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Der Israelit · 1921-09-01 · Heft 35 (1.9.1921) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
62 (1921)
Issue
Heft 35 (1.9.1921)
Date
1921-09-01
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Heile 6 Sit. 85 Lrr ütfttUt liebt und verehrt. Auch die Kinder dankten ihrem Lehrer in schönen Abschiedsworlen, worauf Herr Bacharach voll Rührung erwiderte. Herr Bacharach geht ins Altersheim in Kassel. 'n Gelsenkirchen, 28. August. Der Rabbiner des „Vereins zur Wahrung der religiösen Interessen des Judentums in Westfalen", Herr Dr. Klein, hat eine ehrenvolle Berufung an die Gemeinde „Adaß Jisroel" in Berlin erhalten und angenommen. Der Verein und die ihm angeschloffenen Gemeinden sehen mit Bedauern ihren Rabbiner scheiden, der sich in der kurzen Zeit seines Wirkens, große Verdienste um den Verband erworben hat. Vermischtes. Berlin» 28. August. Wie uns die Zentralwohlfahrisstelle der deutschen Juden mttteitt, bietet sich in Hirschberg i. Schl. Riederlaffungsmöglichkeit für zwei Aerzte und einen Rechtsanwalt. (Ausführliche Auskunft erteilt Herr Max Behrendt in Hirschberg ) In Ntes ky O. L. für einen Zahnarzt. (Nähere Auskunft erteilt Herr Max Kupferberg, Görlitz, Mühiweg 1a. In Lenzen a. Elbe für einen Rechtsanwalt. (Nähere Auskunft erteilt Herr Erich Kreide, Lenzen.) In Gotha für einen Zahnarzt. (Nähere Auskunft erteilt Herr Dr. Knoche, München, Leopoldstraße 38.) Leipzig, 17. August. Aus einem Stück Alt- Leipzigs, an dem ehemaligen Petersbrunnenweg, dem schmalen Fußweg von der Otto-SchM-Straße nach der Zentralslratze, errichtet gegenwärtig die Lalmud- Thora-Gemeinde, die zur Zeit ihre Gottesdienste in dem Grundstücke Keilstraße 4 abhölt, ein eigenes Heim. Die Gemeinde hat vor einigen Monaten die dort befindliche Turnhalle der Leipziger Turngemeinde angekauft, die Halle niedergelegt und bereits die Grundmauern für die neue Synagoge fertiggestellt. Geplant war, die Arbeiten so A nell zu fördern, daß sie bereits Ende dieses Jahres eingewetht werden konnte. Es wußte jetzt die Arbeit eingestellt werden, da die Lieferungen der Sandsteine aus Ostsachsen nicht in der vorgeschriebenen Zeit erfolgt sind. Bor dem späten Frühjahr 1922 ist deshalb kaum mit der Fertigstellung des Baues zu rechnen. Das neue Heim der Talmud» Thora-Gemeinde wird äußerlich in einfachen Formen und prunklos gehalten sein, die Innenarchitektur und Ausstattung wtrd auserlesenen Schmuck aufweisen. Der Haupiraum wird rund 1200 Sitzplätze erhalten. Emden, 19. August. Am Chamischvh offor beav, den 18. August 1021, wurde ein vom Club jüdischer Mädchen der jüdischen Synagogengemeinde Emden gestifteter Trauhimmel feierlich semer Bestimmung übergeben. Nach einem Einleitungsgesang des Kantors Schwarz ergriff Herr Max van der Walde, als Vertreter des C. I. M., d'aS Wort. In seiner formvollendeten Rede erwähnte er u. a., daß Herr Landesrabbiner Dr. Hoffman», der leider nicht mehr bet uns weile, den Anlaß zur Sammlung der Mittel zum Ankauf des Trarchirnrnels gegeben habe, und er gab der Hoffnung Ausdruck, daß unter diesem Trauhimmel gar manche, wahrhaft jüdische Ehe geschlossen werden möge. — Hieraus sprach der erste Vorsitzende der jüdischen Synagogengemeinde, Herr Jacob Pels, herzlichen Tank für das sehr schöne Geschenk aus. Er wünsche, daß, trotz des materialistischen Zeitalters, in dem wir leider heutzutage lebten und das manchem jungem Mädchen es nicht vergönne, heiraten zu können, gar bald und oft die Paare unter der Chuppo sich die Hand zum Bund reichen mögen. — Als Vertreter des Repräseniantenkollegiums der jüdischen Gemeinde sprach Herr van Dyk-Katzen stein, der sich, in kurzen Worten, den Wünschen der Herren Vorredner von ganzem Herzen