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Der Israelit · 1921-09-15 · Heft 37 (15.9.1921) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
62 (1921)
Issue
Heft 37 (15.9.1921)
Date
1921-09-15
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4. No. 37. Der Israelit. 15. September 1931 rieht der Exekutive nicht vorltegt. Zu einer Verständigung mit den Arabarn könne es nicht kommen, solange es der zionistischen Organisation an einer klaren Politik fehlt. Die Araber dürfen nicht als eine minderwertige Rasse dahingestellt werden. Man müsse der tatsächlichen Majorität den nötigen Respekt entgegenbringen, zugleich aber dafür sorgen, selbst dle Majorität zu erhalten. Er wünscht in der Exekutive eine straffere Rcssorteinteilung und ein tüchtiges Beamtentum. Er polemisiert zuletzt gegen Simon und de Lieme. - Dr. Arthur Ruppi n empfindet einen scharfen Gegensatz zwischen dem, was geredet wird und dem, was geschehen soll. Die Lage sei sehr ernst und dabei geht das Werk der Selbstzerfleischung immer weiter. Ec tritt mit scharfen Worten Simon entgegegen. Da man in der Nachmittagssitzung mit der Generaldebatte nicht zum Abschluß kommen konnte, wurde um 9,30 Uhr eine Nachtsitzung anberaumt. Simon und de Lieme verzichteten auf das Wort. Dr. Thon sagt, der Gerechtigkeit sei mit San Remo noch lange nicht Genüge geleistet, nun müsse man wenigstens sehen, diesen schwachen Erfolg sicherzustellen. Es sprechen noch Ussischkin, Sokolow und Weitzmann. Weitzmanns Worten folgt eine rauschende Ovation. Trotzdem kann ein eingebrachter Vertrauensantrag bei der erregten Stimmung nicht glatt durchgehen. Der Antrag, von Misracht e.ngebracht wird erst am Dienstag mit 348 Stimmen also mit der Mehrheit des Kongresses angenommen. Aus der vorhergehenden Rede Sokolows fand die Schilderung der Ereignisse in den Pogromtagen in Jaffa und seine Meinung über die Stellung Samuels zum jüdischen Helme großes Interesse. Samuel sei nach Palästina gekommen, um am Aufbau zu helfen. Aus der Rede Weitzmanns sei folgendes wiedergegeben: „Wenn Sie heute englische Imperialisten fragen, ob ihnen Palästina für ihre imperialistischen Zwecke nötig ist, so werden Sie ein glattes Nein! zu hören bekommon. Palästina ist vom strategischen Standpunkte nutzlos, und diejenigen, die sich etngebtldet haben, daß das jüdische Palästina notwendig ist für den Lebensnerv Englands im Suezkanal, haben sich geirrt. England mit seinem weltumspannenden Blick hat mehr als jede andere Nation verstanden, daß die Judenfrage wie ein Schatten über der Welt herumspaziert als eine ungeheure Kraft des Ausbaues und eine ungeheure Kraft der Destruktion. England hat uns verstanden und darin liegt vielleicht em kletnes Verdienst von uns, daß wir dazu beigetragen haben, daß es uns versteht. Und darum waren es nicht die englischen Generäle und die englischen Imperialisten, sondern die englischen JnlellektueUen, die zunächst zur Grundlage unserer Politik wurden. Valfour hat seine Deklaration schon lange vor dem Krieg erkannt. Der Krieg hat sie nur beschleunigt. Die zweite Grundlage unserer Arbeit war der Wille des jüdischen Volkes nach Palästina. Das waren die Grundpfeiler, auf denen sich das ganze Gebäude der Balfour-Deklaration, San Remo und das Mandat mit allen seinen Fehlern und Lücken aufgebaut hat. Ich kann hier dem Kongreß sagen und kann es auch M'.'