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Der Israelit · 1921-08-04 · Heft 31 (4.8.1921) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
62 (1921)
Issue
Heft 31 (4.8.1921)
Date
1921-08-04
Page
– (sequence 6)
Language
German
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*n jflratUt 4 August 1931 Heite 6 Nr. 3l_, HJirffdiaWirtie Cagosfragen ln krs) Jisroer Jerusalem, 1. Juli. In der vor mehreren Monaten begründeten, inzwischen aber ziemlich untätig gebliebenen„G es eilschaft zur wirtschaftlichen Entwicklung Erez Jisroels" hielt dieser Tage der Direktor der Anglo-Palästinabank, Herr Hoofien, einen gründlichen und äußerst anregenden Vortrag über den derzeitigen Stand des Kreditwesens inPalästina und die Mittel zu seiner Verbessirung. Während für Gewährung kurzfristiger Handelskredtte für größere Häuser durch den Wettbewerb der Banken genügend gesorgt ist, und während auch der Kleinhändler und Handwerker, sobald sich diese Kreise zu Genossenschaftrn zusammenschlteßen, von den Banken die genügende Unterstützung finden kann, fehlt es gänzlich an zwei wichtigen Arten des Kredites: dem langfristigen Kredit für in du striel le Unternehmungen und dem landwirtschaftlichen Kre)it. Die palästinensischen Filialen der ausländischen. Banken haben naturgemäß kein starkes Interesse!daran, die, palästinensische Jnlandsindustrie rasch zu entwickeln und das Land dadurch vielleicht mehr oder minder aus seiner,völligen Abhängigkeit vom ausländischen Handel zu befreien. Auch läßt sich nicht leugnen, daß der industrielle Kredit immerhin ein etwas größeres Risiko bedeutet, als der H 'ndelskredit. Noch schlimmer macht sich jedoch das Fehlen des landwirtschaftlichen Kredits geltend. Vor dem Kriege bestand eine staatliche Hypothekenbank, die den Fellachen die nö tgen Summen vorstreckte. Diese Bank arbeitet nicht mehr, wird von der Regierung vielmehr liquidiert. Die palästinensische Regierung hat bisher im. Ganzen etwa 370000 Pfund an landwirtschaftlichen Darlehen auf 3—5 Jahre gegeben, aber auch diese Kreditgewährung Mi. jetzt aufgehM. Auch die Jka hat feit längerer Zeit sich von landwirtschastlichen Kreditgeschäften vollkommen zurückgezogen. Dir ganze Hoffnung beruht daher gegenwärtig auf den Plänen der amerikanischen Palästtnafreunde, die wohl nicht zögern werden, eigene Kreditbanken zur Gewährung langfristiger Darlehen mit ausreichendem Aktienkapital, "wozu noch ein kleiner Teil Obligationen treten könnte, zu gründen. Die in Jaffa stattgehabre Versammlung der palästinensischen Handelskammern, auf deren Tagesordnung die wichtigsten Fragen des palästinensischen Wirtschaftslebens stehen, wurde durch die Anwesenheit des Oberkommissars Herbert Samuels beehrt, der die Verhandlungen mit einer kurzen Ansprache eröffnete. In den judäischen Kolonien fanden wichtig^ Verhandlungen zwischen Kolontst.en und Arbeitern statt, um einen Interessenausgleich zwischen den Arbeitgebern und den organisierten Arbeitern zu finden. Leider sind die Verhandlungen vorläufig resultatlos abgebrochen worden, weil die Arbeiter darauf bestanden, daß die Kolonisten sich verpflichten sollten, lediglich die von der „Achdus höawaudo" eingerichtete Stellenvermittlung zu benutzen. An sich haben die Pogrome naturgemäß den Wunsch der jüdischen Kolonisten jüdische Arbeiter zu bevorzugen, stark erhöht, aber es. ist selbstverständlich, daß