Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 62 (1921)
- Issue
- Heft 37 (15.9.1921)
- Date
- 1921-09-15
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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15. September 1SZ1. Der Israelit. Nr. 37. Seite 8 zu kommen, so wird er gleichgültig ausgenommen. In verschiedenen Fällen hat der Waad Hazirim sie wohl unterstütztaber die Bedingungen waren so, daß es für den misrachistischen Chaluz unmöglich warunter solchen Bedingungen zu leben. Die Beziehungen der Linken zu uns sind leider gespannte. Wir können in den Küchen nicht mitessen, weil sie nicht rituell geführt werden. Ich frage die Chawerim von links: Ist denn das Freiheit, daß man die Leute zwingen will, ihre Ueberzeugung zu opfern? Ihr wollt andere religiösen Gefühle mit Füßen treten. Wir sagen klar und deutlich, daß die Arbeiterorganisation nicht das Recht hat, im Namen aller Arbeiter zu sprechen. Es gibt auch einen misrachistischen Arbeiter. Wir fordern, daß die Bank Hapoalim auch den misrachistischen Arbeiter unterstützt. Wir fordern auch, daß von den Geldern des Keren Hajessod auch dem misrachistischen Chaluz bis Jaffa pekuniäre Unterstützung zuteil wird und daß unser Keren Hechaluz unterstützt werden soll. Wir wollen nicht den Weg der Linken gehen, die im Zionismus nur Sozialismus und nicht das gesamte Judentum sieht. Wir wollen diesen Weg nicht gehen, weil wir zu unserer alten Kultur zurückgehen und sie in ihrer Blüte sehen wollen, wenn wir in das Land unserer Väter zurückkehren. Der Zionismus wird nur dann sein, wenn er im Geiste jüdisch ist." Kaplanski spricht im Namen der rechten Poale Zion. Er wirft der Leitung Versäumnisse bei den Verhandlungen mit den Arabern vor. Er fragt, wie es komme, daß die Delegation in London mit Faisul nicht verhandeln wollte, ehe er die Balfour-Note anerkannte, während Vertreter der Leitun.g im Nationalrat vorgeschlagen hätten, eventuell von derBalfour-Deklaration abzusehen. (Große Unruhe, Zwischenruf: „Es ist wahr!") Auch in der Einwanderungsfrage habe die Leitung völlig versagt. Es ergreift dann,'stürmisch begrüßt, Jabotinsky das Wort. Er polemisiert gegen Simon und de Lteme und tritt für das Schulwerk ein, das der neue Jischuw aus eigenen Mitteln nicht erhalten kann. Privatinitiative könne es in Palästina nicht geben. Die Neuankommenden seien zumeist wirtschaftlich ruiniert oder verfügen über ganz wertloses Geld. Die sanitären Bedürfnisse oer jüdischen Bevölkerung sind wett größer, als die der Araber, welche an das Klima eher gewöhnt sind. Es müsse aber mit Aufwand aller Kräfte gearbeitet werden, daß jüdischer Besitzstand erhalten bleibe. Er wirft Simon und de Lieme völlige Unkenntnis des Landes vor. Scharfe Worte hat er für die Amerikaner, mit denen ein weiteres Paktieren nicht mehr möglich sei. Man könnte Brandets nicht die Führung übertragen, ohne die zionistische Idee zu gefährden. Er bespricht dann kurz die Frage der Legionen. Das Araberproblem sei wohl sehr schwierig, es müsse aber am Ende doch gehen. Die Notwendigkeit der Legion hätten die Pogrome in Jerusalem und Jaffa reichlich bewiesen. Jabotinsky teilt mit, daß er nach seiner Begnadigung, die zusammen mit der eines Arabers vor sich gegangen ist, an Samuel telegraphiert hätte: „Begehen Sie nicht diesen Fehler, stellen sie mich nicht auf eine Stufe mit diesen Schwarzen!" (Martin Buber ruft dazwischen: „Es sind keine Schwarzen", Jabotinski: „Ich meine