Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 62 (1921)
- Issue
- Heft 34 (25.8.1921)
- Date
- 1921-08-25
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 89% known words query
- IRI
…/2446951-2450138-2450171--69174-2526342- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
»er AsraeUl. No. 3t Sette b 25 August 1921 Meir mit der Bitte gewandt, beim Zionistentongreß zu. erscheinen und die Erstattung der Reisekosten angeüoten. Nach eingehender Erwägung beschloß! das Oberrabbinat, den Antrag abzulehnen, da die durch die Reise bedingte längere Abwesenheit der Oberrabbiner von Erez Jisroel unter den geegnwärtigen Zeitnmständen nicht verantwortet werden könne. Ein Betuch paläninenlifctierRegierungsbeamten H^etach SiKrvah, 1. August. Jin Aufträge des Oberkominissars hat der palästinensische Staatssekretär des Innern, Sir W i n d h a m Tides, der Kolonie Petach Tikwah einen -offiziellen Besuch abgestattet, um sich über den Stand der Tinge nach Abschluß! der Unruhen zu überzeugen und beruhigend auf die jüdischen Kolonisten zu wirken. Sowohl Tides, als insbesondere der ihn begleitende Iustizsekretär Norman Bentwitch ermahnten in mehreren Ansprachen die Kolonisten, das Geschehene zu vergessen, die Beziehungen zu den Arabern nicht durch die an sich begreiflichen Gefühle des Grolles trüben zu lassen und denarabischen Nachbarn mit Liebe zn begegnen. Aus den Erlriderungen der Kolonisteil ging hervor, daß die unmittelbare Durchführung dieses Pvogrammes nicht ganz leicht sein wird. Man hob mehr oder minder deutlich hervor, daß es zunächst -doch notwendig sei, die an den Exzesseil schuldig Befundenen energisch zil bestrafen und damit auf die Unruhe stiftenden Elemente abschreckend zu wirken. Nur aus diese Weise könne einer Wiederkehr ähnlicher schmerzlicher Ereignisse vorgebeugt werden. Sir Windham Tides hob -übrigens mit voller Klarheit hervor, daß nach feiner festen Ueberzeugung die Juden all den letzten Excessen vollkommen unschuldig seien und keinerlei Veranlassung dazu geboten hättet!. Amerika. Die Einroanderungsbelrtiränftungen in flmeriha. Aew-YorK, 1. August. Tie Schiffs ges ells ch aften siild verständigt worden, daß das Gesetz über die Einwanderungsquote nnnniehr m i t aller Strenge durchgeführt luerben wird. Tie für jeden Monat festgesetzte Prozentziffer ftir jede Nationalität darf in ke.incm Falle überschritten werden. Tabei sind die Eimvandernngsgegner noch ^keineswegs zufrieden und bereiten neue Vorstöße im Repräscn tautenharis vor, uin dein Einlvanderungsgesek ständigen Charakter zu geben. Tie „Ha-jas" sieht sich veranlaßt, eine Sonderkomnlission nach Mexiko zu entsendeil, mit dorr nach den Möglichkeiten einer Einwanderung Umschau zu halten. An sich steht die mexikanische Regierung einer regulierten jüdischen Einwanderung nach Mexiko wohlwollend gegenüber; es fragt sich nur, ob die wirtschaftlichen und kulturellen Verhältnisse eine umfassende Einwanderung für die Juden rötlich erscheinen lassen. Diese Frage wird von der Kom- Mission der „Hajas" eingehend geprüft werden. Tem Newyorker „Vorwärts" wird von Montreal geschrieben, daß Kanada die amerikanische Einwanderungssperre lebhaft begrüßt und einen starken Strom jüdischer Einwanderer, als befruchtendes Element für das Wirtschaftsleben des Landes dringend w ü n s ch t. Familiennachnchlen. Barmizwohfeier. Gustav, Sohn des Herrn Hermann Rokowskt, Frankfurt a. M., Gwinnerstratze 38. Synagoge Jriedbergeranlage. Geburten. Einen Sohn: Jsfried Gottlleb, Gottlieb u. Frau (Rothschild) Fulda. Verlobte. Fräulein Dina Stetnberger aus Hünfeld, mit Herrn Isidor Saalberg, Frankfurt a. M., Eppsteinerstratze 33. Goldene Hochzeit. Am 38. August