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Der Israelit · 1921-07-28 · Heft 30 (28.7.1921) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
62 (1921)
Issue
Heft 30 (28.7.1921)
Date
1921-07-28
Page
– (sequence 4)
Language
German
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■3fite 4.?h\ :0, -l.. irr-, —i ,»»,«»,»,, an* g». m ä^zeee Fynn gcbr-7. zu sollen. Dürrn Liegt der Wesenlüche ü»ni.schicd zwischen ihnen und der heutigen Generation. Diese fühlt sich von dem alten Grift des Judentums nicht nicht mehr befriedigt und sucht nach neuen Werten.*) Ihr Judentum bedeutet ihnen allen in der Hauptsache ein „religiöses Seelenleben", und darum „besuchen sie wieder den Gottesdienst", ist in dem oben zitierten Aufsatz richtig gesagt worden. Sie haben aber nicht mehr das Verständnis für den alten Geist, und können es auch nicht haben. Hier rächt sich bitter, daß die Reform nicht aus dem Geist des Judentums heraus in natürlicher Entwicklung entstanden, und daß dieser Geist in neue Formen hingezwängt worden, die nicht seiner Eigentümlichkeit entsprachen. Daher konnte der alte Geist mit den neuen Formen zu keinem organischen Ganzen zusammenwachsen. Als Ergebnis zeigt sich, daß es in drei Generationen nicht gelungen ist, das alte Judentum in neuen Formen wirklich lebensfähig zu erhalten. Seien wir doch einmal alle ehrlich, was wollen wir denn? Ist unser aller Streben — neologer wie orthodoxer Juden — nicht mindestens (von den tiefgehenden religiösen Gegensätzen abgesehen) darauf gerichtet, unsere Kinder zu ordentlichen, ehrlichen Menschen zu erziehen, die ihren Platz im Leben ausfüllen und dem Judentum Ehre machen? Sind wir uns aber dessen voll bewußt, dann wird uns sofort klar, daß in unseren jüdischen Gesetzen Erziehungsmittel an die Hand gegeben sind, welche uns zu allen Zeiten und in jeder Lebenslage befähigen dieses Ziel zu erreichen. Es ist nicht möglich im Rahmen eines kurzen Aufsatzes den außerordentlichen Anteil, den das jüdische Gesetz an unserem Erziehungswerke nehmen kann, darzulegen. Daher muß ich mich hier auf Andeutungen beschränken. Aber tatsächlich liegt hier der Ausgangspunkt aller Fragen, welche eine Vereinigung des Judentums mit den Forderungen der Zeit, also auch die „Angleichung" des jüdischen Gottesdienstes an unser modernes Empfinden, an das Seelenleben unserer Jugend behandeln. Können wir etwa leugnen, welcte bedeutende Rolle beispielsweise der Sabbat in der Erziehung des Kindes spielt? Wird nicht das kindliche Gemüt von dem Entzünden der Sabbat-Lichter an bis zum letzten Verlöschen der Hawdolokerze, die just das jüngste Kind emporstreckt, gefangen genommen? Welche Weihe strömt vom Sabvattisch mit seinen frisch duftenden Barches und feinem weißen Linnen aus! Wie muß sich das Kind schon iu Gedanken bei den Vorbereitungen zum Sabbat mit dessen Gottes-Dienst beschäftigen, der ihm gewiffermaßen den letzten Stempel der Weihe dieses Tages bedeutet. Hier lebt schon die jugendliche Seele, hier braucht sie nicht erst ihre Befriedigung zu suchen. Unsere alten Welsen sagen, daß der Sabbat dem Menschen eine zweite Seele verleiht: die ,TUV natW. Sie ist das Feiertags-Gemüt, welches Kind wie Jüngling, den gereiften Mann wie den Greis über das Alltagsleben hinaushebt. Natürlich wird man hier mit Vernunftgründen und wissenschaftlicher Kritik nichts ausrichten können. Aber ist denn Religion durch wissenschaftliche Erklärung des Welroildes und Weltgeschehens zu erschöpfen? Hat sie überhaupt etwas mit Wissenschaft im exakten Sinne dieses Wortes zu tun? Sehr richtig sagt Paul Wernle: „Um Lebensprobleme, nicht um Denkprobleme handelt es sich bei der religiösen Wahrheit. Nur denkend können sie als Lebensprobleme schlechterdings nicht gelöst werden." Hier kann man nur allen denjenigen, welche