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Der Israelit · 1921-09-01 · Heft 35 (1.9.1921) · page 14

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Journal
Der Israelit
Volume
62 (1921)
Issue
Heft 35 (1.9.1921)
Date
1921-09-01
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Sette 8. Nr. äi stern im Osten dasselbe Privileg hatte wie wir, und daß auch dort scheinbar innerhalb der Orthodoxie, itt'- nerhalb des thoratrenen Judentums, oft sehr energische und sehr ernste Disserenzierungen vorhanden ,rnd. Und diese Disserenzierungen aus eine gemeinsame Linie des Wollen» und des Erkennen» der Aufgaben des Tages und der nächsten weiteren Zukunft geeinkgt zu haben und geeinigt zu sehen, das ist aus ideellem (Gebiet eine enorme Leistung. Dazu hat unendlich viel, um mal das Wort zu sprechen, Agudismus gehört, und er war und ist vorhanden,- nicht in verschwvmrnenem Wollen von der Einheit des Judentums, sondern im klaren Erkennen, von der Einheit des Tborawillens und Thoralebens getragen, haben unsere Gesir.- nlliigsgenossen im Osten sich dem Willen der Agudas- Jisroel erschlossen, und nachdem einmal diese Erschließung vollzogene Tatsache war, auch ihn ergrissen. Das ist ungefähr das Gesamtbild der Organisationsentsaltnng der Agndas-Jisroel im Osten. Fragen Sic in ich. was man dort im Osten unter Agndas-Jisroel oersteht, so kann ich Ihnen sagen, daß Agudas-Jisroel im Osten nicht» anderes, nichts mehr und nichts weniger ist als eine Wiederausbau-Arbeit Doch nieine sehr verehrten Herren, im Osten, der bei Passan oder Salzburg beginnt, ist die Autorität in ganz andererWeise verbreiret als bei uns. Dort stand man vor'Trümmern, zwar noch ganz respektablen Trümmern, aber der Boden drohte einzustürzen. Dort erkennt man in Agndas-Jisroel den einzigen Weg, um das, was irreligiöse Elemente niedergerissen haben, dem Wiederaufbau zuzuführen. Es ist ganz klar, daß damit zunächst einmal rein lokaler Boden gewonnen werden muß, umsomehr ist es anznerkennen, daß man auch dort das Bestreben erkennt und würdigt, dem Ganzen sich ständig anzuschließen, ein wertvolles und Werte schassendes Mitglied des Klall Jisroel zu sein. Und nun lassen Sic mich der Reihenfolge nach von den Ländern des Ostens berichten:. W i e n : ES freut mich, hier festftellen zu können, daß in Wien die Agndas-Jisroel eine lokale Rlitwendigteit nicht ist. Es gibt in Wien Fakturen die imstande wären, die sich der Orthodoxie bietenden lokalen ''Ausgaben selbständig zu lösen. Und es ist etwas Wunderbares, daß diese Kräfte sich in der 'Agndas- Jisroel vereinigt haben, und daß es der Agudas-Jisroel gelungen ist, auch hier eine Art Synthese;u schaffen. ' Wie» ist der Ort, der nach Maßgabe seiner Valuta unendlich viel für Krall Jisroel geleistet hat Unendlich viel — das Wort mutz gesagt werden -- wenn Sie denken, daß fast die ganze Propagierung des Ostens von Wien ans finanziell getragen wird". Wien ist auch der Ort, in dem die Jugend sich organisatorisch wunderbar zusammengeschlossen hat. eine wunderbare Selbstdisziplin übt und tvotybeut beit höchsten Stolz darin sieht, ein ständiges Glied der lokalen Ortsvrganisation zu sein. Man hat in Wien nicht den Ehrgeiz der Jugend, durch allzuviel Selbständigkeit sich bemerkbar zil machen. Es freut mich, hier feststelten zu können, daß, trotzdem beschlossen wurde, deir Zentralrat zur Hülste in Wien und zur Hälfte in Deutschland zu stationieren, sich trotzdem cm sehr freundschaftliches und ernstes Zusammenarbeiten heranszubiiden begonnen hat und sich die Befürchtungen Hierwegen nicht erfüllt haben. Nun zur Agnda-Tätigkeit in der T' ck, echo - Slovakei. Die Agndas-Jisroel war dort deshalb jo schwer eiuzusühre», weit