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Der Israelit · 1921-08-18 · Heft 33 (18.8.1921) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
62 (1921)
Issue
Heft 33 (18.8.1921)
Date
1921-08-18
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seite 6 Nr. 38 _ polnischen Gebieten berichtete, wurde eine siebengliedrigeWaisenkommtssion eingesetzt und beschlossen, zunächst 50 ältere Knaben zur Versorgung zu übernehmen. Bewilligt wurden ferner sür die Ukraine-Flüchtlinge in Ostgalizien 4 Millionen polnische Mark, für den Bezirk Kowel 1,5 Millionen polnische Mark und für Rowno 5 Millionen polnische Mark. Aus den Geldern sollen Emigrantenheime, Tagesheimstätten für Kinder, Küchen, Teehallen, Werkstätten errichtet und der Transport von Auswanderern ermöglicht werden. Ein Kleidertransport soll in Kürze nach Wolynien abgehen. Tj Lherho-Klowakei. Honfeien? der thorafreuen Juden. Mrünn, 16. Aug. Am Sonntag, bcu 17. September l. Zs. findet in Brünn eine K o n s e r e n z d e r t h o ratreuen Juden von Böhin en, M ähren und Schlesien statt. Auf her Tagesordnung steht „Die Schaffung einer Zentralorganisation der thoratreuen Juden". An alle Juden der genannten Lander, die eilt Interesse an der Erhaltung des thoratreuen Judentunis haben, ist die Aufforderung ergangen, an der Konferenz teilzunchmen. Anmeldungen sind an den Borstand der Machsikc Hadas, Brünn, Adlergasse 9, zu richten. Noten. örsnöunglSlll in PjM. Warschau, 10. August. Berichte aus Pinsk melden von einer schreck' lichen Feuerbrunst, die in wenigen Stunden über 700 Häuser einäscherte und über 5000 jüdische Familien obdachlos machte. Die vereinigten Fil^rnithren aus Pinsk, Brest, Kobrin und anderen Städten standen machtlos dem Elemente gegenüber. Der Schaden beträgt Milliarden. Leider gab es auch Menschenopfer, deren genaue Zahl noch nicht festgestellt ist. Die „alte Schul" wurde mitsamt anderen Synagogen und öffentlichen Gemeindebauten ein Raub der Flammen und mit ihnen verbrannten einige hundert Thorarollen. Die jüdische Bevölkerung kampiert ohne Obdach, Kleidung und Nahrung auf den Feldern. Bon Warschau aus ging heute das erste Hilfsauto mit Lebensmitteln und Medikamenten dahin ab. KetUanv. Kiga, 10. August. Bei den letzten Gemeinde' Wahlen wurde Herr D ubin, Mitglied der orthodoxen Partei, als Präsident der jüdischen Kehilla in Riga gewählt. Diese Wahl bedeutet einen Sieg des orthodoxen Gedankens in der Hauptstadt Lettlands. Rußland. Pogrome ln Meiß-Bußlanö. „ Stockholm, 7. August. Die Gerüchte über Pogrome in Weiß-Rußland mehren sich, sind aber in den Einzelheiten bisher schwer kontrollierbar. Mehrere hundert Juden sollen Mitte Juni, zumeist in kleinen Dörfern in den Gouvernements Minsk und Slucs, umgekommen sein. Selbst in einer landwirtschaftlichen Kolonie im Kreise Bobrutsk hat man nach dem eingelaufenen Berichte 80 Juden getötet und eine große Zahl verwundet. $tdgavUtt+ Die iüöiichen Schulen in Bulgarien« Sofia, 10. August. Im neuen Schulgesetz, das vor kurzem im bulgarischen Parlament angenommen wurde, wird den jüdischen Kulturbedürfniffen weitgehendste Rechnung tragen. Alle Kosten für die Erhaltung der jüdischen Schulen in Bulgarien werden vom Staate übernommen, während die Verwaltung Der KSraettr derselben nach wie vor in den Händen der ger wählten jüdischen Schulräte bleibt. Die Regierung hat somit mehr als Ihre Pfl'cht getan und hängt, es jetzt von den jüdischen Gemeinden selbst ab, ob und wie sie von diesem Entgegenkommen den rechten Nutzen für das jüdische Leben zu ziehen wissen. Kanada. JLonbon, 11. August. Hundertfünfzig jüdische Waisenkinder aus der Ukraine sind auf dem Wege nach Kanada und trafen heute aus Antwerpen in London ein, wo sie von Frau Fr ei mann, der Vorsitzenden des kanadischen Komitees für Versorgung der Kriegswaisen und anderen Damen in Empfang genommen wurden. Inzwischen hört man von Kanada, daß auch dort große Hetzen gegen die jüdische Einwanderung im Gange -sind.' < /Besonders ist es