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Der Israelit · 1921-08-18 · Heft 33 (18.8.1921) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
62 (1921)
Issue
Heft 33 (18.8.1921)
Date
1921-08-18
Page
– (sequence 5)
Language
German
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18. August 1921 Ler K-raettt. Grass-Bondi (vorm. M. C. Kirchbanm Nachf.) Frankfurt a. M., Große Eschenheimerstr.4. Spezialität: kompSe"8 Braut - Ausstattungen Verwendung nur guter Qualitäten bestens in Wäsche und Haltbarkeit Baby« Ausstattungen Sorgfältige Bedienung Sauberste Ausführung 3535 a Beste Verarbeitung 1 Samstags geschlossen. mm^ ~ unter diesen Juden. Sie haben ihre eigenen Ansichten und ihre eigenen Ideale, die aus jahrhundertelang Praktizierten Gewohnheiten resultieren, und es wäre unklug und unnütz, ihre Methoden direkt anzugreifen. Was jedoch meines Erachtens geschehen kann, ist, diesen Leuten die Möglichkeit zu geben, ihren Methoden und Praktiken in veränderter Umgebung nachzuleben, indem man moderne Gebäude errichtet, ähnlich jenen, die sich in fast allen größeren Städten Amerikas finden. Indem man so die Umgebung verbessert, würde der Wünsch nach aufgeklärteren und fortschrittlicheren Methoden geschaffen. Es muß diesen Leuten überlassen werden, wie sie ihre Religion zu lehren und .auszuüben wünschen — es ist an uns, ihnen zu zeigen, ohne zu versuchen uns in ihren Standpunkt einzumengen, daß wir wünschen, daß sie ihre Religion in gesünderer und aufgeklärterer Umgebung ausüben. Wenn wir sie einmal davon überzeugt haben, daß sie ihre eigenen Ideale und Religion in gesunder und ästhetischer Umgebung aufrecht erhalten können, genau so gut wie in der bedrückenden, ungesunden, abstoßenden Umgebung, in der sie jetzt leben, so wird es in nicht allzu ferner Zeit auch gelingen, sie auf einen Weg mit fortschrittlicheren Idealen zu bringen, der es ihnen ermöglicht — was sie jetzt nicht hoffen können — wichtigere Faktoren im öffentlichen und sozialen Leben ihrer respektiven Länder zu werden. Weder Uebersee-Jmmigration noch die Immigration nach Palästina werden viel zur Lösung des Problems beitragen. Wenn einmal eine gesunde, liberale und tolerante Regierung in Rußland regieren wird, so wird nach meiner Meinung — und diese wird geteilt von allen jenen, die die Frage von innen geprüft haben — die Anhäufung der jüdischen Bevölkerung, die jetzt im sogenannten früheren Ansiedlungs- Rayon lebt, erleichtert iverden durch die Immigration nach Rußland und Sibiren. Es kam: kein Zweifel darüber bestehen, daß auf diesem Wege die 4 oder 5 Millionen Juden des Ansiedlungs-Rayons von den 120 Millionen eingeborenen Einwohnern Rußlands absorbiert werden können, wodurch auch die ökonomischen Lebensbedingnngen der Juden bedeutend verbessert würden. Sie müssen mich nicht für einen Schwärmer halten, der da glaubt, daß der hier von mir vergegenwärtigte Wiederaufbau in einem Jahr oder einigen Jahren verwirklicht werden kann. Es ist eine Aufgabe, die viele Jahre intensiven Schaffens und fortdauernder ununterbrochener Opfer an großen Mitteln verlangt. Eine Einwirkung auf die bestehenden Verhältnisse kann jedoch sofort ausgeübt werden und der Schrecken des gegenwärtigen Moments kann mit Vorbehalt, Klugheit, Entschlossenheit und Opfern bedeutend vermindert werden. Meine Meinung ist, daß, wenn das hier in kurzen Zügen skizzierte Werk organisiert und mit genügenden Mitteln von der Jndenheit Amerikas unterstützt wird, so wird es nicht schwierig sein, dafür