anschloß. — Ein kurzer Gesang des Jugendchores beschloß die eindrucksvolle, sehr harmonisch verlaufene Feier. Kitzingen, 15. August. Auf dem laut Rentamlskataster „seit urdenklichen Zeilen" bestehenden israelitischen Zentralsriedhofe in Rödelsee wurde es bisher als großer Mitzstand angesehen, daß bei Beerdigungen die üblichen Gebete und Nachrufe unter freiem Himmel stattfinden mußtenebenso war das vielleicht uiehrere hundert Jahre alte Häuschen, in welchem die rituellen Waschungen stattfinden, in einem sehr baufälligem Zustande. Durch eine sehr namhafte, großherzige Spende des Herrn Julius Klugmann aus New,Jork und seiner Gattln Fraenzi, welch ersterer aus dem zum Friedhosbezirke gehörigen Wiesenbronn stammt, war es möglich, einen zeitgemäßen, stattlichen Bau zu errichten, sowie das alle Häuschen gründlich zu renovieren. Die edlen Stifter haben sich ein großes Verdienst erworben und wurde durch eine an dem Gebäude angebrachte Erinnerungstafel deren Namen für alle Zetten verewigt. Ulm a D., 22. August. Am Sonntag, den 11. September findet in Ulm (Restaurant Mohrenkopf) eine Tagung des „Landesverband Württemberg im Reichsbund jüdischer Frontsoldaten" statt. In Anbetracht der reichhaltigen Tagesordnung ist allen ehemaligen Württewbelgischen Frontsoldaten der Besuch dieser Versammlung wärmstenö zu empfehlen. Aurich, 19. August. Dem Kaufmann Harry Knurr (Unteroifizier d. R.) in Aurick wurde nachträglich drs Eiserne Kreuz 2. Kl. am weiß-schwar» en Bande verliehen. Herren alb, 2o. Ang. Bei einem im „Schwab waldhoiel" veranstalteten Abend wurde im Anschluß an einen Vortrag des Herrn Rabbiner Dr. Kronur Oberdorf-Bopfingen über das Thema „Das heutige Judentum und sein geistiger Kampf" für die Ukraine- Waisenkinder die namhafte Summe von Mk. 1040 gesammelt. Sprechsaal. Eine aktuelle Feüge. Es ward jüngst an dieser Stelle daraus hingewiesen, daß man nunmehr beim Einkauf von Butter vorsichtiger sein müsse, nachdem Jett freigegeben und Fäl. schung mit Margarine zu befürchten sei. Ebenso wichtig — oder noch wichtiger — dürfte wohl die Milch frage sein. Nachdkm durch Knappheit der Milch, besonders irr Großstädten, sowie durch Einrichtung von Sammelstellen und Rationierung an vielen Orten die Erlangung von Koschermilch sehr erschwert war, mußten lange Zeit auf den Milchgenuß verzichten, was allerdings bei der ohnedies minder kräftigen Eunährung eine -große Erschwerung ist. Anderseits hat leider die große Masse derjenigen Kreise, die sonst keine Visa bw zbr> tranken, sich diese — sei es aus Mangel an Opfermut, oder aus falscher Folgerung ähnlich der Butter — erlaubt, obwohl der tppn nicht in Wegfall gekommen. Nun da die Freigabe von Milch auch erreicht ist, wäre es wohl an der Zeit, auch den irvrr wieder energisch aufrecht zu erhalten. Fragt es sich nur noch, aus welche Weise! Es ließe sich wohl in der Nähe jedes größeren Ortes eine jüdische Milchwirtschaft finden, oder eine andere, wo unter jüdischer Aufsicht Milch gemolken und nach der Stadt gebracht werden könnte. Es wäre dies für jede Kehillo ebenso wichtig wie Beschaffung von Koscherfleisch und anderen Lebensmitteln. Außerdem könnte man durch reichlichere Zuführung von kondensierter Koschermilch manchem Mangel abhelfen. Meines Wissens bekommt man solche in Frankfurt, Berlin und vielleicht noch anderen großen Gemeinden. Was aber dort zu erreichen, wird man auch anderswo erlangen können. Es dürfte wohl Sache der Herren Rabbiner und ^ehrcr sein, in dieser Frage ausktärend und wiihelfend einzugreifen. Betreffs kondensierter Milch hört man immer wieder Klagen, daß die Preise, wie bet den meisten dLG-Lebensmttteln, auffallend höher seien als bet anderen, was hauptsächlich der notwendigen Einfuhr vom Auslande zuzuschretben