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Der Israelit · 1921-09-01 · Heft 35 (1.9.1921) · page 13

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Journal
Der Israelit
Volume
62 (1921)
Issue
Heft 35 (1.9.1921)
Date
1921-09-01
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Mnnrner 24 1. Seplemöer 1921 Blätter! VII.. Jahrgang 28. A ti 5681 h e r a u s g e e b e n vom Gruppeuverband, der Palästina-Zentrale und der Jugend-Organisation der Agudas Zisroel für Deutschland. Mitteilungen des Gruppenverbandes. 1. Programm für die Hrlsgritppett Die Ortsgruppen iverden gemäß dem Delegiertenbeschluß (Antrag Rosenheim) anfgesordeet, das Frankfurter „Pro g r a m m " zur Grundlage gründlicher Aussprachen zu machen und diejenigen Mitglieder zu sammeln, die bereit sind, sich unter Anerkennung seiner geistigen Grundlagen persönlich in den Dienst seiner Verwirklichung zu stellen. Das „Pro g r a m m " und die Begründung des Verfassers ist bei L. Sänger Verlag in Frankfurt a. M., Gwinnerstr. 18, zu haben. 'Sic Anhänger benehmen sich zwecknüinig direkt mit der Ortsgruppe Frankfurt (Adr. Joses Bamberger, Hermesweg 11), die die Absicht hat, mit der praktischen Durchführung des Programmes einen ernsten Versuch zu machen. 2. H^ropaganda-Literatur. Zn Ausführung des Delegierterlbeschlusses (Antrag Rabbiner Dr. Klein-Nürnberg > hat der Gruppeuverband zunächst in Form eines Flugblattes die hauptsächlichsten bisherigen Agudaleistungen kurz und übersichtlich zusarnmengestellt. ' ^Das Flugblatt stellt der Gruppenverband in beliebiger Anzahl den Gruppen kostenfrei - zur Verfügung. 3. Falmud Wora-Schuten in Aeutfchlan-. Gemäß dem Delegiertenbeschluß vom 18. Aiv soll sich die Äguda die Förderung der besteheuoeu Talmud-Thora-Schulen in Deutschland augelegen sein lassen. (Antrag Prof. Dr. Feilchenseld.) Der Gruppenverband der Agudas Zisroel in Deutschland bittet die Gruppen und Einzelmitglieder, diese Bestrebungen aufs kräftigste zu unterstützen und steht mit Auskünften und Ratschlägen gern zur Verfügung. 4. Wrers-Kusfchreiöen. Für die beste(Propagaudafchrift fiir Agudas Zisroel setzen wir einen Preis von Dreitausend Mark aus. Die Schrift soll, in guter, leicht faßlicher Sprache, geeignet sein, dem Leser aus dem Volke den Agudagedanken zu Gemüte zu führen linb für Agudas Zisroel zu begeistern. Der Gruppeuvem band in Halberstadt macht auf Anfrage bereitwilligst die näheren Angaben. 5. Aguda-Marken. Die Gruppen können fortan 20 o/g des Markenerlöses für ihre eigenen Kassen, einbehalten. Es steht zu hoffen, daß diese Vergünstigung zu lebhaften Bemühungen für den 'Absatz der Al arten führt. Marken und Telegrammformulare sind beim Gruppenverband in Halberstadt zu haben. 6. Generalsekretär. Wir suchen eine gewandte erste Kraft, die den Agudagedanken verbreiten, unsere Ortsgruppen fortlaufend besuchen und, wo es not tut, reorganisieren, Mitglieder gewinnen, neue Ortsgruppen bilden und für den Organisations- und die sachlichen Agndafonds tatkräftig toerbeit kann. Akademikern, Lehrern, Kaufteuten steht bei Eignung gut besoldete Dauerstellung in Aussicht. Für zweckdienliche Anregungen ans Mitgliederkreisen wären wir dankbar. Gruppenrreröand der Agudas Zisroel in Ieuischland, Kalöerstadt. Delegiertentag der Ortsgruppen der Agudas Zisroel für Deutschland am 22. August 1921. Verhandlungsbcricht: Ter Vorsitzende des deutscheil Grnppenveröandes Herr Rabbiner °Tr. I. A u e r b a ch - H a l b e r st a d t eröffnet um V*1G Uhr die Tagung und begrüßt die Delegierten. sowie die erschienenen ausländischen Gäste l.Herrn Rabbiner Bär Friedmann-Wien, Rabbiner Tr. Lev Jung-Cleveland.) Leo W r e s ch n e r - Frankfurt a. M. begrüßt namens der Frankfurter Ortsgruppe und führte dann weiter ans: Agudas-Jisroel ist nichts mehr und nichts anderes als das Judentum selbst. Sie werden mir mit Recht einwenden, wenigstens geschieht es von einem.großen Teil, daß das Judentum