auch die religiösen Probleme der Zeit wlssenschaftlich zu sezieren sich anschicken, mit Faust antworten: „Wenn ihrs nicht fühlt, ihr werdet's nicht erjagen." Das Judentum *) Ich habe hierbei natürlich nicht jene Kreise im Auge, welche unverbrüchlich am Gottesgesetz unü der aNen Tradition seslhalten, ihie Kinder in unveränderter Weife erziehen und weiche gute Erziehungserjolge erzielen, ohne im allgemeinen besürchten zu müssen, daß ihnen die kommenoe Generation entjremder wird. darf ebenso wrrrig wu -me andere Religion elitLiö gewisjeu entkleidet werden, wenn es nicht zur Vernunftreligion degradiert werden will. Damit hätte es aber seine Rolle als Erziehungsfaktor der Menschheit ausgespielt. Gewiß ist es nötig, daß wir die religiösen Gesetze zu verstehen suchen und sie nicht mechanisch üben. Sagen doch unsere alten Weisen, daß ein Gebet ohne Andacht, wie ein Körper ohne Seele istwas aber hier vom Gebet gesagt ist, gilt von allen religiösen Vorschriften. Aber mit dem Verstehen der Gesetze allein ist es noch nicht getan. Neben diesem Verstehen der Gesetze, das nicht allein durch die trockene Uebersetzung aus dem Hebräischen ins Deutsche erworben wird, sollen sie uns einen Inhalt vermitteln, der auf unser Leben und das unserer Kinder veredelnd wirkt. Das Verstehen allein vermittelt noch nicht den Glauben, der uns so hoch und heilig geworden ist, daß sich noch heute hunderttauscnde unserer Glaubensbrüder für ihn hinschlachten lassen. Glaube aber kann nur in den seltensten Fällen vermittelt werden. Aber wir können durch eine religiöse Erziehung, durch Anhaltung zur Uebung religiöser Vorschriften bei der Jugend den Boden vorbereiten, auf dem der Glaube erwächst. Kultivieren müssen wir das kleine, gar so empfängliche Kindergemüt für alles das, was mit dem Judentum zusammenhängt. Dazu aber gehört nicht allein der jüdische Gottes-Dienst, sondern alles das, was unser Judentum durch die Fährnisse der Jahrtausende so sicher getragen, alles das was unsere einfache Existenz nach all den Verfolgungen und Bedrückungen vergangener wie gegenwärtiger Zeiten wie ein Wunder erscheinen läßt. Deshalb muß die Erziehung unserer Jugend in einem Alter etnsetzen, da die jugendliche Seele noch empfindsam genug ist, sich allem Jüdischen anzupassen. Seit der französischen Revolution gab es keine Zeit, die eine so rücksichtslose und maßlose Umwertung der Werte gebracht hat wie die unsrige. Suchen wir das Raunen des Zeitgeistes zu verstehen, das er uns in der religiösen Seelenregung unserer Jugend vernehmen läßt. Lassen wir uns nicht durch die Ergebnisse der modernen Wissenschaften täuschen, die allen Glauben an das Dasein eines persönlichen Gottes und dessen Gesetze als Ammenmärchen in die Zeit der Kindheit der Völker verweisen. Schrecken wir nicht davor zurück, als moderne Menschen des 20. Jahrhanderts auch wieder in unseren Herzen und in unjerem Leben — nicht nur in den flüchtigen Augenblicken einer Feierstunde in der Synagoge — an die Existenz eines Weltenschöpfers und Weltenlenkers und eines, des Gottesgesetzes zu glauben, das unsere Väter und Urahnen gleich einem kostbaren Erbschatz durch die Jahrtausende härtester Prüfungen und grausamer Qualen trugen und sich — als ihr einziges, unverlierbares Besitztum — nicht rauben ließen! Oeffnen wir unsere Häuser diesem göttlichen Gesetz, hinter dessen scheinbar unzeitgemäßen Formen sich gar so oft die liesften und edelsten Grundsätze des Menschentums verbergen. Noch hören wir das Flügelrauschen des alten Geistes, den unsere Kinder nur noch ahnen, wenn ihre Seelen nach Befriedigung dürften. Aber dem alten jüdischen Geist ist das Jahrtausende alte Gewand lieb und teuer geworden. In neumodischer Kleidung fühlt er sich nun einmal nicht wohl und glaubt in ihm verstummen zu müssen. Das alte