die Tschecho-Slownkei schon eine lokale Organisation hat und in jüdisch-politischer Beziehung, namentlich in der Vertretung der allgemeinen jüdischen Interessen sich außerordentlich bewährt hat. ES schien deshalb, als ob in der Tschecho- Slovakei für Agndas-Jisroel kein Platz wäre. Daß sich die Tschecho-Slovakei uns doch so mit Vollem Herzen erschlossen hat, das liegt an zwei Momenten. Erstens, weil man in Agndas-Jisroel, wie Vorhin scholl erwähnt, die einzige Möglichkeit sah und sieht, die Irr gend zu lebendigem schaffen in der jüdischen Welt heranzuziehen, und zweitens weil es nicht vergeblich war, als man zur Tschecho-Slovakei sagte, wir wollen nicht untersuchen, ob die Tschecho-Slovakei eine Aguda »Jisroel braucht, aber die Agudas-Jisroe! braucht die Tschecho-Slovakei. In der Tschecho-Slovakei gibt es einen Terl. der auch politisch autonom ist, die sog. Ost-Slovakei. Dieser Teil ist jetzt in Errtwicklung begriffen inbezug aus Agndas-Jisroel. Ich hoffe, daß demnächst, noch vor Roschhnschonoh, auch dieser Teil sich der Agndas- Jisroel angeschlosserr hat. Seien Sie nichr bestürzt, wenn Sie demnächst Ilgen werden, daß auch in Mähren sich eine Organipition gebildet hat, die sich zunächst noch nicht Agndas- Jisroel nennt. Daß die Motive dafür in der Entwicklung liegen, in der vorläufigen Unmöglichkeit, die ganze Tschecho-Slovakei zu einem Gesamtgebilde zu vereinigen, das hat seine Gründe nicht in jüdischen Fragen, sondern allgemeinen politischen Momenten. Es war außerordentlich schwer, in Transsilvanien Erfolge zu erzielen, denn dort war es infv.ge der politischen Verhältnisse fast unmöglich zu arbeiten, wo man der Organisation zum mindesten nicht wohl will. ES ist vielleicht der größte Erfolg unserer propagandistischen Tätigkeit in Transsilvanien, daß es gelungen iß, erft freie Bahn zu schaffen für weitere Tätigkeit der 'Agndas-Jisroel. Außerordentlich viel iür uns oat der Overrabb. Fuchs geleistet. Er hat für die Agndas-Jisrocl die Arbeit ausgenommen zu einer Zeit, in der er vvlitisch ganz allein stand, und der größte Erfolg unserer propagandistischen Tätigkeit ist, daß wir „glätte r." seit gestern ein eigenes Organ in ungarischer Sprache für Agndas-Jisroel in Transsilvanien erscheinen lassen können. Wenn Sie wissen, was Klansenbnrg bis vor kurzem gegen Agndas-Jisroel bedeutet hat, so werden Sie die Bedeutung dieser Tatsachen ermessen. Es wird demnächst eine Versammlung der rabbinischen Führer von Transsilvanien zustande kommen, um auch dort ein einheitliches Volum für die Bestrebungen der Agndas-Jisroel zu erzielen. Ferner har die jüngste Versammlung der ungarischen Landeskanzlei sich klar für Agndas-Jisroel ansgesprv---- chen und hat nur den formellen Beschluß über den Beitritt zur 'Agndas-Jisroel noch nicht erlassen, dieser Beschluß ist aber vielleicht Suckoth zu erwarten. Damit, und wenn ich Ihnen noch sage, daß wir auch Fühler nach Jugoslavien ausgestreckt haben, ist wohl das Gebiet der Successionsstaaten Oesterreichs erschöpft. Sie können sich vorstellen, daß bei all den Paßschwierigkeiten und Rücksichtsnahmen, die notwendig sind, gerade die agitatorische Arbeit in den Luecessionsftaaten außerordentlich schwierig ist, und ich halte es für eine Leistung, daß seit Zusammensetzung de» Zentrairates, diese Arbeit geleistet worden ist und werden konnte. Darin unterscheiden wir uns voit anderen Organisationen, daß wir es für unsere Pflicht halten, bei jeder Propagandarede und bei jeder privaten Unterredung in unserem Bureau den Leuten klipp und klar die Grenze unseres Könnens mitzuteilen, die Grenze ans finanziellem'Gebiet und, meine sehr verehrten Herren, die Grenze aus dem Gebiete Jer