moralische Schwarze".) Er verwahrt sich dagegen, eingeschworener Revolutionär zu sein. Als man ihm sagte, es scheine gut, mit England zu gehen, so scheute er vor einer Verbrüderung mit der Aristokratie nicht zurück. Er arbeite für Palästina und „wenn er sich mit den Teufeln verbinden müßte". Dr. Schmarjahu Lewin unterhielt die Versammlung Mit geistreichen Redewendungen, die einen heiteren Ton in die ernsten Verhandlungen hineinbringen. Zum amerikanischen Konflikt sagte er: „Die Messiaszeit ist angebrochen, und dabei feilschte man ein ganzes Jahr lang zwischen New-Aork und London um eine zwanzigprozentige Ravatigewährung des Messias! . . ." In der Araberfrage gehe er nicht mit Jabotinsky einig und möchte von einer Teilung des Landes nichts wissen. Die hebräische Universität in Jerusalem würde ein großer politischer Faktor werden. Präsident Dr. Mozttn spricht über die Londoner Konferenz. Er sagt u. a.: „Die Londoner Konferenz war für uns ein schwerer Schlag, weil 90pCt. von uns den Sinn für die Organisation verloren haben. Wir selbst denken verächtlich über die Organisation. Manche von uns haben jahrelang für die Idee gearbeitet, ehe es eine Organisation gab. Wir mußten sie aber schaffen, weil wir sonst die Idee nicht hätten verwirklichen können. Als aber ein Teil der formalen po iti'chen Forderungen verwirklicht erschien, glaubten wir, die Organisation entbehren zu können. Die Londoner Konferenz hat die Bewegung geschwächt. Es war ein Lotieriespiel unter der Annahme, daß wir einige große Männer gewinnen könnten. Um ihnerr entgegenzokommen, war man zu Konzessionen bereit. Es entspann sich dann der persönliche Kamps. Für mich ist nichts so schmerzlich, als daß ich gegen das System Brandeis sprechen muh, weil ich Brandeis für eine der bedeutendsten Persönlichkeiten halte. Aber ich habe einen schwachen Zionisten in ihm gesehen. Er war im Jahre 1910 jüdftchnational, im Jahre 1920 hatte er nur uiehr eine jüdische Tradition. Die Brandeis-Gruppe ist nicht mehr auf unserem Wege. Hier handelt es sich um die Grundfrage des Zionismus. Wenn man uns diese nimmt, hat der Zionismus jedes Interesse verloren und existiert auch für das jüdische Volk nicht mehr. Man muß die Leute ermuntern, welche für Palästina arbeiten wollen, aber wir müssen erst eine starke Organisation und eine feste Bewegung haben, um das tun zu können. Schwer liegt auf uns die Tatsache, daß starke Persönlichkeiten in Amerika und anderwärts aus dem Zionismus ausgeschieden sind." Zu Beginn der Sitzung wurde ein Beschluß des Parlamentsausschusses mttgeteilt, die Mandate derDelegierten aus Sowjetrußland, und der Ukraine nicht voll anzuerkennen. Davon werden 78 Delegierte betroffen, die nur in den Kommissionen Sitz und Stimme haben, im Saale aber nicht stimmberechtigt sind. Damit wird einerseits der Tatsache Rechnung getragen, daß die Voraussetzungen in diesen Ländern für die Wahlberechtigung der Delegierten nicht gegeben sind, andererseits wird die Arbeit und A.