Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 62 (1921)
- Issue
- Heft 31 (4.8.1921)
- Date
- 1921-08-04
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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4. »er JSraellt. No. 81 Seite 5 Erztehungswesens. Die Orthodoxie, deren Delegierte von dem tatkräftigen Rigaer Obcrrabbiner, Rabbiner Sack geleitet wurden, war in der Mehrheit, und sie verstand es, ihren lediglich an den Vorschriften des Thoragesetzes orientierten W llen mit solcher Entschiedenheit durchzusetzen, daß die „Zerre Zion" und verwandten Gruppen die Versammlung verließen und ihre Mitarbeit einstellten. Als ein weiteres Ergebnis der Versammlung ist die Demission des Herrn Professor Lasersohn, Direktors des jüdisch-pädagogischen Instituts zu verzeichnen, der es mit seinem Gewissen nicht mehr vereinbaren kann, die Lehrerbildung in einem dem Willen der Mehrheit entgegengesetzten, irreligiösen Sinne durch;usühren. Vor und während der Gemeindekonferenz fand auf Einladung des Herrn Oberrabbjner Sack eine lettische Rabbinerversammlung statt, an der 33 Rabbiner aus ganz Lettland, außerdem die Herren Rabbiner Klatzko und Piedmerski als Vertreter des littauisch en Rabbinerverbandes teilnahmen. Ehrenpräside, t des letiländischen Rabbiner - Verbandes ist der weltbekannte Dwinsker Gaon geworden, der, persönlich nicht anwesend, der Versammlung seine innigsten Segenswünsche übermittelte. Die Rabbmerversammlung setzte für die verschiedenen Angelegenheiten des religiösen Lebens Arbeitskommissionen an nnd schloß sich hinsichtlich der Sammlungen für Erez Jisroel den bekannten Resolutionen des litauischen Rabbinerverbandes an. Wenn die politischen Verhältnisse ks irgend gestatten, wird wohl ein enger Zusammenschluß zwischen den lettischen und litauischen Rabbinern zum Wohle der Orthodoxie zustan bekommen. Dolen. Selbffnerfrefung 9er Jlüchtlinge. Warschau, 27. Juli. Gestern ist hier eine Delegiertentagung der!n Polen befindlichen ukrainisch-russischen Flüchtlinge und Emigranten zusammengetreten, an der 75 Delegierte teilnahmen. Nach einer Reihe von Begrüßungsansprachen befaßte sich die Tagung mit den Maßnahmen, die ergriffen werden können, um der Gefahr einer überstürzten Ausweisung derFlüchltnge aus Polen vorzubeugen. Zu diesem Zwecke wurde eine dreigliedrige Kommission gewählt. Alsdann wurden Referate über die Lage der Flüchtlinge in den verschiedenen Orten und Gegenden erstattet, die einen erschütternden Eindruck machten. Die Flüchtlinge klagen vor Allem darüber, daß durch die Parteikonkurrenz zwischen den Z i o n i st e n einerseits und den zu einem e i n h ettl i ch e nK o mite evereinigten übrigen Parteien andererseits die ruhige und sachliche Behandlung der schweren Probleme außerordentlich notieide. Es sei darum nötig, daß die Flüchtlinge die Wahrung ihrer Interessen selber ln dle Hand nehmen. Der weitere Verlauf der Konferenz wird zeigen, ob es mit diesem Programme ernst ist, oder ob nicht umgekehrt hinter dieser Tagung wiederum irgend eine Pariei-Jntrigue steckt. Ungarn. Sluftf ungarifther Zügen not Pogromen? f>M9/ 27. J..N. Wie die Norodny Llsti meldet, überschreiten in den letzten Tagen große Trupps ungarischer Juden dle tschecho-slowaköche Grenze aus der Flucht vor Pogromen, welche in Kaposvar stattgesundm haben. Auch in Budapest und in!der Provinz werden Pogrome vorbereitet. Sie ■ wurden dadurch hervorgerufen, daß sich die Juden au der sozialistischen Bewegung für die Neuwahlen beteiligten und gegen den Regterungsblock Stellung nahmen. (? Red.) England. HJeijmanns neue politifcfie üerhanölungen- London» 29. Juli. Weizmann ist am 22. os. Mrs. von Lloyd George, Balfour und Churchill in Balfours