ursprünglich entstanden aus einer jüdischen Abteilung der Deutschen Gewerkschaften, hat in eigenartig zusanrnrenhängender Weise den politisch-konsularischen Schutz der jüdischen Arbeiter in Deutschland und ihre sozialfürsorgische Betreuung übernommen. Es gelang angesichts der besonderen Verhältnisse der ostjüdischen Arbeiter, für die es zum Teil auch bet anderen ausländischen Arbeitern keine Parallelerscheinung gibt, die Anerkennung dieser besonderen Lage durch entsprechende ministerielle Verfügungen zu erreichen. So konnte das Arbeiterfürsorgeamt, finanziell besonders durch amerikanische Gelder dazu instand gesetzt, daran gehen, die im Interesse der ostjüdischen Arbeiter selbst, im Interesse aber auch der deutschen Volkswirtschaft an einer sozialpolitischen Regelung der ostjüdischeu Arbeiterfrage in Deutschland liegenden Dezentralisierung der ostjüdischeu Arbeiter von den Großstädten fort, insbesondere in die Jndustriebezirke hinein, vorzunehmen. In Deutschland beträgt die Zahl der seit 1919 zugewanderten und hiergebliebenen Ostjuden höchstens 55 — 60000, von denen wohl über 35000 im Lande dezentralisiert sind und in der deutschen Industrie arbeiten, nur noch etwa 25—30000 befinden sich in Berlin. Durch die konsularisch-politische Tätigkeit konnten Erleichterung der Legitimierung, Schutz gegenüber antisemitischen Maßnahmen einzelner Behörden,Schutz vor unberechtigten Ausweisungen, die Produktivterung der ostjüdischeu Arbeiterschaft in Deutschland ermöglicht werden. Dazu kommt ausgedehnte soziale Fürsorge. Dieses ganze geleistete Werk ist zur Zeit schwer bedroht, da die bisher vom Amertkan Joint Distributions-Komitee zur Verfügung gestellten Subventionen eingestellt worden sind. Höchste Anstrengung der deutschen Judenheit ist erforderlich, um das notwendige Werk weiterzufüWn.

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