feiert Herr oseph Löb Mosbacher und seine Frau Jettchen geb. ichel in Eschau goldene Hochzeit. Leben-erneuerung. Von Carl Ludwig Schleich in Berlin. Wir haben in unserer Petzach-Nummer auf die w.iltragende reltgionsphilosophische und speziell jüdtschreligiöse Bedeutung der Forschungsergebnisse 'Pr os. Schlei chs über die Unsterblichkeit der Nueleinzellen hingewiesen. Eine hierauf im „Jeschurun" erschienene Besprechung aus der Feder Dr. Okear Woiffvergs wendete sich in kritisäen Ausführungen gegen die Zuverlässigkeit der Schleich'schen Theorieen und die von uns geacbene apologetische Auswertung. ^Wir hielten es für richtig, beide Aeuherungen Herrn Geheimrat Prof. Schleich vorzulegen und empfangen darauf die nachfolgenden Darlegungen, die wir angesichts der hohen Bedeutung des Problems für die liefere Erkenntnis der überliestrien jüdischen Wahrheiten unseren Lesern nicht vorenlhalten möchten. Zu der Kritik des Herrn Wolffsberg in „Jeschurun" 8. Jahrgang, Heft 5/6, Sette 250 über mein „Problem oes Todes" kann ich ntcbt schweigen, weil der Herr Referent mir vielfach persönlich Unrecht tut und sachlich seine Einwände sich gar zu leicht gemacht hat. Erstens ist es hart, den Erfinder der lokalen Anästhesie und zahlreicher viel gebrauchter Präparate und neuer Methoden der Wundbehandlung einen Phantasten, d. h. „einen unsicheren Bundesgenossen" zu nennen, weil ich neben der Lust zu „wissenschaftlichen, anspruchslosen (!) schlichten Arbeiten" auch eine dichterische Ader besitze. Hatte die v. Volkmann, Justinus Kerner, Billroth, Czerny und Mikulicz nicht auch? Sollte es ferner nicht gestattet sein, ohne seine Beweisführung zu entkräften, angemessen der Heiligkeit eines solchen Themas allen „Schwung und alle rhetorische Kraft" aufzubieten, um in unserer Zeit des Materialismus den Leser für tiefgreifende Probleme vorzubereiten und htnzureißen, was, wie mein Urteilssprecher zugibt, mir ja auch gelungen ist? Auch ist es betrübend/ daß Herr Wolfsberg meint, daß ein Chirurg kein kompetenter Beurteiler in Zellenfragen sein könne, wobei er vergißt oder verschweigt, daß ich vier Jahre lang bei keinem Geringeren, als bet Rud. Birchow pathologischer Anatom war und in zahlreichen Arbeiten „über den Krebs", „aus Asklepios Werkstatt" in „Neue Methoden zur Wundheilung" weine, wie ich glaube, die seine wettübertreffende Vorbildung über Probleme des Zelllebens nachgewiesen habe. Hat Thiersch und Billroth nicht Entscheidendes über Zellfunkttonen beige tragen, trotzdem auch sie „nur" Chirurgen waren? Was soll dieser falsche Autoritätsglaube, der nur mit dem erklommenen Spezialamte auch die speziellen Denkfunktionen verleiht? Damit hat selbst Dubois-Rcymond einen der größten Naturkenner aller Zetten, Goethe, nicht zu dtskreditiren vermocht. W. nennt nun das naturwissenschaftliche Fundament meiner Hypothesen höchst unsicher. Ist die Zeugungskraft aller Chrom osome und des „organisierten" Nukleins, (darauf kommts an: auf die Organisation, die rythmtsche Uebertragungskraft der Nukleine, nicht auf ihren durch Zerstörung des getstigenBandesdargebotenen „Chemismus" und „Analyse" in Retorten) — ein unsicheres Argummt? Ist das Wunder der Erzeugung eines Menschen aus Zelle und Sperma als physikalisches Paradigma für alle Regeneration und die Panmixie (universeller Ketmtausch aller belebten Zellen) ein unsicheres Argument? Wenn alle Einzeller unsterblich sind, weil sie auS ideoplastischer Nukleinsubstanz (Wetzmann) bestehen, ist es da nicht ein sehr starkes Argument, jeder organisierten Nukleinsubstanz unbegrenzte Zeugungsfähigkeit zuzusprechen? Ist das Argument unsicher, wenn ich behaupte, die materialistische Theorie vom Abbau- Chemismus