Buch, das die tiefen Runen der Geschichte des ältesten aller heut noch existierenden Kulturvölker trägt, am Beginn dieser Geschichte mit göttlichem Finger geschrieben, besiegelt mit dem Blute des Volkes — es offenbart uns immer noch dieselben Werte wie vor 3404 Jahren. Es kennt keine Umwertung der Werte und wird sie niemals kennen — und Heil uns, daß dem so ist! Als Rousseau mitten in den Trubel einer verderbten Zeit hinein, unbekümmert, ob man ihn hören oder ihn gar als „Rückschrittler" verketzern werde, sein „Zurück zur Natur" erschallen ließ, da folgten seinem Ruf alle, die noch normal 28 $ ul*. 1BÜ1 $ dachte» und lebenskräftig genug waren, eine allen natürlichen Leoensöedingungen entfremdete Gesellschaft auf neuen — alten Grundlagen aufzubauen. Wollen wir das richtige Verständnis finden für die Forderungen unserer Jugend, dann müssen wir, nicht rechts und links schauend, zurückblicken auf die Geschehnisse vergangener Zeiten und an ihnen unser Urteil messend den Mut haben, der Zukunft entgegenzuschreiten mit dem Rufe „Zurück zur Thora!" Lomsponaenren ti. Nachrichten. Deutsches Reich. Kekirerv erbang un9 Gefamforganifation 9es geusscben 3u9enfums. Magdeömg, 20. Juli. In der Angelegenheit der Ablehnung der Lehrerforderungen auf dem 15. Gemeindetag sowie der vom deutsch-israelitischen Grmeindebund eingesetzten Kommission „zur Prüfung der Lage der jüdischen Lehrer" hat der Vorstand des Lehrerverbandes folgendeE ntschiießung angenommen: Der Vorstand des Lchrerverbandes spricht seinen Delegierten auf dem 15. Gemeindetage Dank und Anerkennung für die mannhafte Vertretung der Lehrerforderungen aus und bedauert zugleich,, daß der Gemeindetag de wichtigste Forderung „die Anstellungs- und Besoldungsverhältniffe der Lehrer durch Bundesbeschluß zu regeln" abgelehnt hat. Er kann in der seitens oes Gemeindebundes eingeleitetenNotstan dsaktion keinen Ersatz für das der Lehrerschaft vorenthaltene Recht, sondern allenfalls einen Versuch erblicken, das auf dem Gemeindetage an ihr begangene Unrecht einigermaßen gutzumachen. Der Vorstand vertritt die Auffassung, daß der Fortbestand des Lehcerstandes und mit ihm der Fortbestand der jüdischen Gemeinden davon abhängt, daß an die Stelle der bisherigen Willkür in der Anstellung und Besoldung der Lehrer Gesetz und Recht tritt und spricht die ganz bestimmte Erwartung aus, daß die Leitung des D. I. G. B. alles daran setzen wird, eine a esetzliche Regelung der Anstellung und Besoldung, die den Anschauungen und wirtschcD Verhältnissen der Zeit entspricht, herbeizuführen Unter dieser Voraussetzung ist der VerbandSvorftand bereit, an der Gesamtorganisation des deutschen Judentums mitzuarbeiten und auch auf seine Mitglieder in gleichem Sinne einzuwtrken. Die 49. Isbresoersammtung 9er israelUifcfien Lehrerftonferen? Hessens- Aarnrstadt, 27. Juli. Die israelitische Lehrerkonferenz Hessens hielt am 11. Juli ihre 49. Jahresversammlung im großen Saale des Ballhauses in Fulda ab. Zu derselben waren etwa 70 Lehrer aus allen Gauen Hessens und auch eine größere Anzahl Gäste erschienen. Als Vertreter der Vorsteherämter waren die Herren Rabbiner Dr^Walter, Landesrabbtner in Kassel und die Provinziairabbtner Dr. L. Cahn- Fulda und Dr. Cohn-Marburg anwesend, außerdem waren sämtliche Mitglieder des Vorsteher-! amtes der Israeliten in Fulda, wie auch der I Syuagogenälteste Emanuel Stern der Etnlaoung I der Konferenz gefolgt. Kurz nach 9 Uhr eroffnete der Vorsitzende, Lehrer Schaumberg-Neukirch die Konferenz. Er ( begrüßte die erschienenen Kollegen und Gäste und j verbreitete sich über die Bestrebungen und Ziele - der Konferenz. Alsdann wurde das Wort Herrn! Provinzialravbmer Dr. Cahn erteilt, der der Versammlung d,m Gruß sämtlicher vier Vorsteher^

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