ist. Sollte es nicht möglich sein, auch im Inlands solche unter Aussicht herzustellen? Es sind doch auch in Deuschland Molkereien, die kondensierte Milch Herstellen, meines Wissens z. B. im Mecklenburgischen, so ließe sich doch auch irgendwo solche itw Herstellen. Uebrtgens wenn man von unseren Badegästen hörr, wie unsere lieben Glaubensgenossen an den Kurplätzen sich keinen Genuß entgehen lassen, und durch auffallenden Luxus geradezu öffentliches Aergernis zuweilen erregen und manches „Rischus" auf ihrem Konto haben, dann sollte es auch auf die 2-3 Mk. mehr nicht ankommen. Wir haben ja Organisationen genug, mit dem Propheten könnte man in Variation sagen: „Die Zahl deiner Städte ist.die deiner — Verbände." Ich glaube, es wäre dem mehr gedient, wenn man etwas weniger Reden halten, Artikel schreiben und Broschüren herausgeben würde, um sich mehr der Lösung praktischer Fragen zuzuwenden. Dies ist wenigstens die bescheidene Meinung eines ruö bv Stuttgart. Rabb^Dr. Ansbacher. Ve.rehrliche Redaktion des „Israelit"! In jüngster Zeit wird von gewisser Seite die tendenziöse Behauptung aufgestellt*), daß unser Großvater der Würzburger Rabbiner S. B. Bamberger seinen j?os indezug auf den Austritt in Frankfurt vor seinem Tode zurückgenommen habe. Man ging sogar soweit, daß man behauptete, Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Duschinska in Galanta habe diesen Brief gesehen. Im Interesse der Wahrheit geben wir bekannt, daß beide Behauptungen unwahr sind. In einem soeben empfangenen Briese von Herrn Rabbiner Duschinska von spricht er seine Verwunderung darüber aus, daß eine derartige Behauptung aufgestellt werden kann, da er über die Angelegenheit in keiner Weise sich geäußert habe "G"! "Gl kV er wisse über die Streitfrage nicht mehr als was allgemein bekannt ist. Zur Sache selbst teilen wir im Interesse der historischen Wahrheit mit, daß wix im Besitze von Briefen sind, in denen unser Großvater in Briefen an ungarische Gedaulim kurz vor seinem Tode seinen pvL ausrecht erhält und neuerdings halachisch begründet. Vielleicht bietet sich uns Gelegenheit, diese interessanten Schriftstücke an anderer Stelle zu veröffentlichen. Distriktsrabbiner Dr. S. Bamberger, Bad Ktssingen. Rabbiner Dr. M. C. Bamberger, Schönlanke. *) Sie ist uns nirgends begegnet. (Red. d. JSr.) 1. September ISA. Briefkasten. Auf Wunsch des Herrn Prof. Dr. A. Sulzbach bestätigen wir gern, daß der kritische Artikel über das Liverhant'sche Buch tiöVjiV "jtt *ibd in Nr. 29 des „Israelit" nicht aus seiner Feder herrührt. Ein Frankfurter Schüler. Wenden Sie sich an die Israel. Stellenvermittlungszentrale „Schomre Schabbos", Schützenstraße 14. Die etngesandten Briefmarken stehen Ihnen bei uns zur Verfügung. Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft. Band XIII. Frankfurt a. M. 1920. I. Kaussmann. Besprochen von Prof. A. Sulzbach. Preis 30 Mark und 50 Prozent Ausschlag. An den, vorliegenden Bande des Jahrbuchs gehen die Wirkungen der turbulenten Friedensjahre nicht spurlos vorüber, auf die Eleganz der alten Bände müssen wir verzichten, aber umsomehr entschädigt uns der Inhalt und umsomehr müssen wir es hoch anerkennen das; alle die Schwierigkeiten der Gegenwart die Arbeit nicht stören konnten und -daß die Ausstattung immer noch ein empfehlenswertes Aeußere aufweist. Aber ein schmerzliches Empfinden, das das Erscheinen dieses Bandes in uns auslöst, können wir nicht, dürfen wir nicht unterdrücken. Ter Mann, der wesentlich zu den, fruchtbarer Wirken der GeseUschast. beigetragen , der die Last der Herausgabe der Bände, freudig ans seine Schultern genommen, der keine Mühe" und Arbeit gescheut hat, die Bände als a^S"! D'jpinD in die Welt hinausgehen zu lassen: er sollte nicht