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Der Israelit · 1921-09-08 · Heft 36 (8.9.1921) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
62 (1921)
Issue
Heft 36 (8.9.1921)
Date
1921-09-08
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seite 6 Skr. 36 Ler -SrseM 8. September 1931 öffnet. Nach Verlesung des Protokolls diskutierte der Kongreß mehrere Berichte und Vorschläge der Delegierten aus Syrien und Palästina. Gngland. Scharfe Angriffe auf Herbert Samuel. London^ 2. September. ,,Jewish Chronlele" bringt einen über alle Maßen scharfen und heftigen Leitartikel gegen Herbert Samuel, der in seinem „Berichte" die Voraussage wahrmache, die Lord Cureon voriges Jahr im Oberhause aussprach: „Innerhalb weniger Monate werde Sir Herbert Samuel so unbeliebt unter denJuden sein, wieseine Angreifer damals irriger Weise Widerstände der Nichtjuden gegen seine Tätigkeit annehmen zu dürfen glaubten." Samuel gehöre zu derjenigen Klasse von Juden, denen lediglich an der Anerkennung der nichtjüdischen Kreise gelegen sei. Sein Bericht sei „absurd" und „lächerlich" und gebe derMlfour-Erklärung eine unehrliche Auslegung. Der Vorbehalt, den die Balfour-Erkiärung mache, spreche nur von den religiösen und bürgerlichen Rechten der ntchtjüdischen Bevölkerung Palästinas, nicht aber von den politischen. Man habe also damals mir vollem Vorbedacht die politische Vorherrschaft der Juden in Palästina, d. h. die Umwandlung von ganz Palästina in ein jüdisches Gemeinwesen, was natürlich eine Aenderung der politischen Lage der Araber in Palästina bedeute, ins Auge gefaßt, während Sir Herbert Samuel jetzt die Sache so zu drehen versuche, als ob unter den „bürgerlichen und religiösen Rechten" der Araber eine Stabilisierung ihrer Mehrheit und ihrer politischen Vorherrschastzu verstehen sei. „Jewish Chronicle" hat zwar von jeher hinsichtlich der palästinensischen Politik den äußersten maxtmalifttschen Standpunkt vertreten, dennoch ist es auffallend, daß das Blatt in diesem Augenblick eine so unerhört heftige Sprache führt. Entweder glaubt man, bei der englischen Regierung nichts zu verlieren zu haben, oder aber es müssen einflußreiche Strömungen die Beseitigung Sir Herbert Samuels und die Verfolgung einer energischen Politik gegenüber den arabischen Ansprüchen innerhalb der englischen Regierung durchzusetzen hoffen. Auf den letzteren Umstand deuten Nachrichten hin, wonach Churchill der arabischen Delegation eine ziemlich scharfe Abfuhr erteilt und ihre baldige Abreise empfohlen haben. Die nächste Entwicklung wird zeigen, welche dieser politischen Hypothesen sich bewahrheitet. Bas Patäftina-lTianSat London, 3. September. Der Entwurf des Palästina-Mandates ist in dem von der englischen Regierung soeben ausgegeb.-nen Weißbuch ebenfalls enthalten. Er weist gegenüber der bekannten ersten Fassung nur geringfügige Aenderungen auf und wird nunmehr dem Völkerbund zugehen. Die Rüchhehr von der HJe freife. London, 2. September. Chiefrabbi Dr. Hertz ist von seiner Weltreisedie er im August 1920 antrat und die ihn nach Südafrika, Australien und Kanada führte, am Dienstag morgen wohlbehalten nach London znrückgekehrt. Man hofft, daß seine Reise dazu beigetragen hat, die jüdischen Gemeinden in den Kolonien enger an das Mutterland zu fesseln und dem Londoner Oberrabbinat größeren Einfluß auf die dortigen religiösen Verhältnisse zu sichern. Ob der finanzielle Zweck der Reise, die