Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 62 (1921)
- Issue
- Heft 36 (8.9.1921)
- Date
- 1921-09-08
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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8. September 1831 Der Israeli». Nr. 8« Sette 7 auch in jedem Kindchen ein Geschenk Gottes sehen, aber sie kann es nicht. Herrgott, zu schwer, über ihre Kraft schwer trägt sie an des Lebens Bürde. Es hungern die Kinder in enger Stube, und nun wird sie nicht mehr verdienen können, wenn ein kleines Wesen wieder ein neues Glied in der Kette ihrer Mühsal bildet. Schon schlafen sieben Menschen in einem Raum, und an Schuhen fehlts. an Wäsche, an Nahrung, und nun eine neue, große Sorge. O, aller Schmerzen tiefste Qual, sich nicht freuen können an einem Kindchen, mit Zittern und Tränen dem Tag entgegengehen, erliegen unter des Lebens bitterster Not. Und dann sagt Euch einmal langsam, ganz langsam laut die Worte vor: Helfen wollen, helfen können! Ja, Ihr könnt es, wir alle können es. Es kostet uns nur ein wenig Verständnis, ein wenig Selbsterziehung — und viel Liebe. Wir freuen uns mit Freunden, nwMU^fle,,Feftefeiern und schicken ihnen Blurpen. ' m - Warum? Wir wollen Freude bekunden und Freude machen. Nun wohl! Laßt uns so an unsrer Erziehung arbeiten, daß es uns gelingt, die edelsten und schönsten Freuden in Linderung von-Not und Elend, zu erblicken. Stellen wir die Convenienz, die mächtige Beherrscherin des Alltags, in den Dienst edelster und schönster Menschenliebe! Anstatt der Blumen, die wir in natura schicken- | laßt uns Blumen zaubern.auf die bleichen Wangen hungernder Kinder, laßt uns- Hilfe,, Rettung bringen notleidenden Müttern! Die Jüdische Fraüen-Bereinigung hat, einer schönen Anregung an dieser Stelle folgend (siehe: „Blumen und Hunger Nr.?) eine Blumenabiösnng ins Leben gerufen.*) Denkt daran, Ihr Alle die Ihr Euch freuen dürft, und dann sagt Euch langsam, ganz langsam, und laut die Worte vor: „Helfen wollen, helfen können; Helsen wollen: helfen können"! Iran Marianne Stiebet 7>"^. Mit Frau Stiebe! ist eine rown ntPK in fast vollendetem jflKtzfgsten LßhenSjahr von hinnen gegangen. Sie warsein - Kind. :eiper„gcht jüdischen bayerischen Gemeinde aus guter alternZeit, und sie hu die Tradition ihr Lebenlang hoch und heilig gehalten. In dem mittelfränkischen Burghaslach in einem von jüdischem Geiste erfüllten Hause groß geworden, war ihr nur ein kurzes Eheglück befchieden gewesen. In jungen Jahren verwitwet, kehrte sie in das elterliche Haus zurück. Vor 36 Jahren, nach des Vaters Tode siedelte sie mit ihrer Mutter nach Frankfurt über, und auch hier lebte sie ein vor Gott und Menschen wohlgefälliges Leben. Sie war sicher die treueste Besucherin des Gotteshauses. Nicht Wind und Wetter konnten sie zurückhalten, als Erste im rwun nn zu erscheinen. Ihre Andacht beim Gebete war ein Ausfluß ihres tiefen rvvnrt. Und wie im Gotteshause, so hat sie in allen Lebensverhältnissen ihre jüdische Pflicht in Vollkommenhett geübt. Mit ihrem gütigen . Auge, mit ihrem milden Worte war sie allzeit bestrebt, selbstlos und ohne Eigennutz nur das Gute zu tun. Die minutiöse Beachtung und Ausführung der nisjö war bei ihr eine Selbstverständlichkeit. Mit Gottvertrauen und Gottergebenheit hat sie alles getragen, was ihr befchieden war. Sie war