der ^QWbecker Telegraph", d^r hü' der Spitze'dtzr Scharfmacher marschiert, die ein Einwanderungsgesetz nach dem Beispiel der Union auch für Kanada verlangen. Ualästina. Paiäftinenniche Landesnerfeiöigung* Jerusalem, 3. August. Der Oberkommissar tritt nunmehr an die Verwirklichung des bereits vor den Jaffaer Pogromen ins Auge gefaßten Projektes der Bildung einer Art palästinensischer Verteidigungsmacht heran. Es handelt sich um eine Gendarmerie, die der bürgerlichen Polizei bei der Aufrechterhaltung der Ruhe und Ordnung zur Sette stehen, daneben aber auch den Grenzschutz, soweit es sich um Ueberfälle von Beduinen , sonstigen irregulären Banden handelt, aus-! üben soll. Das Korps wird nach der soeben erlassenen Verordnung nur aus 500 Mann bestehen und zwar aus 300 Berittenen und 200 Mann Infanterie. Die Zusammensetzung des Korps soll in gleicher Weise Araber, Christen und Juden umfassen. Man muß abwarten, wie die neue Truppe in der Praxis aussehen wird. Gelingt es, die arabischen und christlichen Mitglieder der Gendarmerie so vorsichtig auszuwählen, daß nur ruhige, pflichtbewußte und von allen nationalen oder religiösen Vorurteilen freie Männer dem Korps angehören können, so mag die kleine Truppe, insbesondere wenn sie gut bezahlt und wenn sehr viel für die einheitliche moralische Erziehung von Seiten geschickter Vorgesetzter getan wird, ein geeignetes Instrument zum Schutz des wirtschaftlichen und politischen Aufbaues des Landes werden. Die Leitung des Korps wird und muß ausschließlich in den Händen englischer Offiziere liegen. Jerusalem, 24. $ulL Eine größere Gesellschaft vermögender amerikanischer Geschäftsleute unter Führung von Rabbiner Teitelbaum und Harry Fischet ist hier eingetroffen. Wie bereits früher gemeldet, wollen die Amerikaner hauptsächlich der Errichtung neuer Häuserbauten ihre Aufmerksamkeit zuwenden. Personalien. Krefeld, 8. August. Am letzten Ttscho beaw beging unser Gemeindemitglied Herr Gabriel Patz mann in seltener geistiger und körperlicher Irische seinen 91. Geburtstag. Der Jubilar ist langjähriges Vorstandsmitglied der Chewra Kadischa und vieler anderer Wohltätigkeitsoereine unserer Sradt. Zwei am Ort befindliche Töchter wetteifern darin, das patriarchalische Alter des greisen, verdienstvollen Mannes zu verschönern. Möchte ihm ein gesegneter Lebensabend beschieden sein. Regensburg, 13. August. Durch das Hinscheiden von Frau Babene Rosenbla tt y": am 8. Aw im gesegneten Aller von 77 Jahren ist ein Heim aufgelöst worden, welches wett über den engen Kreis unserer Gemeinde hinaus als eine Stätte altjüdtscher ni,mrr-Aus.; Übung und echter Gastfreundschaft gekannt und geschätzt war. Die Heimgegangene hat als würdige Gattin des ihr vor zwei Jahrzehnten in die Ewigkeit vorange- .__18 August 1931 gangenen Herrn Adolf Rosenblatt in dessen Gei^ ihr Haus weiter geführt und den Ruf des Hauses Rosenblatt, an der Heeresstratze zwischen Deutschland und Oesterreich gelegen, treu gewährt, als einer jener Sammelpunkte, wo jüdische Menschen ohne Unterschied ihrer sozialen Stellung in seelischen und leiblichen Nöten allezeit ein offenes Herz und eine offene Hand fanden. Bor allem hat die Heimgegangene, getreu den Trabt« ttönen ihres Vaterhauses, des in bayerischen Kreisen noch unvergessenen Herrn Schületn Heydecker, jede Institution, welche der Thora gewidmet war, mit dem ganzen Ausmatz ihres Könnens gefördert. Der Hinterbliebenen trauernde Kinder und Enkel werden den Trost um den Verlust der sie getroffen, darin finden, datz die Saat der Liebe, welche die Verstorbene wahrend ihres Lebens ausgestreut, ihr Andenken stets in segnender Erinnerung halten wird, nmn1? njns "DT.! Riga, 13. August. Ende Juli starb, fern von. der Heimat, tnBerlin der hier und in ganzLettland in höchstem Ansehen stehende Alexander Siskind Berlin. Der Verstorbene gehörte zu den markantesten Persönlichkeiten unsexer Stadt, bei der 'fra* aipttt r^nn min sich vereinigten. Ein vortrefflicher Thoragelehrter, von