Wohnung empfangen worden und hatte Gelegenheit, den englischen Ministern in ausführlicher Darstellung die Schwierigkeiten der gegenwärtigen Lage in Palästina vor Augen zu führen. Er verlangte eine im Sinne der Balfour- Deklaration klarere und festere Politik der palästinensischen Verwaltung. Die Minister sagten zu, die Beschwerden und Forderungen Weizmanns dem Ministerrat zur ernsten Erwägung vorlegen zu wollen. „Jewtsh Chrom'cle" fordert Herbert Samuel auf, zur Vereinbarung neuer Richtlinien der Paiästinapolilik nach England zu kommen. Es dürfte Weizmann wohl gelingen, zum Zionistenkongreß im September irgendwelche beruhigende und aufmunternde Erklärungen von der englischen Regierung zu erlangen. PaläMna-Zragen im enMcben Parlamente. London, 29. Juli. Auf eine Reihe von Anfragen verschiedener Abgeordneter sind im Laufe der Woche vom Kotonial-Mtnisterium schriftliche Antworten etngegangen, deren hauptsächlicher Inhalt sich wie folgt zusammenfassen läßt: Die Regierung bestreitet, daß Angehörige der palästinensischen Polizeitruppen sich wiederholt an Akten der Gewalt und der Plünderung beteiligt hätten. Prinzipiell könnten ebensowohl Juden als Araber in die palästinensische Poltzetmacht eintreten. Jedenfalls werde der Oberkommissar nichts verabsäumen, um die Disziplin innerhalb der palästinensischen Polizei zu heben. Die Sonder- Untersuchung wegen der Ermordung des Schriftstellers Brenners und seiner Freunde, die in einem vereinsamten Bauernhause mitten in arabischen Pstanzungen gelebt hätten, sei leider ganz ergebnislos verlaufen, da keiaer der Nachbarn irgend weiches Zeugnis ablegen konnte. Die Teilnahme von Polizisten an dem Morile sei unbewiesen und unwahrscheinlich. Am w chtigsten ist die Wendung in einem Schreiben Churchills lautend: „Sr. Majestät Regierung ist gegenwärtig damit beschäftigt, ein Projekt auszuarbeiten, mit dem Ziele, eingeborene Elemente in solchem Grade an der Regierung des Landes teilnehmen zu lassen, wie es nicht unvereinbar ist mit der Balso ur-Deklaration." Hiernach scheint die Befürchtung, daß Palästina eine Volksvertretung auf Grund allgemeiner Wahlen, d. h. mit einer ungeheuren arabischen Mehrheit erhalten könnte, z. Zt. unbegründet zu sein. Die Kosten der palästinensischen Besatzung schätzt die Regierung, wie das Kriegsministerium mittcilt, gegenwärtig aus 2,5 Millionen Pfund jährlich. krmittekung von Personen in 9er Ukraine London, 27. Juli. Die ukrainische Hilfsgesellschaft in London (26a Soho Square) hat mit dun Ukrainischen Hilfskomitee in Kisch! new ein Abkomm.n getroffen, durch das die Möglichkeit geschaffen werden soll, Aufenthaltsort und Befinden ukrainischer Juden im Interesse auswärtiger Verwandten festzustellen. Interessenten föuneu entsprechende Fragebogen an der oben genannten Adresse erhalten. Holland. Paläftinenfifche Schulfragen. Amsterdam, 10. Juli. Der Jerusalemer Korrespondent des „Handelsblad", Prof, de Haan beschäftigt sich in eiiem seiner letzten Briese erneut mit dem Stande des jüdischen Unterrichtswesens in EiezJteroel, und knüpft habet an einen kritischen Artikel von Snowman im „Jewish ßnmicie" an, über den seinerzeit berichtet wurde. Trotz der gegen diesen Artikel erschienenen zionistischen Widerlegung hält de Haan die Anklage ausrecht, der zionlsilschnattonale Unterricht erfülle die Kinder mit Unglauben und Skeptizismus. De Haan schreibt dann weiter: ..Ginwaridfrel und besser siird Ne Tchuie'.r der Amsterdamer P e k i £> i in und A m a r t' a I i :u , die ’iili aber leider finanziell nicht entwickeln können. Cine von den schulen bekommt nun eine Regier.mgs-- fubvention von 9 Gulden per Mild mb Jahr, Die anderen, die ,,bloße Religiottsschulen" sind, bekommen