Gewinnung größerer Geldmittel für den Kriegserinnerungsfonds erreicht wurde, erscheint zweifelhaft. Rumänien. DröaRer in Rumänien. Kischinew, 25. August. Dr. Gaster hat es verstanden, in den jüdischen Kreisen Beßarabiens durch sein Auftreten Sensation zu erregen. Auf verschiedene Anfragen erwiderte er, daß er nicht in jüdischen Angelegenheiten nach Rumänien gekommen sei, sondern ausschließlich zu wissenschaftlich-literarischen Zwecken. Noch mehr mußte auffallen, daß Gaster sich dem Elend der Flüchtlinge aus der Ukraine gegenüber ziemlich reserviert verhielt. Rabbiner Zwelsohn erwiderte in einer ziemlich erregten Ansprache, in der er scharf betonte, daß man allerdings erwartet habe, Gaster sei in erster Linie als Jude zu jüdischen Brüdern gekommen. (Diese Nachricht scheint uns reichlich auffallend und man müßte zunächst abwarteu, was Dr. Gaster, der noch nie furchtsam war, darauf zu erwidern hat. Redaktion.) Ualästina. ■ Herbert Samuel Uber [eine PoiiliK London, 31. August. Die englische Regierung veröffentlicht ein Weißbuch, das Sir Herbert Samuels offiziellen Bericht über die Verwaltung Palästinas während der Zeit vom 1. Juli 1920 bis 30. Juni 1921 enthält. Nach einer ziemlich ausführlichen Einleitung, die sich mit der Lage Palästinas unmittelbar nach dem Kriege beschäftigt, gibt der Bericht ein Bild von der Entstehung und Entwicklung der zionistischen Bewegung, zittert die Balfour-Erklärnng und schildert die Beunruhigung die bei einem Teile der arabischen Bevölkerung über den Sinn der britischen Politik entstand. Im.zweiten Teile des Berichtes werden dann die Grundsätze der von Samuel inaurugierten Verwaltungöpolitik gekennzeichnet. Es gäbe sehr verschiedenartige Auffassungen von Zionismus: eine, die das Vorhandensein einer halben Million von Arabern in Erez Jisroel vollkommen ignoriere und die jede Politik, die mit dieser Tatsache rechnen zu müssen glauben, als Schwäche verurteile. Auf der anderen Seite betrachteten manche Zionisten die Einrichtung einiger weiterer Kolonien und industriellen Unternehmungen und vielleicht einer Universität als das Endziel aller zionistischen Tätigkeit in Palästina. Die g egenwärttge Verwaltung halte die Mitte zwischen diesen beiden Extremen. Sie sei entschlossen, die Wohlfahrt der arabischen Bevölkerung zu schützen, den Arabern jede Ursache zur Auswanderung aus Palästina zu nehmen, und die jüdisch-nationalen Aspirationen insoweit zu fördern, wie die Rechte der gegenwärtigen Einwohner dadurch nicht berührt werden. Es handle sich darum, ein jüdisches „Heim" in dem Lande zu errichten, das das politische und allezeit das religiöse Zentrum der jüdischen Raffe gewesen sei. Dieses „Heim" müsse nationale Charakteristika in Sprache und Sitten, in intellektuellen Interessen, in religiösen und politischen Einrichtungen besitzen. Aber die Bildung gewählter Verwaltungsorganen in der jüdischen Gemeinschaft fär die Kontrolle der eigenen jüdischen Angelegenheiten bedeutet keineswegs die Unterwerfung der Araber unter die Kompetenz dieser Verwaltungskörper. Von diesen Prinzipien sei die palästinensische Verwaltung geleitet. Ungünstig für ihre Bestrebungen sei dielange Verzögerung der Annahme des Mandates durch den Völkerbund gewesen sowie die Unmöglichkeit der Aufnahme einer Anleihe zur Ausführung öffentlicher Arbeiten. Der hierdurch bedingte Mangel an Beschäftigung erschwere die Einwanderung. Im Berichtsjahre seien im Ganzen 10000 Einwanderer angelangt. Nach diesen allgemein interessierenden politischen Darlegungen, auf die noch zurückzukommen sein wird, geht der Bericht auf eine sehr ausführliche Besprechung aller einzelnen Verwaltungszweige, des Finanzwesens, der öffentlichen Sicherheit, des Kultus, des Verkehrswesens, der Landwirtchaft usw. über, und schließt mit einer Darstellung i)er Verhältnisse im Ost-Jordanland. Sabbat-Anfang «na Mrgang. ü'&aw rot*- Ort: Anfang Datum AuSgang UhrjMtn. 