höflich und liebenswürdig, zuvorkommend und gastfreundlich gegen jedermann. Ähre Pensionäre haben an ihr wie an einer Mutter gehängt. Ihre wahre, im Stillen geübte Wohltätigkeit, ihre Gefälligkeit, ihre Friedensliebe, ihr werktä- *) Fernruf Nr. 12825, Postscheckkonto 42 258. tigeö Eintreten, wo es galt, die Not anderer zu hebere sind der beste Beweis, daß dieses edle Herz, das nun aufgehört hat zu schlagen, von reinem Feuer echter Menschenliebe durchglüht war. Geradezu rührend war das Verhältnis zu ihrer Stütze, die — es mutet uns wie eine Sage aus längst vergangener Zeit an - 29 Jahre wie eine Tochter in ihrem Hause ist. Am p'w, am n“*i my ist ihre reine Seele in jene lichten Höhen emgegangen, in denen ewig Sabbat ist. Und wenn auch kein Kind um die Verblichene weint und klagt, im Herzen ihrer Verwandten, denen sie in inniger Liebe zugetan, im Herzen ihrer vielen treuen Freunde wirdfMrau Stiebe! weiterleben in ehrendem, vorbildlich wirkenden Angedenken. n"am Diuimkrtrs. Der DinimkurS des Herrn Red. Schachnowitz in der A. I. Mädchengruppe wird wieder aufgenom« men und findet je am Montag (Beginn Montag den 12. dss.) abends 8^.Uhr in den Räumen der Jugend- ^gruppe,"Haüaüerlandstr:^7, stalt. Gelernt werden zur Zeit die' Dtnim von „Jomim nauroim." Aus den Aücheru des „KHofez Hhajim." In der D^>nn man, Schwanenstraße 8, trägt je am Sabbat 4—5 Uhr nachm, und Snnntag 5—6 Uhr nachm HerrRabb. Drafnin aus den unvergleichlichen Werken des pcn vor. Neue Teilnehmer sind will» kommen. Zu einem Abendschiur, der alltäglich jungen Leuten Gelenheit zum Lernen bieten würde, werden Meldungen entgegengenommen. Zürn 40 jährigen Amtszuvikäuw. *) Grüß Gott Dich, Alter! Atter — sag' ich? Nein! Zwar der Geburtsschein trug dein Alter ein — Ich mein — der Staudesmann hat sich verschrieben, Denn mit der Jugend bist Du jung geblieben. War schwer zuweilen! Was Dir ward zur Zucht. Wuchs ja nicht stets am Baum der Edetfrucht. War holzig manchmal, krüpplig wurmbenagt — Du hast Dich redlich doch damit geplagt! Die Arme aufgestreift — so griffst du zu! Was schief und faul war, ließ Dir keine Ruh' Mit Deiner kernhaft frommen Art und Macht Hast Du dann alles doch zurecht gebracht. Glück auf! Wir wußten uns beschirmt, beschützt, Von Deiner starken Hand gehegt, gestützt, Und ging's auch manchmal etwas hitzig her — Wer tut gerechtem Zorn nicht an die Ehr'? Nun sitzest Du immer noch am Gartentisch Und rautst aus Wiesen aus den Wegerich, Und s' wimmelt um Dich schon das Enkelkind Und hat Dich grad so lieb wie wir geschwind. Grüß Gott Dich, Junger! Zieh' den Schurz nicht aus! Beileibe nicht! Bleib nur noch nicht zu Haus! Manch' gülden Körnlein streu' noch aus als Saat - Du bist kein Ruher! Bist ein Mann der Tat! M. Sp. *) Lehrer Moses Kaufmann von der Realschule der „Israelitischen Religionsgesellschast" zu Frankftirt a. At. feierte jüngst sein 40-jühriges Dienstjubiläum, das mit Ansprachen des Schulrates und Vorstandes. Chvrgesang und Ueberreichung eines silbernen Pokals festlich im engen Kreise begangen wurde. Aus dem ersten Jahrgang seiner Schüler meldet sich bescheidentlich einer zum Wort. Vereinskalender. Verein Mekor Chajim. SamStag vorm, nach Schluß der Synagoge „Dtnim"; Herr Rektor Falk. — JahrzeitSsttftungslernen Mendel Apelt-Stiftung. — mittags 12»/4 Uhr, im Hörsaale Friedberger Anlage: „Mikro"; Herr M. Markus. — nachm. 