tiefer Gottesfurcht, grotzem vielseitigen Wissen und ungewöhnlicher Wellklugheit ausMzeichnel-M Nkd e er von seinen Verehrern an die Spitze vieler Institutionen gestellt, wo er das Vertrauen in höchstem Matze rechtfertigte. Es war kaum ein Gebiet in der jüdischen Liieratur und Wissenschaft, auf dem er nicht zu Hause gewesen wäre. Seine stete Absicht war es, auf dem heiligen Boden Palästinas sein Leben zu beschließen, nur vorübergehend wollte er sich bei seinen Kindern in Berlin aufhalten, wo er nun, zum gröhten Schmerze seiner Gemeinde und der großen Schaar seiner Verehrer, die ewige Heimat fand. Berlin, 11. August. Von einem plötzlichen ^od ist der Rabbiner Dr. Hochseldim Alter von 50 Jahren ereilt worden. Als er sich gestern aus der Fahrt vom Zoologischen Garten nach Charloitenburg befand, um seine Sommerreise anzutreten, wurde er vom Schlag getroffen und starb nach kurzer Zeit. Der Verstorbene wirkte als .Rhbhiner an der Synagoge in der Lützowstratze Md'Har .fiijch Dozent an der Hochschule für hie Wisse^chäsi'ÄeK'JÄesitums. ' Berlin, 28. Juli. Wie der „Vorwärts" mittellt, wurde auf dem seit Jahren als antisemitisch verseucht bekannten Nordseebad Borkum unter großem Jubel der deutsch-völkischen Badegäste von. aktiven Küstentruppen die schwarz-rot-goldene Fahne heruntergeholt. Dieser Tatbestand wurde dem Reichspräsidenten Eoert gedrahtet, außerdem sandte der Retchstagsabgeordnere Hünltch folgendes Telegramm an den Reichswehrminister Getzler: „Auf Borkum, unter hervorragend« Beteiligung aktiver Küstenwehrangehöriger, schwarzrot-goldene Fahne beschimpft, beschmutzt und niedergeholt. Daneben Beteiligung an anderen Ungehörig, keilen gegen nicht alldeutsche Badegäste. Ueber das Nähere schriftliche Mitteilung erfolgt. Protestiere als Rerchstagsmitglied gegen skandalöses Benehmen im Dienst der Republik stehender und von ihr bezahlter Soldaten. Ersuche dringend um sofortiges Eingreifen:" Wie wir weiter hören, war der Etsenbahnsekretär, dem die energische Behandlung der Angelegenheit zu danken ist, beim Oberpräsidenten Noske, der die erforderlichen Anweisungen vom Reichspräsidenten erhalten Hai. Die republikanisch gesinnte Bevölkerung Borkums ist entschlossen, sich nicht länger von dem nationalistischen Pöbel provozieren zu lassen und es ist dringend zu wünschen, datz die Behörden nachdrücklich durchgreifen, ehe es zwischen Einwohnern und Gästen zu tätlichen Auseinandersetzungen kommt. Elberfeld, 24. Juli. Die Generalversammlung des jüdischen Wohlsahrtsverbandes Elberfeld-Barmen hat kürzlich stattgesunden. Der Bericht-' den die Vorsitzende, Frau Samuel erstattete, läßt eine lehhrfbe Verbandsarbeit erkennen, die versuchte, alle Kräfte sKye Gemeinde im Dienste jüdischen Gemeinwohls zu einen. Dem Bericht entnehmen wir. daß die Arbeit unter dem besonderen Druck der Judennot unserer Tage stand. Das eingeleitete Palästinahilfswerk konnte wohl als erstes in einer deutschen Stadt tm Einvernehmen mit den Gemeinden und Organisationen aller Richtungen durchgeführt werden und ergab eine beträchtliche Summe. Anderen Einrichtungen im Reich, die versuchten, jüdischer Not zu begegnen, wurden gleichfalls durch den Wohlfahrtsverband Mittel zu« geführt. Die Flüchtlingsnot kam durch lebhafte Nachfrage junger Männer um Arbeit zum Ausdruck. Eine geregelte Arbeiterfürsorge wurde sür ostjüdische Arbeiter eingerichtet, die in Elberfeld oder Barmen ansässig sind und dort arbeiten. Durch die Kommission Arbeitsnachweis und Berufsberatung wurden 24 männliche und 13 weibliche Per«, sonen untergebracht, Berufsberatung in 20 Fällen ausgeübt. Ein Vortrag des Direktors der Elberfeld« Kunstgewerbeschule, Schulz, an einem i Eltern- und, Schülerabend über Künstgewerbe und Handwerk gehalten, brachte noch in späteren Aussprachen einigen jungen Menschen Klarheit über ihren zukünftigen Beruf. Der Vortrag über den „Stand der Ostjudenfrage" in Deutschland von Walt« Dr. Preutz, weckte

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