.ienni bvn Brüssel. Ihre Hauptbedeutung erhält aber die Ausstellung, dadurch, daß sich nulee den 25 'Ausstellern alle hervorragenden englischen Privatsannnier altüghptischer .Siitnft befinden, und inan erhält erst jetzt eine» Ueberblirk davon, welche gewaltiaen ii'luii.»' ans diesem <Vieinet im Laufe eines Iahrhnnderts von Engländern znsainmengebracht lvorden sind. Zabbat/Inkang und Mrgang. '2 row- Ort: Anfang Datum Ausgang UhrjMtn. ir-211 5681 Uhr Min. Frankfurt a. M. 6 05 17. 14. 7 25 Berlin .... 0 15 Sept. Elul 7 01 München . . . 0 15 7 02 Straftbura . . — - — - Stuttgart. . . 0 - 7 15 Posen .... - - - — Nürnberg. . . 6 - 05 Hamburg . . . 0 10 18 belegen, daß es noch keinen Juden gegeben hat, der stolzer zu den Mächten gesprochen hat als wir. Wir wußten sehr genau, daß wir uns nicht auf Bajonette stützen können. Noch im Jahre 1918, während wir in Palästina unter Kanonendonner arbeiten mußten, verlangte der zionistische Kommissär von der englischen Reg'erung die Rückgabe der Tempelmauer an das jüdische Volk, ferner die Begründung der jüdischen Universität und die Uebergabe eines großen Teiles der brachliegenden Ländereien an jüdische Hände. Es war nicht meine Aufgabe, solche Bedingungen zu schaffen. Dazu haben wir Simon geholt. Wir haben ihm alle Karten in die Hand gegeben und alle Möglichkeiten und haben gesagt, sei fertig am 2. Juni, wenn am 1. Juni uns das Mandat erteilt wird. Und dieser 2. Juni kam und es vergingen Wochen, Monate und ein Jahr und du warst nicht fertig. Darum ist meine Arbeit auf das Diplomatisieren htnuntergesunken. Ich könnte eine lange Geschichte erzählen, wie wir den Weg nach San Remo gegangen sind. Auf der Londoner Konferenz standen wir alle hilflos da und diese Hilflosigkeit drückte sich aus in der ungeheuren Diskrepanz von einem Geschäft von vier Millionen, das Ussischkin mit den Palästinensern ausgearbeitet hatte. Und die Antwort der Amerikaner: „Meine Herren, wir wissen nicht einmal, ob wir Ihnen das kleine Budget bewilligen können, das wir Ihnen bis heute geschickt haben." Das war unsere Situation. Stolz hatten wir den englischen Staatsmännern erklärt, das jüdische Volk hat einen Sinn, das jüdische Volk hat Geld, das jüdische Volk hat Menschen, aber dieses jüdische Volk machte uns eine Bankrotterklärung. Dann kam es so, wie es gekommen ist. Ich bin zu keiner Strafexpedtiion nach Amerika gefahren. Ich bin hingefahren, um als ein neuer jüdischer Kolumbus das jüdische Amerika zu entdecken. Zwischen uns und Amerika stand eine eiserne Wand, die ich mit meinem armen Kopf durchbrechen mußte, weil kein anderer da war, der es tun konnte oder wollte. Ich habe auch von Brandeis eine hohe Meinung. Als ich nach Amerika kam, sprach ich mit ihm Ich erzählte ihm alles über Palästina, was ich wußte und was ich fühlte. Ich sprach auch von dem heranziehenden Gewit'er, das später wirklich ausgebrochen ist. Als ich fertig war, bat Brandeis mit mir — über das Wetter gesprochen. Damit war Brandeis für mich fertig und für Sie auch. (Lebhafter Beifall.) Das Mandat ist publiziert und kann jetzt keine Abänderung erleiden, mit einer Ausnahme, die ich mitleilen will: Transjordanien, das noch im ersten Text des Mandats außerhalb des Mandatsbereiches war, ist jetzt in das Mandat eingeschlossen. (Beifall ) Die Nordgrenze ist wie immer unbefriedigend. Wir haben alle Vorpellungen gemacht, wir haben alle Gründe angegebe i und gerade die englische Regierung hat in dieser Beziehung alles getan. Wir haben diese Grenze nicht bekommen und es tut mir leid, Ihnen das sagen zu müssen. Das einzige, was wir bekommen haben, ist die Konzession, in den Wasserrechlen mitsprechen zu dürfen. Jetzt noch, vor einer Woche, als die Administration in Palästina durch das Treiben einiger Soldaten die Grenze ändern wollte, haben wir auf das schärfste protestiert und