4»/4Uhr Im BerelnSlokale: „TefillohkurS" Herr Red. S. Schachnowttz. — JahrzeitsstiftungSlernen Isidor Heller-Stiftung. Sonntag vorm. 9'/« Uhr und Dienstag nachm, eine ^Stunde vor Mtncho, im BeremSlokale: „Gemoro"; Herr R. A. Posen. Montag und Mittwoch abend7Uhrr „Gemoro"; Herr Dr. Jos. Breuer. Donnerstag abend eine Stunde vor Mincho: „Mifchna"; Herr Rektor Falk. Allmorgenlich Mtschnalernen im Hörsaale. Allabendlich 8»/. Uhr: „v"v»-Lernen im Vereinslokale; Herr H. Halpern. Agudas Jisroel-Jngendgrupve. Sonntag vorm. 7 Uhr: „Gemoro Sanhedrin"; 8 Uhr: „Rasch!"; Herr Leopold Oppenheimer. Montag vorm. s/47 Uhr: „Gemoro Sanhedrin". Dienstag vorm. »^7Mr;, „Gemoro Sanhedrin"; — abends 8 Uhr : „Gemoro Beza", Herr Dr. Hofmann. Mittwoch vorm. */47 Uhr: „Gemoro Sanhedrin". bendS 8^/4 Uhr: „Rewitm"; Herr Simon Unna, Kleine Obermatnstr. 39. DonnerStagvorm.3/47Uhr: „GemoroSanhedrin". Freitag vorm. 3/47 Uhr: „Gemoro Sanhedrin". SamStag vorm. 91/* Uhr: „Gemoro Suckoh"; Herr Dr. I. Posen, - 11'/, Uhr: .Gemoro"; Herr H. H alp ern. - lls/4 Uhr: „Mifchna"; Herr A. Hirschberg. — nachm. 5 Uhr: „Gemoro Suckoh" für Anfänger; Herr Leop. Oppenheimer. Allabendlich '/. Stunde vor Nacht findet Lernen von wechselnden Dozenten statt, AgudaS Jisroel-Mädcheugruppe. Samstag vorm. 11'/, Uhr: „Sidrah-Bortrag"; Herr Louis Kahn.- nachm. 4 Uhr: „Thauro"; Herr Lehrer A. Htrschberg. — 5 Uhr: „Thillim"; Herr LouiS Kahn. Montag abend 8'/4 Uhr: „Dtnim"; Herr;.Redakteur Schachnowitz. . BeShamidrafch, Ofteudsträke 18 J'oU SamStag vor Nacht Vortrag: Herr Herz H alpern. Sonntag früh 8—9 Uhr, Montag, Dienstag und Mittwoch abend 8-9 Uhr: „Gemoro- Schtur" nvp »oa; Herr Rechtsanwalt Dr. I. Breuer. Heöetzetterr. V'VSV 7DV- Freitag abend 6.15. SamStag morgen 8.—. SamStag nachm. 5.—. SamStag abend 7.40 Wochengottes dienst: Morgens 6.15. Nachmittags 6.—. Verlobte. Chase Striemenwachs aus Lodz mit Salomon Katzburg aus Frankfurt a. M. Damen, die ihre Hüte zu den Feiertagen in Ordnung haben wollen, wenden sich an Else Lion, Waldschmtdtstr. 26, wo sie bestens bedient werden. Näheres siehe Inserat. Tagtäglich kommen ostjüdische Flüchtlinge zu uns, deren Kleidung zerlumpt, deren Schuhe zerrissen sind nnd die oft nicht einmal ein Hemd auf dem Leibe haben. Hier kann nur die Hilfe der gesamten jüdischen Bevölkerung Frankfurts etwas ausrichten. An sie geht unser Ruf! Helft uns, unsere armen Brüder aus dem Osten zu bekleiden. Annahmestellen, für alte Kleider, Schuhe und Wäsche sind: Hanauerlandstrafle 17 (Agudas Jisroel) und Langeftraste 30 (Beratungsstelle für ostjüdtsche Flüchtlinge in den Räumen des Maelttischen HilssvereinS). r Auf telefonischen Anruf (Hansa 3728) werden die Kleidungsstücke jederzeit abgeyolt. [24217 Beratungsstelle für ostjüdische Flüchtlinge Frankfurt a. M, Langestraße SO. Junger Mann, Ans. 30, statt!. Erscheinung, str. religiös v. tadelloser Herkunft u. Vergangenheit, perf. Buchhalter, selbständig. Korrespondent, .vorzügliche Fremdsprachenkenntnisse bereis gereist, sucht sich zu verändern und wünscht Stellung m altem, solidem Hause, mit gutem Einkommen, wo spätere Einheirat möglich. Das betr. Mädchen müßte gesund, religiös, gebild. u. von angenehmer Erscheinung sein. 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