1921 5681 Uhr Min. Frankfurt a. M. 6 15 10. 7. 7 40 Berlin .... 6 30 Sept- Elul 7 19 München . . . 6 30 7 18 Straffburg . . — - - - Stuttgart. . 6 15 7 30 Posen .... - - - — Nürnberg. . . 6 20 7 20 Hambura . . 6 80 7 38 Wien, 31. August. Wie wir erfahren, wurde der Generalsekretär der Wiener Aguda, Herr Dr. Joel Pollak zum Oberrabbiner der israelitischen KultuSgemeinde in Wiener-Neustadt berufen. JBMr beglück» ti\, wünschen die Gemeinde zu dieser Wahl, die ihr eine im Dienste des Lrlall Jisroel hochverdiente arbeitsfrohe Persönlichkeit als geistigen Führer sichert. London, 2. September. Der bekannte Philantrop Hermann Landau ist im 78. Lebensjahre dieser Tage verschieden. Landau, ^der aus Russisch-Polen stammte und ein Vetter des bekannten im Kampfe mit Abraham Geiger berühmt gewordenen Breslauer Rabbiners Ttkt.in war, hat sich in seinem langen Leben überhaupt verdient um die in England lebenden und dorthin einwandernden Ostjuden gemacht. Die Gründung deS segensreich wirkenden Asyls für Einwanderer, dem er zeitlebens reiche Fürsorge zuwendete, war sein Werk. Bet der Bildung der Federation of Synagogues stand er Samuel Montag» zur Seite, und hat auch sonst im Sinne der Orthodoxte zu Gunsten der Federation gewirkt. Am Grabe sprach Dajau Hillmann warme Worte des Nachrufs. Frankfurter Gerichte: - DenkHaran! Es gibt Worte, die eines ganzen Himmels Seligkeit umfassen — und allein tiefsten Schmerzes Qual. Sagts einmal ganz, ganz langsam, laut vor Euch hin: Werdende Mutter, werdende Mutter.. . Liegt nicht des Himmels Seligkeit in diesen Worten? Schaut sie Euch doch an, wie sie beseligt doherschreitet, mit dem göttlichen Zeichen der Mütterlichkeit geschmückt! Möchtet Ihr nicht die Hände unter ihre Füße breiten, damit sie leicht und sicher ihren Weg schreitet, möchtet Ihr nicht jedes Steinchen aus dem Wege räumen, damit sie nicht strauchle und nicht schwanke, und leicht und froh dem großen Tag entgegengehe, da sie Mutter sein darf. Schöpferin, Gebärerin neuen Lebens, gottgleich? Und wenn ihre schwere Stunde naht, wie sie da sorglich alles ihr bereitet! Köstliches Linnen, darin des zarten Kindleins rosige Gliederchen zu hüllen, ein weißes Bettchen mit duftiger Federnfülle. Sie wird sich kräftigen können an allem Guten, und auch ihrem Kindchen wird sie Nahrungspenderin sein dürfen. O, wie ist sie glücklich, wie ist sie schön, die werdende Mutter! — Und noch einmal sagts Euch laut und langsam, langsam vor: Werdende Mutter, werdende Mutter. . . Und dann geht mit mir in die Wohnungen der Armen. O seht sie. die werdende Mutter, in Sorge und Not, an der Nähuiaschine oft, um für die hungernden Kinder Brot zu schassen, seht sie gebückt bei schwerer Arbeit. Ach, sie liebt ihre Kinder, wie Ihr auch, möchte GroS-Frankfurt am Eschenheimer Turm Spezialitäten- Theater Neu eröffnet: KAFFEE ersten Ranges Ws inklause Eingang nur StiflstraBe

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