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Der Israelit · 1921-08-11 · Heft 32 (11.8.1921) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
62 (1921)
Issue
Heft 32 (11.8.1921)
Date
1921-08-11
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 32. Seite 3 i 11. August 1921. , nach dem Auslande, aber die polnische Regierung irrt, wenn; sie glaubt, ihrer Sache zu nützen, durch eine Vogel Strauß-Politik, wie sie in der oben zitierten Notiz der Telegraphenagentur zu Tage tritt. bayrische Gaststevndschast. V „Und wisse, lieber Leser, hier List du. noch ÄllköWMn, Hier herrscht noch Freundlichkeit und Gemütlichkeit, hier bist du Gast, nicht nur in dem Hause, in dem du.wohnst, nein in ganz Ktssingen. Und sollte nicht auch das beitragen zum Wühlbefinden und zur Gesundung?!" Diese einladenden Worte sind einem Propagandazirkular, .das Kur- und Badeverwaltung in Bad Kissingen in die Welt htnausschicken, enhpchnmenv Me es in Wahrheit ,um die Gast-' freunöschaft in Bad Ktssingen unL^ anderen bayrischen Bädern steht, davon wissen' Hunderts vpn Kranken-! und Hrholungsbedürftigen e'in Lied M singen, die, obwohl nachweislich krank und aus die betreffenden Heilquellen von den Aerzten verwiesen, obwohl bemittelt und keinem zur Last fallend, obwohl seit Jahrzehnten in Deutschland wohnend und sogar, in, Ehrenstellungen lebend, auf höheren Befehl von München aus, binnen 24 Stunden den Badeplatz verlassen mußten. Sie hatten es nämlich gewagt, ohne Einreiseerlaubnis — eine Erfindung hoher bayrischer Staatsweisheit) von der man in anderen deutschen Reichsteilen noch nicht genügend Kenntnis hat — die heilige bayrische Erde zu betreten. . Ein Gebot der Gerechtigkeit ist es, festzustellen, daß die Stadt- und Badebehörden in Ktssingen, und wohl auch in den anderen bayrischen Bädern, an dieser russischen Austreibungspolitik der Münchener. Regierung völlig unschul- und nur als' Exekutive beteiM Md: ' Sie' ' geben sich vielmehr alle Mühe, die Fremdenziffer des Bades zu heben. Ob nun das rigorose Vorgehen der Münchener Regierungsbehörden gegen die Bäder des eigenen Landes oder gegen Preußen gerichtet ist, die Kosten wörtlich und symbolisch gesprochen — haben die Krank en zu tragen, die man nächtlicher Weise aus den Betten holt und die man nach langen Verhören, zuweilen auch nach Auferlegung empfindlicher Geldbußen, wie gemeine Verbrecher unter Androhung von Gewaltmitteln des Landes verweist. Daß die Betroffenen zum weitaus größten Teile Juden sind, mag vielleicht bloßer Zufall sein. , Wir werden an anderer Stelle 'demnächst auf dieses traurige Kapitel der amtlichen Nachkrtegspsychose im schönen Bayernlande noch näher eingehend Hiermit sollen nur unsere Leser, die eine Kur in Ktssingen oder sonstwo in Bayern Sommersemester unzertrennlich zusammen zu bleiben und zusammen zu lernen, gezwungen waren., Denn nur so wurden laut. Vertrag die- Wohnungen an die Bachurtm vermietet; vom Beginne bis zum Schlüsse des Semesters, und auch mit seinen Kollegen muhte er sich für diese/ lange Zeit verbinden) . Selbstverständlich!: war wan/chAg-er, Suche des Quartiers womöglich darauf ^hchtzM, 'NÜr eiU solches zu mieten/ wo. man nach des ^ges schwerer und geistesanstrengender Arbeit ruhig und ohne ge w isse B tss'e ein paar Stunden schlafen konnte, was aber leideV in meiner.Vaterstadt durchaus nicht vorauszufehen war, da erst nach, mehrtägiger Benützung der Lagerstätten der beißende Schreck sich einstellte, der bis zMn Schluffe der Vertragszeit nicht von .den Ge» peinigten wich.' Aberl'dies hinderte sie nicht in ihrem Studium, denn wir sehen sie dennoch schon hes Morgens in aller Frühe sorglos und mit frohem Gemüte über die Talmudfolianten gebeugt und mit Eifer das Thema lernen, das der Rabbiner als. allgemein obligatorischen Lthrgegenstand ihnen zum Vorlernen bestimmte. Sie hatten einige Wochen Zeit, sich in den Gegenstand zu vertiefen, damit sie den geistvollen und scharfsinnigen Ausführungen des Rabbis bei seinem Vortrage folgen können, der sie dann mit. sicherem Steuer auf dem großen TalMudmeereüber all die Klippen und Riffe durchführt, welche von der noch unerfahrenen Jugend nicht chemerkt werden. Seelenvergnügt und wonnevoll, Mt» dev »Freude .