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Der Israelit · 1921-07-21 · Heft 29 (21.7.1921) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
62 (1921)
Issue
Heft 29 (21.7.1921)
Date
1921-07-21
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 Nr. 39 »er KDrarltr Völliger Schwäche vor den rebellischen Matrosen kapitulierten- Die italienische Regierung tut alles Mögliche, um den in Triest zuruckgehaltenen Einwanderern den Aufenthalt zu erleichtern. (Stehe jedoch die „Wochenrundschau". Red.) Amerika. Polen uni Sie amerifianiftfien Juöen. 1. Juli. Das hiesige „Komitee für die Rechte der religiösen Minderheiten", an dessen SpitzeMänner wie Hughes, Lansing, Taft, Marshall und Morgentau stehen, hat an den polnischen Botschafter in Washtngthon,Lubomtrsky, ein Dankschreiben anläßlich der Annahme der neuen polnischen Verfassung gerichtet. Das Komitee spricht die Erwartung aus, haß die polnische Regierung die Verfassungsbestimmungen, die den religiösen Minderheiten volle Gleichberechtigung und Entwicklungsfreiheit verbeißen, mit vollem Ernst durchführen und üoxrall in derPraxis zur Anwendung bringen wird. Malirstina. Die Hoffage der Cfioralßfuranflatten. Jerusalem, 1. Juli. Mehr als zwei Monate lang waren die vom amerikanischen Zentral ReliefKomitee zugesagten monatlichen Subventionen für die Jeschiwos und Talmud-Thoraschulen ausgeblieben und alle telegraphischen Reklamationen blieben ohne Antwort. Die rückständigen Beträge sind jedoch jetzt endlich zur Verteilung gelangt, sydaß die Lage ein wenig erleichtert erscheint. Es ist natürlich überaus traurig, haß die ganze Existenz der thorahefltffenen Bevölkerung Erez Jisroels heute» von einem New-Aorker Komitee abhängt, und die Lasten sich nicht mehr wie früher auf alle Länder der Erde verteilen. Die ungünstige moralische Nebenwirkung dieses unnatürlichen Zustandes kann auf die Dauer natürlich nicht ausbleiben. Personalien. Stiftsrabbiner Dr. Jakob Kpamer b"Xl- '' . Karlsruhe, 18. Juli. Der in der Nacht zum 4. Siwan in Davos nach 21/, jähriger Krankheit erfolgte Tod des StiftSrabbiners Dr. Jakob Kramer bAVt hat tiefste Erschütterung in unserer ReltgtonSgesellschast und weit darüber hinaus hervorgerufen. Schied doch mit ihm ein Wann aus msserer Mitte, der nicht bloß umfassende, gründliche Äolisch«talmudische Kenntnisse, sondern auch seltene 7>121L 71112 besaß: Er war ein Sohn des vor kurzem in Wien verstorbenen hochgeachteten RabbinatSassessors wo " Krämer y'ST, von dem er in früher Jugend in die talmudische Weisheit eingesübrt wurde. Auf der ,12'p' seines Geburtsortes Eisenstodt uttd später in Pretzburg oblag er mit ungewöhnlichem Fleitze ferner weiteren talmudische« Ausbildung. Am Berliner Rabbtnersemsnax, zu dessen lerneifrigsten und begabtesten Hörern er zähste, wurde er zum Rabbiner approbiert. Seine Promotionsarbeit über das: „Problem des Wunders" ist ein klassisches Zeugnis seines Scharfsinnes und seiner Vertrautheit mit den religionsphilosophischen Werken alter und neuerer Zeit. Im März 1905 übernahm er hier die Stxlle eines StiftSrabbiners und eines Lehrers an unserer Rengionsschule. In dieser Doppcleigenschaft war Dr. Kramer unablässig bemüht, Thorawiffen zu verbreiten und namentlich durch öftere gedankenvolle, von echt jüdischer Begeisterung durchglühte homiletische und wisser schastliche Borträge auf Jung und Alt belehrend und erzieherisch einzuwirken. Was aber den Verstorbenen besonders auszeichnete und ihm ayseitige Sympathien zuwandie, das waren jene edlen Tugenden des Herzens und Gemütes, die ihn in selten hohem Maße aus zeichneten, vor allem seine geradezu rührende Bescheidenheit und liebenswürdige Freundlichkeit jedem, auch dem