auch die Mitarbeit und finanzielle Unterstützung der Juden Europas und somit der ganzen Welt zu erlangen. Entschuldigen Sie bitte zum Schluß noch, wenn ich Ihren so kostbaren Raum allzusehr in Anspruch genommen habe; aber wenn ich auf dieses, all mein Sinnen und Trachten in Anspruch nehnrende Thema komme, ist es für mich leichter, den Anfang als das Ende zu finden. Und wieviel ließe sich darüber noch sagen! eomrpondenren u. nacbricbten, Deutsche« Reich. Katöerstadt, 16. Aug. Aus dem Büro des Kriegswatsenfonds der Agudas Jisroel wird uns geschrieben: Gegenüber den Gerüchten, die uns aus verschiedenen Städten zugebracht werden, und die auch in der Preffe Eingang gefunden haben, erklären wir: Der Hilfsverein der deutschen Juden, der jetzt ebenfalls eine Aktion zu Gunsten der ukrainischen Juden etngeleitet hat, ist an die Agudas Jisroel mit der Anfrage herangelreten, in welcher Weise eine gewisse Gemeinsamkeit zwischen beiden Organisationen erzielt werden könnte. Es wurde für die Orte, wo eine Sammlung noch nicht eingesetzt hat, ein Verständigungsvorschlag für eine gemeinsame Art des Sammelns erzielt, welche den beiderseitigen Vertrauensleuten zur Befolgung empfohlen werden soll. Wie weit die praktische Arbeit für die Ukraine vereinigt werden kann, soll festgestellt werden, wenn die Berichte der beiderseitigen Abgesandten vorliegen, die jetzt in die Flüchtlingszentren reisen. Das in der Presse angegebene bisherige Sammelergebnis entspricht nicht den Tatsachen. öenfralroohlfahrtsflelle der deuffdten 3u9?n Wertin, 12. August. Die Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden legt schriftlichen Bericht ab über ihre Arbeit im ersten Halbjahr 1921. Die angeschlossenen Gemeinden und Organisationen wurden mit Erfolg zur Erhöhung der Subventionen aufgefordert, da die Zentralorganisation mit einem Etat von Mark 33000.— ihre Aufgaben unmöglich erfüllen konnte. Ueber die Frage der Eingliederung der Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden in die Gesamt Organisation der deutschen Juden konnte uoch kein endgültiges Urteil abgegeben werden, da die Gesamtorgantsation selbst erst im Werdm begriffen sei. Das Bestreben zur Schaffung neuer örtlicher Zentralen hat in München und Breslau zu örtlichen Zusammenschlüssen aller dort vorhandenen Wohlfahrtsetnrichtungen geführt. An der Volkssammlung „Deutsche Kinderhilfe", die zum großen Teil in den letzten Monaten in Berlin sowohl, wie im Reiche vorgenommen wurde, hat sich die Zentralwohlfahrtsstelle sehr aktiv beteiligt, ebenso war die Wohlfahrtsstelle im Zentralausschuß für die Auslandshilfe durch Vorstandsmitglieder vertreten, die dafür sorgen, daß die jüdischen Einrichtungen bedacht werden. Zur Mitwirkung in dem vor kurzem ins Leben gerufenen „Obersch lesi er-Hilf s werk" hat die Wohlfahrtsstelle ebenfalls Vertreter entsendet. Der Rückwandererhilfe, die eine Reorganisation erfahren hat, hat sich die Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden angeschlossen, ebenso war sie in der von der Deutschen Zentrale für Jugendfürsorge einberufenen Sachverständigenkonferenz zur Vorbereitung des Reichsjugendwohlfahrtsgesetzes vertreten. Das Gebiet der Auskunftserteilung und der Beratung dehnt sich von Monat zu Monat aus. Seit dem 1. Januar bis zum 1. Juli ist die Zahl der Anfragen von 401 auf 534 gestiegen. Des wetteren gibt der Bericht Auskunft über die Jüdische Studentenhilfe, Regelung der jüdischen Bahnhofshilfe, Ausbau der Früh-Ehekasse, Schaffung einer Wohnung