ühewaltungder Delegierten unter den dort herrschenden schwierigen Verhältnissen auf diese Weise geehrt und belohnt. Inzwischen wird auch die Botschaft des Oberkommissars in Jerusalem Herbert Samuel an den Kongreß bekannt, zugleich auch sein Weißbuch über die Lage in Palästina. Das Telegramm des Oberkommissars lautet: „Ich sende meine herzlichsten Grüße an den Zio. nistenkongreß, dem die Bedingungen zu seinem Zusamwer,treten gegeben sind. Ich vertraue darauf, daß seine Beratungen zu Fortschritt und Frieden in Palästina führen werden, denen meine Bemühungen gewidmet find Herbert Samuel." (Beifall. — Protestrufe bei der Linken. — Großer andauernder Lärm.) Es werden dann noch Mitteilungen über Bildung wichtiger Kommissionen gemacht. „Eine politische Kommission und eine Organisattonskommission zählen je'45 Mitglieder. Eine Palästinakommisston hat 180 und eine Finanzkommtssion 120 Mitglieder. Die Palästinakommission besteht aus einer Einwanderung une einer Schulkommtssion. Die Finanzkommission wird sich in eine Kommission für Finanzen der Organisation, für die Finanzinstitute und sür den Palästina-Ausbaufonds (Keren Hajessod) teilen. Es liegt ferner der Antrag aus Errichtung einer Nechnungskommission vor, welche die finanzielle Grundlage und die Berechnungen für die Arbeit in Palästiua überprüfen soll. Es ist auch eine Kommission gebildet morden, welche die Haltung der Beamten der Organisation und ihrer Institute untersuchen und darüber deni Kongreß berichten wird. Am Montag vormittag wird die siebente Sitzung durch So ko low eröffnet. Dr. Ko llenscher-Posen führte ungefähr folgendes aus: „San Remo ist für uns eine Chance, aus der wir das jüdische Palästina machen können. Darin sind wir noch weit zurück. Die Tatsache, daß die amerikanische Gruppe fehlt, ist ein Fehler und em Unglück. Es ist gelungen, aus Brandeis, dem Ehrenpräsidenten, einen Gegner der Organisation zu machen. Das Wichtigste ist jetzt die Sammlung der gesamten Judenschaft. Das ist möglich auf Grund des Basler Programms, das von Weitzmann wie von Jabotinsky hier zitiert worden ist. Es sind lauter Phrasen, die hier gebraucht werden. Herr Buber spricht sogar von einem Feuerbad, durch das wir hindurchgehen müssen. Mit diesen Fragen wird man keinen Hund vom Ofen locken. (Stürmischer Beifall) So kann man vielleicht einen Wotan- Kult begründen, aber keine zionistische Organisation. Die Herren von der Rechten haben wenigstens eine positive Grundlage, auf der sich eine Kultur nnsbauen läßt. Phrasen aber, wie w i r sie hier gehört haben, sind ein Luftgebäude und kein Programm. Wir können kein weiteres Bekenntnis als das des Basler- Programms verlangen." Kurt Blumen selb bemängelt, daß ein Begab ihm Rabbi Chanina die wertvollen Ziegen, weit entfernt, auch nur einen Dank zu beanspruchen für die aufgewendete Mühe und Sorgfalt. Man berichtet von R. Simeon ben Schetach, daß er einst von einem Araber einen Esel kaufte, an welchem seine Schüler später eine kostbare Perle entdeckten, die sich am Halse befand. Freudestrahlend riefen sie ihrem Meister zu: „Rabbi, Gottes Segen macht reich"! Aber Rabbi s2 stpvL» erklärte. „Einen Esel habe ich gekauft, nicht aber eine Perle"* Darauf ging er zu dem Araber und brachte ihm den' Schatz zurück. Gerührt rief der Nichtjude aus: „Gelobt sei der Gott des Rabbi Simeon tun Schetach"! So hatte das redliche Verhalten selbst einem Heiden gegenüber den größten vnp ausgelöst. l'2 rraio rwrram pa Wohlverha ten im Umgänge mit den Menschen. Unsere altjüdischen Weisen waren feinfühlige Kenner der Menschennatur. Für taktvolles Benehmen und bessere Sitten gaben sie uns manch hübsches Geleitwort mit auf den Lebensweg. Man befleißige sich nicht, oft größere Gesellschaften in sein Haus zu laden. Es führt nur zu üblen Folgen, entsprechend dem Bibelverse (Sprüche Salom.): „Der Mann der Gesellschaften fügt sich Leid zu". Rabbi Chijah bar Abba tadelte es, wenn ein