haben die Grenze estgelegt. Das ist freilich nicht befriedigend, aber mit den Kräften, die uns zur Verfügung standen, war nichts anderes zu erreichen. So ist es auch mit dem Mandat. Nun zur Araberfrage. Es scheint mir, als ob dieser Kongreß die Araber entdeckt hätte. Im Jahre 1918 setzten wir uns mit den Arabern in Verbindung, die wir erreichen konnten, und Fatsul war kein Notabel, er war das Symbol der arabischen Freiheit, wie sie die Araber verstanden, denn er kämpfte für diese retheit. Wir setzten uns mit ihnen unter größten chwierigkeiten in Verbindung. Diese Verbindung?« sind nicht abgebrochen, aber mit dem Apparat, den wir besitzen, ist diese Arbeit ungeheuer schwierig wegen der Atomisierung der Araber und deswegen, weil die Araber in 3 oder 5 großen Zentren konzentriert sind. Wenn wir heme zionistische Bureaus oder politische Bureaus in Bagdad, Kairo, Jerusalem, Damaskus und Marokko einrichien würden, um mit den Arabern zu verhandeln, so würden Sie uns diese Bureaus aus unserem Budget streichen und wieder lächeln wie über das Pariser Bureau. Nach meiner Ueberzeugung kann die Zusammenarbeit mit den Arabern auf zwei großen Linien geschehen: Auf der Linie des ökonomischen Zusammenwirkens in Palästina und aus der Linie des kulturellen Zusammenwirkens in den großen Kulturzentren der Araber. Wir sollten heute unsere besten Männer in die großen Zentren der arabischen Kultur enden und mit ihnen das Zusammenwirken Herstellen, das schon vor Hunderten von Jahren existierte und das wieder existieren wird. Auf der Aktionskomiteesitzung im Jahre 1919 sprach ich vor Ihnen über das zroße arabische Dreieck, dessen Endpunkte Mekka, Bagdad und Damaskus sind, und ich sagte, daß in diesem Dreieck unsere große arabische Arbeit einsetzen muß. Der Kontakt mit der englischen Regierung ist nach der Meinung einiger Herren ein schlechter. Herr de Lieme hat es für notwendig aesunden, zu sagen: Na ja, was für einen Eindruck kann Herr Cowen bei der englischen Regierung machen? Herr de Lieme, was wissen Sie darüber? Waren Sie einmal bei der englischen Negierung und wissen Sie, welchen Eindruck er macht? Und wenn Sie das wissen, so ist es Ihre verdammte Pflicht und Schuldigkeit, Cowen zu stärken und nicht zu schwächen (Lebhafter Beifall.) Der Vertreter der zionistischen Organisation, der zur englischen Regierung geht, hat das Vertrauen und muß das Vertrauen haben. Es ist leicht, unsere Männer zu zersetzen und damit hat man sich hier fleißig beschäftigt, noch viel mehr außerhalb dieses Kongresses, in der zionistischen Presse. Während wir in Paris waren und Sokolow die undankbare Aufgabe hatte, über die Grenzen zu verhandeln, erschienen in einem zionistischen Käseblättchen zehn Artikel aus der Feder eines Mannes, der eine Autorität in der Bewegung hat, die uns als englische Agenten hlnstellten. Das brauchte man gerade, um die Grenzangelegenhett zu erschweren. Ich bitte die Herren von der Rechten und von der Linken zu verstehen, was die französische Regierung Herrn Sokolow erwiderte. Der Zionismus würde benutzt, um den englischen Imperialismus zu maskieren. Die Franzosen sagten: „Wir interessieren uns nicht für dieses Terrain, wir wollen es aber den Engländern nicht geben." Als wir sagten, nicht England, sonder wir brauchten diese Grenzen und das Wasser sei für die ökonomische Entwicklung Palästinas notwendig, da brachte man nur die Artikel, um zu beweisen, daß wir englische Agenten find. So haben wir Stich auf Stich bekommen. Sabotiert wurde die politische und finanzielle Arbeit, sabotiert die Organisation und die Agitation. Und jetzt