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Der Israelit · 1921-07-28 · Heft 30 (28.7.1921) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
62 (1921)
Issue
Heft 30 (28.7.1921)
Date
1921-07-28
Page
– (sequence 7)
Language
German
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SIS. Juli 1921 Der JSraelit. Nr. 30 Seite 7 Orass-Bondi (vorm. M. C. Kirchbaum Nachf.) Frankfurt a. M., Große Eschenheimerstr. 4. Spezialität: komplett“”8 Braut- Ausstattungen Verwendung nur guter Qualitäten bestens in Wäsche und Haltbarkeit Baby-Ausstattungen Sorgfältige Bedienung Sauberste Ausführung 3535 a Beste Verarbeitung Cassel des Schutz- und Trutzbundes einberufenen Ver. sammlung am 21. Mai 1920 hat dieser gesagt, „der Judengott" sei Geschäftsmann. Die allleslamentlichen Schriften waren von ihm als „Tagebücher fortgesetzter jüdischer Betrügereien" bezeichnet worden, und endlich hatte er in der den Antisemiten geläufigen Art das Kolnidre-Gebet ausgelegt, als erlaubte es den Juden Verbrechen j.glicher Art, wie Meineid, Betrügereien u. a. Der Angeklagte, der selbst anwesend war cknd unter Aufbietung von viel Lungenkrast seine Schmähungen und Verleumdungen gegen Juden und Judentum ungehindert vom Stapel lassen konnte, wiederholt von den Juden als den Gaunern, Betrügern und dgl. sprach, mutzte die ihm zur Last gelegten und durch die Zeugenaussagen erhärteten Aeußerungen, durch die er Gott gelästert und die jüdische Religion beschimpft haben sollte (Vergehen gegen § 166 B. St. B) zugeben. Allerdings suchte er fie dadurch abzuschwächen, datz er gesagt haben wollte: die Juden hätten den Gott. . . zu einem Geschäftemacher herabgewürdigt. Bezeichnend war, datz er durch jenen Vortrag dem Ueberwuchern des Judentums in Caffel, das unter der Regie des Zentralvereins eine prominente Stellung eingenommen habe, entgegentreien wollte. Das alte Testament, so sprach der wütige Judenfresser dann weiter, sei ein Produkt des jüdischen Geschäftsmannes, der Wucherer und Betrüger zu allen Zeiten gewesen sei. Die alitestamentlichen Schriften nannte Dinier ein „fortlaufendes Tagebuch jüdischer Betrügereien", die unter dem Schutze dieses entstellten Gottes vollzogen wurden. In den Propheten, die Dinier zu Nichtjuden macht, ihre Namen sollen es auch „bestätigen", kommt der flammende Protest gegen die Betrügereien zum Ausdruck. Durch das Kolnidre-Gebet erhalte der ungebildete Jude die Möglichkeit, es mit der Heiligkeit des Eides nicht zu ernst zu nehmen. Darin liege das „Doppelgesicht jüdischer Moral". Als Zeugen wurden Bankier Blumenthal, die Redakteure Gadomski und Dispeker gehört. Letzterer hob hervor, datz es ihm aufgefallen sei, wie Dinier die Geschichte von Jakob Esau verhöhnt und lächerlich gemacht habe, indem?. einen Raffengegensatz konstruierte zwischen dem lrier Esau" mit dem blonden, roten Haar und Jutob, dem Repräsentanten des Judentums. Als Sachverständiger führte Pfarrer Stein, Cassel ans, datz in den ältesten Zeiten der Gottesbegriff ein niedrigstehender sei, bis die Menschheit, die jüdische Menschheit, in immer klarere Begriffe hineingewachsen sei. Mit anthropomorphistischen Vorstellungen seien anfangs fetischistische verbunden; nach den Propheten erkenne man aber die lebendige feinere Religion Israels, verkörpert im Priestertum. Ans dem Tiefstand habe sich das jüdische Volk emporgearbeitet: die Propheten hätten Wahrheit, Recht und Gerechtigkeit gefordert. Die Wissenschaft lächle darüber, als seien die Propheten Arier oder Nich>juden gewesen. Sie lache auch darüber, als sei Jesus kein Jude gewesen. In dem Urteil neuerer Forscher sieht Pfarrer Stein eine neue Konstruktion, die durch nichts haltbar sei. Der Staatsanwalt Dr. Schmitz betonte, datz nack einer Entscheidung des Reichsgerichts auch der Begriff des jüdischen Gottes unter den durch Paragraph 166 geschützten Gottesbegriff falle. Die Frage, ob der Angeklagte Gott gelästert und Aergernis erregt habe, sei mit Ja zu beantworten. Auch im zweiten Punkt der Anklage liege ein Schuldig vor, wenn auch nicht im vollem Umsange. Das Kolnidre-Gebet habe Dinter kritisch auslegen wollen. Es sei aber keine Frage, daß die alttestamentlichen Schriften die Grundlagen der jüdischen und damit auch der christlichen Religion seien. GroB-Frankfurt am Eschenheimer Turm Spezialitäten- Theater