-im- Herzen, die das Thora-Lernen bietet,' bewegten wir Ans/in dem kleinen Stübchen/ in welchem , wir uns» wohlex .fühlten als ein Fürst in seinem Palaste. Hier war ' unser Heiligtum, in welchem, wir täglich Opfer darbrachten aus dem Altäre ‘ unserer Jugend und nicht dachten an die zukünftige. Karriere und unsere finanzielle Existenz. Aber nicht jedem war eS gegönnt, sich ungestört dem Thora-? Der JSraelit. benötigen, gewarnt werden, nicht ohne Ausweis und, soweit sie keine deutschen Staatsbürger sind, nicht ohne vorher aus München eingeholte Einreiseerlaubnis die Reise nach dem gastlichen Bayernlande zu unternehmen. Gm Aotmf. Von I. L. Die Opferwilligkeit der deutschen Orthodoxie ist in den letzten Jahren vielseitig beansprucht worden und niemals hat sie versagt. Weitaus der größte Teil der gesammelten Gelder ist jedoch für jüdische Zwecke außerhalb Deutschlands verwendet worden. Unter der Wucht her Ereignisse, bet der beispiellosen Verelendung uns^xr östlichen Glaubensgenoffen, mußten selbst dringende Bedürfnisse im eigenen Lande zurückgestellt werden. DjtzMexhältnisie zwinge« Mch, heM offene Wunde hinzuweisen, deren baldige Heilung unerläßlich ist, falls nicht der jüdischen Gesamtheit großer Schaden für die Dauer erwachsen soll. Mit der Wiederkehr des durch den Weltkrieg unterbundenen kaufmännischen. .Geschäftslebens, macht sich der außerordentliche Mangel guter zuverlässiger und streng ritueller Gaststätten, selbst an den hauptsächlichen Verkehr-Jndustrie- Zentren, fühlbar. Wenn schon vor dem Kriege an rituellen Restaurationen ein großer Mangel gewesen ist, so tritt diese Angelegenheit heute, nachdem auch von diesen wenigen Gaststätten eine große Anzahl eingegangen ist, brennender als jemals an die orthodoxe Gesamtheit heran. Denn in der Tat ist die Versuchung, die der jüdische Geschäftsreisende, täglicher bestehen. hat,, eine außerordentliche.- ' Geräts * e*Mft infiolgsntzeS Anstrengenden körperlichen und geistigen Arbeitsleistung aus eine kräftige und ausreichende Ernährung angewiesen. Bei gänzlicher Unmöglichkeit, seinen brennenden Hunger auch nur notdürftig zu stillen, muß er aber schließlich, will er nicht ganz zu Grunde gehen, entweder seine Tätigkeit cinstellen, oder aber, wenn auch schweren Herzens, der immer aufs Neue wiederkehrenden Versuchung unterliegen. Hat er sich aber erst einmal zur trefenen Davis ä'dots entschlossen, so ist er, zumeist auch für andere Dinge, der strenggläubigen Gesamtheit verloren. Es wäre deshalb eine der heiligsten Pflichten einer jeden jüdischen Gemeinde, selbst dafür Sorge zu tragen, daß der glaubenstreue Geschäftsreisende einen sauberen und koscheren Mittagstisch zubereitetfindet. Ebenso nötig wie. Synagoge, Mtkwoh und Friedhof, sollte die Errichtung jüdischer Gaststätten zu studium ganz hinzugeben und der Ausspruch unserer Weifen: „Hakol loluj bemasel afilu Sefer Tora schbehechal", alles ist vom Glücke abhängig, selbst das Sefer Thora im Tempel konnte auch hier in Anmendüng gebracht werden. Denn nicht alle Zöglinge waren von gleicher Lernlust ergriffen und es kam daher vor, daß mancher brave, fromme und lernbegierige Junge verdammt wurde, einen ganzen langen. Winter mit Kollegen in einem Zimmer zu wohnen, die ihn am Lernen störten, wo auf demselben Tische, bei dem er aus der Gemora lernte» die anderen Kvllegen mit lautem .Geschrei dem Kartenspiel oder anderen Dummheiten huldigten und der Verzweifelte gezwungen war, in Qual und Pein bis zum Ende des Semesters durchzuhalten. Gewiß waren solche Fälle nur vereinzelt und bestand der größere Teil der Jeschtba stets aus lauter thoratreuen und im Geiste der Thora lebenden Bachurtm. Und glücklich war derjenige, der sich in dieser schönen Zeit reiche Thorakenntnisse angeeignet, sie kamen ihm dann zugut. wenn er späterhin draußen im Leben seinen Mann stellen muhte, sie waren das Fundament eines geistigen Lebensbaues, an dem mancher Wogenanprall der