mehr das Erscheinen des vorliegenden Bandes erlebeic! Mitten in seiner Tätigkeit, im kräftigen Mannesalter würde er abberusen, und wir wissen alle, was die Judenheit an dem herrlichen Menschen Tr. Salomon Bamberger V'L' verloren hat, der so w'enig für sich und soviel Zeit für die Gesamtheit hatte. Tie Literarische Gesellschaft vertiert in ihm eine ihrer kräftigsten Stützen. Darum mußte seiner zuerst gedacht werden, bevor der Jiihalt des Bandes in Betracht gezogen wird. Die Arbeit Dr. Leopold Fischers „D i e 11 r kund e n i m Talmu d" eröffnet den Neigen der Abhandlungen. Es bildet diese höchst interessante und tief schürfende Arbeit den 2. Teil einer im 9. Jahrgang erschienenen Abhandlung, welche die Form der Urkunden, besonders der in Ehesachen zum Gegenstände hat, während hier die Kaufverträge zur Besprechung kommen. Man wird an der Lektüre seine Freude haben. Tie Rechtsgeschichte hat durch diese beiden Arbeiten eine willkommene Bereicherung erfahren. — Tie bereits in verschiedenen früheren Jahrgängen veröffentlichten Mitteilungen ans dem ältesten P r o t o ko l l b u ch der portugiesischjüdischen G e ni e i n d e in H a m b u r g setzt der Herausgeber (I. C. Cassuto) hier fort. Wir haben ihren kulturhistorischen Wert bereits in früheren Besprechungen hervorgehoben. Hier sei nur aus die sprachlichen Bemerkungen, die der Herausgeber den Mitteilungen vorausschickt, aufmerksam gemacht. Das Portugiesische blieb lange die Umgangssprache der eingkwanderten Juden bis es sich mit dem Plattdeutschen vermischte. Jetzt zeigen sich noch Ueberbleibsel des Portugiesischen im shnagogischen Gebrauche beim Verrecken oer imv, reim “j'CsP '2, betm Verkütt0..u des Neumonds und eines Fasttages und den Bekanntmachungen, die erlaffen werden über das Jortschaffen des j>vn, über den Beginn des jwyn an den Vorabenden von 2K2 'S und S2"U. — Mit Freuden wird der Geschichtsforscher die Mitteilungen von Tr. R. M. Gelber „Aus dem Pinar des alten Judensriedhofs in Brody (1699 bis 1831) begrüßen. Tie Auslese, die der Vers. aus dein Friedhof-Verzeichnis der hervorragenden Gemeinde Brody, die reich an jüdischen Koryphäen war, der Öffentlichkeit übergibt, enthält eine Reihe von Namen, die in der Judenheit wohlbekannt sind und darum wird die Zusammenstellung in gelehrten Kreisen großes Interesse erregen. Die Notizen, die der Verfasser hinznsügr, machen die Veröffentlichung der gelehrten Forschung nutzbar. — Mit seiner Arbeit „T i e Ascheriden (1267-1391)" beschließt Alst. Freim a n n seine im 12. Jahrgang des Jahrbuchs begonnene Forschung. Was wir zu der gründlichen und in jeder Beziehung trefflichen Arbeit sagen können, ist, daß wir dem, was wir über den ersten Teil in diesen Blättern urteilten, nichts hinzuzufügen haben. Es ist hier ein Lebensbild Rabbenu Aschers und seiner Kinder geschaffen, wie wir es nicht gründlicher, nicht wissenschaftlicher entworfen uns wünschen könnten. Der uns hier zngemeffene Raum legt uns Reserve ans, so daß wir an dieser Stelle auf eine eingehende Besprechung verzichten müssen. Wir wollen nur wünschen, daß sich recht viele Leser in ihrem eigenen Interesse für diese mit reichem Wissen ausgestattete Abhandlung, die zusammen mit ihrem 1. Teile im 12: Jahrgang zu einem stattlichen Buche sich ausgewachsen hat, finden mögen. — „Ter jüdische Krieg g egen Hadrian" von Rabbiner Tr. Bondi '(Mainz) gibt einen Ausschnitt aus Halevhs Torot Horischvnim. - Es ist etwas Verdienstvolles, die Oeffenltichkeit'mit! der Tätigkeit Halevhs bekannt zu machen. Tr. lhondi hat sich in dieser Hinsicht um ihn sehr verdient gemacht und seine Aufgabe mit einer anzuerkennenben Anpassung au die Aufnahmefähigkeit der Leser ausgeführt.

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