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Der Israelit · 1921-07-28 · Heft 30 (28.7.1921) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
62 (1921)
Issue
Heft 30 (28.7.1921)
Date
1921-07-28
Page
– (sequence 5)
Language
German
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LS. Juli 1931 Der Mraeltt. No. Sv Sette 5 ämter entbot. Hierauf wurde das Büro gebildet, worauf der Vorsitzende den Jahresbericht erstattete. Er gedachte der schweren Verluste, die die Lehrerkonferenz im verflossenen Jahre erlitten. Be sonders schmerzlich berührt die Versammlung der Tod des Seminarlehrers Katz s. A. in Kassel, der den meisten Kollegen Lehrer und Führer gewesen. Der an die Vorsteherämter der Israeliten gerichtete Antrag, den Lehrern einen Sitz in den Vorsteherämtern etnzuräumen, wurde teilweise gar nicht, von den andern ablehnend beantwortet, doch wird in dieser Angelegenheit das letzte Wort noch nicht gesprochen sein. Nach Verlesung des Kassenberichts durch Lehrer Gans-Ntederaula ergriff Lehrer Rosenbusch-Bebra das Wort zu seinem Vortrage: Umfang und Methode des hebräischen Unterrichts. Der Redner wies darauf hin, daß die seitherige Methode bei der Gleichgültigkeit der meisten Eltern keine greifbaren Erfolge zeitigen könne. Der hebräische Sprachunterricht müffe bei Behandlung des Hebräischen zugrunde gelegt werden, dann würde der Unterricht wieder an Leben gewinnen und die Jugend zu bewußten Juden erzogen werden. Der Redner erntet den Beifall der ganzen Versammlung. Nach Ablauf der nunmehr eintretenden Pause wurde Herrn Rabbiner Dr. Fink das Wort zur Erstattung des Korreferats erteilt. Leider war die dem Redner zugebilligte Zeit zu kurz, um sein Thema in erschöpfender Weise zu behandeln. Auch ihm ward der wohlverdiente Dank zuteil. Hierauf wurden die Vereinssatzungen beraten und ein gemeinschaftlicher Vertrag für Besoldung als Vorsänger ausgearbeitet. Bet der nun folgenden Vorstandswahl wurden Lehrer Gans-Ntederaula, Oppenheim-Treysa und Schaumberg-Neuktrch, letzterer als Vorsitzender wiedergewählt. Die 50. Lehrerversammlung wird zu Kassel stattfinden. Nach dem gemeinschaftlichen Mahle im Hotel Levy fand die Konferenz ihren Abschluß. Wohlbefriedigt von den Eindrücken des Tages trennte man sich mit dem Wunsche auf frohes Wiedersehen in Kassel.;—s—: fiusroanderung nach den vereinigten Staaten- M erlitt, 15. Juli. Die scharfe Handhabung und prohtbitive Wirkung des neuen Etnwanderungsgesetzes der Vereinigten Staaten von Nordamerika, das die jährliche Zuwanderung für Angehörige fremder Nationalitäten auf 3°/o ihres Bevölkerungsstatus in den Vereinigten Staaten vom Jahre 1910 beschränkt, geht aus folgendem Vorfall hervor: Auf Grund eines im letzten Augenblick aus New Jork eingegangenen Kabels wurden sämtliche Polen, darunter 254 Juden, von der Einschiffung mit dem am 14. Juli fahrplanmäßig von Hamburg nach New-Aork abgehenden Dampfer „Mount Clay" zurückgewiesen. Dieselben sind zur Fahrt mit dem Dampfer „Mount Carroll" zum 21. Juli zugelassen, damit ihr Eintreffen erst im August — im Rahmen der festgesetzten Etnwandererzahl — erfolgt. Gesterveich. Wie«, 21. Juli. Seit dem Eintreffen des paläpinensischenEinwanderungskommissars werden von der englischen Paßstelle wöchentlich etwa 100 Einreiseerlaubnisse nach Palästina erteilt, sodaß 350 Chaluzim bereits abretsen konnten. Voten. Die lüaifdi-polnifche Oerffänöisung. Warschau, 20. Juli. Ministerpräsident Witos hat die Initiative zur Wiederaufnahme der polnisch-jüdischen Ausgleichsverhandlungen ergriffe. Hoffentlich