eine Organisation überhaupt nicht gebrauche; das ist durchaus richtig, denn die Organisation oes Judentums ist so alt wie es selbst, seine Organisation heißt T h a n r o h. In dem Augenblick, 'n denl jeder Jude bekannt und erkannt haben wird, daß seine Organisation, daß die Organisation seiner Gemeinschaft Thauroh heißt, tn dem Augenblick ist unsere Organisation überflüssig. Solange aber das Jndmlkum noch so unendlich weit entfernt ist von dieser Erkenntnis, solange dieser Krebsschaden;v verheerend wirkt, daß wir weit davon entfernt sind von der Betätigung des Thauro-Gedankens und vor altem auch von dem Bewußtsein, was Thauroh ist und bedeutet. solange müssen wir uns znsammenschlietzen und eine Macht verkörpern. Ohne diesen Machtgedanken. ohne Zusammenschließung zu einer Ei'.lheit zum Zwecke der Durchführung des THSraaedankens. lverden wir auch bcu Grundgedanken, werden wir auch das Ziel, das unendlich hohe Ziel nicht erreichen. Es wird unserer Organisation so anßerordeirtlicki lebhaft der Vorwurf gemacht, wir feien eigentlich nur eine Agitations-Organisation; wir w'.esen greifbaren Erfolg nicht auf. Ganz zu schweigen davon, daß dieser Vorwurf ebenfalls linr in Unkenntnis der Wirtlich teil der Verhältnisse, in Unkenntnis der unendlichen Schwierigkeiten, in Unkenntnis des tief bedauerlichen Unvermögens zu ermessen, was Agudas- Jisroel will und ist, ansgesprochen werden kann, in Unkenntnis auch, daß die Erfolge der Agudas-Jisroel viel greifbarer sind als sie glauben, brauche ich nur hinzuweisen ans die Jngendvrganisativnen innerhalb und außerhalb Deutschlands. Ich brauche nur hinzuweisen auf Esra. um zu vergegenwärtigen, daß die Erfolge der Agudas-JiSroel--Organisation viel, viel größer sind als Sie glauben. Wenn uns trotzdem dieser Vorwurf gemacht wird, so wollen wir zuerst in unser Inneres, in unsere eigene Seele schauen. .sHimteit Mir besahen, daß ein jeder von uns in seinem Jeinen und großen .streife für den gewaltigen jüdischen Gedanken tut und erfüllt, was seine Pflicht ist? Ich glaube, wenn wir diesem Vorwurf gegen uns begegnen, so muß jeder in erster Linie in seinem eigenen Hause in seinem eigenen .«reise in seiner eigenen Umgebung prüfen, ob er das erfüllt, was AgudaS-Jisroel von ihm verlangt. Und da muß ich gestehen, daß wir uns alle dein nicht entziehen können. Ich will nicht Hinweisen aus andere Organisationen; ich lehne es nb Anleihen zu wachen bei anderen; ich halte es unter der Würde, immer und immer wieder auf diese oder jene befreundete oder nicht befreundete Organisation hinzuweisen. Lassen wir einmal endlich mit dem Begraben der Streitaxt auch die zahllosen Hinweise ans Fremde. Seien wir uns selbst gut genug und bilden uns selbst zu einer Einheit heraus. Es muß erkannt werden daß der Opfersinn, der geistige und materielle, in vielen Organisationen, ein ganz anderer ist, als in den streifen der Agudas-Jisroel. Es muß bekannt werden daß 'die strafte, die wir auch zweifelsohne bei uns finden nicht genügend herangezogen werden, noch sich selbst zur Verfügung stellen zur Erfüllung der Idee. Ich denke vor allem an unsere jungen Akademiker. Herr Adolf S t e r n - Frankfurt a. M. über- - mittels die Grüße der Shnagogengemeinde „Jisraelitische Religionsgefellschaft" Frankfurt a. M. Herr B. F r i e d m a n n - Wien begrüßt na-mens seines Paters Herrn Grvßrabbiner Friedman"-Czortkow. Alsdann wird auf Vorschlag von Tr. Ehrmann- JranNurt das Büro der Tagung per Akklamauon gewählt und zwar: Tr. A n e r b d ch -Halberstavt. (I. Vvrftneiider) Lev W r e s ch u e r - Frankfurt. (2. Vvrsit'cnder) Alexander E a r l e b a ch -Lübeck, Tr. M e i e r H i l d e s h e i m e r - B e r l i n Gottfried G v l d - f ch m i d - Halberstadt. Tr. Carl Golds ch m i d t - Berlin lSrhriftführer). Nunmehr erfolgt Eintritt in die Tagesordnung. Ais 1. Redner nimmt Rabbiner Dr. Pinchas stehn-Wien: zum „Bericht des Zentral cates der Agudas-Jisroel" das