Thoragelehrter mit auffällig geflickten Schuhen sich auf der Straße zeigt. Die Todesstrafe verdient er, wenn er Schmutz aus seinen Kleidern leidet. (Weil er in seiner Person die Würde der Thora erniedrigt). Raw Jehuda lehrte in Samuels Namen: „Man verkaufe dle Balken seines Hauses, um Schühwerk für die Füße, sich anschaffen zu können". (Barfußlausen war verpönt). Rabbi Josua ben Levi sagte: „Man bringe nie ein häßliches Wort aus dem Munde". Rabvi Jsmael lehrte: „Drücke dich stets in vornehmer Sprache aus". Bor einem Rabbi süßen einst zwei Schüler. Von einem größeren Lehrvortrag ermüdet, meinte der eine: „Mich machte der Vortrag so müde wie ein Ztegenböckletn". Der andere sagte: „Mich machte er matt wie ein Schwein". Da würdigte der Meister den Letzteren nie mehr seines Umganges. Leere dein Glas nicht in einem Zuge: das wäe gierig. Auch nicht in drei Zügen; darin liegt Zimperlichkeit und Hochmut. In zwei Zügen — das ist normal und ordnungsgemäß. Iß lieber Zwiebel und sitze zufrieden an deinem Tische, als fette Hühner und Gänse mit pochendem Herzen (in der Fremde). Spare lieber am Essen dir's ab, damit du eine bessere Wohnung dir zu verschaffen vermagst. „Wodurch hast du ein so hohes Alter erreicht"?, fragte man einst den Raw Adda bar Ahabo. Er antwortete: „Meine Lebtage zürnte ich nicht in meinem Hauseniemals schritt ich vor einem Manne einher, der mich an Wissen überragte. Ich zeigte nie Schadenfreude dem Nächsten gegenüber und rief keinen Menschen mit einem Spitznamen". Sagen dir alte, erfahrene Leute: „Reiße ein"!, so folge ihnen. Raten junge Leute zum Aufbanen, höre nicht auf sie. Wer seine Frau lieb wie sich selbst, sie aber ehrt mehr als die eigene Person, seine Söhne und Töchter auf den geraden Weg leitet und sie möglichst bald ehelich versorgt, auf den scheint der Vers (Jjob) gemünzt: „Wisse, daß dein Zelt ein friedliches ist". (Forts, folgt). Kleines Feuilleton. (Ein Palästina-Neisespiel) von Adele Sand ler ist rechtzeitig zu den Feiertagen tm Verlage „H ajele d" Charlottenburg, Droysenstr. 6 erschienen, das sich durch gefälliges Aeußere und einen sür die Kleinen äußerst anregenden geistigen Gehalt auszeichnet und gewiß rasch in das jüdische Haus Eingang finden wird. Spielend gewinnen die kleinen Reisenden Einblick in die Geographie und Landeskunde Erez Israels und auch manche geschichtlichen Daten, in Verbindung gebracht mit dem lebendigen Heute, verlieren ihre Schrecken, wenn sie so im Spiele in Fletsch und Blut übergehen. Die litographierte Landkarte in fünf Farben niit zwei Würfeln und sechs bunten Steinchen lernt sich rnit Hülfe der beigegevenen Erklärungen leicht handhaben. Der Preis des Spieles, 24 Mk., ist den heutigen Zeitverhältnissen angemessen. (Eine attägyptische Kunstansstellung in London.) Ter bedeutendste englische Verein von Kunstneuudeu, der Burlington fine Arts Club, bieft't jetzt zul'i zweitenmal in den 25 Jahren feines Bestehen-? eine Vorführung altäghptifcher Kunstwerke dar. Auf dieser Ausstellung, die einen überraschenden Reichtum von Tenkinälern des Nillandes vereinigt, find mehrere offizielle wifferrfchaftliche Institute vertreten. So hat die von Professor Zunders Petrie gelettele Britische Archäologische Schule in Aegypten eine Auswahl ihrer neuesten Ausgrabungen" ansgesteltt, dann das Eton-Coliege, das die schöne Saiiiiimlng Mhers besitzt, das ilniberfith-CvUege von London, das Universitäts-Museum von Manchester und das Aegyptische