werden diesmal von vornherein konkrete Vorschläge der Regierung den Verhandlungen zugrunde gelegt, damit sie.nicht ebenso ergebnislos ausgehen, wie bisher. Inferoenfion S-s orthodoxen Spym-Klubs beim Minister des Innern. Warschau, 15. Juli. Die unausgesetzten Ueberfälle der polnischen Militärfreiwilligen auf jüdische Eisenbahn-Passagiere, über die bereits berichtet wurde und die sich von Tag zu Tag in ganz Polen wiederholen, veranlaßten den Seym-Klub der polnischen „Agudas Itsroel" persönlich beim Ministerium des Innern zu intervenieren. Die Delegation wurde vom Minister des Innern gestern empfangen und unterbreitete ihr Material, das den Minister veranlaßte, sofort den Chef der Sicherheitspolizei mit einer eiligen Untersuchung der gemeldeten Vorfälle und mit der Ergreifung energischster Vorbeugungsmaßregeln zu beauftragen. flmerihaniidie Kiste für ukrainische Pogrom-Waisen Warschau, 20. Juli. Dr. Bogen vom Joint Distribution- Komitee hat hiesigen Berichterstattern die Grundzüge der amerikanischen Hilfsaktion für die ukrainischen Waisen entwickelt. Man will die Waisen grundsätzlich im Osten belassen, weil man dort schon mit einer jährlichen Aufwendung von durchschnittlich 500 Dollar ein Kind versorgen kann. Auch glaubt man aus erzieherischen Gründen die Möglichkeit, Kinder bei näheren oder entfernteren Verwandten groß werden zu lassen, nicht unterschätzen zu sollen. In Amerika geht man nunmehr nach dem sogenannten Paten-System vor, wie es der Kriegswaisenfonds der „Agudas Jisroel" bereits früher mit Erfolg angewandt hat. Gegen die Verpflichtung zu einer Jahreszahlung von 500 Dollars wird dem Paten eine Photographie des Patenkindes sowie ein Bericht über seinen Lebenslauf übergeben, der durch weitere Berichterstattung alsdann fortlaufend ergänzt werden soll. Auf jeder Photographie soll angegeben werden, ob das Kind bisher orthodox oder unreligiös erzogen ist, welche Erziehungsanstalt es besucht usw., und eine Aenderung soll in dieser Hinsicht alsdann auch auf Wunsch des Paten nicht eintreten. Die Gesamtarbeit des Joint Distributton- Komitees wird sich von nun an auf die drei Gebiete des wirtschaftlichen Wiederaufbaues, der medizinischen Hilfe und der Watsenversorgung beschränken. öemeinde und Theater. gtabatt, 15. Juli. Die hiesige Gemeindeverwaltung ist durch Kooptation von Vertretern aller Parteien erweitert worden, wodurch'es natürlich an lebhaften Auseinandersetzungen in der Gemeindevertretung nicht fehlt. So haben die Zionisten sich nicht gescheut, den Antrag einzubrtngen, die jüdische Gemeinde Krakau solle das hier bestehende jüdische Theater auf das Gemeindebudget übernehmen. Der empörende Vorschlag wurde zwar mit Mehrheit abgelehnt, es ist aber die beschämende Tatsache zu konstatieren, daß auch misrachistische Gemeindevertreter die Partei-Disziplin soweit trieben, daß sie für den Antrag stimmten, ein Schulbeispiel für die allmähliche Anpassung des Misrachi an die Welt- und Lebensanschauung des modernen Nationalismus. Ts cherho-Klorvaket. Die Sitzung des zionistischen kklionshomstees- Srag, 18. Juli. Die Verhandlungen wurden gestern geschloffen. Als Termin für den Zusammentritt des Kong resses wurde endgültig derl.September festgesetzt. Aus den Ausführungen Weiz manns zur politischen Lage sind noch einige interessante Einzelheiten nachzutragen. Wetzmann erklärte, Herbert Samuel befinde sich in einem Zustande der Betäubung und sei von einer Clique umgeben, die ihm ihren Willen aufzwinge. Die zionistische I Organisation dürfe sich aber von