Kompromisse. Ich glaube, in dieser gewissenhaften Klarheit liegt das Geheimnis unserer Kraft und liegt das Geheimnis unserer Erfolge. Wir haben es auch für unsere Pflicht gehalten, biejemgcit Teile Von Polen, die erst durch den Vertrag von Versailles zu Polen gekoinmen sind, ernsthaft in Arbeit zu nehmen. Auch hier sind sehr schwierige außenpolitische Fragen in Erwägung zu ziehen, Es ist noch nicht gelungen, die drei Teile, die das jetzige polnische Reich bilden — den Teil der ursprünglich zu Rußland, zu Deutschland rnd zu Oesterreich gehörte, — agndistisch zu einem Ganzen zu vereinigen. Im Gegenteil, es ist festzustellen, daß hier ein ziemlich trennendes Bestreben vorhanden ist, und wir betrachten es als Aufgabe des Zentralrats, hier einigend zu wirken. Auch das sind Dinge, die außerordentlich vorsichtig erfaßt werden müssen. Und meine sehr verehrten Herren, hier eine Bitte an den Deutschen Gruppenverband. Ich mochte Zeugnis dafür nblegen. daß unsere Gesinnungsgenorssen in Polen bei der entsetzlichen Valuta außerordentlich viel leisten. Es läßt sich das ziffernmäßig nicht seststellen, aber wir in Wien wissen, daß außerordentlich viel geleistet wird. Die Herren sagten mir klipp und rar: es ist eben von uns allein nicht zu leisten. Eine Bitte an den Gruppcnvcrband. Sie haben so viel für. den Osten getan und Wien hat Ihnen in jüngster Zeit viel abgenonimen, stellen Sie mir einen größeren Beitrag für Galizien zur Verfügung. Wir haben in Wien sehr viel geleistet auch nach dieser Richtung. Wenn ich Ihnen nun noch erzähle, daß wir eine sehr erfolgreiche, zielbewußte-und politisch gesunde Agudoh in Riga hoben und dabei besonder» dankerfüllt erwähne des H wti 0inifibb. § ork von :wga. so bob.* icv I neu en Bild gemacht, was propagandistisch und organisatorisch in den jüngsten Monaten geleistet worden ist. Was uns an Ausgaben bevorsteht,' das ist der Versuch, auch diejenigen Kreise zu erfassen, die man allgemein die sephardischen nennt, an die wir bisher ans mancherlei Gründen nicht herantreten konnten. Und meine sehr verehrten Herren, es ist Herrn Wolf Pappenheim-Wien in bescheidenem Maße gelungen, in Erez Jisroel der Agudoh wieder eine .Heimstätte zu verschaffen. Ich betone auch hier mit der gewissenhaften Pflicht der Klarheit, in sehr bescheidenem Umfange. Ich halte aber diese Bescheidenheit für den Gegenstand unseres Stolzes, denn gerade dort wäre es ein doppeltes Verbrechen, Hoffnungen zu erwecken, deren Erfüllung man nicht mit Klarheit wenigstens vor seinem eigenen Auge sieht. Soweit wir von Wien ans die Agudas-Jisroel-Tätigkeit für Erez-Jisroel führen konnten, soweit wir vor allen Dingen für Agndas-Jisroel auf diesem Gebiet dasselbe Recht erstreiten konnten, wie es andere Organisationen besitzen, haben wir das unserige geleistet, sei es für Propaganda, sei es für Organisation. Eines war uns gemeinsam stets bewußt, eines hat un» stets vor Augen geschwebt, daß wir jedem, der fragt. Klarheit geben, und jedem, der Klarheit haben will, sie bei uns findet und finden muß. (Lebh. Beifall) (Fortsetzung folgt.) Die Aguda in Rumänien. K ischine tv. Am 22. Juli trafen die Herren Wolf Pappenheim und Dr. Joel Pollak in Kischinew ein. Am Bahnhofe wurde die Delegation von einer Deputation der Gemeinde unter Führung des Rabbiners Moses Hinsporg und R. Zadok Rosenfeld empfangen. Am Freitag besuchte die Delegation Se. Ehrwürden Herrn Oberrabbiner Zirelsohn. nufere Leser kennen bereits in Rabbiner Zirelsohn den großen Tatmid Chacham, dessen Responsenwerk „Gewnl Jehuda" eben in zweiter Auflage erscheint, nnd 1. September 1931. den großen Vorkämpfer für die Interessen des Judentums und besonders für das Wohl der verfolgten