s- _9lo. 33 Seite S Hygiene und Sammlung zur Linderung der jüdischen Kindernot. Oer Käfepogrom in Memmingen. München, 14. Aug. Als man vor kurzem in der politischen Tagespreffe von einem Ueberfall auf einen jüdischen Milch- und Käsehändler in der bayerischen Stadt Memmingen las, da sagte sich wohl manch einer, der Mann werde schon irgendwie durch unlautere Geschäfte oder aufreizendes Benehmen sein Schicksal verschuldet haben. Wir sind heute noch nicht in der Lage, ein Zeugnis zu Gunsten oder Ungunsten des Beschuldigten abzulegen, obgleich das vom Amtsgericht gegen ihn inzwischen gefällte milde Urteil die ihm vom Memmtnger Volke zur Last gelegten Delikte eher widerlegt als bestätigt. Indes ersieht man aus den ausführlichen Berichten in der bayerischen Preffe, um was es sich bei dem Ueberfall in Memmingen letzten Endes handelte. Es spielten sich vor dem Hause des jüdischen Großhändlers ' stürmische Szenen ab, die rein antisemitischen Charakter hatten, und sie fanden ihre Fortsetzung, nachdem der Bedrohte in Schutzhaft genommen war, auch an und in anderen jüdischen Häusern, deren Bewohner nicht das Mindeste mit Lebensmitteln zu tun haben. Es steht fest, daß R. seine Milch entsprechend den Weisungen der Landesfettstelle nach Nürnberg zu schicken hatte. Es nützte ihm nichts, daß er dies nachwtes, daß er versprach, seinen Einstuß bei den Küfern zu Gunsten der Stadt geltend zu machen, es nützte auch nichts, daß der Bürgermeister begütigend eingriff und der erste Staatsanwalt, um den Bedrohten zu schützen, einen Haftbefehl gegen ihn erließ, die „Volksbelustigung" kam doch zustande, die darin bestand, daß das unglückliche Opfer auf dem Wege zum Gefängnis durch die Straßen gezerrt und schwer mißhandelt wurde. Aus all dem ergibt sich: Die Milch- und Käsesorge war es nicht, die die Menge in Memmingen auf die Straße vor das Haus d s Juden trieb. Die Vorgänge waren gut organisiert und von langer Hand durch antisemitische Drahtzieher, die heute bis auf das letzte bayerische Dorf ihre unheilvolle Wirkung ausüben, gut vorbereitet. Der Regierung Kahr in München, die in unerschöpflicher Toleranz in den letzten Jahren in Presse und Vortragssaal, sogar auf Katheder und Kanzel ein Kesseltreiben gegen die Juden duldet, wie man es früher in deutschen Landen kaum gekannt hat, sollte doch dieser Fall Memmingen sehr zu denken geben. München, 10. Aug. " Gegen die Anstifter und Teilnehmer an den Krawallen in Memmingen istStrafvers a h - ren eingeleitet rvorden. Nach der amtlichen Darstellung ist als treibende Kraft der Kundgebungen der Arzt Dr. Sizius anzusprechen. Nach Aussage des Stadtrats Mayrock, des Führers der christlichen Gewerkschaften, hat Dr. Sizius ihn bereits am Freitag zu bestimmen versucht, „endlich gegen die Juden vorzugehen", da doch diese die meiste Schuld an der jetzigen Teuerung trügen. Mayrock hat das Ansinnen ganz entschieden zurückgewiesen und Dr. Sizius vor einem derartigen Unternehmen gewarnt, da dadurch nur die Masse auf die Straße gehetzt werde. Als Sizius sah, daß Mayrock nicht dafür zu haben war, wandte er sich an einen als links radikal bekannten Arbeiter, offenbar mit besserem Erfolg. Oesterveirh. Die öfierreidiifdie Ukraine-FMon. Wien, 12. Juli. Die Wiener Ukraine.Sammlung hat bisher etwa eine halbe Million Mark (deutsche) erbracht. In einer hier stattgehabten Sitzung des leitenden Komitees, in der Herr Dr. Krämer über eine Rüse nach den an die Ukraine angrenzenden

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