die eigenen materiellen Interessen auf der einen und das starke Selbstbewußtsein der jüdischen Arb,etter auf der anderen Seite sehr leicht immer wieder das Einvernehmen gefährdet. Der Mische Mionalraf bei Herbert Samuel Jerusalem, 21. Juli. Der Nationalrat wurde dieser Tage von Herbert Samuel empfangen. Man kann sich denken, daß es bet aller Ehrfurcht nicht gerade süße Worte waren, die die Herren an den Oberkommissar richteten. In seiner Antwort berief sich Herbert Samuel wieder darauf, daß unter den Einwanderern, denen auf Grund von Empfehlungen der zionistischen Organisation Visa erteilt worden seien, Bolschewisten waren. Dies sei auch bet denjenigen der Fall, die sich bereits auf der Reise befinden. Aus diesem Grunde hätte man beispielsweise in Konstanttnopel von 150 Chaluzim nur 70 die Einreise erteilen könnenwährend man in Triest und Wlen den größten Teil zugelassen hat. Die verfügten Einwanderungsbeschränkungen seien aus retnsachlichen, Wirtschaft liehen Gründen notwendig. Die palästinensische Regierung habe keine Anleihe erhalten, besitze also nicht die Mittel um öffentliche Arbeiten fortzusetzen, sodaß für neue Einwanderer dteGefahr v ölliger Arbeitslosigkeit drohe. Man könne eben ein für allemal nur in dem Maße mittellose Einwanderer ins Land laffen, wie für deren Aufsaugung ouf dem Arbeitsmarkte Sorge getragen ist. Eine Beschwerde wegen Zurücksetzung der hebräischen Sprache bei verschiedenen Gelegenheiten wies der Oberkommissar damit zurück, daß er sich auf die in den beanstandeten Fällen maßgebend gewesenen praktischen Rücksichten berief.;j) Der Nationalrat konzentriert jctz^t seineganze Aufmerksamkeit auf die Organisation der, jüdischen Gemeinden. Leider hört man bis . jetzt nichts davon, daß dabei der Gesichtspunkt,, der religiösen Gewissensfreiheit auch nur in demjenigen Maße berücksichtigt werden soll, wie, dies.; in fast allen europäischen Kulturländern der Fall ist. Personalien. Rabbinatsassessor A. I. Gyldberg Jchenhansen, 29. Juli. Bon einem schweren, in seiner ganzen Größenoch nicht zu ermessenden Verlust wurde die hiesige Kultus-, gemeinde und mit ihr °78iL" bbs durch das am 12. Tamus erfolgte Ableben des Herrn Ravbinaisastestors. AI Goldberg betroffen. Mit ihm ist eine j-ner Persönlichkeiten dahingegangen, wie sie leider in heutiger Zeit immer seltener zu finden sind. Ausgestattet mit allen Vorzügen des Geistes, betrachtete er es als seine vornehmste Ausgabe, von seinem unergründlichen Wissen in' C’pciBi 7*ir)'Untreren mitzuleilen, und nicht gering ist die Zahl derer, die er in die Urquellen deS jüdischen Wissens einsührte und der schon Fortgeschrittenen, die er ihsen Fähigkeiten entsprechend, weiter belehrte. Seine hervorragenden, talmudlschen Kenntnisse fanden, unter anderem auch darin ihre Würdigung, daß viele *vnn Mnz, selbst aus Rutzland und wegen halachischer Entscheidungen in brieflichen Gedankenaustausch mit ihm eintraten und sein vor mehreren Jahren in der Oeffentlichkeit erschienenes Werk manan itpo 311, Jims 'vv letzt beredtes Zeugnis von seinem talmudlschen Wlssensschatze und keiner Gedankentiefe ab. Uyd was ihm im Studium heilig war, das übertrug er auch aufs praktische Leben. Mit heiligem Ernst und freudiger Gesetzrstreue widmete er sich selbst unter den schwierigsten Verhältnissen der Erfüllung der 'n ni2£ö und vesonoere Befriedigung erfüllte