Wort: Es ist zum ersten Mal sekr dem Bestehen des Zentralrates der Agudas-Jisroel daß derselbe Gelegenheit hat, in einer Art von Berichterstattung an die Ocssentlichkeit zu treten, und es liegt darin eine historische Gerechtigkeit, das; dieser Bericht erstattet wird in einer Telegiertenvecsammlung des Deutschen Grnppenverbaudes? Diese Berichterstattung soll in der Weise erfolgen, das; ich mich beschränke. wie das in meiner Natur liegt, auf die Mitteilung trockener Tatsachen. —- Richtsoestoweniger gestatten Sie mir, daß ich mit einigen Gedanken diese Berichterstattung einleite. Meine sehr verehrten Herren, ich knüpfe an ein Wort an welches der sehr verehrte Herr Adolf Stern an uns gerichtet hat. Das Wort von der Natwendigkeit. sich dienend an ein Ganzes anzuschließen. Wenn das von irgend einer Organisntionsform der Agudas- Jisroei gilt, so hat es sicher seine Berechtigung bei dem Deutschen Gruppeuverband, und das liegt daran, meine sehr verehrten Herren, daß alle lokalen Fragen, die sich in den einzelnen Orten oder für die Gesamtheit der Orthodoxie in Deutschland ergaben und ergeben, ihre Organisationen haben, welche zur rechten Zeit, und am rechten Ort uns vertreten. Das heißt, eigentlich hat die Agudas-Jisroel in Deutschland keinerlei lokale Aufgaben, daher kommt es, daß die Agndas-Jisroel-Tätigkeit in Deutschland sich ohne weiteres über die Grenzen hinaus erstrecken mutz und auch erstreckt hat. Aber ganz anders ist es in den Gebieten, die sich im Lause des jüngsten Jahres, oder sagen wir der jüngsten Berichterstattungsfrist sich bewähren inußten. Dort im Osten ist mit ganz geringen Ausnahmen keinerlei lokale oder provinziale Organisation vorhanden gewesen, welche auch nur die primitivsten 'Ansgaben, welche in organisatorischer Art an die Orthodoxie herangetreten sind, hätte erfüllen können.. Das ist, lauen Sie mich offen sprechen, ein Vorteil. Dort im Osten fragt inan nicht so lange, was hat die 'Agudas-Jisroel zu tun oder was hat sie getan Y Dort fragen das die Leute die es mit der Agudas-Jisroel nicht wohl meinen.. Es kommt allerdings vor daß diese Fragen aus dem Westen importiert werden., aber man ist gegenüber diesen Fragen nicht so ängstlich, iveil man eben leistet und weil es lokale Aufgaben unendlich viele gibt, die zu lösen sind. Und ich möchte sagen, diese Forderung des Tages hat iioch einen anderen Vorteil. Sie hat den Vorteil, daß man sich dort im Osten nicht so viel luie wir plagen muß mit der Ideologie. Tas ist auch etwas, was natürlich ans dein Westen importiert lvird und lucitit sie einmal importiert ist, mit der ganzen Kraft der Kritik und Skepsis ergriffen lvird, die nicht entbehrt werden kann und werden soll. Aber man hat so unendlich viele 'Aufgaben zu lösen, daß, wie gesagt, diese theoretischen "Erörternngen einer! so großen Raum nicht einnehmen wie bei Ihnen in Deutschland. Ob das ein Vorteil ist oder nicht, das überlasse ich Ihren« Urteil; wdenfalls stabe ich mich, soweit ich mich oamit beschäftige, im Osten über Ideologie nicht sehr viel geplagt? Und nun lassen Sie mtcl) ganz kurz Bericht erstatten über das, was geschehen ist. Die spätere historische Betrachtung, oder sagen wir einmal das stolze Wort, die objektive Betrachtung der Entwicklung der Agudas-Jisroel in den Jahren 1818 bis 182t inns; seststellen, daß hier viel geleistet worden ist. Tenn über eines täuschen Sie sich dock nicht: wir haben uns törichterweise gewöhnt, von dein O st j u dent u m zu sprechen und haben uns in unserer kühnen Phantasie eün Bild gestaltet, als ob das sog. Ostjndentnm seinem Willen nach ein einheitliches Gebilde wäre. Wir haben uns gedacht, daß. Differenzen, zuw Teil sehr tiefgehende Differenzen, inbezng aus Weltanschannng und Lebensanffassimg ein Privileg des Westens wären, und dachten garriiclft daran daß der lebhafte Geist unserer Brüder und Schwe-

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