verlangen Sie von mir Resultate. Ich habe alles gegeben, was ein Mann geben kann. Gebet ein Zehntel davon, dann wird der Keren Hajessod voll und stark sein. (Tosender Beifall.) Ich komme nun auf Samuel zu sprechen. Samuel ist unser Freund. Er hat mit uns redlich gearbeitet vom ersten Moment an. Er hat auf unser Verlangen von unserer moralischen Autorität gestärkt, den schweren Posten angenommen. Samuel wird noch heute in einem Memorandum von den arabischen Delegierten als Ztonistensührer verschrien. Er ist also in der Situation, von beiden Seiten Schläge zu bekommen. Er hat große Fehler begangen und ich bin bereit, dem politischen Komitee meinen Briefwechsel mit Samuel vorzulesen. Sie werden sehen, daß wir mit ihm scharf gesprochen haben. Aber er ist unser Samuel, er ist ein Produkt unseres Judentums. Vergessen Sie nicht: Erez Israel und Palästina sind nicht identisch und werden auch für lange Zeit nicht identisch sein. Samuel ist Oberkommissär für Palästina und wir sind Oberkommissäre für Erez Jisroel. Es werden Zeilen kommen, wo diese zwei Obeikommissäre vielleicht gegeneinander werden arbeiten müssen. Aber wir haben ihn auf die Stelle gebracht und haben ihn zum Teil dadurch geschwächt, daß wir nicht mit ihm gearbeitet haben. Wir dürfen die Hand gegen Samuel jetzt nicht heben, denn Sie wissen nicht, was nach ihm kommen wird. (Sehr richtig!) Es wlrd notwendig sein, daß unsere besten, klügsten und energischesten Männer von diesem Kongreß aus zu Samuel gehen und ihm sagen, was wir von ihm verlangen, und ihm die Mittel bieten, das durchzuführen. Das müssen wir tun, bevor wir gegen ihn demonstrieren. Die Briefe und Dokumente stehen dem Kongreß zur Verfügung. Nun noch einige Worte zur Palästina-Frage. Nach der Meinung unserer Experten soll es möglich sein, auf diesen Ländern, wie die Sanguiniker sagen, 300.000, und wie die wenigen ovtirnlsiischen, IOO.OuO Leute anzustedeln. Wenn Sie 100.000 Leute auf diesem Gebiete verankern, so ist der Nero Palästinas, der Jordan und die Küste, jüdisch und damit Palästina jüdisch. Das ist der Kernpunkt des Problems. Ob es 3 Millionen oder 8 Millionen kostet, das muß in den nächsten 3 bis 5 Jahren gemacht werden und das ist möglich für das große jüdische Volk. Das ist der Zentralpunkt der Aufgabe, die dieser Kongreß sich stellen muß. Wir sind viel weiter gekommen in Palästina, als wir denken. Wir haben den Wald vor lauter Bäume« nicht gesehen. Es bedarf einer verhältnismäßig kleinen Anstrengung und die Sache ist vollbracht, denn es ist nicht eine Frage der numerischen Majorität, es ist die Frage der Verankerung einer größeren produktiven jüdischen Menge. Wir haben den Boden, wir haben die Pläne, wir haben die Möglichkeit und wir können das Geld Inden, ob in Amerika oder nicht in Amerika, es wird )a sein, wenn Sie alle so arbeiten, wie es nötig ist. So liegt die Aufgabe." Der Rede folgt tosender Beifall. Es sprechen noch in später Nachtstunde Professer Marburg und Sosktn. Während der Plenarsitzungen am Montag und Dienstag arbeiteten die Kommissionen in Permanenz. In der Politischen Kommission referierte Weitzmann über die Grenzfrage, die Beziehungen der Exekutive zum englischen Kabinett und die Verhandlungen mit Samuel. Sokolow und Jabottnsky sprachen über das Mandat. Die Verhandlungen sind streng vertraulich, doch weiß man, daß die Kommission die Erklärungen Samuels als im schärfsten Widerspruch zu den Anschauungen der englischen Regierung stehend hält. In der Kolonisationskommission sprachen noch ferner Oetttnger über das Budget

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