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Der Israelit · 1921-08-25 · Heft 34 (25.8.1921) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
62 (1921)
Issue
Heft 34 (25.8.1921)
Date
1921-08-25
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Getre 6 fit. 34 zu den Phantasten gehöre. Ich habe aus nackten, sogar experimentell beweisbaren Tatsachen Schlüsse gezogen, die dem öden Materialismus den Boden unter den Füßen wegzuziehen geeignet sind. Im übrigen sind meine zahlreichen Bücher durchsetzt mit näheren Details und Ausführungen zu der in diesem knappen Bortrage über das Problem des Todes zusammengefaßten neuen Lehre vom Sinn des Lebens und seiner Unzerstörbarkeit. Zakod Römer „Der Talmud? (Fromer, der Talmud. Cassirer, Berlin, 1920, VIll. und 348 Seiten.) Bon Rabbiner Dr. L. Rosenthal in Berlin (Schluß.) *) Seine allgemeinen Urteile über das Ganze setzen uns (nach solcher Vorbildung kein Wunder) auf Schritt und Tritt in Staunen. Rabbi Jehuda Hannaßi Hit nach ihm z. B. an eine ewige Geltung semer Mischna ohne bessernde Arbeit der. späteren Geschlechter gedacht. Derselbe Mann, der ausgesprochen hat: Meine Vorfahren haben mir Gelegenheit zur Selbstbetätigung geboten, und ich biete den Späteren die gleiche Gelegenheit! Die Art, wie er Mekhckta, Sifre und Sifra anführt, zeigt, daß er von deren weittragendem Einfluß auf Mischna und Gemoro keine Ahnung hat. In Traktaten wie Sabbat kann er nicht genug über die Aufzählung von Kleidungsstücken spotten, die „wie der Bericht eines Modejournals" anmutet. Bei Erörterung der Frage, ob Waffen Last oder Zierde feien, hat er keine Ahnung, daß es sich hier um den geschichtlichen Streit zwischen den schammaitischen Kriegseiferern und den hillelitischen Friedensfreunden handelt.(? Red.) Und daß die Einzelheiten des Sabbattraktats dem Geschichtsforscher das jüdische Volk in seinem häuslichen Leben und in seiner Arbeit (im Gegensatz zu dem obenerwähnten Müßiggang) zeigen, dafür hat dieser scheinbar mit Wesmszügen, Strömungen, Strängen und anderen geschichtlichen Redensarten arbeitende Verfasser kein Auge. Der Talmudjude kann im Spätjudentum, meint er, nicht an die Natur heran. Und wie spottet er trotzdem über den Mischnaisteu, nach dem der Mensch auch „durch die Nase und Augen genießt!" „Wer den Duft einer Blume einatmet, muß mit anderen Worten dafür banken, als wenn er seine Nase an wohlriechenden Hölzern oder Früchten oder Oelen ergötzt." Wett umfangreicher sind die Danksprüche für die Augenweide; für den Anblick eines weisen Heiden ... einer Baumblüte, eines Blitzes, eines Wetterleuchtens, Sternschnuppen, Regenbogens, Gebirges, Meeres usw. Und da kommt der Jude nicht an die Natur heran? Gerade die Bibel ließ die Naturpoesie entstehen, da der Jude sie betrachtend als das Gottesgeschöpf ansah, während der Grieche sie abergläubisch verehrte und betrachtete. Hat Fromer nicht einmal die Gemoro Taanit mir ihren tiefsinnigen Agadot gelesen, welche in echt Goethesicher Weise Agadot als Naturdichtungen in Fülle bietet? Und wo wären sonst Kalliri's Tal und Geschem bergekommen? Bei all diesen Mängeln stellen sich keine dementsprechenden Vorzüge heraus, trotzdem Verfasser mit großen Ansprüchen auftritt, als Forscher, der zuerst den Talmud ohne Voreingcnommcuheit erforscht hat. Beständig wirst er mit wissenschaftlichen Schlagwörtern um sich, behandelt die größten Gemeinplätze mit ungeheurer Weitschweifigkeit und geht um die wichtigsten Fragen ohne Ahnung von deren Vorhandensein hinweg. Was er über Wesen und Zukunft des Talmuds sagt, ist entweder nichts Neues, oder es sind fremde Tinge, die mit Gewalt herbeigezogen, der Füllung des Ganzen dienen sollen. So z. B. gehört die etwas gedehnte Darlegung, wie ein Stillstand in den Biöetforschungerr im Judentum eingetreten ist, bis sie erst durch die heidnischen Griechen ihre Schrift und deren Teurung erkannt, dann nachgeahmt und endlich übertrumpft haben, in diesem Umfange *) Siehe „Israelit" Nr. 23. W€X ' nicht in die Geschichte des' Talmuds, sondern der Bibel. Ja, wenn derartige Triebe hier wissenschaftlich vom Ausflusse aus der Bibeldeutung in die Bahnen des talmudischen Terusch h inein geleitet und deren Art an Beispielen, und