Geringsten gegenüber. Bet der am «. Siwan hier stattgefundenen Beerdigung zeigte sich die Trauer um den teuren Verblichenen in imposanter Weise. Unter Anlehnung an den talmudifchen Ausspruch;'2i*ip bsn riolv Mn, zeichnete unser Rabbiner, Herr Dr. Schiffer, in tiefster Ergriffenheit das Lebensbild des Heimgegangenen Freundes und Mitarbeiters und richtete mit Hinweis auf den Schristvers rr;2 wi nmn 'vxr b»'x riv'i Worte schmerzlichen Mitempfindens an dessen gleichgesinnte, tapfere Gattin und an die beiden Söhne. Sodann widmete Herr M. Alt mann als Vorsteher der israelitischen Religionsgesellfchaft und dessen Sohn H. Josef Altmann im Aufträge des Chivuch-Neorim Vereins sowie Herr Rabbiner Dr. U n n a -Manfiheim als Freund und Kollege und schließlich noch Herr Dr. Julius Rosenfeld als etnstoaliger Schüler dem teueren Verklärten wehmutsvolle Nachrufe Die Schatten der Nacht senkten sich, als wir schmerzersüllt das 122 des frommen, gelehrten Dr. Kramer mit dem innigen Wunsche verließen: .n"23Hfl Stuttgart, 9. Tamrnus. Einen schmerzlichen.Verlust hat die hiesige Reltgionsgesellschaft erlitten dUrsh den Tod ihres ältesten Mitgliedes, Herrn Gustav Schloß n"y. Nahezu vier Jahrzehnte unterstützte er als echter Jehudi, der mit seiner gleichgesinnten Gattin ein echt jüdisches Haus führte, die Interessen unserer Kehillo. Kein Wunder, laß man in ihm einen würd'gen Führer der Gemeinde erkannte, sodaß er gegen 20 Jahre dem Vorstände angehörte, seit vielen Jahren sogar den Vorsitz führte. Nächst seiner Familie war ihm diese Kehillo sein Heiligstes, ihre Freuden waren feine Freuden, ihre Sorgen die fei nt gen. In musterhafter Setbstlosigleit widmete er seine ganzen Kräfte derselben und seine größte Freude war, daß er die ihm am Herzen gelegene Religionsgesellschaft in jüngster Zeit durch stattlichen Zuwachs n"2 aufblühen fah. Durch Entgegenkon men des Sta-trabhtnates und der Oberkirchenbehörde wurden die Funktionen auf dern?"n2dem Herrn SRabbinet Dr. Änsbacher übertragen, r»er an der Hand des laufenden Thoraabschnittes ein in jeder Hinsicht zutreffendes Bild des Enifchlafenen entrollte und zur Nachahmung seines Vorbildes mahnte. Herr Schloß n"j? habe die Bescheidenheit einer Mirjam mit der Friedensliebe eines Aron verein«. Sein lebendes Beispiel war dem „Brunnen Mirjams" gleich ebenso ein unerschöpsljcherQuell der Thoratreue und des GottvertrauenS, wie seine in allen Kreisen geachtete und beliebte Persönlichkeit gleich den 1122 '12p, den „ehrenden Wolken Arons" eine würdige Vertretung der Kehilloh nach pußen darstellte und, dem Worte Unserer Weifen gemäß int’I sbü vri'i hat dieselbe Grund zu bangen und zu sorgen, wie diese Lücke wieder auSgefüllt werden soll. Sein Grundsatz war stets *püi -pi, die vom himmlichen König vorgeschriebenen Straße zu wandern, nichts rechts und links abzuweichen. *p2: 12W WH ip bis er die Grenze seiner irdischen Laufbahn überschritten. NamenS -es Vorstandes verlieh noch Herr Jeinberg dem Schmerz um den uns entrissenen Führer mit bewegten Worten Ausdruck. n"2SM Warschau» 14. Juli. Rabbi Israel M ir von Radin, der Chofez Chaim. ist Hier angekommen, empfangen von einer Deputation der Ägudas Jisroel, der Jugendorganisation und einer ungeheueren Volksmenge. Er ist bei einem seiner ehemaligen Schüler abgestiegen. Pose«, 8. Juli. Nach längerem Leiden im segensreichen Aller von 86 Jahren staib hier der Rentier, Herr Gustav Goldschmidt. Seine Bestattung gestaltete stch zu einer großen Ehrung. Sämtliche Mitglieder der jüdischen Gemeinde, auch Nichtjuden, wohnten der Beerdigungsfeier bet. Mit Gustav Goldschmidt ist einer der bravsten und geachtetsten Männer der Stadt Posen dahingegangen. Vor sieben