ihn, wenn er Anderen in seinem Beispiel Anlaß zu gleich frommer Betätigung gab. Sein Haus war stets eine Zufluchtsstätte der Armen und Bedrängten und obwohl selbst von den Sorgen des Alltags micht! velschont, verließ ihn doch niemand ohne Unterstützung ' in Rat und Tat. Seine aufrichtige Frömmigkeit, seine ^beispiellose Bescheidenheit und erzensgüte ließen ihn - die Sympathien. Aller, die ihn -kannten, gewinnen. Als jnaü mW und ypin Wa ' (W: b:en n'o» verstand Her es, durch seine tiefster Andacht entspringende Vortragsweise seine Zuhörer in heiliger Ergriffenheit mit 'zu begeistern. Setner Familie war er. ein aufopfernder, ' besorgter Vater, der Gemeinde ein hingebungsvoller Lehrer und Beraten. dem Verein „Talmud Thora" ^widmete er während 83 Jahren seine Kraft durch Abhaltung von Borträgen, die von echt jüdischer Be- ' getsterungdurchlveht^ belehrend und erzieherisch wirkten. H : Die Bestättüng gestaltete sich zu einer imposanten ' Kundgebung der ' Anhänglichkeit und Verehrung und zeigte, auch äußerlich. tzi^grotze Trauer um den teuren Entschlafenen. Am Grabe sprach tu Abwesenheit des , Herrn Rabbiners, Herr Lehrer I Blum, in bewegten Worten der allgemeinen Klage Ausdruck gebend und zeichnete in Anlehnung an den laufenden Wochenabi schnitt ein getreues Lebensbild des Verklärten, sodann - sprachen ein Sohn im Namen der Familie, den teuren Vater zugleich als vyn ]Jö bezeichnend, Herr Lehrer M. Schuster als Schwiegersohn und Herr Emil Gerstle, als Vorstand der n"n, der den Dank für das segensreche Wirken innerhalb des Vereins zum Ausdruck brachte. In der Abteilung des dW ma, in der die früheren der Gemeinde ruhen, wurde auch das, was sterblich an ihm war, der Erde übergeben. Wir haben einen foswi tr\s* von uns gehen sehen, sein Geist aber möge in unserer Mitte weiter sieben und sein Wirken segensreiche Folgen zeitigen n"35un. Aschaffenburg, 1. August. Am 12. Juli ist Herr Simon Vogel, Aschäffenburg, im 80. Lebenswahre nach einem arbeitsamen und gesegneten Leben zur ewigen Ruhe heimgegangen. Er war ein leuch lendes Vorbild eines tief in Gottesfurcht und Liebe zur Thora wurzelnden Jehudi, eines Mannes, der in rastloser Arbeitskraft und unermüdlicher Schaffensfreude es verstand, die Wertschätzung feiner Mitmenschen zu erreichen und ein Haus zu gründen, das einem Heiligtume glich. In tiefer Freundschaft war er den großen Aschaffenburger Rabbinen Adler und Bamberger verbunden und bewies sie ihnen durch opferfrohe Tat, die es vermochte in schwierigsten Zeitdn zu vermitteln und zu fördern. Die minn rar» vererbte er auf di ' Famisio und dieses drückte der Kissinger Rabbiner Dr. Bamberger in seinem Hesped bet den Awelim aus. — An der Bahre würdigte Herr Rabbiner Dr. Breuer, was die Gemeinde und die Gesamtheit an dem Verblichenen verliere. Die Teilnahnle der ganzen Gemeinde, kam bei der Kewuro, sie in Dieburg stattfand, zu beredtem Ausdruck, auch durch die Worte, die Herr Goldschmidt namens der Verwaltung dort sprach. Bad Soden, SO. Juli. Wieder hat der Tod die; Reihen der edlen und besten, Frauen gelichtet. Frau iWeinreb, geb , Poliack, Höchst a, M., wurde unter -großer Teilnahme nach kurzem Krankenlager im 32. Lebensjahr auf dem hiesigen. Friedhof bestattet, beweint * und bedauert von. Hren ..allen Eltern, -Geschwistern l aus Marktbrelt und insbesondere von dem Gatten und -vier vertväWti KiUddrchen? Am