zwar nicht zu wenigen, gezeigt würde, bis zu den letzten Zeiten? Wenn wir erfahren könnten, was nur hingewörfenes Bonmot was gedächtnismäßige 'Anlehnung, was bloßer Hinweis, endlich, was ernste gesetzliche Herleitung ist! Davon keine Spur. Ebenso die bei Fromer immer wiederkehrende Herleitung jüdischer Schattenseiten (wie er glaubt) einerseits aus der grauesten Vorzeit, bewiesen durch deren Spiegelbild im neuzeitlichen Ghetto. Ich vermisse bereit Kennzeichnung durch Beweisglieder aus dem Talmud, worauf es doch ankommt. Oder die Sache gehört in den angekündigten zweiten Band. -Wenn die Sache nur wahr wäre. Tie Papyri von Etephantine beweisen selbst bü den jüdisch-persischen Soldaten durchaus, keinen Rückgang, vielmehr eitlen Fortschritt, der sich durch den Achikarroman mit seinen Anspielungen auf das biblische Spruchbuch, durch die eifrig-religiöse Gesinnung der Gemeinde von Ieb knndgibt.' (Und der 119. Psalm — soll der und ähnliche Gesänge und Loblieder der Thora und Weisheit nicht mindestens ans jüdischen Kreisen der voralexandrinischen Zeit stammen?) Solche Ansichten sollen dem Judentum jeden Anspruch auf währe Schöpferkraft rauben, weshalb stark dagegen angekämpft werden muß? Die etwaige Verteidigung des Pharisäismus und die Darlegung der Einheitlichkeit im Talmud sollen wohl Ergebnisse des „Umlernens" sein — sie sind aber schwach und ebenso beweislos ausgefallen, sodaß sie in jüdischen Kreisen kein Wohlgefallen Hervorrufen und auch der Allgemeinwelt heute nichts Neues mehr bieten dürsten. Wenn nun noch gar Spinoza, dann die Vereinigurig von Talmud und neuzeitlicher Bildmlg, ja, das Friedensziel der Menschheit und andere schöne Tinge hier Hineinspielen, wir dagegerr Nichts über die gegensadduzäische Urmischna, die halachischen Ansichten der Hilleliten und Schammaiten, die Mischna Eliesers und Josuas, die Mischna Akibas, die Mischnafassimgen seiner Schüler, Joses. (Simone* Meirs. Judas, die Uebergangsmischna zum Abschlüsse an. endlich die Art Inda Hanassis und endlich der späteren, aus amoräischer Zeit stammenden Mischnas finben. -- cs sind größere Ansätze aller dieser Quellen inzwischen gefunden worden intb sie werden ferner entdeckt —, so spricht sich in diesen gänzlich unwissenschaftlichen, etwas sein sollender, 'Anhängseln nur die Unzulänglichkeit des Verfassers aus, der nur in solchen Allgerneinheiten etrvas leisten soll. Und er mußte doch ans Spinoza selbst ersehen, daß der Weg entweder vom Allgemeinen zum Besonderen oder vom Besonderen zürn Allgemeinen führe (alte, auch von Kant benutzte Begriffe, Analysis oder Synthese, Begriffserläuternng oder -Erweiterung). Und was den Weg Spinozas zum Allgott anbelangt, so führt er statt der romanhaften Empfindungsart, welche Fromer seinem Denker beilegt, einfach ans kartesianischen Voraussetzungen zum Pantheisrnus. Cartesins hatte drei Substanzen angenommen, Gott, Denken urrd Ausdehnung. Substanzen fiitb unendlich. Daher kann es nur eine Substanz geben, denn zwei oder drei Unendlichkeiten sind undenkbar. Also ist nur eine einheitliche Weltgrundlage da, in der wir unserer Anlage gemäß das Denkende und das Ausgedehnte uns nrrr als getrennt vor stellen können. Daher sind es Attribute der Gottheit, Eigentümlichkeiten, welche unser Denken in ihnen sucht. Alles' Sonstige ist Modus, Augenblickszustand der Substanz, ohne Selbständigkeit und Tauer. Diese Lehre war bereits den alten Eleaten bekannt; sie war in der Kabbala unbewußt vorhanden, sie beherrscht die Lehren Giordano Brunos, sie zeigt sich nicht nur bei Schelling und Hegel, sondern auch bei 25 August 1921 Schopenhauer mit seinem Willen. Auch d a% ist uns bekannt, daß die Vereinigung von. vxtvnsio und inteliectus eine gewaltsame ist sowohl bei Spinoza, als auch bei seinen Nachfolgern bis zu den Materialisten und den Monisten. . Möge Fromer diesen Herzenserguß eines unphilosophischen Beurteilers mir nicht verübeln; im übrigen Hütte er jeden anderen Philosophen ebenso wie Spinoza, heranziehen können. Wir. wollen ja hier keine Predigten Und keine Weissagungen hören, sondern der Talmud, Geschichte, Wesen und Zukunft, sollte uns dargetan werden; dies Wesen und die Zukunft wurde fast (nnt ein berühmtes Wobt des