Neu eröffnet: KAFFEE ersten Ranges Weinklause Eingang nur StiftstraBe Der Angeklagte, so resümiert der Staatsanwalt, habe sich der Gotteslästerung und der Beschimpfung jüdischer Schriften schuldig gemacht. Als wissenschaftlich gebildeter Mann und gewandter Sprecher hätte er sich des ver. letzenden Charakters seiner Aeußerungen bewutzt bleiben müffen, wie auch bei der Bemessung der Strafe zu berücksichtigen sei, datz es ^sich um ein überlegtes Vorbringen gehandelt habe. Der Staatsanwalt beantragt für jeden einzelnen Fall eine Strafe von zwei Monaten Gefängnis, bezw. eine Gesamtstrafe von drei Monaten Gefängnis. Nach halbstündiger Beratung fällte das Gericht ein freisprechendes Urteil, weil Dinter nicht über die Grenzen sachlicher Kritik hinausgegangen sei. In dem Ausdruck „Tagebücher jüdischer Betrügereien" sei die Anwendung eines subjektiven Begriffes auf die jüdische Lehre, nicht aber auf die Religionsgemeinschaft als solche zu erblicken._ Frankfurter Krrichte. Ara« Aavelle Alerttrrern"j>* In gesegnetem Alter von 82 Jahren starb dieser Tage Frau Babette Berliner. Mit ihr ging eine jener altjüdischen Franeä ins Grab, die durch ihre schlichte Frömmigkeit, durch ihr Gemilus Cheffed und seltene Anspruchlosigkeit sich auszeichneten und deren Typ in unserer fchnellebigen Zeit immer seltener wurde. An der Seite ihres Gatten Herrn Aron Berliner verbrachte sie lange Jahrzehnte in ununterbrochener Fürsorge für Mizwos und Liebeswerke, die ihr Gedächtnis in Würzburg, von woher sie vor einigen Jahren hierher übersiedelte, levendig erhält Den einzigen Sohn mutzte sie vor 3 Jahren als Opfer des Krieges noch kurz vor dessen Beendigung hergeben, die Liebe ihrer. Angehörigen vermochte aber bis an ihr Lebensende ihr dieses Unglück zu verheimlichen. Nun sie nach einem langen Leben reichen Inhalts in eine bessere Welt eingeht, wird sie die Früchte ihrer Wohltaten genießen und Gott wird dem Gatten, der Tochter und den Enkeln Trost gewähren. rvMün Kerzl-Ieier. Der Jüdisch-nationale Jugendausschutz Frankfurt a. M. veranstaltet am Sonntag, den 31. Juli vormittags 11 Uhr in sämtlichen Räumen des Neuen Theaters eine Gedenkfeier zum 17. Todestag Theodor Herzls. Als Festredner ist Herr Arnold Zweig gewonnen worden. Karten sind an der Theaterkasse erhältlich. Vereinskalender. Verein Mekor Chajiw. Samstag mittags 12lU Uhr, im Hörsaale Friedberger Anlage: „Mikro"- Herr Leopold Löwenthal. — nachm. 48/4 Uhr im Bereinslokale: „Pirke Owaus"- daran anschließend Jahrzeitstiftungslernen, Lehmann Weil - Stiftung. — abends 8*/, Uhr im Hörsaale: „Midrasch",' Herr Pros. Dr. Sulzbach. Sonntag vorm. 93/4 Uhr und Dienstagnachm, eine Stunde vor Mincho, im Vereinslokale: „Gemoro"- Herr R. B. Posen. Allmorgenlich Mischnalernen im Hörsaale. Allabendlich 88/4 Uhr: „o"i?-Lernen im Vereinslokale- Herr H. Halpern. Agudas Jisroel-Jugendqrudpe. Sonntag vorm. 8 Uhr: „Raschi"- Herr Leopold Oppenheimer. Dienstag abend 8 Uhr: „Gemoro"; Herr Dr. Hofmann. — S1U Uhr: Zweiter Vortrag des Herrn Rabbiner Dr. Bondi, Mainz: „Die Verwaltung Palästinas durch römische Landpfleger". — 9 Uhr: „Tefilloh"- Herr Oberlehrer Kaufmann. Mittwoch abend 8°/« Uhr: „Newiim"-Herr Simon Unna, Kleine Obermainstr. 30. Donnerstag abend 8*/, Uhr: „Chaurew"- Herr Dr. Ehrmann. (Herren und Damen). Samstag vorm., 9 Uhr: „Gemoro"- Herr Dr. I. Posen, Am Tiergarten 38. — 117« Uhr: „Gemoro"- Herr H. Halpern. — ll3/4 Uhr: „Mischna"- Herr A. Hirschberg. — nachm. 5 Uhr: „Gemoro" für Anfänger- Herr Leop. Oppenheimer. Der Schiur W2v 'öa von Dr. S. Ehrmannn findet jeden Morgen um a/47 Uhr statt. Allabendlich *U Stunde vor Nacht findet Lernen von wechselnden Dozenten statt, Agndas Jisroel-Mädchengruppe. Samstag nachm. 4 Uhr: „Thauro" - Herr A. Htrschberg. — 5 Uhr: „Thillim" - HerrLoutS Kahn. Verein in rnb. Samstag nachm, nach „Mincha", Hörsaal Frtedberger Anlage- Herr Prof. Dr. Sulzbach. Heöetzeiten. VN-'L 112V. Freitag abend 7.15. Samstag morgen 7.45. Samstag nachm. 5.—. SamStag abend 9.05. Wo chengottes dienst: Morgens 6.15. Nachmittags 7.15. Familiennachrlchien. Barmizwohfeier Ernst, Sohn des Herrn Ludwig Hamburger, Rückertstr. 44, Synagoge Friedberger Anlage. Lehrling m. höh. Schnlb. f. ein a.Samstagen u.b.isr.Feiert.str. geschl. 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