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Der Israelit · 1921-08-18 · Heft 33 (18.8.1921) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
62 (1921)
Issue
Heft 33 (18.8.1921)
Date
1921-08-18
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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18. August 1921. Der Israelit. Nr. 33. Seite 3 Des ferneren wird unser Augenmerk auf eine Bekanntmachung im Organ der liberalen Jugendvereine in Berlin und Breslau der „Jüdischliberalen Zeitung" in Breslau gelenkt, die für den 14. August (9. Ab) die jüdische Jugend von Berlin und Breslau zu Ausflügen etnlädt, und zwar ist für die Breslauer liberale Jugend ein Tagesausflug nach Trebnitzfür die Berliner ein Vormittagsausflug nach demGrunewald vorgesehen. In den „Richtlinien zu einem Programm für das-.liberale Judentum"- Seite 63 ist ja zu lesen: „Chänuka, Purim und Ttscho-B'aw sind als geschichtliche Erinnerungstage durch eine ihrer Bedeutung entsprechende Feier zu begehen". Und es.- muß somit den Berlinern und Breslauern überlassen bleiben, das der „Bedeutung Entsprechende" zu finden. : Was soll mau aber dazu sagen, wenn auch auf dem heiligen BodewiPallvfttnas das Tanzbein in den Wochen der nationalen Trauer wahre Orgien feiert. Im „Doar Hajaum" wird in einem großen Inserat ein Tanzabend in I er u s a l e m am 30. Juli angekündigt, an dem eine berühmte Tänzerin aus Wien mit ihren modernen Tänzen usw. als Hauptattraktion vorgesehen ist. Diese Kundgebungen der Ptetätslosigkeit in unserer in jedem Sinne traurigen Zeit müssen das jüdische Herz mit mehr Schmerz erfüllen, als alle Klagelieder und Trauergesänge unseres Kinausbuches. Ätt -illegale All" des Herrn Lhamberlain. . Herr Houston Stewart Chamberlain, der bekannte englische Alldeutsche und Judenfresser, der 1916 das Tischtuch zwischen sich und seinem Vaterland jenseits des Kanals vollends durchschnstt, WM er die deutsche' SskaösMrgeMäft aynähm, erklärte jetzt durch seinen englischen Anwalt diesen Wechsel seiner Staatsangehörigkeit als illegalen Akt. Unmittelbar Veranlassung zu dieser. Erklärung war ein Prozeß mit dem englischen Staate, der ihm mit Hinweis auf diesen in England als hochverräterisch geltenden Schritt die Auszahlung eines ihm zufallenden Erbteiles verweigerte. - Herr Chamberlaln, der ein großes dickleibiges Buch unter dem Titel „Die Grundlagen des 19. Jahrhunderts" geschrieben hat, das aber in Wahrheit die Grundlagen des Antisemitismus enthält, der in jedem einzelnen Kriegsaufsatz das „perfide Albton" mehr beschimpft, als es die alldeutsche Literatur in den ganzen Kriegsjahren fertig brachte, dieser gleiche Chamberlain erklärt den Anschluß an Deutschland als illegalen Akt, sobald es an den Geldbeutel geht. Genützt hat es ihm übrigens nicht. Denn England verzichtet auf die Ehre, Chamberlain als den seinigen zu betrachten E6R B E R LI N S PAN ÖAUE R STRASSE «5 Was che-Ausstattung en Damen-, Herren- und Kinder-Wäsche Anfertigung in eigenen Werkstätten W ohJiupps ~ Elnrlchlung en Ständige Ausstellung eingerichteter Zimmer tWsrtTon einfacher bis zu vornehmster Art 'n Vier Stockwerke Möbel Gardinen * Möbelstoffe . Teppiche . Beleuchtungskörper il> und überläßt ihn neidlos seinem Bayreuther Kreise. Das Geld wird nicht ausbezahlt. Wir fragen uns: wäre es nicht an der Zeit, daß Herr Houston Stewart Chamberlain auch seine anderen „illegalen Äkte" öffentlich widerruft, wie etwa seine „Grundlagen" und die unzähligen Pamphlete, in denen er Gift und Galle nicht nur gegen sein früheres Vaterland, sondern gegen di: Juden, die ihm gewiß nichts getan haben, speit. Freilich wäre eine solche Widerrufung heute noch nicht einbringlich, und es'ist vorauszusehen, daß Herr Chamberlain sich! noch recht lange, die antisemitische Hochkonjunktur unserer Tage ausnutzend, in der Gesellschaft der Herren Dinterund Konsorten sehr wohl fühlen wird. SavvatHnkang und Mzgang. . pnrwi -naw- Ort: Anfang Datum AuSgang UhrjMtn. i»21| 5681 Uhr Mn. Frankfurt a. M 6 45 20. 