Juden.. Hier Thoralehrer, hier Staatsmann, da Pädagog und Philantrop. Die Aufnahme der Delegation war eine überaus herzliches besonders hat die außerordentliche Hingabe und keine Mühe und Opfer scheuende Tätigkeit des greisen Führers der Aguda R. Wolf Pappenheim große Bewunderung hervorgerufen. Rabbi Zirelsohn, der einen vornehmen, aber entschlossenen Kampf um die Erhaltung des wahren Judentums führt, begrüßte in den Gästen eine willkommene Verstärkung seiner Bemühungen gegen die Anfeindungen des traditionellen Judentums. Am Sabbath besuchte die Delegation die verschiedenen Bote knessiot, wo sie Gegenstand der freundschaftlichsten Ehrenbezeugnngen waren, besonders unter den zahlreichen Anhängern des Czortkower Großrabbiners, dessen warmes Schreiben zugunsten der Aguda im „Jnd" gerade, damals bekannt geworden war. Montags trafen schon Delegationen aus den umgebenden Gemeinden zur Begrüßung der Aguda- Delegation ein. Es fand eine Besprechung mit dem Präsidium des Central-Relief-Konütee betreffs Uebernahme der Waisenkinder durch die Aguda statt. Dienstag fand in: Festsaale des Rathauses eine große Versammlung statt. Trotz der tropischen .Hitze war der große Saal dicht gefüllt. An der Estrade hatten Rabbiner Zirelsohn nnd die 'Delegationen der Gemeinden Platz genommen. Oberrabbiner Zirelsohn eröffnete die Versammlung und weist darauf hin, daß die Bestrebungen der Aguda nicht jüngsten Datums seien, sondern das „Mi l'haschem eloi" unseres Mosche rabbenu war der erste Aufruf zur Aguda. Das Auftreten Schmuels in der Zeit des Verfalles, die Tätigkeit des König Joschijo, die. Entrollung der Fahne der Hasmonäer, bas Auftreten des Balschem, das sind die Etappen der uralten Agndabewegung. Redner begrüßt die Delegation als Fürsprecher des alten jüdischen Geistes. Hierauf ergriff, stürmisch begrüßt, Herr Wolf Pappenheim das Wort, um in einstündigcr Rede die Ziele und Wege der Aguda darzustellen und über seine Erfahrungen in Palästina zu berichten. Nun folgte die Rede des Herrn Dr. Joel Pollak, der feststellte, daß Agudas Jisroel eine noch größere Bedeutung für den Osten als für den Westen habe, da die gefährlichsten Unterströmungen des Judentums da stärker unterwaschen als im Westen. Nach dieser beifällig aufgenommenen Rede sprach Herr Rabbiner Friedmann (Leipzig), der seiner Freude Ausdruck gab, in seiner Heimat den Agndag 'danken wirksam zu sehen. Unter dem Eindruck der Reden fand ein sehr zahlreicher^ Beitritt von Mitgliedern statt. Es wurden große Betrage für die Aguda erlegt. Am nächsten Tage fand ein Bankett im Hause des Oberrabbiners Zirelsohn von hundert Gedecken statt. Ms erster sprach Rabbi Zirelsohn geistreiche Diwre Thora. Ferner sprach der Direktor der durch den Oberrabbiner gegründeten orthodoxen Mittelschule Herr Lener, der auf die Wichtigkeit der strenggläubigen Erziehung hinwies,' ferner R. Wolf Pappenheim, Rabbi Benzion Schapira, Dr. Pollak über die Bedeutung der Presse, worauf Fabrikant Herr Liebevoll, der bereits 1 Proz. seines Einkommens und einen namhaften Betrag für Keren E r e z I i s r o e l spendete, sich bereit erklärte, für die H e r st e l l u n g s k o st e n der zu gründenden jüdischen Pres s e anfznkommen. Es wurden noch große Beträge gespendet. Die Delegation besuchte tags darauf die verschiedenen Jeschiwos, Talmud Thoras. Der Erfolg der Delegation war in jeder Hinsicht ein außerordentlich glänzender und ermutigt uns zu einer ferneren ersprießlichen Tätigkeit. Czernowitz. Auf der Rückreise von Kischinem weilten Herr Wolf Pappenheim uns Di. ^oUaf am 30 unb 31. Juli in Czernowitz. Die Delegation benützte diese Gelegenheit, um mit

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