überhaupt nichts. Tie „Agudcn jisroel gibt eine Subvention, die in Mark natürlich em großer Betrag ist, aber nicht in Pfund. Ich habe im Handeisblaad gelesen, daß man sich in Amsterdam an. der Annahme dieser Subvention gestoßen hat. Man sieht darin Politik. Wir fühlen darüber hier anders. Tie Schulen sind und bleiben außerhalb aller Politik, die Pekidim würden eine Unmrstützüilg vom Misrachi. sicher auch anuehmen. Ter misrachistische Unterricht ist, so viel ich 'hn kenne, ebenso gut wie derjenige der Schulen der Pekidim, aber ans dem Perhälknis zwiscben beut Misrach-i zu der allgemeinen zionistischen Organisation ergibt sich immer die Gefahr kombinierten Unterrichtes oder die Gefahr der Aufhebung unter dem Manien Oer Verschmelzung. Ties ist leine eingebildetr Gefahr. Aus der letzter, Verfamnrlnng der Lehrervcreinigung ans den Kolonien von Judäa, war vom llnlerrichis-Tepartemeilt ein Schreibeil zur Uilterzeichnullg voeg/legt worden, das Wohl an alle Lehrer gesandt ivnrde. Tie Lehrer haben zu erkennen gegeben, daß nur in einer .Kolonie mit einer großen Anzahl von Kindern eine allgemeine und eine orthodoxe, Schule bestehen kann, daß aber in den Kolonien von Judäa kein Play sei für T a l m r> d s ch u l e n , daß serner die vielen Ansbildungsstätten für Lehrer v e r e i n i a t w e r - den müßten, das will sagen, daß e>ie misrachistr sckum Zwergschulen aufgehoben werden müssen. Natürlich sind die Vorschläge noch nicht angenommen, aber man sieht die Richtung nnd den Willen." Türkei. öriediifdte Mentale auf JuSen- Koristanlinopek, 20. Juli. Der griechische Johannistag hat wieder einmal zu höchst bedauerlichen Zusammenstößen zwischen Griechisch-Orthodoxen und Juden in der türkischen Hauptstadt geführt. Die Griechen führten bet ihren Prozessionen die Karrtkatur eenes Rabbis mit, wodurch sich Mitglieder eines jüdischen Turnklubs beleidigt fühlten. Es kam zu einem Handgemenge, bei dem die interalliierte Pollzei üazwiicheu trat. Eine Anzahl Griechen wurden verhaftet. Der Chachan Baschi protestierte gegen de Herausforderung sowohl bei der Kommission der Alliierten, als beim Justizminlster und beim griechischen Patriarchat. Der Patriarch sagte den Erlaß eines Hirtenbriefes zu, in dem zu anständigem Verhalten gegen die Juden gemahnt wird. Leider gelangen auch aus Smyrna Nachrichten hierher, daß mau von griechischer Stt-e den jüdischen Einwohnern eine sehr schlechte Behandlung zu teil werden läßt. Ucrllrstirra. Oie Cätigheif 9es Oberrabbinafes Jerusalem, 15. Juli. Das Oberrobbinat veröffentlicht einen Bericht über seine Tätigkeit in den Monaten Jjar und Siwan. In diesem Zeitraum haben die dem Oberrabbinat unterstehenden Gerichte 57 Prozesse in Geldangelegenheiten erledigt, 30 eherechtltche Sachen, 12 Hinterlassenschaftsangelegenhelten, 4 Vorurundschaftssacheu und eine Anzahl verschiedenartiger Gegenstände, wie Beleidigungsklagen usw. Als Appellationstnftanz hat das Obergertcht seine Tätigkeit erst am 1. Siwan ausgenommen und inzwischen acht Berufungen, davon vier Zivilsachen, drei eherechtltche nnd eine Erbschaftssache erledigt. Im übrigen hat das Oberrabbinat seine Tätigkeit auf alle akluellen, die jüdischen Interessen berührendenAngelegenheiten ausgedehnt. Darunter werden aufgefühlt: Einreiseerlaubnis für ukrainische Flüchtlinge, Peßach Versorgung der Effenbahnbeamten, rituelle Beaufsichtigung der Ott-Fabrikcttion, religiöse Rechte der jüdischen Heeresangehörigen, Schutz der Westmauer, Feierrags urlnub für Telegraphenbeamten, Verhandlungen mit dem O.elkommissar und dem Ooerzichter wegen der I rffaer Unruhen, Rechtsvertretung vor den bürgerlichen Gerichten, Sabbatruhe bei den Postämtern in den Kolonien und vwles andere.