Versuchung und des widrigen Geschickes sich brechen sollte. (Eine neue Zeitschrift für Dhoratpiffenfchaft). Die bekannten Führer der polnischen Orthodoxie, an ihrer Spitze Rabbi Meir Don Plotzki von Ostrow und^hevSokolower Rebbe I. S. Morgenstern, veröffeätltcheu den Prospekt einer unter dem Namen „Degel Hathanro" ins Leben zu rufenden Thorazeitschrift. Ais Herausgeber wird Herr M. M. Käscher in Warschau fungieren. (Preisausschreiben) Herr Hermann Cohn in Hamburg hat einen Preis von 3000 Mark gestiftet für den wichtigsten Institutionen einer jeden jüdischen Gemeinde gezählt werden! Es wäre eine schwere und unsühnbare Schuld der deutschen Orthodoxie an diesem Uebel vorüberzugehen, obwohl es mit gutem Willen und nicht zu großen Mitteln, vielerorts zu beheben ist. Eine gut geleitete koschere Gemeinde-Restauration dürfte sicherlich, die Unkosten decken, wenn nicht einen Ueberschuß ergeben. Das geschilderte Ziel jedoch in zufriedenstellender Weise zu erreichen, ist einem „Speise- Verein" als solchem, auch beim besten Willen nicht möglich. Er könnte sich höchstens darauf beschränken, die allgemeine Aufsicht auszuüben. Die dem Hamburger Verein zur Verfügung stehenden Mistel sind für solche Betätigung völlig unzuteiMM'Hobei. es dahin gestellt bleiben mag, ob die Leitung^ des'"Vereins es verstanden hat, §iner groß?« und heiligen Aufgabe entsprechend, Und so kommt es, daß der Bergnügungs- und Erholungsreisende an Kur- und Badeplätzen, eine von Jahr zu Jahr steigende Anzahl von koscheren Gaststätten findet, während der Geschäftsreisende darben »und entbehren muß. — Was soff er tun? — Speisegelegenheit ist nicht vorhanden, Selbstversorgung von zu Hause aus bet dem nicht mehr so zuverlässigen Postverkehr schwer möglich, auch Eier und reine Butter, selbst auch nur gutes Brot, nicht immer zu erlangen, aber wenn auch dieses alles erlangbar, das Ganze doch völlig unzureichend. — Und die jüdischen Gemeinden, in deren Mitte solches tagtäglich geschieht? — Ihre Nettesten und Führer, wissen sie davon, ohne sich zu beraten, ob es nicht dock einen Weg gibt eine Abhilfe zu schaffen? Wissen sie überhaupt von dieser Not, und daß ffö selbst schwere Verantwortung tragen? — Wollen sie etwa sagen: .nHDTrrnK osw vo W’r*? Die Lösung des Problems ist wohl schwierig aber keinesfalls unmöglich, falls sich die G esamtheit für den geschilderten Mangel verantwortlich fühlt! — In jedem Lehrhause, von jeder Kanzel herab muß darauf hingewtesen werden, daß es eine Lebensfrage für die deutsche Orthodoxie bedeutet, allüberall gute, saubere, koschere Gaststätten zu schaffen. — Zu diesem Zwecke sollte ein Komitee wahrhaft arbeitsfroher Männer zusammentreten, welches durch immer wiederholten Aufruf, in allen geeigneten Orten zuverlässige jüdische Männer und Familien zu gewinnen sucht, die sich freiwillig bereit erklären, jüdische Reisende, gegen Entgelt oder unentdie wirkliche, kurze, volkstümlich klare und überzeugende Lösung des Themas: „Logisch wissenschaftliche Begründung des Monismus aus theistischer Grundlage". Preisrichter sind die Herren: Geh. Rat Prof. D. Ed. König, Bonn, Prof. Dr. L. Stet»», Berlin und Pros. Dr. C. Dennert, Godesberg. Die Arbeit soll 80 Seiten (zu je 500 Silben) nicht überschreiten und ist in Masrhinenschlift in üblicher Weise mit Motto und der» Namen des Verfaffers in verschlossenem Briefumschlag an den letztgenannten Herin bis zum 1. April 1922 etnzusenden. Die preisgekrönte Arbeit gebt in den Besitz des Herrn Hermann Cohn über, der die Preisarbett im Einverständnis mit den Preisrichtern einem geeigneten Verlag zur Veröffentlichung übergeben wird. Rücksendungen der anderen Arbeiten erfolgt nur, wenn dafür ausreichend Briefmarken beigelegt sind. 5abbai-H«kang und Ulirgang. Dnsn rot*. Ort: Anfang Datum I Ausgang utiti. 1621s 5681 I Uhr m\n. Frankfurt a. M. 0 65 13. 9. 8 40 Berlin . ... 7 30 2(110. Ab 8 20 München . . . 7 15 8 13 Stratzburg . . — — — — Stuttgart. . . 7 15 8 30 Pose« .... — — — — Nürnberg. 7 — 8 20 Hamburg. . . 7 20 8 48

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