dieser Schwäche des Oberkommissars nicht anstecken lassen. Allerdings trügen zu dieser Schwäche auch die Meinungsverschied enheitenbet,diezwischen London und Jerusalem beständen. Wezmann hat gegen die von Herbert Samuel angekündigte Schaffun g e in er palästinensischen Volksvertretung in London Einspruch erhoben und die Vertagung dieses Projektes bis zur Bestätigung des Mandates verlangt. In finanzieller Hinsicht setzt Weizmann seine ganze Hoffnung ausschließlich auf Amerika. Die hervorragendsten und fähigsten Männer der zionistischen Organisation müßten in kurzer Zeit nach Amerika fahren, um dort jährlich 20 Millionen Dollar aufzubringen. RvMarrd. knswanderung aus Sowjetrußland- Stockholm, 18. Juli. Ein Vertreter des skcmdinavtsch-jüdtschenHilfskomttees soll demnächst nach Warschau reisen, um mit einem Delegierten der Sowjet-Regierung wegen Regelung der jüdischen Auswanderung aus Sowjet-Rußland zu verhandeln. Es wäre natürlich von größter Bedeutung, wenn den in Rußland eingesperrten Opfern ein Ausweg sich öffnete, obgleich schwer zu sagen ist, wohin die Auswanderung sich ergießen soll. (Siehe Korrespondenz aus London. Red.) bolschewistische 6eroa!fherrichaft. Merlin, 20. Juli. Die russischen Blätter veröffentlichen eine Verfügung der Sowjetregterung, die alle Gotteshäuser b e s ch l a g n a h m t, um sie den Religionsgemetnden gegen einen kleinen Mietzins für ihre Zwecke zur Verfügung zu stellen. Doch müssen sie außerhalb der Gottesdienstzeit für öffentliche Veranstaltungen den Behörden abgegeben werden. England. Paläftina-Sragen im englischen ünferhaufe. Loudou, 22. Juli. Die Debatte über Churchills große Rede vom 14. Juni wurde letzte Woche im Unterhause wieder ausgenommen. Zunächst erklärte Asqutth, der bekannte Führer der Opposition, er halte Churchills Auffassung, daß es möglich sein werde, Juden und Araber zu einem freundlichen Mtteinanderleben in Palästina zu bringen, für recht hypothetisch. Sir I. D. Rees hat an Herbert Samuel nur das eine auszusetzen, daß er „immer noch zu sehr Zionist" sei. Mit der Etnwanderungsbeschränkung ist der Abgeordnete natürlich sehr einverstanden. Eine große kritische Rede hielt Sir W. Iohnsley- H i ck s. Er bestreitet, daß die bisher nach Palästina gekommenen siebentausend jüdischen Einwanderer von irgend welchem realen Werte für Palästina seien. Sie würden auf allgemeine Kosten, aus den Steuern der Gesamtbevölkerung, ernährt. Die Mandat-Bestimmungen müßten ihrer Natur nach aufreizend auf die Araber wirken, insbesondere - aber auch die anscheinend kleinen Zugeständnisse, die man dem jüdischen Nationalgefühl durch die Einführung jüdischer Zeichen auf den Briefmarken und jüdischer Straßenwegweiser gemacht habe. Au sich könnten die Juden ein „jüdisch-nationales Heim" auch in England etablieren, aber so wie man ihnen hier niemals Zugeständnisse der gekennzeichneten Art machen würde, so brauche das unbeschadet der Balfourerklärung auch in Palästina nicht zu geschehen. Im übrigen müsse man die Terminologie der Balfourerklärung revidieren. Geschehe das nicht, so solle man darauf gefaßt sein, nicht 5000 Mann, sondern ein paar Divisionen englischen Militärs nach Palästina zu entsenden. C h u r ch il lbeschränkte sich in seiner Erwiderung auf eine Ironisierung der Johnsley-Htck'schen Ausführungen und vertröstete die Abgeordneten aus nächstes Jahr. Dann werde er vielleicht bereits bessere Ergebnisse der englischen Palästina- Politik dem Hause vorlegen können. Jedenfalls

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