Jahren war es ihm vergönnt u-it feiner Gattin, Frau Rofglie GMfchmtdt, geb. Prochownick, das Fest der 'goldenen Hochzeit zu feiern. Sein Leben war Forschen in der Gotteslehre, Gottesdienst und Wohltun. Bis an sein Lebensende stand er an leitender Stelle in den Vereinen, die sich wahre Nächstenliebe zur Aufgabe gestellt. Auch bei ungünstigem Wetter ließ er sich nicht zurückhalten, Kranke zu besuchen und Leichen zu bestatten. Früh und abends fehlte er nicht bei den Andachten im Gotteshause. In seinen Wohltätigkeitsbestrebungen wurde er von seiner Gattin in hilfreicher Weise unterstützt. n"2lttn. Akeupenau. 11. Juli. Einen schweren unersetzlichen Verlust hat die hiesige kleine israelitische Gemeinde durch das Hinscheiden der Frau Hänchen Rosenberg erlitten, deren irdische Ueberreste am jüngsten Freitag der Erde übergeben wurden. Die Dahingeschledene, die das Alter von 76 Jahren erreichte, gehörte zu den echten ni'ipiX und wirkte während ihrer ganzen Lebenszeit getreu den Traditionen gemäß, die unsere heilige Thora ihren Bekennern ans Herz legt. Gemeinsam mit ihrem vor wenigen Jahren verstorbenen Gatten führte sie in vorbildlicher Weise ein Haus, das in jeder Beziehung als mustergiltig bezeichnet werden darf. Vornehme Wohltätigkeit. Gastfreundschaft und Menschenliebe waren die Eigenschaften, die ihrem Hause zur Zierde gereichten. Das Leichenbegängnis, dem viele Freunde von Nah und Fern anwohnten und bei welchem Herr Bezirksrabbiner Dr. Löwenstein aus Mosbach der Verblichenen einen wohlverdienten ehrenden Nachruf widmete, legte Zeugnis davon ab. welcher Beliebtheit die Dahingeschiedene in allen Kreisen sich erfreuen durfte. i"2Zliri. Sprechsaal. Die höhere Schule in Leipzig. Leipzig, End? Silvan 5681. Sehr geehrter Herr Redakteur! Jn drr letzten Nummer Ihres Mattes haben Sie eine Zuschrift aus Leipzig über die Frage Schule »der Jeschiöa 21 Jült i»äfi gebracht, die einen durchaus unklaren Eindruck machte, sodaß der anonyme Einsender es eigentlich, nicht verdiente, daß man seinen Ausführungen bte Ehre einer Erwiderung zuteil werden ließe. Da sich aber jeder Leser, wenn es ihm auch nicht jgc* -ringt, die Weisheit des Herrn Jwri zu ergründ'«!, somrt darüber klar wird, daß hier ein Angriff aus unsere hiesige jüdische Schule vorliegt, so meint die grundlos Verdächtigte doch nicht schweigen zu dürfen. In ihrem Namen, b: h. in dem des Lehrkörpers, der Schüler- und Elternschaft habe ich wlgendes zu sagen: Unsere Schule verdankt ihr Entstehen lediglich dem Wagemut Weniger, die der Verwahrlosung der Jugend in ihrer jüdischen Erziehung ein 'Bollwerk entgegen-- setzen, vor allen Dt«gen der wen veroreneiLN Sabbctentweihung ent gegen treten wollten. Zur dfes^n Gedanken waren nur diejenigen Eltern reis, die ihrer jüdischen Ueberzeugung alles zu opfern bereit .waren. Alles! Auch ihre gesellschaftliche Stellung, auch die materielle Zukunft ihrer Kinder. Daß die letztere bedroht sei, wenn man die 'Kinder einer« unsicheren, aus ganz schwankenden Füßen stehenden Unternehmen nnvertraue, das haben selbst seriöse Menschen allen Ernstes geglaubt, und aas; man sich.in guten Kreisen unmöglich mache durch Frequentierung einer Ausläuderschule, wie man sie zu chennep beliebte, war eine Behauptung, die man aus allen Gassen hören konnte. Die Vertretung der jüdischen Gennliide legte die Schul? in Acht und Baun, -selbst die orthodoxe Vereinigung — die einzige damals' hier bestehende — erklärte, nichts von ihr Wilsen zu "wollen. Man könne ja orthodox sein, aber daß man in heutiger Zeit die Kinder am Sabbat nickt einmal zur Schule sollte schicken dürfen — das sei doch zu wer«, gegangen. Ich behaupte dreist, daß nie vorher Hin Schulwerk