16. 8 25 Berlin .... 7 20 Aug. Ab 8 08 München . . . 7 — 7 59 Straßburg . . — — — - Stuttgart. . '. 7 — 8 15 Posen .... — — - — Nürnberg. . . 7 — 8 06 Hamburg - - 7 10 8 30 Wirtschaftlicher Wiederaufbau der östlichen Iudenheit. Von Dr. Julius Goldman in New-Aork. Der ehemalige Generaldirektor des „Joint Distribution Committee" in New-Nork, Dr. Julius Goldman, hat sich dem Herausgeber der I. P.Z. gegenüber vor kurzem ausführlich über die Möglichkeiten einer wirtschaftlichen Gesundung des jüdischen Ostens geäußert. Seine Anschauungen evscheNidn uns — trotzdem sie das rechte Verständnis für den s i t t l i ch - r e l i g i ö s e n Eigenwert des Ostjudentums leider vermissen lassen — so beachtenswe't, daß wir sie im folgenden auszugsweise wlederaeben. Wie groß auch die Leiden der Juden in den vom tfricfl iMmgesnchllM Ländern sein , mögen, und wicvicl Appelle um Hilfeleistung an mt!? ergehen mögen, so bin ich überzeugt,, daß der Entschluß dev Joint Distribution Committee, allmählich die Beihilfe in der Form voll Unterstützung zu kürzen, ein vernünftiger ist und daß im Laufe dieses Jahres das Unterstützungs'- werk allmählich eingestellt lverden sollte. Was jedoch nicht eingestellt werden kann und was mit unentwegter Kraft und Opfern angestrebt rrerden muß, das ist der Wiedcraufban d e r I lt d e n h e i t O st c lt r o p a s. Während meines Aufenthaltes. in Europa hatte ich als Generaldirektor des .Joint den unschätzbaren Vorteil, fast täglich mit einigen der beste-', mjt des Gottesvolkes entrollt sich vor unseren Augen. Aus der Heimat vertrieben, in der Ferne keine Ruhe. Dahingehetzt durch Asten, durch Europa und Nordafrika, keine Ruhe findend. Und näher kommen wir derc Gegenwart, der Todesschrei Hunderttausender bringt an unser Ohr. Der 9. Am verbindet in schau- MastsWeberoinstimmung Vergangenheit und Gegenwart Mutkklrmpfinden wir es mehr denn je. Was einst geschah, was heute geschieht, nicht ist es durch Zeit upd Raum von uns getrennt. Wir selbst erleben eS am- -eigenen Körper. Durch Fasten und körperliche Entbehrungen losgelöst von Selbstsucht und Eitelkeit, sind 7wir ganz zu einem Teil des leidenden Gotiesvolkes geworden, seinen Schmerz und sein Elend als eignes empfindend, ganz erfüllt von der Trauer der Volksseele. Aber bei allem, niedergedrückt, doch nicht verzweifelnd: Die Trauer selbst wird uns zum Leben. Es lst nicht die Trauer um ewig Verlorenes, solche Trauer wird allmählich durch die Zeit gelindertsie verwandelt sich in Verzicht. Doch das ist nicht unsere Trauer. Är find wie der Sohn, der aus dem Vaterhause ver-' trieben wurde, weil er gefehlt, und nun in der Verbannung Nagt, aber hofft. Er vergißt nicht, weil er nicht verzweifelt. Jeder Tag in der Fremde ist bitter, aber die Heimkehr wird kommen. So harren wir. Wir denken fastend und trauernd all des schweren Unglücks, der Vertreibung und der Verbannung, wir sind uns reumütig unserer Sünden bewußt, die unser Golus vettänaern. Aber wir harren, hoffnungsstark