sei falsch, weil, wenn sie richtig wäre, wir ja keine Infektion, keine Seuche, keinen Typhus, keine Cholera kennen würden, weil die anerkannte Zusammensetzung dieser Seuchenträger aus „Nichts, als Nukleinsub stanz" dann durch „Abbau" unter allen Umständen zerstört werden müßte?! Manchmal sind solche Bakterienleiber unschädlich, dann befruchten sie die Zellen, was ich für die Wundheilung direkt bewiesen habe, es stimmt aber auch für Hefe, Darmbaktersin und andere symbiotische Formen oder aber sie werden nicht abgebaut, dann fressen sie die Zellen und die Bakterienerzeugung wuchert ins Ungeheure oft bis zum Tode des Wirtsorgantsmus. Mich dünken diese Argumente sehr stark, so wie man etnsieht, daß noch lange nicht, weil die „chemische Ana yse" bet Abbau einer antiken Statue kohlensauren Kalk (Marmor) ergiebt, ein Bildwerk Nichts ist als eine Zusammenballung von Marmor, Sandstein oder Bronze. Das Lebendige, den Geist, die durchgehende Idee kann kein Chemiker bei der Analyse finden, die findet nur die Phantasie im Ahnen der Zusammenhänge des Lebendigen und Todten. Wenn W. die Wichtigkeit der „Vitamine" betont, die ich „gänzlich ignoriert" habe, so bedarf es nur des Hinweises, daß diese Vitamine eben die Träger der zeugungsfähigen Substanz sind, die man Chromosome, Jdeopiasma oder auch Vitamine (d. h. Lebensträger) nennen mag, ihre Wichtigkeit für die Nahrung ist ja, was dem Herrn Kritiker entgangen ist, eine sehr kräftiges! Argument für mich. Denn, wenn eben nur bestimmte Zellgruppen entscheidend sind für die Erhaltung und den Fortbestand der Zellerneuerung, wie die Vitamine der Kartoffel, Reis, Körnerschalen, so kann das doch sehr wohl feinen Grund haben in der besonderen zeugungstätigen Organisation gerade dieser Zellgruppen, während nach der chemischen Abbaurheorie es doch schwer begreiflich erscheint, warum die Kohlentydrate, Fette und Eiweißsubstanzen der übrigen Zellfruchten eben nicht genügen, die Neuerzeugung der Zellen zu unterhalten. Wäre die Ernährung nur Calorien- Chemismus, so ist es unverständlich, warum ein Neugeborenes mehr an Gewicht zunimmt, als es an Nvhrungsmaffe anfntmmt und ohne das Mysterium der Zellbesruchtung ist es ein Rätsel, wie ein Samenkörnchen in einem Erde haltigen Topf über dos Gewicht der Erde im Topf hinweg einen Strauch bilden kann, der in einem Jahre schwerer ist, als Topf plus Erde. Woher stammt hier das Plus an Gewicht, wenn nicht aus Wachstum, das stets eine Folge der Zellenzeugungen ist. Was kann aber der befruchtende Grund der Zcllerneuerung anders sein, als die organisierte Nuklein substanz, die überall der Träger der Fortpflanzung ist. Also müssen, wo etwas wächst, reichste Zellhochzetten und Chromosompaarungcn am Werke sein. In meinem schon angekündtgten Buche über die „Unsterblichkeit" werde ich' über dies noch eine Fülle neuen Bewetsmatertales beibringen, das ich in Erwartung der Gegnerschaft nicht sogleich ins Gefecht führen wollte. Ich habe diese Theorie schon tm Jahre 1886 gelegentlich einer Exhumierung einer Leiche Rud. Birchow vorgctragen, habe also 35 Jahre lang diese neue Anschauung ventiliert und gewissenhaft jede neue Erfahrung auf dem Gebiete des Nahrungsmechanismus verfolgt und registriert und Jahr für Jahr fand ich meine Theorie bestätigt und meinen Zweifel an der Stichhaltigkeit der alten Lehre: Ernährung ist eine Calorienangelegenhett, immer mehr befestigt. Meine zahlreichen Leser, die nicht enttäuscht wie Herr W. das Büchlein aus der Hand gelegt haben, sondern mir in einer gewaltigen Zahl von Zuschriften für diese befteiende Anschauung gedankt haben, dürfen sich also nicht abschrecken lassen mit dem Anathema des Kritikers, daß ich