sich gegeir solche Widerstände zu behaupten und durchzusetzen hatte. Als Verfechter einer Idee, fürwelche sch in meiner eigenen Gemeinde so wenig Verständnis fand, stand ich fast völlig isoliert. Ich ließ mich nicht irre machen, weil ich einsah, daß es,, wie bisher, nicht weiter gehen dürfe. Selbst in meiner Hoffnung auf die Mithilfe orthodoxer auswärtiger Mäceur und gesetzestreuer Organisationen bin ich getäuscht worden. Nicht einmal die Freie Vereinigung bat einen Baustein zu unserem Schulgebäude geliefert. Man meinte, die Leipziger Schule sei eine lokale Angelegenheit, Leipzig habe reiche Leute genug. Wenn mir der Mut entsinken wollte, hat ihn mein - verewigter Vater V st wieder gehoben. Er erklärte, durch mich über die hiesigen Verhältnisse unterricht^, die Leipziger Schulsache für eine der heiligsten jfc* bischen Angelegenheiten überhaupt, mrd soweit seine Einfluß reichte, hat er unserer Anstalt Freunde und Gönnet zugcführt. — Allmählich nahmen sich der Sach? - da meine orthodoxen Gesinnungsgenossen, nicht weil ihnen die Schule nicht fromm genug ymr, sondern weil sie ihnen in ihren religiösen Forderungen zu weit ging, und weil sie die zu erwartenden Heldopfer scheuten, versagten — einige allgemein jüdisch empfindende Männer hilfsbereit an. Es bildete sich ein Kuratorium von angesehenen Herren, die zumeist für ihre Person nicht aus dem Boden der Uebcrliesernirg standen, um die Anstatt finanziell zu fundieren . Nächst Gott ist cs der uneigennützigen, aufopferungsvollen Arbeit dieser Herren zu danken, wenn die zwei Jahre vor Kriegsbeginn begründete Schsthr trotz der doch ganz unvorhergesehenen Krise, die der Krieg brachte, über Wasser gehalten werden konnte. Die Schule hat sich binnen kurzem den Ruk einer guten Bildmrgsanstalt erworben, sodaß ihr auch Schüler ans religiösKiberalen Kreisen anv'ertraüi wurden. Es ist selbstverständlich, daß die Schule sich bemüht, all ihre Zöglinge zrc froinmeu, traditions-- treuen Juden zu erziehen' Es ist ihr in überraschend vieleu Fälleu gelungen; es ist ihr natürlich auch vielfach nicht geglückt, besonders dann' nicht, weün hie Gegenwirkung der Atmosphäre des Elternhcurses eine zu starke war. Es mag daher auch vorkoinmen, daß Schüler unserer Llnstalt keine Tefillin legen, wenn ich auch darüber nicht so genau informiert bin. Wie Ihr Berichterstatter. Es ist Sache des Religions-- lehrers, nach dieser Richtung belehrend unb aneifernd zu wirken; aber eine Kontrolle über die praktische Erfüllung der Aiizwaus steht ihnr höchstens, innerhalb der Schule oder in der Deffentlidjtdt zu, soweit sich diese . in der Familie vollzieht, ist es Angelegeubeit der Eltern, über die Pflichtersülluug des Kindes zu wachen; bis in den internen häuslichen Kreis kann sich die Aufsicht der Schule nicht erstrecken., Trr Schreiber aus Leipzig beanstandet, daß der Thoraunterricht bei uns ein Nebenfach sei. In unserer Schule haben die meisten Klassen fünf Vormittags- und. acht Nachmittagsstunden jüdischen Unterricht. Diese 13 Wochenstunden sind ein jämmerlich germgeS Matz, wenn man den Btatzstav deS 12 rwn .1W11 221' anlegi. Auch an hem Zeitaufwand gemessen, den die früheren Gmerationeir für den Thoraunterricht der Jugend machten, müssen wir uns der Vernachlässigung schämen, die darin zum Ausdruck koyuu t, daß der Profanunterricht in seiner Gesamtheit einen weitaus ^größeren Spielraum einniinmt. Aber solange der (Staat das Schulwesen gesetzlich regelt, dürstn wir uns als 2'2idrr betrach" n. Das weiß Ihr Herr Einsender ganz genau, und seine sittliche Entrüstung ist eitel Wichtigtuerei! Er weiß auch, daß Samson Raphael Hirsch und Ober-

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