des Wortes unserer Weisen gewiß: wer tetlnimmt am Schmerze Jerusalems, wird auch seines Trostes teilhaftig. Sei es Gottes Wille, daß das Heiligtum bald, in unseren Tagen wieder erbaut werde, und wir Ihm byirvün Ehrfurcht dienen dü> fen wie in den Tagen der Borzeit! Kleines Feuilleton. Die Steine der Anweisen. Bad Wildungeu, August 1921. Im ehemaligen Fürstentum Waldeck quillen aus mehreren reizvollen Talschluchten des Keüerwaldes eine Anzahl Brunnen, die der leidenden Menschheit von unschätzbarem Werte sind. Es sind die Quellen von Bad Wildungeu. Ihr Wasser wird zu T> ink- und Badekuren verwendet und darum in den Kurpark und in die Badeanstalten des Ortes geleitet. Den Kurgästen, die nicht nur aus allen Teilen Deutschlands, sondern auch aus den übrigen europäischen Staaten und aus Amerika von den Aerzten hierhergeschtckt werden, um Heilung von Blasen- und Nierenleiden zu finden, sind am besten die Helenen-, die Georg Viktor- und die Köntgsquelle bekannt. Dagegen kennt kaum einer den Judenbrunnen, dessen Wasser den Bäderbassins zugeleitet wird, obwohl er im Kurpark dicht neben dem Musiktempel enispringt und mit einer künstlerisch-schönen Bronzefigur geschmückt ist. Hören wir denn die Sage, die von der Entstehung seines Namens „Judenbrunnen" erzählt wird. Vor Hunderten von Jahren zog ein armer jüdischer Hausierer durch das Tai der Eder und kam auch in die Nähe der Stadt Nleder-Wildungen. Da wollte er einen Bach überschreiten. Als er eine Stelle suchte, wo dies bequem möglich war, sah er von ungefähr, wie an einer Stelle das Wasser sprudelte. Er schöpfte mit einem Becher davon, und steh, es war von besonderem Wohlgeschmack. Wie Perlen, so s-teg es vom Grunde des Gefäßes zur Oberfläche hin, und ein seltenes Wohlgefühl durchzog bald den ganzen Körper des von mancherlei Leiden gequälten Mannes. Da dankte er aus vollem Herzen dem Allmächtigen, „für alles, was er erschaffen, um damit das Leben zu erhallen", und wo er in der Nähe Bekannte uxd. Freunde halte, er zählte er ihnen von dem wundertHkgen „Smvr-Born" bei Wildungen. Nach und Mch verbreitete fick so die Kunde unter den Juden der Gegend, und bald erkannten sie die heilkräftige Wirkung des Wassers bei Gries- und Steinleiden. Biele Kranke pilaerien regelmäßig zu der Quelle im Bache und fanden bu ch den Genuß d-'s Wassers Linderung und Heilung. Nicht für die Dauer konnte de, übrigen Bevölkerung der Besuch dieser Quelle durch die Zuden verborgen bleiben. Man glaubte ihnen nicht de - Grund, den sie dafür angaben, und als einer durch den übermäßigen Genuß des Wassers erkrankte, da hieß es bald, die Juden hätten es vergiftet. Biele reiche Juden wurden darauf bin ergriffen und eingekerkert. Nur die Armen, die zur Quelle gekommen waren, ließ man laufen. Die Angehörigen der Unglücklichen gingen zum Rabbi und fragten um Rat. Der fromme Weise antwortete ihnen: „Wohltun rettet vom Tode". Da nahmen sie von ihren Reichtümern, und überall, wo Slot und Elend war, spendeten sie mit vollen Händen.;.D.er Gras von Waldeck, vor den die Angelegenheit gekommen war, ließ das Wasser untersuchen, und seine Heilkraft wurde bestätigt. Da wurden die Eingekerkerten freigelassen. Die Quelle erhielt eine schöne Fassung und wurde von da ab ,-Judenbrunnen" oder „Wiesenquelle" genannt. Biele, viele Jahre sind seitdem vergangen. Heute strömen alljährlich Tausende von Leidenden zu den Heilquellen und unter ihnen eine große Anzahl vou

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