sel. Tr. Eschelbacher zu brauchen) zum Unwesen. Sprechsaal. Für die Verbreitung des selbständigen Thoralernens unter den Schülern. In Nr. 29 Ihrer gesch. Zeitschrift erhebt ein Herr 8c. unter dem Titel „Für die Integrität der Mischna" schwere Beschuldigungen gegen mein 'nehrh *jm im. Getreu den Lehren der Mischna P\ib cisn bs rx p nni M21 nehme ich an, daß Herr 8c. bei seiner Kritik, die sich übrigens nur mit den erst?» 14 Setten des Buches, mit dem Teil der nicht zur eigentlichen Methode gehört, befaßt, nur von reiigiösen Empfindungen leiten ließ. Ich sehe mich daher genötigt, eingehend die Meihode des Buches zu beleuchten, um'bet Wahrheitsite, benden alle Bedenken zu zerstreuen. Das nzAiti -pi im ist, wie auch sein Name und die zwei begleitenden Sätze des Titelblattes besagen, kein Ersatz für irgend welchen Abschnitt der Mischna oder Gemoro. Es ist kein abgeschlossenes Ganzes, es ist nur ein Weg, der zum Talmudlernen führt, und bestrebt ist, den Schülern allmählich zum selbständigen fernen zu verhelfen. Jst's doch uns heutzutage ein heiliges Gebor, die talmudlernende Jugend noch während ihrer Schulzeit zum selbständigen Lernen zu befähigen, damit sie aus ihrer kurzen Jefchiwozeit auch möglichst viel profitiert. Erreichen wir das, und wir können es, dann haben wir viel erreicht, erreichen wir eS aber nicht, so ist i"n zu befürchten, daß mir raiiw Skwö. Bet der kurzbemessenen Zeit für's Thoraiernen ist es Pflicht d.r Lehrer, ihrem Unterricht bis zum höchstmöglichen Grad produktiv zu gestalten. — „Lernen können" heißt verstehen! DaS Kind muß daher gleich zum Verstehen des Gelernten angehalten werden. Ein vom Kinde verstandenes Lernen ermüdet es nicht und weckt in ihm Lust und Liebe zum Lernen. Lernt aber das Kind Dinge, die es nicht versteht, die es nicht verstehen kann, so wird sein Verstand verflacht, das Lernen ermüdet es und weckt in ihm eine allmählig steigende Unlust. Dazu kommt noch, daß das unverstandene Lernen sehr zeitraubend ist. Aus diesen und noch manchen anderen wichtigen Erwägungen ist das irtAnS *pn ibd hervorgegangen. Dem Rate der letzten Mischna in 8170 822 gehorchend, beginnt das eigentliche Lernen auf S. 18 mit Die Schüler lernen erst diejenigen Teile gewisser Abschnitte, die ihnen leicht verständlich sind, und entsprechend ihrer Entwicklung steigen die an sie gestellten Anforderungen, die. sich in den weiteren Teilen zu denen eines ganzen, abgeschlossenen Lernens verdichten. Es wird auch dem Umstand Rechnung getragen, daß Kinder nicht gerne zum Zwecke der Wiederholung zurückgreifen, sich aber freuen, wenn sie bei ihrem Vorwänsschreiien aus Bekanntes und Gelerntes stoßen. — Von S. 'x BIS S. 'rr bringt das 11017*7 “jn ibd Kapitel über 7028 und p"8 ‘■p‘7, um so Liebe zu mir und ntatö in bte zarte Seele des Kindes zu pflanzen. Ich habe daher nur solche Sprüche aus 7028 >piB gewählt, die dem Kinde Etwas geben, ihm verständlich sind. Die angeführten Zitate sind weder gekürzt noch zugeschnitten, und auch nibt geflickt. Es sind nur auf S. 4 Zeile 4 die runden Klammern von 2"i weggefallen und vom Korrektor, der ein allgemein bekannter 81' und großer n"r ist, übersehen worden, wovon sich jeder Wahrhettliebende durch die letzte Zeile der Seile 'n überzeugen kann. — Falsch wäre es, wenn ich auf S. 2 die Sätze n&xn ay nri't? rrnion *721 angeführt bätte, da dem Kinde solche Begriffe ganz fremd sind. Der Lehrsatz itto ,i2iö gibt in der Uebersetzung nicht den ursprünglichen hohen Gedanken wieder. Und wollten wir dem Kinde sagen, es möge nicht viel essen und trinken, so wäre es gegen den Sinn seiner frommen Eltern, die es zwingen, seine Mahlzeit ganz zu verzehren. Aus demselben Grunde ist auch der Lehrsatz nvwön ist noDn. nicht angeführt, denn rrriyio yeiht täu!T)fi und nicht wie 8c. meint, — siehe r«l» i:oi — und wollten wir diese Lehre in Einklang mit den Handlungen seiner frommen Eltern bringen, so müßte man dem Kinde erst einen sozial wirtschaftlichen Vortrag halten. —.Wer Kinder aufmerksam unterrichtet, weiß, daß sie im Alter von 8-9 Jahren Beweise überhaupt nicht verstehen, und geschweige denn aus einem Gebiete, das ße erst intensiv lernen müssen. Ich

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