Grübe schilderte Herr *Letzter Le v y',> Höchst 'a.'iiM./ - die üresfltchen Eigenschaften der Heimgegangenen als jüdische iFrau, Mutter, ^Gsfährtin und beklagte gleichzeitig den Verlust, den Lauch die Gemeinde dadurch erlitten. Möge a"n'N. die trauernde Familie trösten! a^Sin. \ i; ,v Hamburg, im Tamus 5681. Die in weiten Kreisen bekannte und - überaus beliebte ' Frau Sara 'Hitsch ist vor wenigen.Wochen ' in ihrem 88. Lebensjahre entschlafen. , . - . - Am jvv . des Jahres 5594 als älteste Tochter seiner der vornehmsten Familien in Kopenhagen geboren, wurde sie von ihren Eltern früh Gött erkennen ' und verehren gelehrt. .Mit 29 Jahren folgte sie ihrem Galten Meyer Hirsch nach Hamburg,., woselbst sie jetzt ihr inhaltsreiches Leben beschlofftzn .hat. «n W rcits*? f'iL» jSa mtP. Das besagt den gafizen Lebensinhalt von Frau Sara Hirsch : „Alle ihre Lebensjahre ^glichen sich an Güte; sie lebte in allen, ihr. gayzes 87 jähriges Leben, kein müssen.'^ " ...... > Mit einem Herzen voll Liebe"umfaßte sie alle üM jeden in ihrem Hause, dessen Tür immerdar weit geöffnet war, um jeden, der es betrat, gastlich aufzunehmen. Glücklich war sie, wenn sie andere beglücken, ihnen die Sorgen und Lasten des Lebens erleichtern, 'sie trösten und erfreuen konnte. Liebevolle Milde und herzgewinnende Freundlichkeit waren nicht nur Sara Hirschs Eigenschaften im Verkehr mit ihren Mitmenschen, sondern auch in ihrem Urteil über diese, und nie konnte man ein verletzendes oder gar kränkendes Wort .aus ihrem Munde vernehmeu. Eine tiefe und'«aufrichtige Frömmigkeit und Liebe zur min zeichnete Sara Hirsch aus. Sie hat deren Gebote und Vorschriften auf eine Weise bis ins kleinste äusgesührt, wie sie an Feinheit und Pünktlichkeit nicht ubertroffen 'werden konnte. Alle Tugenden, die Sara Hirsch eigen waren, mögen in diese zwei zusammengefaßt werden: l'xtsn nni' und nrrrn Zu Frau Hirschs schönsten Eigenschaften gehört es, daß sie d u Geist, mit dem dte Sabbate und Festtage den wahrhaft Frommen beseelen, derart ins Alltagsleben mitzunehmen verstand, daß eine immerwährende Sabbatstimmung sie erfüllte und diese Sabbarstimmung strahlte sie — einer Sonne gleich, zu deren Licht jeder sich hingezogen fühlt — auf ihre Umgebung aus, stets fromme Anleitungen gebend 'zur Verehrung Gottes und zur Befolgung!seines Willens. Wer Frau Hirsch an ihrem 87. Geburtstag besuch» hat, konnte sehen, daß diese gottbegnadete Frau noch im höchsten Greisenalter jung und lebensfreudig ' war, ,i3'&'3 paj’ iiy schwerlich könnte sich diese Wahrheit Sester erfüllt haben, als an Sara Hirsch. Eine Zierde unserer Gemeinde ist mit ihr von uns gegangen, ihr Herz schlägt nicht mehr, und . doch n”n c”np jnivoa iWa n’pns lebt Sara Hirsch weiter, wird sie fortleren in uns, hochgeschätzt und geehrt nach ihrem Tode wie in ihrem Leben. Vacha (Rhön), 20. Juki. Nach zweijähriger segens- Wirksamkeit.verläßt Herr Lehrer Müller unsere Ge- Zabbat-ffnlang und Mzgang. toö rnaiö row- Ort: Anfang Datum AüSgang UDr| Win. 1»21| 5681 Uhr >Mtn. Frankfurt a. M. 7 10 6. 2. 8 55 Berlin .... 7 30 Aug Ab ' 8 41 München . . . 7 15 8 27 Straffburg . . — — — — Stuttgart. . . ' 7 30 8 42 ' Posen .... — — — — Nürnberg. . .7 8 35 Hamburg. . . 7 35 9 05 Dasein war elp, lebepdiges, heiteres, gutes ÄugMbli.ck»^qrin^.defi< sie -hätte, fqr^^nsch^n,^

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